Im Dunkelm gruseln

Als ich klein war lag ich nachts oft wach und hatte Angst vor Monstern, Einbrechern oder auch einfach vor dem Baum vor meinem Fenster. Geräusche der Wohnung schienen böse Dämonen zu sein, der Kühlschrank, das knacken des Holzes oder das schlendern der Katzen. Irgendwann gewöhnte ich mich dran eine Klangkarte in meinem Kopf wusste genau zu beurteilen was gefährlich war und was nicht. Als Teenager hatte ich irgendwann die Ehre alleine in der elterlichen Wohnung zu nächtigen doch von einer Nacht zur anderen, erschienen mir plötzlich das vertraute Gefilde völlig fremd. Ich fühlte mich nicht sicher so allein und obwohl ich alle Klänge kannte machte ich nachts mehrere Kontrollgänge und überprüfte das Schloss an der Haustür. Ein paar Jahre später zog ich aus, mein erstes eigenes Wohnklo (30qm inklusive Küche und Bad, Hochparterre).Obwohl alles so klein war, gruselte ich mich, so saß ich die ersten Nächte wachsam in meinem kleinen Zimmer und beobachtete genau ob Jemand durch meine Fenster einbrechen wollte. Irgendwann wurde mir dann klar das sogar wenn Jemand einbrechen könnte, es sicher lukrativere Stellen geben würde als die Wohnung einer 18jährigen voller Sperrmüll und Aldivorräten. Ich gewöhnte mich ein und schlief von nun an ruhig. Die nächste Wohnung war größer, viel größer, 50qm nannte ich mein eigen mit sehr hohen Decken und zu einer großen Straße hinaus. Der Nachtsound war überwältigend. Es war zu laut, mein Flur zu dunkel und lang und die Nachbarn nicht zu hören. Zwei Wochen konnte ich dort kaum schlafen, ich wurde immer wieder wach, von einem LKW, einem Licht oder einfach meiner inneren Unruhe. Danach schlief ich wie ein Stein, sogar auf lauten Parties, in sitzen, ich konnte überall schlafen. Die Wohnung hatte allerdings noch mehr Nachteile, Ofenheizung, Dusche in der Küche und das war das schlimmste ein Aussenklo. Abgesehen von meiner Faulheit, war das Problem ein Nachbar der nachts gern an seiner Tür lauerte und Geräusche und Pfiffe von sich gab, wenn ich in den Hausflur trat um zu meiner Toilette zu kommen. Ich zog aus in einen mir fremden und im schlechten Ruf stehenden Bezirk: Neukölln. Ich hatte bedenken, hatte Angst vor der Gegend und das nicht nur weil ich mir dort nicht auskannte. Das Angebot schien aber zu verlockend, und so zog ich in die vermeindlich Bronx in einen fast leer stehenden herunter gekommen Altbau. Die ersten Wochen waren schrecklich ich hatte Angst, das alte Holz, die Ruhe, die vielen Ausländer, die Größe der Wohnung und dieser gruselige Bezirk mit dem schlechten Ruf. Ich verriegelte meine Tür mehrmals und konnte erst schlafen als ein Hund zu Besuch war, der an meiner Tür wachte. Das ist jetzt Jahre her. Ich brauche keinen Hund mehr, laufe selbstbewusst durch meine Nachbarschaft und verstehe nicht warum Freunde/Bekannte Angst haben wenn sie mich besuchen wollen. Das Haus macht nachts immer noch seltsame Geräusche, abundzu höre ich Schreie in der Nacht, aber ich schlafe wie ein Baby.
Alles eine Frage der Gewöhnung. 🙂

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