Achtziger

Ich wusste es, irgendwann wird die Zeit kommen, in der Sachen modern werden, die ich schon gelebt habe. In meinem Fall sind es die Achtziger. Als die Siebziger modisch wieder kamen war ich hell auf begeistert, ich besorgte mir Schlaghosen, stickte Blümchen und kam mir wie die Allerschürfste vor. Da war ich so zwischen 16-21 Jahre jung und ich wäre lieber gestorben als uncool durch die Öffentlichkeit zu rennen. Neulich hatte ich Besuch aus Spanien und zum Abend waren wir am hippen Hackeschen Markt, – da wo alle Touristen und Schausteller sind. Mir war schon früher nicht entgangen, das die Achtziger modisch zurück sind. Hässliche Sonnenbrillen, die Tag und Nacht, bei jedem Wetter, getragen werden, Leggings, hautenge Jeans, Gestreiftes und Gepunktetes, Pink, große auffällige Ohrringe, Röhrenkleider aus T-Shirtstoff und große auffällige Gürtel als Taillenstütze bei den Mädels. Sieht furchtbar aus, nein irgendwie bringt es mich zum lachen, erinnert mich an alte Zeiten und mit einem Kichern halte ich nach Schulterpolstern und Fledermausärmeln ausschau. Tja das sehen die Mädels in Prenzlauerberg und Mitte aber ganz anders, sie finden ihr Outfit schön, nein mehr als das, es ist ein Geheimcode dafür hip und modisch zu sein. In anderen Bezirken von Berlin kleidet Frau sich dezenter und außerhalb von Berlin sowieso. Aber zurück zu meinem Besuch, wie es sich gehörte waren wir in einem ganz hippen Laden mit noch hipperen Leuten und nach dem das Ambiente für gut befunden wurde ließen wir unsere Blicke schweifen. Sie flüsterte mir in mein Ohr: „Du die Mädels da drüben die gehören doch sicher zur Show, oder?“ Ich schaute kurz zu den Mädels und meinte nur: „Nein“. „Aber schau dir mal an wie die angezogen sind, voll Achtziger, das ist doch sicher ein Kostüm?!“ Ich musste lachen: „Nein, das ist kein Kostüm, das meinen die voll ernst.“ Krass sagte sie. „Wie kann man nur so rumlaufen, sieht aus wie Karneval.“ „Willkommen in Berlin meine Süße, hier ticken die Uhren halt ein wenig anders.“ 🙂

Er verlässt mich

Er verlässt mich, es ist ab zu sehen, das wars, die vielen Jahre sind vorbei.
Dabei habe ich ihm viele Orte gezeigt, habe ihn auf Händen getragen und in meinem Bett übernachten lassen. Aber das hält ihn nicht auf, täglich verschwindet er ein Stück mehr, der Glanz ist schon lange gegangen, aber trotzdem funktioniert noch alles. Wir waren ein Team und ich dachte nie daran das du vergänglich bist. Jetzt bist du alt und krank, erst fiel der Monitor aus und jetzt verweigerst du großteils auch den externen Monitor. Ich war schockiert, wie kannst du mir das antun? Reichen dir 10 Jahre? Gestern saß ich wegen dir im Dunklem, heute reicht ein Wackler und du lässt mich wieder in der Dunkelheit zurück. Es war eine schöne Zeit, ich werde dich wohl gehen lassen müssen. 😦

Da wo die Scheiße lächelt

Da wo die Scheiße lächelt, da bin ich zu Hause. Ein Bezirk indem die Sonne so hell aufgeht, dass man geblendet in den Tag schaut und sein Glück hier zu sein kaum fassen kann. Hier trinken die Leute noch echtes Bier, in echter Bürgerkleidung und mit ungekämmten Haar. Tag und Nacht wird hier gesungen in einer geheimen Lall Sprache, die extra auf alle Nationalitäten vor Ort abgestimmt wurde. Hier spielen die Kinder noch auf der Straße und keiner will sie klauen. Auf der Straße beschäftigen sie sich phantasievoll mit den Dingen die sie auffinden: Autoalarmanlagen, leere Bierflaschen, rum liegende Männer und natürlich mit dem rein biologischen Spielzeug, das von den Tierhaltern der Region überall auf dem Bürgersteig hinterlassen wird. Auf diese braunen Häufchen gibt es zwar kein Ökosiegel, aber die Eltern haben es auch nicht verboten.
So kam ich in den Genuss vorgestern das erste mal einen lächelnden Scheißhaufen vor der Tür zu sehen. Die Kinder hatten mit gelben Murmeln einen Smilie fein säuberlich in die Scheiße trabiert. Wo sollte man sonst leben, wenn nicht hier in Neukölln, da wo die Scheiße lächelt. 😉

Waldmurmeltier

Ich bin ein Murmeltier, dachte ich gerade, als ich das zweite Mal wach wurde. Kalte Luft weht durch meine Wohnung, Dunkelheit, Wolken und Regen hinter den Gardinen. Habe tatsächlich über zehn Stunden geschlafen, das war nicht so geplant, als ich gegen sieben wach wurde lief der Fernseher noch und eine Kerze leuchtete befremdlich im Morgengrauen. murmeltier

Schläft ein Murmeltier eigentlich viel? Ist es nachtaktiv? Laut Wikipedia, nein: „Am Tage verlassen die Murmeltiere ihre Baue.“ Gut mache ich ja meist auch so, aber eigentlich bin ich lieber in meiner Fluchtröhre: „Murmeltiere bauen sehr ausgedehnte Gangsysteme, welche aus Fluchtröhren und separatem Dauerbau bestehen können. Oftmals ist es schwierig, diese zu unterscheiden, da nicht jeder Bau fertiggestellt und genutzt wird, sowie auch tote Gänge, die „Toiletten“ vorhanden sind.“ Klasse Definition, aber jetzt zu der Stelle die mir bestätigte, dass ich ein Waldmurmeltier sein muss: „Das Waldmurmeltier ist ein Einzelgänger, das seinen Bau gegen Artgenossen verteidigt.“ So ist es, ich muss lachen, alles meines hier, meine Fluchtröhre, meine Toilette und mein Gangsystem. Es gibt jedoch auch Anzeichen dass ich meinen Winterschlaf vorbereite: „Der Schlafkessel wird dafür mit weichem Gras ausgepolstert, in welchem sich die Tiere zusammenrollen. Für diese lange Ruhezeit fressen sie sich während der kurzen Sommermonate große Fettreserven an.“ Ach deswegen ernähre ich mich seit einer Woche nur noch von Eis und Fast Food, ich befolge einen Plan. Der Schlafkessel wurde auch schon vorbereitet, allerdings auch mit anliegender Tiefkühlröhre mit weiterem Eis, falls ich mal wach werde. Ich rolle mich dann mal wieder ein, jetzt weiß ich ja Bescheid: Ich bin ein Waldmurmeltier. 😉

Nicht müde

Ich bin nicht müde, ich tu nur so. Das ist alles Tarnung, die kleinen roten Augen und das ständige Gähnen sollen nur davon ablenken, das ich in Wirklichkeit top fit bin.
Gut das glaube ich mir selber nicht, aber es hat sich gelohnt. Gestern, ne eigentlich heute durfte ich wunderbarer Live-Musik lauschen und dabei auch noch ein bisschen rumschreien und hüpfen. Hat gut getan und bin froh dabei gewesen zu sein, – schlafen kann ich ja immer noch wenn ich tot bin. 😉

SSV

Es liegt was in der Luft, der Sommerschlussverkauf, genauer gesagt der Single Schlussverkauf. Da der Sommer ein Flop war, sieht man aktuell überall plötzlich sehr bemühte Singles. Der Herbst macht wohl Angst, dass man bis zum nächsten Nicht-Sonmmer alleine ausharren muss. So heißt es jetzt: „Gute Partner günstig abzugeben, greifen sie zu! Solche Kompromisse Rabatte gibt es nie wieder, sie können ein echtes Schnäppchen machen! Top Modelle sofort zu mitnehmen und lieb haben! Nur erhältlich im Aktionszeitraum bis Ende August. Lassen Sie sich dass nicht entgehen!“

Stars in schwarz/weiß

Wenn man am Alex zur U-Bahn läuft gibt es eine neue Touristen Attraktion: Stars in schwarz/weiß. Eigentlich ist die Fototapete die im Durchgang befestigt wurde eine Werbung von Converse. Zu sehen gibt es deutsche und internationale Stars, in Lebensgröße, in schwarz auf weißen Grund gedruckt. Die Berliner ignorieren sowas ja einfach oder nutzen die Chance um den Star mal die Meinung zu sagen, – so mit Edding mitten ins Gesicht oder an anderen interessanten Stellen. Aber die Touristen sind ganz verzückt und blockieren den schmalen Gang schon mal, um sich posend mit ihrem Star zusammen zu fotografieren. Süß, aber irgendwie auch verdammt uncool. 😉