Ich und die Frau

Von Geburt an wurde ich weiblich geboren. Interessierte nicht. Ich sollte Junge sein. Also war ich Junge. Sehr lange lies man mich wild und dreckig sein. Kinder scheren sich nicht um geschlechtliche Vorbestimmung. Wer mit spielen will und gut darin ist, der darf mit spielen. Leider hielt der Zustand nicht ewig, ab der zweiten Klasse gab es plötzlich ein Geschlechtsbewusstsein in meiner Grundschulklasse. Ich durfte nicht mehr mit den Jungen wild sein, ich sollte hübsch, süß und schweigsam sein. Das war nicht so meine Sache und überhaupt die Regeln der Mädchenfreundschaft waren mir ein Mysterium. Es folgten Jahre des Aussenseitertum.

Mein Körper wurde immer weiblicher und ich hasste ihn dafür. Ich versuchte es mit Bulimie, – das war leider keine Lösung. Die Hüfte wurde immer breiter und mit 16 bekam ich dann auch noch sichtbare Brüste. Die Brüste fand ich gut, den Rest weniger. Nach außen hin gab ich mich cool, doch innerlich schrie das Weibchen in mir immer lauter. Wenn ich nicht auspasste kaufte das Weibchen in mir Röcke und Kleider, am besten noch in Rosa oder anderen Pastellfarben. Die trug ich natürlich nie draußen, es sei denn ich war im Urlaub. Ich wurde zur geheimen Kleidträgerin.Es gab einen draußen und drinnen Bereich in meinem Kleiderschrank. Drinnen das Weib, draußen der Kerl. Viele Jahre gingen ins Land, bis ich es dank Ermutigungen im Blog mal im Sommer versuchte der Aussenwelt mit Rock zu begegnen. Letzen Sommer gewann das Weibchen durch die Hitze die Oberhand. Ich trug insgesamt mindestens eine Woche öffentlich Rock. Niemand schaute mich seltsam an, das Gegenteil war eher der Fall. Durch meinen jetzigen Job hat für mich wieder ein neuer Abschnitt meines Lebens begonnen, mein Bedürfnis nach Neuem wird immer größer. Am liebsten würde ich nackt shoppen gehen.

Letzte Woche habe ich sehr lange bei einem Online Versandhaus verbracht und mein Weibchen legte Stiefel und einen Rock in den Warenkorb. „Dann kannst du Röcke auch im Winter oder Herbst tragen“ sagte sie. Ich blieb stumm und konnte die Lieferung kaum erwarten. Heute ist meine Bestellung bekommen. GEIL! Ich zog die Stiefel an, den Rock und einen tief ausgeschnittenen Pullover. Gut schaust du aus, aber, aber sagte mein Männchen, du willst doch so nicht auf die Straße gehen? Die denken noch, dass du eine erwachsene Frau bist. „Bist du ja auch“, schreit das Weib und eine Hübsche dazu. Mir wurde mulmig und gleichzeitig strahlte ich vor mich hin. Mal sehen wer von den Beiden gewinnt, ich hoffe die Frau. 😉

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Freitagsgesichter

Der Freitag muss ein hässliches Wesen haben. Jeder der entschlossen ist diesen Tag zu seinen zu machen bezahlt das mit dem Verlust jeder Vitalität und Fröhlichkeit in den Gesichtszügen. Blass, verkniffen und angestrengt sehen die Freitagsgesichter aus. Die Blicke schweifen zum Wochenende, doch es lässt sich noch nicht blicken. Das Kräftezentrum piepst im Minutentakt, um auf die leeren Akkus hinzuweisen. Die Münder sind müde und gehen konform mit den Augen. Noch 8, 12, 16 Stunden dann ist es geschafft. Dann dürfen die Gesichter in Kissen versinken und die Gehirne dürfen Pause nehmen.

Montags ist dann alles vergessen und der Freitag und seine Gesichter scheinen wieder ein Ereignis zu sein, welches man auf keinen Fall verpassen möchte.

Gehirnfickerei

Ich lief hinter einem Rudel hinterher.
Hinter einem männlichem Jungrudel der menschlichen Art.
Einer von ihnen hörte mich näher kommen und drehte sich zu mir um.
Ich schaute böse und angestrengt.
Er sagte halb zu mir, halb zu seinen Kumpels:
Ach ihr Frauen, warum könnt ihr diese Gehirnfickerei nicht lassen?

Ich lief schweigend an ihnen vorbei und dachte:
Weil wir mehr Gehirn haben und sensibler sind.

Etwas später dachte ich, woher wusste er?
Er kannte mich nicht und wir haben kein Wort gewechselt.

Was wäre wenn?

Heute morgen stand ich am Mehringdamm und wartete auf meinen Anschlusszug.
Das kommt nicht oft vor, denn normalerweise wartet der Anschlusszug schon.
Plötzlich wurde es ruhig. Sehr ruhig.
Es kehrten kurze Minuten der Ruhe auf einem Bahnsteig ein, der sonst von den Bewegungen und Geräuschen der Menschen überflutet ist.
Alle standen da und schwiegen, nur wenig bewegten sich langsam.
Meine Musik tönte in meinen Ohren und plötzlich schien mir diese Ruhe unerträglich.
Ich drehte die Musik lauter, wippte mit dem Fuß.
Was wäre, wenn ich jetzt anfangen würde zu tanzen?

Ablaufoptimierung

Das muss besser werden, jeden Morgen gerade ich in Panik, weil ich wie immer spät dran bin. Ja Baby, wenn du die Haare waschen willst, musst du gleich nach dem Aufstehen duschen gehen! Sofort, kein Rumgelungere, nein nicht an den Rechner gehen und lesen, duschen! Vorher kannst du den Kaffee aufsetzen und den Rechner hoch fahren, aber mehr nicht. Wenn du dann fertig bist, dann kannst du deinen Kaffee trinken und dabei deine Internetrunde machen. Ach ja Anziehen musst du dich auch, überlege dir doch mal einen Tag früher was du anziehen willst, denn wenn du morgens vor dem Kleiderschrank stehst ist die Textilblindheit besonders groß, um nicht zu sagen du stehst vor einer Mission Unmöglich. Gut wieder spät, dran. Das üben wir noch. 😉