Müde Schwertkämpferin

Iiiaaahhhh! Dachte ich schon morgens, als in der stickigen U-Bahn saß. Eine Fußnägellackierte, mit FlipFlops und kurzen Kleidchen zu nassem Haar, schloss einfach das Fenster in der U-Bahn, welches mir Frischluft zu wedelte. Anschließend zog sie ihr nicht Kleid noch höher und schaute in ihr Buch, welches sie wie ein Tablett auf der Hand trug.

Mädel, wenn dir kalt ist, das war das falsche Fenster und wie wäre es denn mal mit anziehen? Wir sind in Berlin, nicht in der Karibik! Gedanklich holte ich mein Schwert heraus und vierteilte sie mehrfach. Ich mag kein asoziales Prinzessinnen-Verhalten. Wie kann man so unüberlegt und selbstbezogen sein?

Um mich herum schwitzten auch die anderen. Einatmen, ausatmen, nicht aufregen. Im Laufe des Tages zerlegte ich gedanklich noch viele, abends war ich dann bereit mein eigenes Kloster zu gründen. Mit der letzten Kraft legte ich das Fundament aus Backsteinen aus, setzte mich in seine Mitte und heulte mich in den Schlaf.

Die Schwertkämpferin ist müde, zu viele Verluste brachte die letzte Zeit. Die Angst noch mehr zu verlieren sitzt ihr im Nacken. Aber irgendeine Gesselschaft braucht ja auch eine Schwertkämpferin^^.

Krächzend in den Tag

Ich ahnte es, heute morgen blieb meine Stimme einfach im Bett liegen. Sie hat gestern Abend zu viel und laut gefeiert. Jetzt schweigt sie und schlummert vor sich hin. Ich bin leider wach, Arbeit wartet, Arbeit bei der ich zum Glück nicht ganz so viel reden muss, sondern mehr tippen. Es hat sich aber gelohnt und nicht nur für die Stimme, so ein Konzert ist halt wie ein Kurzurlaub mit kleinen Anfahrtsweg. Aber was tippe ich, die Uhr ruft, jetzt heißt es krächzend in den Tag! 🙂

Wasser, Marketing und Recycling

Das Wasser fließt! Obwohl heute Stichtag war, hat Niemand die Leitung zugedreht. Was für eine Erleichterung! Gut, da ich nicht weiß wieso, warum und weshalb könnte es auch sein, dass sie irgendwann demnächst abdrehen. Also werde ich jetzt viele weitere letzte Tage des Wassers haben. Das ist aber gar nicht so schlecht, weil ich alles wozu ich Wasser brauche sofort mache und nicht morgen. Selten war es so ordentlich hier.

Wenn sie das Wasser doch abdrehen, sollte ich mir das mit dem Marketing nochmal überlegen. Mir wurde schon mehrfach vorgeschlagen, ob ich nicht ins Marketing will. Habe ich erst als Beleidigung verstanden, so war es aber nicht gemeint. Während ich dachte die finden meine Texte nicht gut, dachte sich mein Gegenüber die Frau kann mehr und sollte was Anständiges machen. Ich finde Schreiben aber sehr anständig, auch wenn es weniger angesehen und schlechter bezahlt wird.

Angesehen wurde ich heute Morgen auch von einem kleinen dunklen Mann der in unserer Mülltonne wühlte. Er war auf der Suche nach meinen Tüten. Eine davon hatte er schon gefunden und wieder in den Hof gestellt. Die mit den Kabeln und dem Elektroschrott. War komisch, ich fühlte mich ertappt, er fühlte sich ertappt. Aber als der peinliche Moment vorbei war dachte ich gut so, so werden meine Schätze recycelt und Jemand anderes freut sich drüber. Außerdem ist das ja auch der Beweis, dass ich die Sachen nicht nur aus Messietum aufbewahrt hatte.

Ich klebe, der Tag war heiß und meine Birne war irgendwann ziemlich weich. Versuche dann mal früh schlafen zu gehen, denn morgen geht es zu Peter Fox! 🙂

PS: Wer nicht zum Konzert kann, sollte sich morgen Abend unbedingt den Film Elemetarteilchen um 23:35 auf HR3 ansehen.

Kein Messie

Nein ich bin kein Messie, nein diese Anlage habe ich nicht geerbt. Wirklich nicht. Davon war ich immer fest überzeugt. Seit gestern bin ich mir nicht mehr so sicher, ich glaube in meinem Blut schwimmt doch das Messie-Gen. Leugnen hilft nicht, Ausräumen hilft.

Weitere acht Säcke stehen jetzt zur Entsorgung bereit. Die Angst irgendwann ohne Steckdosenleiste aus den Achtzigern oder einer Grafikkarte aus den Neunzigern da zu stehen, schien groß zu sein. Was ich alles gehortet habe, ich verstehe mich selbst nicht mehr.

Wieso habe ich nicht früher mal einzelne Teile aussortiert? Was hat mich glauben lassen, dass ich den analogen Sat Receiver, der hier schon stand als ich einzog, irgendwann nochmal gebrauchen könnte? Klar, den wollte ich irgendwann mal bei Ebay verhökern. Aber irgendwann ist schon lange vorbei.

Der Staub der Vergangenheit klebt mir immer noch in der Nase, denn Staub gewischt hatte ich dort, in meinem Geheimlager, nie. Würde ja auch den Verkaufswert bei Ebay drücken. ^^Jetzt steht mir noch der schwerste Teil bevor, dass Wegbringen. Ich freue mich und drücke mich zu gleich davor.

Als Belohnung gibt es dann nachher noch ne Wohnungsbesichtigung, – drückt mir die Daumen. 😉

Ich rede mit dir!

Liebes Obergeschoss, – ich rede mit dir! Hör mir doch mal zu, wenn ich dir sage, dass ich nicht mehr kann. Ich habe dir Magenkrämpfe, Durchfall und schlaflose Nächte geschickt, aber du hörst einfach nicht. Ich brauche eine Pause, ich brauche Zuwendung, gutes Essen, Ruhe und ganz viel Schlaf.

Dann habe ich ich dir Halsschmerzen geschickt, keine Reaktion von deiner Seite, außer dass du endlich angemessen viel getrunken hast. Ich kann auch anders sagte ich dir und schickte dir die Schleimtruppe ins Obergeschoss hoch. Na spürst du mich endlich, wenn du nicht hören willst? Das mit dem Luft holen wird schwierig, was? Ach du hörst schlecht? Na, ja wer nicht hören will (…).

Ja lieber Körper ich habe verstanden, du hast die Schnauze voll und boykottierst jeden Plan vom Obergeschoss. Verstehe ich ja, aber das geht jetzt nicht, es geht doch um uns beide.

Du sagst es liebes Obergeschoss, es geht um uns beide. Wir sind ein Team, aber du hörst mir nicht zu. Ich weiß genau so gut was wichtig ist wie du und ich hoffe, dass nächste Mal hörst du früher auf mich.

Kaugummi

Frisch wie Minze fühlte ich mich noch am Morgen, als ich mit nassem Haar zur U-Bahn lief. Auf dem Weg dahin verlor ich schon etwas von meiner Frische, aber es reichte, um mein Ziel zu erreichen. Zum Mittag hin wurde es immer wärmer und ich begann die Spannkraft zu verlieren.

Eine Pause könnte helfen, dachte ich und ging schon leicht klebend zu einem Salat-Lieferant. Ab in den Park, eine blöde Idee. Beim Hinsetzen zerriss mir meine Hose, die Salatsoße landete auf der Brust und ich beneidete die schlafenden Trunkenbolde auf der Wiese. Ich will auch schlafen, ich will nach Hause. Wie soll ich so lädiert jetzt noch Stunden auf der Arbeit ausharren?

Zurück im Büro, sank ich in mich zusammen. Form waren, war die Hauptaufgabe und bloß nicht breitbeinig sitzen, – dann zerreißt die Hose vielleicht noch ganz. Der Ventilator blies mir ins Gesicht und das letzte Hirn aus meinem Oberhaupt. Klebrige Masse in Formwandlung. Wenigstens funktionierte noch die Bodenhaftung.

Ein matschiges, aggressives Etwas verließ um kurz nach Sieben das Büro, alles in Zeitlupe, kaugummiartige Minuten in der UBahn, die nicht enden wollten. Jetzt ist der Klumpen zu Hause, kraftlos, deformiert und eigentlich nur noch für die Entsorgung bereit.

Zelle ganz billig und furchtbar sicher

Das ist nur zu ihrer Sicherheit. Wer in Kreuzberg im Erdgeschoss wohnt braucht so was: Gitterstäbe vor dem Fenster! Es gibt zwar keine Dusche, aber für ihre Sicherheit ist gesorgt. Überlegen sie es sich, dieses Angebot ist einmalig.
Ich überlege ja schon, aber schaffe es nicht mir Eisenstangen vor dem Blick in den Hof schön zu reden. Das erinnert mich an was, was war das nochmal? Ach an die JVA, wohnt man da nicht kostenlos? Habt da mal jemanden besucht, der hatte null Kosten und sogar eine ebenfalls finanzierte Zweitwohnung in der großen Freiheit.
Werde zwar langsam panisch, aber ich glaube `nen JVA-Aufenthalt kann ich billiger haben. Mit Dusche und so. Werde mir noch weitere Wohnungen anschauen, vermute fast dass es vielleicht doch wieder Neukölln wird. 😦

Gut und Reis (nicht gut)

War ein guter Tag. Heute hatte ich fast alle irgendwie gern, nur nicht den Asiaten der mir vergammelten Reis in seinem Wok aufgewärmt und serviert hat. Ansonsten die Wespenfront ist dieses Jahr wirklich extrem stark und penetrant, – ich habe ihnen dann meinen Reis überlassen. 😉

Wenn du gehst, – tapfer sein kotzt!

Tapfer sein ist scheiße! Seit Wochen renne ich wie ich das Steh-auf-Männchen rum und versuche mir nichts anmerken zu lassen. Schlechtes zieht schließlich Schlechtes nach sich, deswegen habe ich versucht inkognito zu bleiben. Heute ist es wieder so weit, schon auf der Arbeit gab es in mir kleine emotionale Vulkanausbrüche, doch die hatte ich noch im Griff.

Auf dem Heimweg aber dann tönte in meinen Ohren ein schönes Lied und ich bekam nur noch schlecht Luft, Tränen schossen mir in die Augen, Verzweiflung machte sich breit und ich kämpfte mir den Tränen bis ich meine Wohnung betrat. Nur ein Träne ist gesprungen und hinterließ einen nassen Fleck auf meiner Brust. Warum, warum, warum das Alles gerade jetzt? Es gibt keine Antwort, also keine die mir Trost geben würde.

Ich fühle mich allein und weiß dass ich meine Trauer allein aushalten muss, um überhaupt noch Jemanden zum Reden zu haben. Eine Reise zum Mond wäre jetzt schön, sich in Luft auflösen. Solange bis es wieder gut ist. Schön wäre auch seine Probleme meistbietend im Netz zu versteigern, – ich würde sogar dafür bezahlen und mich danach bedanken. Tapfer sein kotzt!

If you´re gonna leave….

Das Maikäfer Lied

Habe gerade das 24ste Fenster meiner Wohnung geputzt, überall in den Rahmen: Marienkäfer. Die haben mit mir den Winter verbracht und der ein oder andere scheint noch nicht geschnallt zu haben, dass der Winter vorbei ist. Vorsichtig habe ich sie in die Sonne geschubst und sie weg fliegen sehen. Plötzlich kam mir das Maikäferlied in den Kopf und ich begann zu singen:

Maikäfer flieg!
Dein Vater ist im Krieg,
Deine Mutter ist im Pommernland,
Und Pommernland ist abgebrannt.
Maikäfer flieg!

Das ist ein Lied welches ich schon im Kindergarten gesungen habe. Im nach hinein denke ich, das war mein Kinderlied? HÄ? Was ist dass denn für eine Botschaft? Deine Mutter ist tot, dein Vater wahrscheinlich auch, aber flieg? Interessanterweise ist meine Textversion fast identisch mit der Version aus dem dritten Reich. Upps, da spüre ich doch fast das Mutterverdienstkreuz meiner Urgroßmutter. Na ja Fenster putzen konnte die auch und für meine ausländisch aussehende Mutter hat sie gekämpft wie eine Löwin.