Gut und Reis (nicht gut)

War ein guter Tag. Heute hatte ich fast alle irgendwie gern, nur nicht den Asiaten der mir vergammelten Reis in seinem Wok aufgewärmt und serviert hat. Ansonsten die Wespenfront ist dieses Jahr wirklich extrem stark und penetrant, – ich habe ihnen dann meinen Reis überlassen. 😉

Wenn du gehst, – tapfer sein kotzt!

Tapfer sein ist scheiße! Seit Wochen renne ich wie ich das Steh-auf-Männchen rum und versuche mir nichts anmerken zu lassen. Schlechtes zieht schließlich Schlechtes nach sich, deswegen habe ich versucht inkognito zu bleiben. Heute ist es wieder so weit, schon auf der Arbeit gab es in mir kleine emotionale Vulkanausbrüche, doch die hatte ich noch im Griff.

Auf dem Heimweg aber dann tönte in meinen Ohren ein schönes Lied und ich bekam nur noch schlecht Luft, Tränen schossen mir in die Augen, Verzweiflung machte sich breit und ich kämpfte mir den Tränen bis ich meine Wohnung betrat. Nur ein Träne ist gesprungen und hinterließ einen nassen Fleck auf meiner Brust. Warum, warum, warum das Alles gerade jetzt? Es gibt keine Antwort, also keine die mir Trost geben würde.

Ich fühle mich allein und weiß dass ich meine Trauer allein aushalten muss, um überhaupt noch Jemanden zum Reden zu haben. Eine Reise zum Mond wäre jetzt schön, sich in Luft auflösen. Solange bis es wieder gut ist. Schön wäre auch seine Probleme meistbietend im Netz zu versteigern, – ich würde sogar dafür bezahlen und mich danach bedanken. Tapfer sein kotzt!

If you´re gonna leave….

Das Maikäfer Lied

Habe gerade das 24ste Fenster meiner Wohnung geputzt, überall in den Rahmen: Marienkäfer. Die haben mit mir den Winter verbracht und der ein oder andere scheint noch nicht geschnallt zu haben, dass der Winter vorbei ist. Vorsichtig habe ich sie in die Sonne geschubst und sie weg fliegen sehen. Plötzlich kam mir das Maikäferlied in den Kopf und ich begann zu singen:

Maikäfer flieg!
Dein Vater ist im Krieg,
Deine Mutter ist im Pommernland,
Und Pommernland ist abgebrannt.
Maikäfer flieg!

Das ist ein Lied welches ich schon im Kindergarten gesungen habe. Im nach hinein denke ich, das war mein Kinderlied? HÄ? Was ist dass denn für eine Botschaft? Deine Mutter ist tot, dein Vater wahrscheinlich auch, aber flieg? Interessanterweise ist meine Textversion fast identisch mit der Version aus dem dritten Reich. Upps, da spüre ich doch fast das Mutterverdienstkreuz meiner Urgroßmutter. Na ja Fenster putzen konnte die auch und für meine ausländisch aussehende Mutter hat sie gekämpft wie eine Löwin.

Dreckslöcher gar nicht billig, dafür mit Provision

Eine neue Bescheidenheit macht sich in mir breit, denn ich bin mit schmalen Budget auf Wohnungssuche. Da bin ich schon bereit einen 100ter drauf zu legen und auf ein zweites Zimmer zu verzichten und trotzdem ist die Auswahl die sich mir bietet ziemlich miserabel.

Immobilienhaie stehen mir gegenüber und und zeigen mir furchtbar geschnittene Neubauwohnungen mit verschimmelten Bad, einer Gastherme die eigentlich ins 70er Jahre Museum gehört und erklären mir, dass mich das nur über einen 1000ter Kaution und Provision kostet, sie aber vorher meine Schuhgröße und ein ärztliches Attest wollen.

Könnt ja sein, dass ich morgen tot umfalle und somit ungeahnte Kosten auf sie zu kommen werden. Ne mal ehrlich, das habe ich alles schon: ein verschimmeltes Bad, eine Gastherme aus den 70ern, undichte, vergammelte Fenster, aber dafür mit viel Platz, weit oben und deutlich günstiger.

Wäre da nicht die Wasserproblematik. Verbessern werde ich mich mit einem Umzug wohl kaum, wie es aktuell scheint. Abgesehen davon, dass ich eventuelle Todesopfer des neuen Hauses nicht kannte. Werde mir nächste Woche weitere Dreckslöcher, die gar nicht billig sind, – aber dafür ohne Provison, anschauen und berichten. 😉

Getting an apartment and paper…..“sometimes in dumpster, sometimes on floor,“ sag ich doch ich heiße Oskar….

Aussortiert

Mit dem Tod im Rücken und einen Wohnungsumzug im Visier sortiert es sich leichter aus. Drei Säcke voller Textil habe ich heute weg getragen, fünf sind es mittlerweile insgesamt. Seltsam war mir dabei zu mute, denn all diese Stücke erinnern mich an die Vergangenheit. An Streit, an Liebe, an eine Figur die ich wohl nie wieder erleben werde. Es hat mich Kraft gekostet mich endlich zu trennen, nicht der Versuchung nach zu geben, zu halten was ich eh nicht mehr brauche.

Jetzt ist es weg, ich fühle mich erleichtert und ein wenig wehleidig. Aber das Wehleiden gehört nicht mehr zum Jetzt. Diese ganzen Dinge gehören nicht mehr ins Jetzt. Ich bin jetzt und ich bin frei. Ich weiß was ich habe und wo ich es finde.
Es ist so als hätte ich nicht nur 20 kg zum Roten Kreuz getragen, sondern gleichzeitig auch 20 kg abgenommen, – an Seelenlast.

Diese neue Freiheit mach ein wenig Angst, aber gleichzeitig hilft sie endlich wieder klar zu sehen wo ich stehe und wo es lang gehen soll. Sieht gar nicht so schlecht aus, jetzt so mit freier Sicht. Die Leere gehört mir und bietet Gestaltungsfreiraum, jetzt bleibt es spannend was ich daraus mache. 😉

Wasser, Wohnungen und Presslufthammer

Ich hatte es nicht erzählt, aber seit ein paar Monaten steht die Drohung der Berliner Wasserbetriebe in der Luft, – nein im Briefkasten -, dass das Wasser hier abgestellt wird. Der Vermieter hat einen mittlerweile fast 5-stelligen Betrag nicht bezahlt und die Zeit läuft. Also habe ich mir gestern eine Wohnung angeschaut, – ernüchternd. Die Wohnung war klein, zahlreiche Mitbewerber standen rum und als alle weg waren sagte mir Mrs. Immobilienhai, dass kurzfristig doch jemand von der Verwaltung Interesse angemeldet hätte.

Feine Sache, warum nehme ich mir dann früher frei und Hetze zum Besichtigungstermin? Zu Hause angekommen staunte ich am Briefkasten, – die Wohnung meines Nachbarns scheint schon neu vermietet zu sein, genau wie eine andere Wohnung im Zweiten. Ziemlich seltsam, nachdem allen bekannt ist, dass hier in zwei Wochen der Hahn abgedreht werden soll.

Aber zurück zum heutigen Morgen: Ist klar, dass wenn ich meinen Kaffee habe und mich gerade gemütlich an den Rechner setze, der Presslufthammer von unten anfängt ein Lied zu singen. Guten Morgen Nadine, du wohnst in einer exzellenten Wohngegend, jetzt hast du zwei Nachbarn mehr, die bald genau wie du auf den Trockenen sitzen werden. Es gibt ja nichts über geteiltes Leid.^^

Gestochen und bekrabbelt

Es ist Sommer in Berlin, das haben mir die letzten Nächte klar gemacht. Denn immer im Sommer habe ich nicht autorisierte Mitbewohner in meinem Schlafzimmer. Meistens sind sie klein, haben Flügel und summen sobald ich das Licht gelöscht habe.

Da gibt es die irren Nachtfalter und Fliegen, die dann wie besoffen, allerdings mit voller Energie, gegen Wände und Decken fliegen und die kleinen Blutsauger, die sich jedoch unauffällig verhalten bis ich vor mich hin schnorchel. Letzte Woche wurde ich nachts mehrfach wach, meine Füße juckten. Um genauer zu sagen meine Fußsohlen.

In Ermangelung anderer Angriffsflächen, wurden meine Fußsohlen zum Mitternachtssnack erklärt. Ein Juckreiz weckte mich in der Nacht. Ich rieb meine Füße an dem Gestell meines Bettes, doch es hörte nicht auf, auch nicht an den folgenden Tagen. So fühlt sich also der Sommer dachte ich, als ich Park saß und meine rot gepunkteten Arme anschaute.

Ein Käfer landete auf meinen Bein und lief mir entgegen, eine Schmeißfliege umkreiste mein Mittagessen. Ameisen hatten sich in meiner Socke verirrt. Wenn gestochen und bekrabbelt wird liebe Nadine, ja dann ist Sommer in Berlin.