Gechlorter Spürhund

Mein Antlitz der letzten Tage hatte den Charme eines Putzlappens, der zu lange im Chlor gelegen hat. So eine Ganzkörperdesinfektion geht halt nicht spurlos an einem vorbei. Aber ich bin nicht allein: Blasse Haut zu altem Rotz ist aktuell der letzte Schrei in Berlin.

Abgerundet wird dieses Erscheinungsbild nur noch durch einen passenden Mundschutz. Aber ich stehe zu meinen spröden Lippen, umrandet von geröteter Haut. Nur die Popel mussten aus dem Haar weichen.

Meine Nase hingegegen hat mit den Antiobiotika jedoch ihren Zaubertrank gefunden. Drei Straßen weiter isst Jemand ein Croissant? Ich führe euch hin. Vielleicht sollte ich mir Fell wachsen lassen, dann fallen die Rötungen im Gesicht auch nicht mehr so auf.

Zum Glück ist jetzt Wochenende, endlich Zeit mich nur selbst zu beschnüffeln und vielleicht noch eine Suppe zu köcheln. Nächste Woche muss ich fit sein, denn ich habe was vor, was weiß ich leider selber noch nicht. 😉

Ich will einen Lolly!

Gerade im Supermarkt bin ich einem jungen Geist unserer Gemeinde mit ganz klaren Vorstellungen begegnet: „Ich will einen Lolly!“ schrie er der Kassiererin entgegen, in den Supermarkt. Klare Ansage! Und jeder im Umkreis wusste genau was passieren wird, sollte er keinen Lolly bekommen. Er wird Stress machen, rumschreien und falls das nicht hilft auch noch heulen.

Recht hat er! Jeder sollte raus schreien dürfen was er gerade möchte und erwartet. Überlege kurz was ich dem Aldi gern entgegen schreien möchte. Meine Ansage wäre:

„Ich habe Rückenschmerzen und stehe unter Antibiotika und wünsche mir sofort einen Mann der mich und meine Einkäufe nach Hause trägt. Dann uns beide gut verstaut und mich anschließend ordentlich durchknetet. Alternativ fordere ich eine Frau die mir die Einkäufe trägt, mich beim Gehen stützt und zu Hause was Leckeres für mich kocht und mich in den Schlaf singt.“

Das mit der Alternative und der Erklärung ist jedoch schon zu erwachsen und damit unakzeptabel. Erpresser kennen keinen Plan B, erklären vorab nicht was sie berechtigt ihr Ziel zu erreichen und nehmen auch keine Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Mitmenschen. Halten wir es kürzer: ICH WILL EINEN LOLLY!

Luftballon Stars

Irgendwann geht es uns allen so, das einst prall gefühlte Antlitz fängt an in sich zusammen zufallen. Sieht dann ein wenig aus wie ein Luftballon der Luft verloren hat und deren Oberfläche sich kräuselt.

Dagegen kann man nichts machen, so ist der Lauf der Ding, aber braucht man einen Scheinwerfer dazu? Lieber Elton John, liebe Madonna, lieber Dave Graham, euch steht Scheinwerferlicht nicht mehr so.

Ja ich war ein Fan und auch ich erinnere mich gern an meine jungen Jahre zurück. Doch bei eurem Anblick weiß ich definitiv: Das ist sehr lange her! Die gefühlten 5 Jahre und tatsächlichen 10 Jahre sehen in eurem Gesicht aus wie 30 Jahre.

Vielleicht weil ihr damals schon älter wart, vielleicht liegt es aber auch an den Scheinwerfern und eurer Weigerung ein annähernd altersgemäßes Outfit und Verhalten zu wählen. Wo ist eure Würde, euer Selbstbewusstsein?

Ihr seid immer noch klasse Musiker und furchtbar interessante Persönlichkeiten. Darauf solltet ihr euch verlassen und nicht versuchen wie ein dummer Teenie mit Sexappeal zu punkten, weil ihr sonst nichts auf dem Kasten habt.

Euer Kasten ist voll, also macht euch keine Gedanken um die Nachfrage. Ihr habt ein einzigartiges Angebot. Bitte zieht es nicht in den Dreck durch eine unpassende Verpackung. Das Tolle an alten Luftballons ist nämlich: Sie gehen nicht so schnell kaputt wie die prall Gefüllten.

Versucht erst gar nicht so zu sein wie die jüngere Generation, denn ihr seid viel mehr als Luftballon Stars.

Popel im Haar

Ob du wirklich krank bist oder nicht siehst du wenn das Licht angeht siehst du nicht wenn das Licht angeht. Nein ich sehe aktuell noch wenig, aber immerhin mehr als ich riechen kann.

Eine Nebelwolke umhüllt meinen Kopf und ich friere. Verständlich wenn man dann nicht alles mitbekommt. Zum Beispiel den neuen Haarschmuck den ich trug. Habe die Tage irgendwann meinen Kopf berührt und war irritiert. Was ist das?

Ob du wirklich krank bist oder nicht siehst du nicht, aber ein Indiz sind Popel im Haar.

Auszeit

Mein Körper hat sich die Auszeit geholt nach der meine Seele schon seit Wochen schreit. Bin krank. Gestern 15 Stunden geschlafen und ich könnte weiter machen. Urlaub nehmen wäre vielleicht besser gewesen. Jetzt darf ich meine freie Zeit mit Kopfschmerzen, Halsschmerzen und ner Menge Rotze teilen. Huhn habe ich übrigens gegessen, aber das ist ja zum Glück kein Indiz auf Hühnergrippe, da warte ich jetzt lieber auf das Urteil meiner Ärztin.

Taub ohne Kopfhörer

Der Tag begann schon mal klasse, die Hausfrau in mir wollte nur noch mal kurz durch die Badewanne spülen bevor sie das Haus verlässt. Doof, wenn man dabei vergessen hat das der Wasserlauf auf Oben steht und frau eine unfreiwillige zweite Dusche mit Bekleidung erhält.

Durchnässt und etwas verwirrt zur Arbeit los gerannt, da war doch was, da war doch was…genau meine Kopfhörer! Zu spät! Jetzt deswegen zurück laufen ist zeitlich einfach nicht mehr drin. Du wirst doch mal einen Tag ohne Musik aushalten.

Die U-Bahn-Fahrt ohne Musik war schon mal etwas öde, aber noch war die Welt in Ordnung. Auf Arbeit angekommen wurde die Sehnsucht nach meinen Ohrstöpsel schon etwas größer. Mir fehlte meine musikalische Kopfmassage für stressige Situationen. Aber noch ging es.

Mittagspause, völlig durch den Wind. Wind, ja Wind gab es reichlich, der leider ungebremst auf mein Trommelfell einblies. Wo sind meine Kopfhörer?!!! Etwas später wurde es immer lauter auf Arbeit, ich merkte wie mein Gehörgang anfing seinen Dienst zu verweigern.

Mir wurde heiß, dann wollte ich kotzen und definitiv auch den Dienst verweigern. Aber da war noch Arbeit und Stimmen die sprachen, aber deren Worte ich nicht mehr verstehen konnte. Konzentration: Fehlanzeige. Ich muss weg an einen Ort wo keiner spricht oder irgendwas von mir will. Dahin wo meine Kopfhörer sind.

Mein Kollege hatte Erbarmen. Auf dem Heimweg, kein Bock zu Rauchen, kein gutes Zeichen. Vieleicht liegt es an meiner latenten Mittelohrentzündung, vielleicht am Stress, vielleicht auch am Orkan der auf Berlin zu weht oder an den fehlenden Kopfhörern.

Kopfhörer sind halt Unterhaltung in langweiligen bis unangenehmen Situationen, wie U-Bahn fahren. Nervenmassage für zwischendurch. Lärmschutz und damit Nervenschutz. Und nicht zu vergessen ein Windschutz für die Ohren. Ich bin ohne Kopfhörer auf jeden Fall taub.

Begraben und geteert

Vor einer Woche haben sie mich das erste Mal dran erinnert. Die Bauarbeiter vor meinem Haus schütteten das Loch vor unserem Haus zu und fuhren Stunden mit einem Plättgerät über die frisch aufgeschüttete Erde.

Jetzt ist er wirklich tot dachte ich. Dort wo er lag wurde Erde aufgeschüttet und ordentlich befestigt. Sein Grab ist jezt wieder ebenerdig, aber noch erinnerte ein Bauzaun an die Stelle mit dem See.

Als ich gestern nach Haus kam, gab es keinen Bauzaun mehr. Die Stelle war geteert worden und nicht viel später stand ein parkendes Auto an dieser Stelle. Weg, weg das Andenken. Weg sind die Koordinaten für seinen letzten Ruheort in Neukölln.

Als es bereits dunkel war stand ich allein am Fenster und schaute herunter. Nichts, nichts, ich brauche auch nicht mehr Ausschau nach Licht in seiner Wohnung halten. Er ist nicht da, er wird nie wieder da sein.

Nein du brauchst auch nicht auf seinen Balkon zu lucken. Er wird dir nie wieder begegnen. Du brauchst dich nicht mehr verstecken. Dich fragen ob du gut aussahst als du ihm doch begegnet bist.

At least it was….
I thought I saw you on the train
I hid behind some men
I’d never seen you look so good
I’m glad you’re doing well

I went out for a walk today
To think of things unsaid
Of course I found I’d said too much
So I laid all that to rest

And when the day falls
I guess it was love
And when the day falls
At least it was

You thought of the name to call me
I guess that’s how it goes
I know a few with the same name
Yes, I’m sad I’m one of those

Ungraceful as I am in loving
In leaving I’m the same
It’s way too late to say I’m sorry
But I’ll say it anyway

And when the day falls
I guess it was love
And when the day falls
At least it was

Dum dum dum dum

Fähnchen im Wind

Eigentlich mag ich Fähnchen im Wind. Sie sehen hübsch aus und praktisch sind sie auch: Sieht man sie, weiß man immer woher der Wind gerade bläst. Wären sie nur nicht so unselbstständig diese Fähnchen.

Kaum dreht der Wind, ändert das Fähnchen auch seine Richtung. Fähnchen haben halt keine eigene Richtung. Sie sind Marionetten ohne Willen und Meinung. Da verbirgt sich nichts hinter dem herrlichen Flattern.

In Freiheit zu flattern ist das Ergebnis einer Unfreiheit auf der anderen Seite. Von nun an beneide ich sie nicht mehr, die freien unfreien Fahnen. Ich bin zwar nicht der Wind, aber zumindestens eine Sonnenblume mit eigener Richtung, – immer der Sonne nach.

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Frei wie der Wind

Menstruierende Brötchen

Die letzten Tage waren eine emotionale Talfahrt. Eine „Fuck-you-all-Stimmung“ beherrschte mein Denken und die typisch weibliche Gefälligkeit verkroch sich ganz schnell. Mein Körper schmerzte, meine Nase tropfte und irgendwie schienen mir alle auf den Füßen rum zutreten. Bin ich gereizt oder ist das immer so? Beides, kam die Antwort aus dem Hinterkopf.

Einatmen, ausatmen, jetzt bloss keine Diskussion anfangen. Aber die Diskussion kam zu mir. Pech gehabt liebe Diskussion, falsche Frau, falscher Tag, falscher Hormonspiegel. Die Trauernden um das Ei des Monats mutierten im Sekunden zu einer Armee, die gar nicht kuschelig drauf war. Das Weibchen in mir zog sich staunend zurück und lies sie machen. Gute Entscheidung.

Heute morgen dann früher aufgestanden, um Frühstück für die Firma zu organisieren. Man hat ja nur einmal im Jahr Geburtstag. Der Brötchen-Mann schaute erstaunt als ich meinte das zwei Schrippen nicht genug für mich sind. Warten sie 10 min, dann backe ich ihnen welche. Aus 10 min wurden fast 20 min und ich betrat mit heiß dampfenden Brötchen im Rücken die überfüllte U-Bahn. Endlich ein U-Bahn füllender Geruch der zum Morgen passt.

Viel zu spät doch noch ein Frühstück für ein paar dutzend Leute auf Arbeit hin bekommen. Ich glaube es hat gefallen, komischweise hatte ich Angst, dass es nicht angenommen wird. Dem war aber nicht so und kurz darauf meldet sich die Hormonfront. Achso, alles klar das erklärt Vieles, dann mal schnell noch ein Brötchen essen und Sargeinlagen besorgen.

So viel zu meiner Woche, soll mal keiner sagen das 2009 ein uninteressantes Jahr war.

Mein großes Maul

Mein großes Maul war schon in der Schule ein Problem. Es gibt Leute die sich dadurch angegriffen fühlen, damals Lehrerer. Besonders wenn man am Anfang der Stunde eine Frage stellt die eigentlich erst am Ende der Stunde gefragt werden sollte, hatte ich einen neuen Nicht-Freund gefunden.

Doch auch wenn ich es schaffe den Mund geschlossen zu halten, mein Körper spricht weiter. Da kann ich nichts machen, was ich denke, das denke ich. Und leider will ich es auch immer mitteilen, am besten gestern.

Viele gekränkte Männerherzen habe ich von dannen ziehen sehen, weil mein Mund sich nicht beherrschen konnte. Mein Mund ist mein Bodyguard und schlägt manchmal auch nur aus Vorsicht eventuellen Gefahren ins Gesicht. Öfter auch mal ohne Rücksprache mit dem Herz. Ob ich ihn je in den Griff bekommen, meinen Mund? Möchte ich das überhaupt?