Kleinigkeiten machen ein zu Hause

Seit Tagen trage ich Kleinigkeiten in mein neues Domizil und habe sie am Ziel immer brav in der Wohnung verteilt. Erst fand ich das unbefriedigend, es ging mir nicht schnell genug und diese Unordnung vor Ort beunruhigte.

Mittlerweile stehen fast überall Kleinigkeiten von mir und langsam fühlt es sich nach zu Hause an. Das funktioniert auch umgekehrt, hier wo die Kleinigkeiten jetzt fehlen schleicht sich ein Gefühl der Fremde ein.

Wo ist mein Mehltopf, meine Lampe, mein Kuscheltier und mein Kerzenständer? Zu Hause ist die Antwort und zu Hause ist bald nicht mehr hier. Es sind doch die Kleinigkeiten die ein zu Hause ausmachen. 🙂

Premieren-Orden

Mein Umzug bringt Nadine-Premieren in Serie. Heute habe ich das erste Mal in meinem Leben einen Wagen angemietet und bezahlt.

Als ich bei der Autovermietung mit dem Papierkram fertig war, war ich ziemlich stolz auf mich und hatte die Erwartung jemand würde mir einen Orden überreichen, war aber nicht so.

„Tschüß“ sagte die Dame am Schalter. Na gut, dann gehe ich jetzt nach Hause und zeichne mir einen Premieren-Orden und hefte ihn mir selbst auf die Brust.

Autsch! 500 Miles

Mir tut alles weh, mein Körper rebelliert vom vielen Tragen und Laufen. SOS funken mir meine Muskeln und Gelenke, du bist eine Büropupserin, keine Sportlerin. Ich wollte nicht hören und bekomme es jetzt zu spüren.

Erschreckend wie so ein Körper abbauen kann, im letzten Jahr bin ich zu einer Weichschnecke mutiert: keine Gelenke, keine Muskeln und jede körperliche Bewegung, – bitte nur ganz langsam. Glaubt mir kein Arsch, dass ich mal Leistungssportlerin war. Besonders mein Arsch kann sich an nichts erinnern.

Heute gibt es deswegen ein weniger anspruchsvolles Programm: nur rum rennen, organisieren, quatschen und wenig tragen. Und wenn ich mal wieder denke ich kann nicht mehr, dann schnell die Kopfhörer auf und mitgesungen: „I would walk 500 Miles….“

http://www.dailymotion.com/swf/video/x1i0lw
The Proclaimers – I Would Walk 500 Miles
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Nicht von hier

Gestern traf ich mich mit zwei Unbekannten, um meinen Schaukelstuhl zu verkaufen. An Selbstabholer stand in meinem Angebot, die Idee zwei Fremde allein in meiner Wohnung zu empfangen, behagte mir aber dann doch nicht. Also bot ich an sich am S-Bhf. zu treffen.

Gesagt getan, also stand Nadine mit einem Schaukelstuhl im Arm vor dem S-Bhf. und hoffte schwer, dass es sich die Käufer nicht anders überlegt haben oder zu spät kommen. Dem war zum Glück nicht so, zwei Menschen winkten mir entgegen und wir fingen an zu quatschen.

Über Schaukelstühle, über das Auktionshaus und Glück oder Unglück. Dann ging es ans Bezahlen und die Frau vom Paar wurde plötzlich ganz unsicher. Ob wir das nicht lieber hinten auf dem Parkplatz machen wollen? Warum?, war meine Antwort.

Ist das nicht zu gefährlich hier? fragte sie. Gefährlich? Hä? Ich musste lachen, so schlimm ist es in Neukölln auch wieder nicht, da müssten sie schon mit hundert Euro Scheinen winken, damit es vielleicht gefährlich wird.

Sie wickelte die Scheine mehrfach und übergab sie mir unauffällig wie ein Drogendealer. Sie war wohl doch der Meinung, dass Jemand sie wegen 30 Euro in Neukölln überfallen könnte. Ich verabschiedete mich und ließ die Angsthasen im wilden Neukölln allein zurück. Ganz klar, die sind nicht von hier gewesen.

Verkauft

Stück für Stück lichten sich die Reihen. So eben habe ich meinen Schaukelstuhl verkauft und weitere Pakete stehen zur Versendung bereit. Komische Sache. Verkauft.

Daschlagen

Es ist geschafft! Also der erste Teil, habe heute die Schlüssel bekommen und erstmal das Klo geputzt. Gut, ich weiß ein sehr romantischer Neuanfang, aber wat mut dat mut. Bin daschlagen! Seit sieben renne ich durch den Tag und habe getragen und geputzt.

Komische Sache. Gestern Abend kam die Wehmut hoch, dachte die kommt gar nicht mehr, aber plötzlich war sie da. Meine Wohnung, meine Aussicht, meine Wege, mein Aldi, mein Dürüm Laden, – alles weg, schon sehr bald. Fast zwölf Jahre Leben, einfach aussortiert. Ich bekam Schiss.

Heute Morgen durch den Wind und trotzdem viel zu früh am Treffpunkt gewesen. Eine Stunde Übergabe, war die Wohnung vorher auch so klein? Nein Nadine die ist nicht klein, du hast nachgemessen, sie ist sogar größer als im Vertrag steht.

Wo bleibt der Endorphine-Stoß, hat die Angst ihn gefressen?
Das wird schon, wusste ich als ich nach ein paar Stunden die Wohnung verließ und sie gar nicht verlassen wollte. Ich wollte bleiben, eine gute Vorrausetzung, aber für den Moment bin ich daschlagen.

23 Stunden

Nur noch 23 Stunden, dann habe ich endlich die Schlüssel zu meinem neuen Prinzessinnen Schloß. Hier lichten sich langsam die Reihen, ich weiß wo hier was liegt und warum. Ein seltsamer Zustand. So ungewohnt aufgeräumt und ordentlich.

Die Sonne scheint bei, mittlerweile wieder als kühl empfundenen, Außentemperaturen im Plus-Bereich. Die Kinder innerhalb und außerhalb des Hauses schreien und meine Vögel versuchen das Geschrei zu überzwitschern.

Bald ist es so weit, der Frühling, die Zeitumstellung, die Ortsumstellung. Ich komme und bereue das erste Mal nach langer Zeit, dass ich kein Auto habe. Das würde Vieles leichter und schneller machen. So werde ich die nächsten Tage wohl für viel Belustigung und ich hoffe auch Helferwahn in der S-Bahn sorgen.

Nur noch 22 Stunden und 55 Minuten….

Theres nothing on the TV nothing on the radio (…)

Wie fühlt man sich als Urlauberin? Unruhig. Noch habe ich nicht verstanden, dass die Zeit mir gehört. Soll ich nicht kurz mal schauen? Nein, auch wenn der Kontrollwahn nur einen Klick entfernt ist. Scheiße wenn man im Online Geschäft tätig ist.

Was macht man so, wenn man frei hat? Außer CDs entsorgen? Seinen Blog füllen? Eine Maßnahme. Daten sortieren, – ach ja. Zu Aldi gehen? Da war ich gestern schon und vorgestern bei Lidl. Die Naherholungsziele sind also ausgeschöpft. ^^

Sich über die Nachbarn ärgern, Möbel rücken im Kopf? Einen Pickel züchten? Naßen Po im Park kriegen? Ja! Müll runter tragen, oh ja, täglich. Ebay Auktionen, Amazon, hm, Zahlungen abwarten. Warum ist noch nicht Freitag? Theres nothing on the TV nothing on the radio (…)

Sicher ist sicher

Sicher ist sicher dachte ich mir wohl die letzten Jahre und habe Backup-CDs und -DVDs gehortet also würde der Weltfrieden von meinen persönlichen Daten abhängen. Knapp 200 Stück sind es geworden, mittlerweile ein Relikt aus anderen Zeiten.

Da ich dieses ganze Sicherheit aber nicht mit in mein neues Leben nehmen möchte, geschweige denn tragen, heißt es jetzt aussortieren und was wirklich den Weltfrieden bedeuten könnte, auf Festplatte zu sichern.

Ich glaube mittlerweile, dass ich mit den meisten Kram nur unsere Mülltonne retten kann. Retten vor Vereinsamung und fehlender Abwechselung in der Befüllung. Schon komisch wie schnell die Technik die Sichtweise ändert, VHS-Kassetten habe ich auch kaum noch eine. Kennt ihr eine sichere Art CDs/DVDs unlesbar zu machen? Sicher ist schließlich sicher.

Trennungsgespräche

Es ist Schluß teilte ich ihr per Internet mit. Gut, antwortete sie, aber rufe mich vorher nochmal an, ich übernehme auch die Telefonkosten.

Eigentlich wollte ich sie nicht mehr anrufen, aber sie teilte mir schriftlich mit, dass sie den Schluß erst akzeptiert wenn ich sie angerufen habe.

Jetzt hat sie mich weich gequatscht, die Blondine, fünf Jahre kann man doch nicht so einfach wegwerfen und wenn du bleibst schenke ich dir Hardware, mehr Bandbreite, die Umstellungsgebühr und weitere 200 Euro.

Außerdem werde ich pünktlich für dich bereit stehen, du wirst keinen Tag ohne Intenet sein. Wie kann man solchen Offerten widerstehen? Ein erfolgreiches Trennungsgespäch, auch wenn das Ergebnis nicht die Trennung ist.