Die Kümmerin war gestern

Immer kümmerte sie sich um andere.
Das war schon immer so.
Sogar in der eigenen Familie war sie die Kümmerin.
Nur wenn sie sich kümmerte bekam sie Aufmerksamkeit.
Nur wenn sie sich kümmerte, konnte so was wie Nähe und Liebe gelebt werden.

Irgendwann zog sie aus die Kümmerin, mit dem festen Vorsatz sich von nun an nur noch um sich selbst zu kümmern.
Das klappte jedoch nur mäßig, denn sie wusste zwar wie man sich kümmert, aber nicht um sich selbst. Jemand anderes durfte sich aber auch nicht um sie kümmern.

Da sie beim „Sich um sich selbst kümmern“ mehrfach scheiterte, suchte sie sich schnell eine Ersatzfamilie in Freunden, um die sich kümmern konnte. So fühlte sie sich wohler, was ist eine Kümmerin schon ohne Kümmer-Objekte?

Die Jahre gingen ins Land und sie kümmerte sich um alles was ihr ins Visier kam, solange bis sie eines Tages daran zusammenbrach. Monate der Hilflosigkeit folgten, wie sie es hasste so zu sein, wie sie es hasste gescheitert zu sein. Und trotzdem durfte Niemand helfen, das kam ihr unnatürlich vor, das verbat ihr der Stolz.

So trug sie die Last auf ihren Schultern, ärgerte sich über die Undankbarkeit der anderen und über ihre immer größer werdenden Forderungen an sie. Sie war eine Rabenmutter und hatte sich verwöhnte Kinder herangezogen, die sie aussaugten.

Doch irgendwann kam der Moment wo sie erkannte: Sie ist nicht die Mutter dieser Menschen, nicht die Mutter ihrer Familie. Nein sie konnte sich unmöglich um all diese Menschen kümmern, erst recht nicht wenn sich niemand in der gleichen Art um sie kümmerte.

So begann sie schrittweise sich wieder um sich selbst zu kümmern und die Kinder schreien zu lassen. Ihr letztes Geschenk an sie war die Selbstständigkeit, und ihr erstes Geschenk an sich selber war die Freiheit sich selbst an erster Stelle zu sehen.
Die Kümmerin war gestern.

Fremdkörper Energie

Langsam und immer öfter, fühle ich mich nicht mehr als Fremdkörper unter anderen Menschen. Die haben sich das auch nicht ausgesucht, da kam jemand mit dem Geschenk des Lebens und man war einfach zu höflich um den Schenkenden zu sagen, dass er/sie sich sein Geschenk mal wohin stecken kann.

Also laufen wir alle beschenkt durch diese Welt und versuchen irgendwie damit klar zu kommen und das Beste draus zu machen. Mein Geschenk fiel im Bereich Lebensenergie besonders großzügig aus, warum auch immer. Vielleicht dachte sich irgendwer: Oh schaue dir diesen Lebenslauf an, das wird hart für die Kleine, da packen wir mal ein bisschen Energie mehr drauf.

Dumm nur dass meine Energie jahrelang eher gegen als für mich war. Man stelle sich das so vor: Man gibt einer 3 jährigen eine Maschinenpistole und wundert sich dann, dass sie sich damit fast selbst umbringt. Zum Glück bin ich nicht mehr drei, trotz Maschinenpistole auf den Schultern, bin ich verdammt alt geworden.

Älter, wissend und groß genug um mit meiner Maschinenpistole umzugehen, erkenne ich endlich, dass mir die Waffe nicht gegeben wurde um mich selbst zu verletzen. Das übernehmen schon die anderen. Doch zum Schutz wurde mir eine Maschinenpistole gegeben und meine Fremdkörper Energie. 😉

„Bizarre Love Triangle“

Every time I think of you
I feel shot right through with a bolt of blue
It’s no problem of mine
But it’s a problem I find
Living a life that I can’t leave behind

But there’s no sense in telling me
The wisdom of the fool won’t set you free
But that’s the way that it goes
And it’s what nobody knows

well every day my confusion grows

Every time I see you falling
I get down on my knees and pray
I’m waiting for that final moment
You say the words that I can’t say

I feel fine and I feel good
I’m feeling like I never should

Whenever I get this way
I just don’t know what to say
Why can’t we be ourselves like we were yesterday
I’m not sure what this could mean
I don’t think you’re what you seem
I do admit to myself
That if I hurt someone else
Then I’ll never see just what we’re meant to be

Every time I see you falling
I get down on my knees and pray
I’m waiting for that final moment
You say the words that I can’t say

via

Deine Sicht

Bin in Veränderung, bin beim Aufarbeiten, doch die Worte formen auch im dritten Anlauf keine schöne Geschichte.

Also nur ein Video das für mich spricht, in gerade noch annehmbarer Qualität, weil der Zensus wieder alle Originale gesperrt hat:

What could you possibly see in me?
Is it my soul hung out to dry?
I think my disfunctional family
Has shaped it throughout my life

What could you possibly like in me?
Do you like my ability to bend?
I think my fear of intimacy
Has shaped the time we spend

No it’s not you it’s me
And it’s not us it’s them
it’s not her
It’s the way she moves you
But she kisses harder than me
She kisses harder than me

and I always looked in through your glasses
But all I could see
Is the specture of me reflected
The empty shell of me
The empty shell of me

What could you possibly love in me?
Is it the way I wear my smile
It hangs from the tip of my tongue, you see
Oh this might take a while…

And it’s not you it’s me
And it’s not us it’s them
Sure it’s not her
It’s just the way she moves you
But she kisses harder than me
She kisses harder than me…

and I always looked into your glasses
But all I could see
Is the specture of me reflected
The empty shell of me
The empty shell of me

… … … …

and I always looked into your glasses
But all I could see
Is the specture of me reflected
The empty shell of me
and I tried to look in through your glasses
But all I could see
Is the specture of me reflected
The empty shell of me
The empty shell of me
via

Florians Fingernägel

Es war mein erstes Jahr in Berlin. Ich war auf eigenen Wunsch bei einem grausigen alt-lateinischen Gymnasium in Dahlem angemeldet worden.

Dort traf ich Florian. Florian war der Klassenarsch, er stand in der Rangordnung noch unter der Sektentochter, die nie Hosen tragen durfte. Erst stand ich in der Sozialhierarchie über Florian, aber nachdem ich die Diva der Klasse dadurch verletzt hatte, dass ich mit ihrem Schwarm Blues getanzt hatte, war ich auf einer Höhe mit Florian.

Von da an saß ich in der letzten Reihe mit Florian. Das war nicht lustig. Nicht nur dass man wenig vom Unterricht mitbekam, Florian war keine Augenweide, nicht sehr gesprächig und kaute ständig an seinen Fingernägel.

Er lies seine Fingernägel nie länger als 3 Minuten in Ruhe, immer wieder kaute er bis das Nagelbett sich leerte. Das machte mich irre. Es lenkte mich ständig ab und sah einfach unappetitlich aus. Aber sein Appetit auf Fingernägel lies nicht nach.

Nach ein paar Woche mit ihm in der letzten Reihe, begann ich aus Empathie oder aus welchen Grund auch immer, auch mit dem Fingernägelkauen. Es war von da an fast wie ein kleiner Wettbewerb in der letzten Reihe. Doch er gewann immer und ich brauchte Jahre um mein Fingernägelkauen wieder in den Griff zu kriegen.

Heute saß in der S-Bahn noch so ein Florian vor mir, er kaute und kaute und pullte sich danach die Fingernagelreste aus den Zähnen. Es war schrecklich das zu sehen, nicht wegen dem Ekel, nein es tat mir weh. Ich versuchte mir die Augen zu zu halten, denn immer wenn ich es sah, lief mir ein Schauer über den Rücken.

Er bemerkte irgendwann meine Reaktion und konnte sich für fast 2 Minuten beherrschen. Danke dachte ich, warum musst du dich selbst aufessen? Möchtest du nicht lieber Schokolade haben? Doch bevor ich den Mund öffnen konnte wanderte seine Hand wieder zum Mund, um auch den Restnagel aus dem Nagelbett zu erwischen.

S-Bahnstationen später: Endlich aussteigen, ich muss mir das nicht mehr anschauen, ich muss nicht mitmachen und wen es interessiert: Florians Fingernägel laufen jetzt an der Friedrichstraße rum, an einen zugedröhnten, scheinbar obdachlosen Mann.

Magie halt.

Ich könnte ein wenig Magie gebrauchen.
Magie, die Fensterscheiben nicht mit Wasser beschlagen lässt.
Magie, die dafür sorgt dass mich Niemand zu früh am Sonntag weckt.
Magie, die mir ermöglicht meine Vögel in der Lautstärke zu dämmen.

Magie, die meine Wohnung putzt.
Magie, die kalte Füße verhindert.
Magie, die mir Geduld und Ruhe schenkt.
Magie, die mir Zuversicht schenkt.
Magie, die bei mir schläft.
Magie halt.

http://www.dailymotion.com/swf/video/x5ctt2
Grover Washington Jr.-Mister magic von bossarock

Zeitumstellung

War heute schon die Zeitumstellung? Ich könnte eine Stunde länger schlafen gut gebrauchen! Im Zweifel, trotzdem aufgestanden. Nachgeschaut. Nein, leider nicht. Es ist erst am 30. Oktober 2011 so weit. Mist. Dann bin ich spät dran. Wie sooft die letzten Tage. Der Winter ist grausam, aber nicht grausamer als die Zeitumstellung.

http://www.dailymotion.com/swf/video/xcw19a
Madonna – Hung Up von Warner-Music

Venedig in Berlin

Wer schon immer mal von Tauben umzingelt und besetzt sein wollte, für den gibt es eine gute Nachricht: Ihr braucht nicht nach Venedig zum Markusplatz reisen! Das gibt es auch in Berlin!

Der Platz nennt sich Dorothea-Schlegel-Platz und ist an der Friedrichstraße zu finden. Einfach hinsetzen und essen und keine Minute später werden sich die ersten gefiederten Freunde bemerkbar machen.

Wen man dann wie ich meint einem Spatz Reis abgeben zu müssen, der erlebt in Sekunden ein graues Wunder. Umzingelt von circa 30 Tauben aß ich weiter und ließ weitere Reiskörner fallen.

Nicht viel später wurde das Bild noch seltsamer, die Tauben setzten sich in Schulterhöhe neben mich auf die Bank und eine weitere setzte sich auf mein Bein. Zu meinen Füßen, nur noch graue Federn.

Ich aß weiter und wehrte dabei Sturzflüge auf mein Essen und meinen Kopf ab. Ein Passant lief grinsend vorbei, während ich auf der Bank mit meinen 30 Tauben saß und so tat als wäre das voll normal.

Was lernt uns das? Wer Reis hat, der kann in der Mittagspause auch mal Venedig in Berlin erleben. 😉

http://www.dailymotion.com/swf/video/x8ayzk
Carpenters – Close to You von rvdgu2006

PS: Die Antwort auf die Frage im Video heißt dann wohl: Reis!

3 Faktoren Glück: Gesundheit, Geld und Sex

Neulich, wir wollen den Zeitraum nicht weiter eingrenzen, war ich glücklich.
Und weil ich so was nicht für mich behalten kann, quatschte ich meine üblichen Depri-Gesprächspartner mit meinen neuen Momentan-Ansichten voll.

Nach ein paar Abwehrversuchen, meinte mein Gegenüber nur: Nadine, was ist anders?
Was ist passiert? Sehr schnell kannte ich die Antwort: Ich hatte Urlaub. Ich war gesund.
Ich hatte Kohle, um die schlimmsten Gelddämonen zu bannen. Ich hatte ausgiebig gevögelt.

Nach meiner Antwort war ich selbst erstaunt, die Faktoren für Glück beschränken sich bei mir also auf 3 Faktoren: Gesundheit, Geld und Sex.

Das Fell bleibt jedoch vermisst…

Was macht die Nadine eigentlich in ihrer Freizeit? Was wohl, schlafen!
Ob es der Vollmond war? Oder doch der Anbruch der dunklen und kalten Jahreszeit? Die Grippeherde, die auf Arbeit und in den Öffis Beine haben?

Was auch immer, seit Tage ist Schlafen eine Tätigkeit der ich mehr Zeit einräumen möchte. Heute habe ich es getan. 12 Stunden später, schwirren seltsame Traumfetzen in meinem Kopf, während die Augen mehrerer Anläufe brauchen um betriebsbereit zu sein.

Hätte ich braunes Fell, wäre nicht nur mein Hüftspeck kein Problem, nein ich könnte mich jetzt für Monate in einen Winterschlaf zurück ziehen, – so wie das Bärinnen halt machen. Im Sommer würde ich dann gertenschlank im Wald erwachen und mir was zum Futtern und für die Paarung suchen.

Das Fell bleibt jedoch vermisst…