Vor der Klinik in der Wohnung /Eier (Teil 3)

Die ersten Wochen durfte ich gar nicht raus aus der geschlossenen Abteilung, aber nach ein paar Wochen durfte ich zwischen 16 und 18 Uhr auf das Gelände gehen, war das ein Befreiungsschlag, endlich wieder frische Luft und Bewegungsfreiheit. Ich lief über das begrünte Gelände und fand schnell die nicht gesicherten Ausgänge, ging zum Tabakhändler und in meine Wohnung. Meine Wohnung war immer noch gruselig, tausend Zeichen deuteten auf Überwachung und sogar die Polizei schien ihre Erkennungszeichen hinterlassen zu haben, denn plötzlich hatte Jemand etwas an meine Tür gekritzelt. Für mich ein Zeichen dass sie in den zukünftigen Nächten nicht mehr kommen würden um mich zu vergewaltigen, denn die Wohnung war markiert worden, als die Frau ist bereits in der Klapse. In meiner Wohnung hatte ich wochenlang das Gefühl dass sie hinter meinen Wänden Menschen versteckt hatten die mit mir sprachen um mich richtig verrückt zu machen und zu überwachen. Ich stellte mir auch vor dass es Geheimtüren in meiner Wohnung geben würde über die sie nachts Zugang zu meiner Wohnung hatten.

Denn in meiner Vorstellung überwachten und hielten sie mich in meiner Wohnung wie eine Legehenne. Tagsüber verrückt machen und nachts wenn ich schlief vorbei kommen um zu vergewaltigen und um mir Eier zu entnehmen. Die Eier brauchten sie für etliche Kinder und für ein Verjüngerungsserum dass sie aus meinen Eier herstellten. Denn aus meinen Eiern konnte man ein Serum herstellen mit dem man ewige Jugend erzielen konnte, deswegen hatten sie mir auch schon seit Jahren Eier entnommen und angefangen diese Eier zu klonen damit sie genug Eier hatten um alle zahlungskräftigen Kunden damit versorgen zu können. Das Management der Eier übernahm mein ehemaliger Pflegebruder und seine Eltern, mit denen ich von 1-3 Jahren zusammengelebt hatte. Sie beobachteten mich also schon mein ganzes Leben und entnahmen bereits seit meiner Babyzeit Eier. Schwachsinn wie ich jetzt weiß, denn die Eier reifen erst viel später und sind beim Baby noch gar nicht vorhanden, aber in meiner Psychose war ich fest davon überzeugt mein Leben lang ein Teil einer russischen Familie zu sein, die sich seit meiner Geburt an mir bereicherten.

Die Eier wurden auch verkauft und so glaubte ich während ich verrückt in meiner Wohnung saß dass ich bereits ein Dutzend Kinder hätte, genau wie mein Pflegebruder, dem auch ihm hatten sie seit der Babyzeit Samen entnommen, denn wir waren die beiden Auserwählten. Auch glaubte ich dass mein Pflegebruder mich jetzt nach Jahren der Eierzucht endlich befreien und heiraten wollte, obwohl ich mein ganzes Leben gegen die Ehe war, fand ich das in meiner Psychose ganz toll und ich wartete auf meinen Ehemann, ja ich glaubte sogar dass er nebenan in der Wohnung wohnte um mich zu überwachen. Ich klingelte bei der Nebenwohnung, doch Niemand öffnete mir, irgendwer stand am Spion aber Niemand öffnete mir. Das empfand ich als Hohn, aber die Stimmen in meinem Kopf erklärten mir dass noch nicht die Zeit wäre. Er würde eines Tages mit all seinen Helfern bei mir klingeln und dann würden wir alle lachen und das verdammte Psychospiel wäre vorbei. Aber es klingelte keiner bei mir, niemand befreite mich aus meinen Wahnvorstellungen und so ging das Spiel fast 3 Monate die ich allein in meiner Wohnung verbrachte und dabei immer mehr Angst bekam.

Während ich am Anfang die Stimmen noch als willkommene Unterhaltungsmöglichkeit sah, wurden sie mit der Zeit immer grausamer und erzählten mir von Missbrauch in meiner Pflegefamilie und von weiteren Vergewaltigungen durch meinen Stiefvater und unseren Mitbewohner. Ich weinte viel, mein ganzes Leben wurde neu geschrieben und wurde immer grausamer und dann war da noch die Überwachung in der Wohnung, wieso war ich in diese Wohnung gezogen? Bei einen zwielichtigen privat Vermieter den ich nie gesehen hatte? Ich kam zu dem Schluss dass das alles eine Falle gewesen war, mich in diese Wohnung zu locken um das Endspiel statt finden zu lassen. Das Ende meiner Zeit als Legehenne, dass damit enden sollte dass ich in der Klinik lande damit mir Niemand meine Geschichten glaubt. Deswegen wehrte ich mich auch solange dagegen in die Klinik zu gehen, denn ich wollte nicht dass sie gewinnen und ungeschoren mit ihren Missetaten davon kommen. Meine ganze Leidenszeit kiffte ich viel, denn das Kiffen verstärkte die Verbindung zu den Stimmen und so unterhielt ich mich tagsüber und nachts die ganze Zeit und diskutierte meinen neuen Lebenslauf.

Da ich vermutete dass sie nachts kamen um mir die Eier zu entnehmen beschloss ich nicht mehr zu schlafen um sie so auszutricksen, ich schlief 3 Tage und Nächte nicht mehr. In der dritten Nacht hatte ich die Eingebung dass dieser Geheimbund der mich überwachte meine Eltern umgebracht hätte und dass jetzt in der Wohnung meiner Eltern mein zukünftiger Ehemann und eine Cannabisplantage auf mich wartete. Mitten in der Nacht rannte ich ohne Plan los, denn obwohl ich seit 5 Jahren keinen Kontakt zu meinen Eltern hatte, hatte ich noch ihre Wohnungsschlüssel und ich glaubte daran dass „Er“ dort auf mich wartete. Ich rannte von Friedenau, über Charlottenburg nach Kreuzberg, im nach hinein wunder ich mich dass ich den Weg gefunden habe, denn ich hatte keinen Stadtplan dabei, war völlig übernächtigt und hoch psychotisch. Nach ein paar Stunden war ich dann aber doch bei meinen Eltern, ich öffnete die Wohnungstür und ein Hund starrte mich an. Es roch nach meinen Eltern und überall standen noch ihre Möbel, trotzdem glaubte ich daran dass die Wohnung mittlerweile übernommen wurde und lief zum Schlafzimmer. Dort lag eine Frau mit einem Kind im Bett so wie es mir schien. Ich erschreckte mich und lief in die Küche. Die Frau folgte mir, es war meine Mutter die jedoch seit unserem letzten sehen 30 kg abgenommen hatte und mir wie eine Schauspielerin vorkam.

Die Stimmen in meinem Kopf sagten mir das ich sie umbringen sollte denn auch sie sei seit meiner Geburt am Eierhandel beteiligt. Ich schaute auf die Messer im Messerblock, doch ich konnte nicht, statt dessen stammelte ich etwas davon das es mir nicht gut gehen würde und dann schrie ich sie an dass sie mir meine Eier geklaut hätte und verschwand ganz schnell wieder aus der Wohnung. Das war ein Schock, ich rannte noch schneller durch die Stadt, wollte Prinzenstraße in die U-Bahn steigen, doch es gelang mir nicht auf dem richtigen Gleis zu landen. Ich lief 6 mal auf der falschen Seite des Eingangs die Treppen hoch und runter und gab dann auf. Ich lief wieder von Kreuzberg nach Friedenau und kam wieder in meiner Wohnung an. Dort kiffte ich erst mal einen und frühstückte. Die Stimmen wurden immer schlimmer und forderten mich auf aufs Dach zu gehen. Da landete ich dann auch, die Stimmen sagten mir dass es noch bis Januar 2014 weiter gehen würde mit dem Eierhandel und dass ich nicht aus meiner Legebatterie-Wohnung entkommen könnte. Wie sollte ich auch umziehen? Ich hatte meinen Job verloren und von der Abfindung die letzten Monate gelebt, kein Geld für einen Immobilienmakler oder eine Kaution und keine Freunde oder Kollegen mehr die mir bei einem Umzug hätten helfen können, denn ich hatte mich in den Monaten nach der Kündigung total isoliert und alle meine Freunde verstoßen, weil es mir schien als wollten sie mich manipulieren.

Verzweifelt saß ich auf dem Dach meiner Wohnung, ich wollte dass das Spiel endet, ich wollte raus aus dieser Wohnung, so beschloss ich noch einen zu kiffen und mich dann vom Dach zu stürzen. Als ich dann fertig war mit dem Joint wurden die Stimmen wieder stärker, sie erzählten mir dass ein Sprung vom Dach nichts bringen würde denn ich sei unverwundbar und würde den Sturz überleben, trotzdem nahm ich mehrfach Anlauf, doch ich sprang nicht, das sahen die Nachbarn und holten die Polizei und die Feuerwehr. Ein Nachbar kam zu mir auf das Dach und erzählte mir wie schön das Leben doch sei und das es gute Gründe zu leben gäbe, doch ich glaubte ihm nicht und diskutierte mit ihm herum, er hatte ja keine Ahnung was in meiner Wohnung auf mich wartete. Dann kamen zwei Polizisten und schleppten mich mit Widerstand vom Dach (siehe Teil 1 die Einlieferung und Teil 2 der Aufenthalt).

Fortsetzung folgt.

Siehe auch:
Teil 1
Teil 2
Teil 4
Teil 5
Teil 6

Teil 7

Teil 8

Teil 9

Teil 10

Teil 11

Teil 12

Teil 13

Teil 14

Teil 15

Teil 16

Teil 17

<a href="http://nberlin.twoday.net/stories/1022574764„target=“new“>Teil 18

Teil 19

Teil 20

Teil 21

Teil 22

Teil 23

Teil 24

4 Gedanken zu „Vor der Klinik in der Wohnung /Eier (Teil 3)

  1. ich kenne mich nicht aus mit psychosen und kann mir fremde stimmen in meinem kopf darum nicht gut vorstellen. alle stimmen in mir – das bin ich.
    ich kann darum auch keine ratschläge geben. jedenfalls wünsche ich dir, dass du dich von all dem befreien kannst…

    • Die Stimmen in meinem Kopf waren ja auch ich, mein psychotisches Ich. Ach mittlerweile habe ich mich davon schon befreit bin ja schon 3 Jahre in Behandlung und weiß dass das alles nur Symptome einer Erkrankung waren. Trotzdem bin ich umgezogen, denn in dieser Wohnung wäre ich nicht mehr glücklich geworden. Das Schreiben jetzt ist Teil der Befreiung und der Verarbeitung, jetzt wo ich Abstand zu der Geschichte habe. Hoffe die Dämonen/Stimmen kommen nie wieder zurück.

    • Ja denke ich mittlerweile auch, ein guter Mann mit einer guten Ehefrau, die war auch auf den Dach hielt sich aber zurück. Leider habe ich keinen Namen, sonst würde ich mich heute noch bedanken gehen.

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