Vegetation, PsychKG und Medikamente

Lang geschlafen und seltsame Sexträume gehabt, aber besser als Alpträume. Keine Mails von der besten Freundin, denn die muss heute arbeiten. Musik tönt aus den Boxen. Heute ist Reinemach-Tag, der Haushalt ruft, aber ich habe Zeit, erstmal Kaffee trinken und aufwachen. Das neue Buch ist gut, beeindruckend fand ich die Stelle in der beschreibt das psychisch Kranke doch bitte nach ihrem ersten Vorfall sich mit Medikamenten zudröhnen sollen und den Rest ihres Lebens vegetieren sollen.

Vegetiert habe ich jetzt auch Jahre, aber zum Glück habe ich einen Ausweg gefunden, weil ich mich einfach nicht mit Vegetation für die nächsten 40 Jahre abfinden wollte. Wenn es nach den Ärzten gegangen wäre, wäre es bei Vegetation geblieben. Denke ich bin auf einen guten Weg, meine Belastbarkeit ist fast wieder normal und meine Ausbildung hilft mir mich zu entfalten und mich immer mehr zu erproben. Es ist schon sehr bezeichnend dass im PsychKG steht, das eine Behandlung mit Psychopharmaka die über 6 Wochen hinaus geht ein Gerichtsurteil erfordert. Das zeigt doch dass Psychopharmaka so sehr in die Persönlichkeit und Lebensqualität eingreifen, das man sie nicht länger als 6 Wochen nehmen sollte.

Bei mir gab es nie ein Urteil, aber ich habe die Medikamente freiwillig genommen, trotz der ganzen Nebenwirkungen, über Jahre. Aber ich will nicht mehr, Zungenkrämpfe, Bewegungsunfähigkeit, Unfruchtbarkeit und Gefühlsarmut sind keine Zustände die man sich wünscht, da ist die massige Gewichtszunahme noch das kleinste Übel. Es gibt halt keine verlässlichen Studien und so probiert jeder Arzt erneut aus welche Medikamente in welcher Dosis helfen könnten, auf die Lebensqualität des Patienten schaut dabei leider keiner.

Dabei wird oft verpasst den eigentlichen Experten zu fragen, den Patienten selbst, denn nur dieser kann Aussagen darüber treffen wie es um seine Krankheit steht und wie er sich mit den Medikamenten fühlt. Zum Glück habe ich gegen meine Dosis protestiert, gar nicht so einfach wenn man am vegetieren ist, ich habe Jahre gebraucht um was zu sagen, dass es so nicht weiter geht und ich leben möchte. Und siehe da auch ein Drittel der Dosis hilft dabei meinen Kopf klar zu halten und gibt mir wieder genug Raum zu leben. Meine Ärztin war erstaunt und begeistert zugleich, denn erst war sie nicht begeistert die Dosis runterzusetzen, ich muste sie erpressen, was aber laut dem PsychKG mein gutes Recht ist, solange kein Gericht was anderes sagt. Ich habe das Recht keine Medikamente zu nehmen, ich habe ein Recht auf Krankheit, nur wenn ich andere oder mich selbst gefährde kann ein Gericht anderes verordnen.

Noch nehme ich brav meine Medikamente, aber 2017 werde ich versuchen weiter zu reduzieren, denn nur so kann ich rausfinden zu welchen Drittel ich laut Studie gehöre. Entweder gehöre ich zu den einmalig Kranken, zu denen die wiederkehrende Episoden haben oder zu den Dauerkranken. Zu der letzten Gruppe gehöre ich schon mal nicht, denn es geht mir wieder gut, also gehöre ich entweder zu den einmalig Kranken oder zu den Episoden-Kranken, ich hoffe ich gehöre zu den einmalig Kranken, aber das wird sich herausstellen ohne Medikamente, ich will es auf jeden Fall herausfinden.

2 Gedanken zu „Vegetation, PsychKG und Medikamente

  1. Eigendosierung Was hat mich mein Pillendealer damals entsetzt angeschaut, als er mich fragte „wieso haben Sie denn noch Tabletten über, die müssten nach meiner Rechnugn alle sein?!“ und ich antwortete „ich nehm‘ nicht immer eine ganze, manchmal merke ich, dass mir für diesen Tag auch eine halbe reicht!“.

    Boah.
    DA war was los….fast so, als hätte ich kein Recht, selber darüber zu entscheiden, was in welcher Dosierung in mich reinkommt^^.

    Wobei ich zugebe: An die Idee mit der Geringerdosierung bin ich ERST geraten, als auf der „Normaldosierung“ Sex nicht ….“beendet“ werden konnte^^.

    Übrigens gab’s bei MEINEN Medis keine Gewichtszunahme – eher das Gegenteil.
    Das ist selten in dieser Medikamentengruppe.

    • Kommt drauf an was für Medikamente du nimmst. Bei Neuroleptika konnte ich bei mir und bei anderen die ich kenne eine ordentliche Zunahme beobachten. Von einer Eigendosierung würde ich abraten, weil nicht jede Pille teilbar ist, sodass man dann auch wirklich die Hälfte der Dosis kriegt. Also ich habe alles mit meiner Psychiaterin abgesprochen und kriege jetzt Pillen mit kleinerer Dosis. Mit dem Sex ging es mir ähnlich, kaum Empfindungen und bewegen konnte ich mich auch schlecht, beides Lusthemmer. Mit der neuen Dosis geht aber alles wieder, zum Glück. Genau man hat das Recht seine Medikamente runterzudosieren und das muss auch der behandelne Arzt einsehen und helfen schrittweise auf eine kleinere Dosis zu kommen bzw. helfen abzudosieren.

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