Er hat ne Neue!

Er hat ne Neue! Nein nicht mein Freund, mein Vater. Ich freue mich für ihn, aber gleichzeitig löst das komische Gefühle in mir aus. Da schläft jetzt also eine fremde Frau im Bett meiner Mutter. Mein Vater braucht aber eine Frau, möchte nicht allein leben und ich kann ihn nicht dauerhaft stützen. Ich sollte mich auch für mich freuen, ich kann machen was ich will, Verantwortung fällt von meinen Schultern und trotzdem lache ich nicht. Ich muss mich sortieren, es ist erfreulich, aber aktuell bin ich nur überrascht und verwirrt. Die Kinder haben Priorität haben sie abgemacht, das heißt wohl ich kann trotzdem immer auf ihn zählen. Es ist eine Kindergartenfreundin von ihm, das wird sicher passen, die beiden kennen sich und haben viel miteinander erlebt. Wahrscheinlich perfekt für ihn, aber perfekt für mich? Ich möchte nicht, dass sie die Sachen meiner Mutter berührt. Aber das Leben geht weiter und die Welt verändert sich.

17 Gedanken zu „Er hat ne Neue!

  1. Du wirst dich in die Situation einfinden, da bin ich sicher. Gönne ihm sein Glück. Das Leben ist so kurz und Einsamkeit ist schwer auszuhalten.
    Ich weiß, wovon ich rede. Ich war damals sehr froh, das meine Kinder meinen neuen Partner ohne wenn und aber akzeptiert haben.
    Es ist ein großes Glück für deinen Vater, einen Menschen (wieder)zufinden, mit dem er helle und dunkle Stunden teilen kann. Sie nimmt dir deinen Vater nicht weg.
    Und auch nicht deine Mutter und all die Erinnerungen, die ihr an sie habt.
    Liebe Grüße

    • Ich denke ich brauche etwas Zeit. Ich freue mich für ihn und denke auch sie könnte die Richtige sein, aber die Vorstellung, dass eine fremde Frau jetzt in der Wohnung ist, die Sachen meiner Mutter berührt und in ihrem Bett schläft, das gefällt mir nicht so. Sie ist gerade mal 1,5 Jahre tot. Danke für die letzten zwei Sätze. Nein sie nimmt ihn mir nicht weg, aber meine Mutter?

      • Deinen letzten Satz verstehe ich nicht… mmmh.

        Versuche die Situation aus ihrer Sicht zu sehen.
        Ihr wird es vermutlich auch unangenehm sein, ihren Sachen zu benutzen. Das wird sie nach und nach ändern wollen. Schwierig genug wird es dann sein, Sachen deiner Mutter wegzupacken oder zu benutzen – je nach dem – ohne eure/deine Gefühle zu verletzen. Männer sind in der Beziehung in der Regel entspannter und sehen nicht mal das Problem.
        Mache es ihr und auch deinem Vater nicht unnötig schwer. Vielleicht kannst du auch mit ihr über deine Gefühle sprechen.
        Sollte sie irgendwann zu ihm ziehen wollen, könnt ihr vielleicht gemeinsam aussortieren und woran dein Herz hängt, nimmst du dann mit.

        Jeder Mensch trauert anders und braucht auch unterschiedlich Zeit, um damit abzuschließen. Die 1,5 Jahre waren für deinen Vater ausreichend, um zu wissen, das er nicht alleine bleiben will. Dann ist das gut so.

        • Sie wird mir nicht meinen Vater nehmen, aber die Erinnerung an meine Mutter. Bisher sieht alles in der Wohnung so aus, als wäre eine Mutter gestern in den Urlaub gefahren, das wird sich ändern und damit die Erinnerung verblassen. Ja, mein Vater hat dieses Problem anscheinend gar nicht erkannt, sonst hätte er nicht erzählt, dass sie in ihrem Bett geschlafen hat. Mein Vater wollte noch nie allein sein, dazu brauchte es nicht den Tod meiner Mutter, so war er schon immer. Bisher kenne ich sie nicht, es bleibt also abzuwarten wie wir uns finden und verstehen. Ich werde das aber mit meinen Vater besprechen, wo da meine Bedenken sind und wie meine Gefühle aussehen, zum Glück wollen sie nicht morgen zusammenziehen und heiraten.

          • Die Erinnerungen an deine Mutter sind in dir und da bleiben sie. Die kann (und will) sie dir nicht nehmen. Die Wohnung wird sich verändern, so wie sich vieles verändert mit dem Tod eines Menschen.
            Das gehört wohl dazu und wahrscheinlich ist das sogar gut, als eine Form der Trauerbewältigung.
            Aber das weißt du selber.
            Ich habe gerade das Gefühl, das ihr Zuhause auch ein Ort des Trauerns für dich ist. Da fällt mir ein, deine Mutter ist gar nicht in Berlin beerdigt worden, richtig? Ihr seid zu eurem Urlaubsort geflogen, wenn ich mich recht erinnere.
            Ja, da fehlt dir der Ort des Trauerns. Dann kann ich das sogar verstehen.

            Ich bin damals täglich zum Friedhof gegangen. Ewig lange, bis ich nicht mehr täglich gehen musste, sondern alle zwei Tage ausreichten…. dieser Ort war mir wichtig.

            Grüßli

          • Liebe Oma Schlafmütze, danke für deinen therapeutisch wertvollen Kommentar. Das war mir gar nicht bewusst, das die Wohnung mein Trauerort ist, aber so ist es, wann immer ich Sehnsucht nach ihr habe fahre ich in die Wohnung und bin ihr nah. Das wird vielleicht verschwinden und ich bin noch nicht soweit. Ich bin nicht bereit für eine neue Frau und Veränderung, auch wenn ich mich für ihn freue.

  2. Nach 30 Jahren Beziehung ist es umso schwerer, jeden Tag allein zu sein und sein Leben allein stemmen zu müssen. Sie ist kein Ersatz für deine Mutter, sie ist jemand völlig anderes. Deshalb kann sie auch dem Andenken an deine Mutter nicht schaden. Dass sie jetzt die Sachen berührt… Nun, es sind nur Dinge. Und was sollen sie tun, ihr eine Tabuzone einräumen? Umziehen? Andere Möbel (anderes Bett) kaufen? Vielleicht kommt das mit dem Bett noch, aber jetzt ist es noch zu früh, sie müssen ja auch erstmal ihr Zusammenleben aufbauen, organisieren. Irgendwo muss sie jedenfalls schlafen, und das ist in dem Alter dann vorzugsweise nicht die Couch.
    Aber wie du schon geschrieben hast, du musst dich sortieren… Klingt gerade alles etwas… eifersüchtig? Hm.
    Ich wünsche dir, dass bald innere Ruhe und Freude bei dir überwiegen. 🍀
    Liebe Grüße
    die Hoffende

    • Nein Eifersucht ist es nicht, ich gönne es ihm. Vielleicht ein bisschen Reflex, denn auch früher musste ich ihn schon vor fremden, baggerten Frauen verteidigen, weil er meiner Mutter gehörte. Aber gut meine Mutter ist nicht mehr, aber ich möchte nicht, dass sie noch mehr verschwindet und eine Frau in der Wohnung sorgt nun mal zum Verschwinden ihres Andenkens. Aber klar ich könnte auf Dauer auch nicht in so einem Museum einer toten Frau leben. Das hat er mir zugesagt, sie wird nicht morgen bei ihm einziehen, das gibt mir Zeit, die ich auch dringend brauchen werde. Notfalls nehme ich all ihren Kram zu mir, aber warten wir ab. Für den Moment die Nachricht erstmal sacken lassen.

  3. Ich kann dich verstehen.
    Für dich ist der Platz deiner Mutter an der Seite deines Vaters, und nun steht eine fremde Frau dort.
    Ich glaube, was in dir vorgeht, kann nur jemand verstehen, der selbst eine Mutter oder einen geliebten Menschen verloren hat.
    Dein Schmerz über ihren Verlust ist in dir, und die Trauer bleibt, aber sie verändert sich mit der Zeit.

    • Liebe Silke, danke für dein Mitgefühl. Meine Gefühle sind hochgradig irrational und egoistisch, aber ich fühle was ich fühle. Ja sie verändert sich, aber meine Mutter und ich hatten eine sehr starke und intensive Beziehung, über viele Jahrzehnte, das vergisst man nicht in 1,5 Jahren.

  4. Pingback: Spät, Mindestlohn, Smartphone und Handakten | Nadine in Berlin

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