Lockdown, Schlangen und Homeoffice

Guten Morgen, ein grauer Tag grüßt und der „harte“ Lockdown droht. Das wird nicht lustig und mich hat wieder der Hamsterreflex erwischt. Ich erinnere mich nämlich an die Schlangen vor den Supermärkten im ersten Lockdown, nur damals war es wenigstens sonnig und warm beim Warten. Also versuche ich heute, wie wohl so viele, noch einzukaufen und dann die nächsten Wochen nicht mehr. Ganz gute aber zu kurze Nacht, das mit den Negativen ist spannend, ich habe bereits in den 90ern Selfies gemacht, das finde ich heute spannend zu sehen, weil ich mich sonst eigentlich nicht fotografieren ließ. Ich glaube die Ratte war heute Nacht wieder auf meinen Balkon, der Boden ist mit Blumenerde bedeckt. Der Blutdruck ist wieder heruntergegangen, wie immer, wenn ich freihabe und der Kaffee darf fließen. Ich frage mich, ob ich meine Präsenstermine diese Woche absage, dann kann ich auch im Homeoffice bleiben. Eine Einkaufsliste wartet auf mich, mal sehen, was ich kriege und ich muss noch ein Paket aus einen weit entfernten Paketshop abholen. Bestellungen die über DHL laufen werde ich unterlassen, die liefern hier schon länger nicht mehr und die Postfiliale ist total überfordert, während sich vor der Filiale sehr lange Schlangen bilden. Bestellen kann frau noch über Amazon und Hermes, wenn es wirklich dringend nötig ist. Lebensmittelbestellungen sind noch über Rewe oder Bringmeister möglich, allerdings derzeit mit einer Wartezeit auf einen Liefertermin von 3 bis 4 Tagen. Ob man dann aber die bestellten Waren tatsächlich bekommt, ist Überraschung. Aber gut ich jammere auf hohen Niveau, frau muss gar nichts bestellen und wird trotzdem zu keinem Zeitpunkt am Hungertod sterben, es gibt halt kein Wunschkonzert, es gibt zu essen, was es zu essen gibt und mit meinem Hüftgold wäre auch eine Fastenzeit denkbar. Aber wer will schon fasten zu Weihnachten? Er bekommt heute sein gemietetes E-Bike geliefert und wird dann wohl bald wieder Essen ausfahren. Gestern viel geschlafen und gar nicht aufgeräumt oder geputzt, ich bin zu müde und erschöpft, immerhin gekocht, eine Gyrospfanne mit Paprika und Reis. Mit der Freundin aus der Türkei telefoniert, dort sind die Lockdown-Regeln schon seit langen viel strenger, es gibt dort eine kontrollierte Ausgangssperre. Auf in den Tag, horten, damit ich nicht in der Kälte Schlange stehen muss und brav zu Hause bleiben kann.

2 Gedanken zu „Lockdown, Schlangen und Homeoffice

  1. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ohne Hamsterkäufe auch jetzt wieder alles sehr entspannter sein wird. Gerade diese waren maßgeblich dafür verantwortlich, dass es beim Lockdown im Frühjahr zu Engpässen kam. Ich war da gerade inmitten meines Umzugs und unmittelbar anschließend länger im Krankenhaus und danach noch recht angeschlagen zuhause – da habe ich ganz gewiss nicht daran gedacht, groß Vorräte anzulegen. Das ging trotzdem und ich habe „überlebt”. Und ich koche bis auf wenige Ausnahmen auch täglich. Ich finde jedenfalls, dass man z. B. Lebensmittelbestellungen wirklich Bedürftigen überlassen sollte. Denjenigen, die in Quarantäne sind oder Risikogruppen. Das, was in Supermärkten im Angebot war und ist, reicht meiner Meinung nach vollkommen aus, um sich ohne wirklichen Mangel abwechslungsreich zu ernähren. Nun ja, ich bin durch Kriegs- und Nachkriegsgenerationen geprägt worden und in der DDR aufgewachsen. Die Vorratshaltung kann ich also durchaus nachvollziehen. Aber nicht so. Trotz teilweise vorhandenen Einschränkungen ist das hier immer noch eine Überflussgesellschaft. Von daher finde ich, dass das ein Jammern auf sehr hohem Niveau ist, wenn man von Lebensmittelknappheit spricht und sollte wie gesagt mal überdenken, ob Bestellungen sein müssen, wenn andere darauf wirklich angewiesen sind.

  2. Richtig ohne Hamsterkäufe hätte es keine Verknappung gegeben. Ich gehörte eher zu den Leuten, die als sie merkten, viele Dinge sind nicht verfügbar, etwas panisch wurden und durch die Geschäfte rasten. Das mit den Bestellungen ist bei mir so eine Sache, ich könnte argumentieren, dass ich eine seelisch und körperlich behinderte Frau mit Atemwegserkrankungen bin, die in einem Helferberuf für Kranke arbeitet und deswegen sehr wohl zur Risikogruppe gehört. Trotzdem schaffe ich es sehr wohl für maximal 30 Minuten Maske-tragend im Supermarkt, kleine Mengen nach Hause zu tragen. Das Hauptargument für eine Bestellung bei mir ist aber, dass es hier nur einen Supermarkt und sehr viele alte Menschen gibt, die kein Internet haben. Gehe ich in den Supermarkt, kaufe ich den alten, gebrechlichen Leuten in der Gegend Sachen weg, die sie sonst nirgendwo kriegen. Ich weiß, ich jammer auf hohen Niveau, aber wenn ich die alten gebrechlichen Leute vor leeren Regalen hier in der Gegend sehe, wenn ich die ganze Woche versuche Menschen in der Krise helfen, dann möchte ich danach etwas Gutes essen. Das ist egoistisch, stimmt, aber auch Selbstfürsorge. Ich komme aus einer Kriegsfamilie mit reichlich DDR Verwandtschaft, hamstern liegt bei uns in den Genen, aber auch kochen mit Resten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.