Früh, Streit, Rassismus und Glaube

Guten Morgen, viel zu früh, aber ich war auch früh schlafen. Jetzt schläft er noch und ich genieße die Stille hier. Gestern im Büro war ganz gut und der Einkauf bei Lidl danach ergiebig. Heute wieder Homeoffice mit der Kollegin und zwei Beratungen.

Große Unterbrechung, er steht auf.

So jetzt ist der ganze Morgen zerstört, da stehe ich schon um sechs auf, um meine Ruhe zu haben und ungestört bloggen zu können und was passiert? Obwohl er bis spät in der Nacht wach war, steht er auch auf, setzt sich neben mich und spielt gefühlte Ewigkeiten mit dem Smartphone während ich gar nichts mehr tun kann. Dann jetzt Reden über die ganzen Rassisten in Deutschland und ich bin bedient. Das ist nicht meine Schuld, das ist kein Grund mir meinen Morgen zu zerstören. Das ist kein Grund unfreundlich zu werden und mir zu unterstellen keine Ahnung zu haben wie es ist mit schlechten Chancen (wieder) einen Job zu befinden oder gar eine Karriere. Ich bilde mir ein, dass ich das sehr wohl weiß, auch meine Chancen je wieder irgendeinen Job zu finden lag bei unter 5 %, ich denke das ist vergleichbar, doch das lässt er nicht gelten. Negative Gedanken bringen aber niemanden weiter. Gerade geweint, warum muss er mir meinen Morgen zerstören? Warum sieht er nicht, auf was ich alles seinetwegen verzichte? Warum erkennt er nicht an, dass ich mehrfach einen harten Weg zum Beruf hatte? Heute hat er seinen Arbeitsplan wieder extrem kacke gelegt, er wird die ganze Zeit während meines Homeoffice da sein und mich stressen und wenn ich dann Feierabend habe, wird er anfangen zu arbeiten. Aber gut, ich glaube wir beide gehen auf dem Zahnfleisch, er arbeitet seit 8 Tagen ohne Pause und ich bin auch urlaubsreif. Leider ist Urlaub gerade eine schlechte Idee auf Arbeit, denn wir stecken mitten in der Umstrukturierung und ich möchte nicht nehmen was übrig bleibt oder mir zugewiesen wurde. Laune versaut, Kaffee kalt und wir sitzen hier fest. Ich akzeptiere Rassismus nicht als wichtigsten Grund, warum er keine qualifizierte Arbeit findet. Hochschulabsolventen in Berlin haben schon immer länger gesucht und außerdem haben wir Corona mit Einstellungsstopp bei vielen Firmen. Die Nachbarn kiffen derzeit was das Zeug hält, gestern war der ganze Hausflur verräuchert und auch vorgestern Nacht war es ein Fehler bei angekippten Fenster zu schlafen, das ganze Schlafzimmer roch nach Gras. Ein grauer kalter Tag grüßt und ich weiß auch nicht weiter, aber ich weigere mich den Glauben, die Hoffnung aufzugeben…

14 Gedanken zu „Früh, Streit, Rassismus und Glaube

  1. Du trägst schon ein ganz schönes Päckchen, wenn Du seine Rassismus-Probleme noch mit tragen musst. Das stimmt, dass Hochschulabsolventen in Berlin länger suchen müssen, das hab ich seinerzeit von Anderen auch mitbekommen. Er darf ruhig mal ein bisschen dankbar sein, dass er Dich hat und dass Du ihm dauernd den Rücken stärkst. Finanziell und alles.
    Wünsche Dir wieder bessere Laune! Und dass Du mal Zeit für Dich findest. Alles Liebe!

    • Liebe Nell, danke für deinen Kommentar. Ja mir reicht es, der Lastesel hat seine Grenze erreicht und braucht endlich mal Ruhe. Mich stellvertretend für alle rassistisch handelnden Deutschen zu sehen lehne ich ab, ich bin kein Rassist und kenne auch genug andere die es ebenfalls nicht sind. Dankbarkeit wäre schön, aber ich glaube dafür sollte ich aufhören unaufgefordert ständig Dinge für ihn zu tun. Morgen darf ich allein sein, er muss arbeiten, ich nicht. Ich hoffe das reicht, aktuell keinen Bock auf ihn.

  2. Das klingt alles sehr stressig für mich… Grenzen gelten nicht nur bei der Arbeit oder in der Öffentlichkeit. Auch im Privaten müssen sie deutlich sein und akzeptiert werden. Das scheint mir bei euch ein Problem zu sein.

    • Du hast es auf den Punkt gebracht, ich habe keine Grenzen gesetzt und werde jetzt überrannt und reagiere aggressiv. Aber Grenzen setzen ist mein Problem, überall. Beruflich geht es mittlerweile, aber privat…

        • Reden können wir eigentlich gut, nur ich habe das Thema bisher gescheut. Bin ein Harmonievieh, für mich selbst streiten mache ich erst, wenn mir wirklich die Hutschnur geplatzt ist.

          • Ach, das hat doch erstmal mit Streiten nichts zu tun, sondern mit sich erklären. Und was tust du damit, außer Harmonie zu schaffen? Es geht ja nicht darum, ihm Vorwürfe zu machen.

          • Doch es geht auch um Vorwürfe, dass ich sein Verhalten zum Teil rücksichtslos finde. Aber gut ich bin auch totale Ruhe gewöhnt, vielleicht auch nicht seine Schuld. Und wie soll er auf Sachen Rücksicht nehmen, die ihm nicht bekannt sind? Obwohl manche Dinge weiß er auch und macht es trotzdem.

  3. Kannst Du ihm sagen, dass Du Deine Ruhe zum Bloggen brauchst? Eine halbe Stunde? Ich schreibe auch Tagebuch am Morgen, wenn mein Mann zu labern anfängt, sage ich es ihm manchmal. Er reagiert gereizt, aber es geht vorbei.

    • Ja habe ich bereits gesagt und mittlerweile durchgekämpft. Er ist auch nicht begeistert, da er anscheinend besonders am Morgen reden will, können wir ja, aber nach meinem Kaffee und Blog.

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