Obst, Finanzamt, Else Kling, Raucherin und Madonna

Guten Morgen, eine sehr kurze Nacht liegt hinter mir und die Sonne scheint. Gestern gab es noch eine Entwarnung: kein Tumor bei Emma! War ich erleichtert, gut es muss wahrscheinlich trotzdem operiert werden, aber sie wird leben! Einkaufen gewesen und keine Süßigkeiten gekauft, als Alternativ-Angebot gibt es jetzt Melone und Bananen in meiner Küche. Das Finanzamt hat endlich geschrieben, ich ahnte es, es fehlen Nachweise für die Ausbildungskosten meines Mannes. Die habe ich jetzt, also gibt es auch bald Geld? Wir warten jetzt fast 5 Monate auf die Kohle. Die seltsame Nachbarin hat gestern wieder geklingelt, sie hätten Besuch für drei Tage und es könnte lauter werden. Habe nur gesagt: „Ok, aber um Mitternacht ist Schluss!“. Komme mir dabei vor wie Hausmeisterin Else Kling, aber wenn die feiern wird es wirklich sehr laut und das gerne auch mal bis morgens in der früh. Ist hier halt alles sehr hellhörig und nachts will ich meine Ruhe. Blutdruck und Herzschlag endlich unten nach der ganzen Aufregung, wie gesagt, ohne Aufregung sind meine Blutdrucksenker etwas viel des guten. Ich sehe mich heute hier tatsächlich putzen und auch kochen, denn der Vater will morgen nur frühstücken und somit bleibt mehr Lamm und Kohl für mich. Leider zum Morgen schon geraucht, heute war die Morgenkippe leider nicht eklig, im Gegenteil, aber vielleicht, weil ich zu wenig geschlafen habe. Brötchen warten und Eier, auch habe ich wieder Käse im Haus. Zum Glück gestern nicht so viele Erinnerungen an damals, ich denke ich habe die Erinnerung zu meinen Gesprächen im Fieberwahn von damals jetzt großteils zusammen, es ging damals auch ums Rauchen und ich weiß mein 11-Jähriges ich war ziemlich entsetzt, dass ich eine Raucherin sein werde. Ich glaube, die 11-Jährige von damals wäre sehr enttäuscht zu sehen was aus ihr geworden ist. Damals war ich Leistungssportlerin, damals war ich Leseratte mit einem Verbrauch von zwei Bücher und mehr die Woche und außerdem in Ausbildung für Musik hochbegabte. Irgendwas ist das verdammt schiefgelaufen, ich meine bis heute, dass es der Umzug nach Berlin war. Hier in Berlin hatte ich nämlich weder Sport noch Musik, hier in Berlin hatte ich gar nichts, noch nicht mal Freunde. Aber gut, es ist wie es ist, das Wichtigste ist wohl: Ich lebe noch. Es gilt wohl: „Man kann nichts für die Schäden, die man Kind zugefügt bekommen hat, aber als Erwachsene ist man für die Reparaturen allein zuständig“. Ich hatte also jetzt über zwei Jahrzehnte zum Reparieren, aber ich wie es scheint scheine ich nicht wirklich begabt im Reparieren zu sein oder Berlin war einfach stärker. Meine einzige Leistung ist es noch da zu sein, aber in welchen Zustand. Nur eine weitere dicke und seelisch kranke Frau in Berlin. Zurück ins jetzt, die Überlebende hatte Kaffee und wird heute ihre Wohnung aufräumen und die Nachbarn etwas mit Gesang nerven, Madonna meine Heldin mit 11, was habe ich dazu damals das Kinderzimmer gerockt…

10 Gedanken zu „Obst, Finanzamt, Else Kling, Raucherin und Madonna

  1. Mit Berlin haben wir wieder was gemeinsam. Mir hat der Umzug nach Berlin auch nicht gut getan. Das Stadtleben ist absolut nichts für mich. Ich wurde damals sozialphobisch. Aber psychotisch wurde ich erst wieder auf dem Land.
    Mit Mitternacht als Lärmgrenze bist Du doch sehr human. Richtig so! Ich hätte 22 Uhr gesagt. Nachtruhe bitteschön!
    Und das mit dem Finanzamt ist auch der Hammer! 5 Monate! Die spinnen wohl! Keine Ahnung, was da bei Euch los ist. Hoffentlich dauert es bei mir nicht so lange!

    • Berlin tut den wenigstens gut, ich könnte mir vorstellen das Berlin bei dir nachgewirkt hat und es deswegen auf dem Land, als es endlich Ruhe gab, psychotisch wurde. Ja keine Ahnung was das Finanzamt gegen uns hat, angeblich bearbeiten sie sonst in drei Monaten. Danke für die Formulierung „human“ dann bin ich vielleicht doch nicht Else Kling.

    • Ich formuliere es anders: Ich wurde nach Berlin verschleppt. Freiwillig wollte ich nicht hier hin, aber meine Mutter wollte nach Berlin, der Liebe wegen. Klar kann das eine 11-Jährige nicht, die Erinnerung was ich damals aber so dachte und wollte halte ich aber für wertvoll.

      • Ah, so kann ich das besser verstehen, danke! In welchem Alter bist du denn nach Berlin gekommen? – Ja, die damaligen Gedanken bewahre ich mir auch, zumindest die Träume und Ideale.

        • Ich war 12 als wir nach Berlin kamen. Für meine Mutter hat es sich gelohnt, denn die Liebe dauerte 30 Jahre bis zu ihrem Tod. Oh ja ich hatte damals sehr hohe Ideale und Träume. Heute gebe ich mich damit zufrieden zu leben und so gesund wie möglich zu sein.

          • Das Fazit hört sich bei mir auch so an, obwohl mein Umzug in den „Westen“ im Alter von 30 Jahren eher freiwillig war.

          • Mit 30 kann man ja auch allein entscheiden, mit 11/12 halt nicht. Aber gut, mittlerweile ist Berlin meine Heimat und es gibt hier viele denen es schlechter geht als mir.

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