Früh, Steuer und der falsche Umgang mit Depressiven

Guten Morgen, viel zu früh wach, aber auch sehr früh schlafen gewesen. Büro war gestern ganz gut, viel Organisatorisches gemacht, damit die Arbeit wieder losgehen kann. So richtig ran an den Kunden traue ich mich noch nicht, habe Respekt vor dem Leid der anderen. Der Kaffee schmeckt und ist auch nötig, denn ich habe leichte Bauchschmerzen, vielleicht weil ich ein Steak gegessen habe, irgendwie vertrage ich Fleisch nicht mehr so gut. Das Steuerprogramm meldete gestern, dass der Bescheid da ist, knapp 10 % weniger Geld als erwartet, aber immer noch reichlich Geld. Sehr schön, jetzt muss nur noch die Überweisung kommen. Nächste Woche dann doch Urlaub, ist vielleicht auch besser so, Mama-Woche. Der Internet-Freund unterstellte mir gestern magisches Denken, weil ich ihm erklärte, dass Menschen mit fehlendem Selbstwert Probleme haben Glück in das eigene Leben zu lassen, einfach, weil sie es sich selbst nicht gönnen. Das ist aber ein Erfahrungswert aus dem eigenen Leben und hat aus meiner Sicht nichts mit Magie zu tun. Fehlende Selbstliebe macht so vieles unmöglich. Er verstand daraus nur, dass alle Unglücklichen selber schuld sind, aber so war das wirklich nicht gemeint. Fehlende Selbstliebe hat meistens externe Gründe wie Prägung und diese zu überwinden ist echt schwierig. Aber vielleicht doch mein Fehler, solche Ansichten einem Depressiven mitzuteilen, ich scheine kein Händchen für den Umgang mit Depressiven zu haben, denn ich versuche immer positive Gedanken zu leben, egal wie scheiße die Lage ist. Das kommt aber anscheinend echt schlecht an. Mitheulen, ist für mich aber auch keine Lösung. Vielleicht verteidige ich mit solchen Sprüchen aber auch nur meine Gedankenwelt, weil ich es (momentan) nicht lange aushalte, wenn jemand dauerhaft so pessimistisch und hoffnungslos in die Welt blickt. Ich kämpfe doch nur darum nicht selber depressiv zu sein. Vielleicht ist das aber auch übergriffig, jemand anderem, der aus meiner Sicht eine bessere Geschichte als meine hat zu sagen: „Ich heule auch nicht, also warum du?“ Ich will damit auf keinen Fall den Schmerz des anderen kleiner machen, aber vielleicht verstehe ich es einfach nicht. Ich gelobe hiermit, ich erzähle keinem Depressiven mehr, dass es schlimmer kommen könnte, dass es auch Schönes zu entdecken gibt, das wird nur als Angriff verstanden, auch wenn es gar nicht so von mir gemeint ist. Es ist nur ein Versuch aufzuheitern, Hoffnung zu finden und ja das vielleicht auch: Die eigene Hoffnung nicht zu verlieren. Vielleicht sollte ich mich einfach von depressiven Menschen fernhalten. Der Tag dämmert, werde dann wohl früher ins Büro fahren, es gibt genug zu tun, die Datensicherung, Recherchen, Beratung und mein Lieblingstee ist auch wieder im Büro vorrätig. Morgen die zweite Impfung, ich hoffe, das haut mich nicht wieder so aus der Bahn wie die erste Impfung, keinen Bock mich wieder eine Woche krank zu fühlen. Nächste Woche gibt es nämlich gleich zwei Wellness-Termine für mich, eine Massage und der Ausflug ans Meer. Vielleicht doch noch mal versuchen zu schlafen? Was macht man in Berlin um 6 Uhr morgens? Ich habe keine Ahnung. Bisher war die Antwort darauf immer: Schlafen! Schließen wir mit dem Anti-Depression-Song meiner Urgroßoma, sie hatte eine Spieluhr mit diesem Song:

7 Gedanken zu „Früh, Steuer und der falsche Umgang mit Depressiven

  1. Bei mir warens bei der Steuerrückzahlung auch ungefähr 10% weniger als berechnet. Aber auch immer noch gut was raus gekriegt.
    Das mit den Depressiven ist echt so ne Sache. Bei manchen muss man echt aufpassen, was man sagt, alles kann einem irgendwie übel ausgelegt werden, egal was. Und klar, einige denken echt, sie erleben das Schlimmste, was es gibt, dabei gibts auch noch Schlimmeres, vor allem denken sie oft gar nicht an Andere. Dankbarkeit fehlt manchen Depressiven ganz oft. Da wird es schwer, Glück zu finden.

    • Genau ich bin mit dem Bescheid auch zufrieden und werde jetzt nicht Anfangen einen Widerspruch einzulegen. Genau das ist es, diese Fokussierung auf sich selbst, null Dankbarkeit und der Wille alles Schöne zu zerstören. Ich komme damit nicht zurecht, aber ja es ist eine Krankheit, sie können nicht anders und Argumente wie meine klingen da wohl wie Hohn, dabei bin ich wirklich keine Person, die sich über das Leid anderer lustig macht. Wie gesagt, vielleicht sollte ich mich einfach fern halten, wenn meine Hoffnung so nervt, dass sie sie zerstören wollen.

      • So mach ich das auch, ich halte mich dann fern, wenn ich sowieso nur alles falsch sagen kann. Klar, es ist ne Krankheit. Aber die Lebenseinstellung kann das sicher auch noch verstärken. Es gibt auch Depressive, die eigentlich ganz umgänglich sind.

        • Eigentlich gehört mein Freund zu den umgänglichen, aber aktuell scheint es ihm wohl sehr schlecht zu gehen. Ich kann dabei anscheinend nicht weiterhelfen, sondern nur mir selber den Optimismus rauben lassen.

  2. Kann das sein, dass er nicht besonders empathisch ist? Oder sogar etwas neidisch? Ich kann deine Meinung sehr gut nachvollziehen – siehe auch „We only accept the love we think we deserve“ – wieso kommt er jetzt mit magischem Denken?

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