Nacht, Vater, Pakete, Jobs und Berge

Ein Gruß aus der Nacht, bin müde, aber wach, irgendein Nachbar hat gerade das Haus verlassen. Gestern der Tag ging schnell vorbei, einkaufen gewesen, Mann kam vorbei, Arbeits-Videotreffen, Pizza gemacht, Vater kam zu Besuch und danach alleine entspannen. Bis zum Treffen mit dem Vater ging es mir (sehr) gut, als er dann da war nicht mehr. Thema mit dem Vater war Tod der Mutter und die Entsorgung der Spülmaschine. Ja mein Geschirrspüler ist Schrott und eine Reparatur lohnt nicht mehr. Irgendwie habe ich den Eindruck, auch der Vater entfernt sich gerade. Er hat immer weniger Zeit und wenn, hat die neue Partnerin und deren kranke Mutter Priorität. Finde ich so nicht richtig, mit denen hat er nicht die letzten 30 Jahre verbracht, die haben ihn nicht aufgefangen als es ihm nach dem Tod meiner Mutter schlecht ging, aber gut, die sind wohl seine Zukunft. Wo meine Zukunft dann liegt, weiß ich aber nicht. Der Bruder wird immer seltsamer, der Vater entfernt sich mit neuer Partnerin und ich habe dann wohl nur noch als enge Verwandtschaft den Mann in Berlin. Nicht so gute Aussichten für mich. Heute ein Paket vom Paketshop abholen, ist man einen Tag die Woche nicht da, kommen natürlich alle Pakete auf einmal. Meine Nachbarinnen hatten ja einiges für mich angenommen, aber ein Paket ist jetzt kilometerweit entfernt im Paketshop. Der Kaffee schmeckt und ich überarbeite gerade meinen Lebenslauf, denn es gab eine Anfrage einer Recruiterin. Eigentlich will ich nicht wirklich wechseln, aber zu wissen, was andere bieten und einen Plan B haben, erscheint mir gerade nicht so falsch. Wenn Corona nicht aufhört, weiß ich nicht, ob ich meinen Job seelisch noch lange aushalte. Ein Ausweg scheint nur die extreme Abgrenzung gegenüber dem Kunden, aber selbst wenn ich das lerne und durchziehe, möchte ich das? Alles unklar gerade. Erwachsensein sein, Verantwortung tragen, stinkt. Fühle mich gerade alleine mit der Trauer um die Mutter, der Mann kannte sie nicht, der Bruder ist wie immer abwesend und anderer Meinung und der Vater investiert lieber in die Zukunft. Es ist dunkel, grau grüßt der Tag oder ist es noch die Nacht? Die Straße rauscht aber wie der Tag. Die Aktivität der letzten Tage scheint mir aber gutzutun, gerade nur alleine zu Hause sitzen, echt nicht ratsam. Frische Blumen gekauft, mein Luxus, Schnittblumen braucht man eigentlich wirklich nicht. So viel Depression gerade um mich herum und jetzt ist auch noch der Sommer ausgefallen. Überall verrückte Leute, kein Tag wo ich keinen durchgeknallten Menschen sehe, meistens mehrere und sollte ich zu Hause bleiben, gibt es da immer noch die Nachbarsfamilie und dann im Zweifelsfall auch mich selber. Ich muss mein Leben ändern, wenn ich es noch länger behalten möchte, aber ich kriege es gerade nicht hin, ich müsste abnehmen, ich müsste aufhören zu rauchen, mir einen Sport suchen, aber gerade kriege ich nur das hin, was wirklich für den aktuellen Tag notwendig ist. Also werde ich wegen Corona und nicht durch Corona sterben? Auch ohne Corona wären diese Herausforderungen schwierig. Na immerhin mein Covid-Arm ist wieder in Ordnung, die schmerzhafte Rötung nach der Impfung ist verschwunden, ich hoffe das bringt jetzt auch irgendwas, einen nicht zugelassenen Impfstoff in den Venen zu haben finde ich immer noch gruselig. Das Bein tut wieder weh, die Zehen sind wieder teilweise taub, danke Neuroleptika-Erhöhung, danke Muskelkrämpfe, danke Stress. Erzähle es der Tapete, sagte meine Mutter immer, wenn sie nicht zuhören wollte, ich erzähle es dann mal dem Blog oder den Bergen, hier in Berlin eher Müllberge:

8 Gedanken zu „Nacht, Vater, Pakete, Jobs und Berge

  1. Wir machen das mit Spülmaschine und so immer so, dass wir ein neues Gerät kaufen, lassen es anschließen und die sollen dann das alte Gerät gleich mitnehmen. Weil wir ja beide nicht so kräftig sind, so Zeug hier herumzuschleppen. Kostet halt mehr, aber dafür hat man dann keine Sorgen.

    Mit den gesundheitlichen Themen, mach Dir da mal nicht so Druck. Du hast gute Blutwerte, da ist das Abnehmen auch nicht so dringend. Auch Rauchen, das hört man halt auf, wenn man mal ne gute Phase hat. Bei mir ging das ganz von alleine, als der richtige Zeitpunkt da war. Aber vorher klappt das auch nicht. Sport ist ein Thema für sich. Manchen tut das gut. Ich nehme von Sport erst recht zu, weil ich dann umso mehr esse, richtig viel. Also mach ich lieber keinen Sport, hab es lange probiert. Aber das ist bei anderen sicher nicht so. Man muss nicht Modelmaße haben, Hauptsache einigermaßen gesund!

    Dass sich eine Recruiterin für Dich interessiert finde ich ja cool!

    • Guten Morgen Nell, schön, dass du auch schon wach bist. 🙂 Eine neue Maschine kann und will ich mir nicht leisten, wenn wird es eine gebrauchte, auch da gibt es Unternehmen die Gebrauchte verkaufen und liefern und die alte mitnehmen. Ich überlege noch, auch wenn der Vater helfen würde, habe ich den Eindruck, ich sollte das lieber ohne ihn lösen. Bei Sport geht es mir genauso, ich esse mehr, aber regelmäßige Bewegung brauche ich, sonst wird der körperliche Zustand schlimmer. Modellmaße hatte ich zuletzt als Teenager, danach zu streben ist gerade sehr unrealistisch. Danke für deine beruhigenden Worte, ich denke auch wenigstens ein paar Wochen oder Monate sollten doch für die Veränderung drin sein, Hauptsache ich nehme nicht noch mehr zu und bewege mich täglich, um Schlimmeres zu verhindern. Das mit der Recruiterin hat mich auch erst fröhlich gestimmt, aber eigentlich kein Traumjob und wer weiß, ob Sie noch interessiert ist, wenn Sie sieht, dass ich beruflich mittlerweile ganz andere Dinge mache. Warten wir ab, ich schicke ihr mal meine Daten und warte auf Reaktion.

      • Ja, bin immer ganz früh wach! 🙂
        Das mit der Bewegung an sich, das stimmt schon, ist wichtig. Da reichen aber auch Spaziergänge. Ich hab ja Bewegung bei meiner Arbeit. Stimmt, erstmal nicht zunehmen ist auch mein erstes Ziel, das reicht erstmal.
        Auch wenn das mit der Recruiterin ein ganz anderer Job ist, aber gut, auch mal ne Alternative in Reserve zu haben und gut zu wissen, dass man gesucht ist!

        • Ich seit Abilify auch immer, eigentlich nicht meine Natur. Richtig, täglich wenigstens 1-2 Kilometer laufen, besser mehr, sonst macht der Körper richtig Probleme und die Seele auch. Bei meiner Arbeit leider keine Bewegung. Schreibtisch-Job. Die Recruiterin fragt wegen meiner Erfahrungen vor der Krankheit, eigentlich wollte ich nie wieder zurück zum alten Job, aber derzeit gibt es nicht so viele Optionen, also doch mal austesten? Stimmt schmeichelhaft ist es auf jeden Fall, wenn die einen ansprechen und nicht umgekehrt. Aber wer weiß, vielleicht hat sie 30 Leute angesprochen und ich bin nur eine von vielen. Warten wir ab, ich werde berichten, eigentlich bin ich zu alt für meinen alten Job.

          • Die Schwierigkeit ist vielleicht auch, wenn Du wieder in Deinen alten Job vor der Krankheit gehst, dass Dich das dann stark an die Krankheit erinnert und Du so gezwungen wirst, alles zu verarbeiten, was Du da erlebt hast. Vielleicht ist es besser, das zu vergessen. Hoffe jedenfalls, Du kannst in Deinem derzeitigen Job bleiben! Der scheint ja ganz okay zu sein, abgesehen von manchen Kollegen.

          • Hatte es ja schon versucht in den alten Job zurückzukehren, es war eher seltsam, weil ich total misstrauisch war. Die Angst wieder so benutzt und weggeworfen zu werden ist halt immer noch sehr groß. Ich denke auch der derzeitige Job passt prinzipiell besser, da kann ich offen umgehen mit meiner Vergangenheit und Krankheit und die Chefs haben Verständnis für meine Eigenheiten. Aber für seelisch kranke Menschen in der Pandemie da sein, ist halt hartes Brot.

          • Ja klar, für so einen sozialen Job und die Belastung damit hab ich allergrößten Respekt. Ich glaub, ich könnte das nicht, würde alles zu nah an mich ranlassen. Du hast da sicher schon viel Übung drin, damit irgendwie umzugehen. Das Schwierige ist halt, immer wieder neue Kraft für sich zu schöpfen. Das ist nicht einfach, da beneide ich Dich überhaupt nicht. Klar, dass man dann nicht aufhört mit Rauchen, wenn man unter Dauerbelastung steht. Vielleicht kannst Du Dir zwischendurch mal was Gutes tun, immerhin kannst Du ja sehr gut kochen! Alles Liebe Dir! 🌞🌻

          • Danke dass du es verstehst, stellt manch einer sich vielleicht einfach vor, so ein bisschen Quatschen und gut ist, es ist aber nicht nur ein bisschen Quatschen. Ich bin schon besser geworden mit dem Abgrenzen, am Anfang hat mich alles immer sehr mitgenommen. Aber seit Corona wird das täglich schwieriger sich abzugrenzen. Ich versuche es ja mit dem Guten tun, ich war jetzt bei Massagen, beim Friseur, am Meer, bin viel unterwegs und im Gespräch und HelloFresh ist für den Moment auch wieder aktiviert. Danke! Dir auch alles Liebe! 🙂

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