Ruhe, Schlaf, Frühwarnzeichen, Neuroleptika und neue Ufer

Guten Morgen, endlich Ruhe, endlich genug geschlafen. Schlafen könnte ich gerade nur. Seele und Körper brauchen das. Alles zu viel gerade, ich will auf die Insel. Eigentlich will ich meine Ruhe, aber uneigentlich will der Mann heute früher vor seiner Schicht vorbeikommen, um zu reden. Ich für meinen Teil will aber gerade gar nicht reden, ich will meine Ruhe. Ich rede schon die ganze Woche, kann man mich nicht in Ruhe lassen? Ich war so froh, dass der Vater abgesagt hat und nun der Mann. Muss dem Finanzamt noch schreiben, die verstehen die Erbangelegenheiten nicht und vermuten Sie würden Geld bekommen. Das muss ich natürlich widerlegen, was ich alles muss. Die Chefin stellt die Team-Arbeitsstunden zur Diskussion, aber in der aktuellen Lage will ich nicht mehr Stunden, sondern eher das Gegenteil. Blutdruck wieder ok, die Tage zu hoch, zu viel Aufregung. Gestern nach der Arbeit noch im Lager gewesen, anstrengend, obwohl der Vater die meiste Arbeit gemacht hat, emotional anstrengend, ich schwankte zwischen: „Ich nehme hier alles mit nach Hause“ und Schimpftiraden, wie man so viel Kram ansammeln konnte. Der Kaffee schmeckt, es ist kalt aber sonnig, gestern endlich das Huhn mit Erdnuss gemacht, war lecker. Die Erdnusssoße war was Neues für mich, keine Erdnussbutter, dafür Matjes Ketchup. Kurz: Weniger Fett, aber dafür Zucker in der Soße. Verdauung hat sich auch etwas beruhigt, das ist immer ein Frühwarnzeichen, wenn die Verdauung durchdreht.

Morgen zum Psychiater, aber ich weiß nicht, was ich erzählen soll, er hat mir schon einen Medikamentenwechsel vorgeschlagen, aber das will ich nicht. Ich habe jetzt schon fünf verschiedene Neuroleptika probiert, ich habe keinen Bock auf ein Sechstes. Ehrlich gesagt habe ich das mit den Selbstgesprächen schon mein ganzes Leben und ich bin 36 Jahre damit klargekommen, ohne Medikamente, bis die Krise kam und ich offiziell als krank erklärt wurde. Allerdings gab es nie eine eindeutige Diagnose bei mir, jeder Arzt hatte eine andere Meinung, jeder ein anderes Medikament. Kann ich nicht einfach ich sein, ohne Stempel auf der Stirn und dazu passender Medikation? Die Medikamente haben mir so geschadet und mir so viele Jahre meines Lebens geraubt. Alle wollen Sie mich verändern und nennen das Hilfe, es ist aber wenig hilfreich, es sei denn emotionslos, asexuell, körperlich steif wie ein Roboter und extrem übergewichtig sein, soll eine Hilfe sein. Diese Woche beschlossen doch eine medizinische Reha zu beantragen, aber wie ich hörte kann das bis zu einem Jahr dauern, bis das was wird. Habe ich noch nie für mich beantragt, dabei mache ich das für meine Kunden ständig, vielleicht bin ich jetzt mal dran.

Keinen Bock auf den Mann, keinen Bock auf niemanden, ich möchte nur schlafen, vielleicht was kochen und auf dem Balkon sitzen, wenn dort die Sonne scheint. Herbst, der Winter naht und damit die Dunkelheit. Dunkelheit wie Regen auf traurigen Gemüt, aber Traurigkeit kann man nicht reinigen oder ertränken, sie wird nur größer, wenn man gegen sie kämpft, man kann nur lernen entspannt mit ihr zu schwimmen, vielleicht bis zu neuen Ufern.

5 Gedanken zu „Ruhe, Schlaf, Frühwarnzeichen, Neuroleptika und neue Ufer

  1. Im Herbst höre ich oft gerne so melancholische Musik von Alexandra. Gehört dann irgendwie für mich dazu, so melancholisch drauf zu sein.
    Warum hatte Deine Mutter eigentlich ein Lager mit Kleidung? Hat sie die verkauft? Oder nur gehortet?

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