Rotkopf, 32 Jahre Berlin und Unterhaltung mit dem Mädchen in mir

Der Rotkopf grüßt aus der Nacht. Rot weil gestern bei der Kosmetik. Leider wurde Mandy gekündigt und stattdessen durfte jetzt eine russische Queen an meine Haut. Die meinte dann auch das ich ganz viel Kosmetik brauche, allerdings aus einem Online-Shop mit Gutschein. An der Kosmetik hat sie also nicht verdient, deswegen glaube ich ihr mal einfach, dass, was ich ja schon ahnte, bei mir die Zeit der erhöhten Instandhaltungskosten begonnen hat. Schöne Sache, alt und knusprig zu sein, aber gut, tot sein ist auch keine Option, alt sein und werden ist halt nichts für Weicheier. Für mich ist es gerade halt hart, weil ich auf mich und mein Leben blicke wie mein 11-jähriges Ich, damals war ich körperlich und geistig hoch trainiert, ich tanzte jeden Tag stundenlang und danach las ich noch 1-2 Bücher. Dagegen bin ich heute Wackelpudding, von einem Extrem in das andere.

Das Ergebnis von über 30 Jahren Berlin? Ich lebe noch, aber wie? Immerhin konnte ich aufhören auf meine Mutter wütend zu sein, dass sie mich damals nach Berlin verschleppt hat, ich wollte niemals hier her und schaut man an, was ich dadurch verloren habe, ist es vielleicht auch verständlich, Berlin war der Fleischwolf für meinen Körper und meine Seele. Aber ich bin noch da, ich habe überlebt und mittlerweile auch eine sichere Überlebenssituation hier. Nur hübsch, gesund und intellektuell, das bin ich weniger, dafür aber jetzt sehr erfahren und vielleicht auch ein Stück weise? Was meinem alten Ich jedoch gefällt ist, dass ich eine selbstständige Frau bin, mit eigener Wohnung, eigenem Einkommen, nicht die abhängige Tochter oder Ehefrau von. Ich wollte unabhängig sein, ich wollte frei sein, was nicht heißt, dass ich deswegen auf Liebe verzichten wollte. Aber geliebt werden nur brave Mädchen und nicht wilde Frauen? Ich denke das westdeutsche Frauenbild ist bis heute für den Arsch, manchmal wünsche ich mir deswegen lieber in Ostdeutschland aufgewachsen zu sein, wo die Gleichberechtigung der Frau selbstverständlich und kein Kampfthema war. Wie kann man Menschen wegen Geburtsmerkmalen ihre Rechte absprechen? Wie wir geboren werden, dafür können wir nichts, nur was aus uns wird, dafür sind wir (mit)verantwortlich.

Genug gepredigt zum Morgen, ich denke gerade halt viel nach über mein Leben, was daraus wurde und warum. Das Mädchen, das mit dem Kopf durch die Wand wollte, sieht heute ziemlich verbeult aus und raucht. Berlin, der Moloch war stärker? Wäre es anders geworden wäre ich in Köln geblieben? Keine Ahnung, in meiner Vorstellung war es immer so und das schürte die Wut auf meine Mutter und das Leben immer sehr. Zurück zum jetzt, es ist mitten in der Nacht, es ist dunkel, es regnet und ich trinke Kaffee und rauche, so erwachsene Selbstzerstörung in Berlin 2021. Erkenntnis ist nicht Veränderung, Veränderung kostet Kraft und Zeit und ich weiß nicht, ob ich davon noch genug habe. Das kleine Mädchen weint deswegen, die erwachsene Frau raucht darauf eine, isst danach eine Tafel Schokolade und bewahrt die Ruhe. Mitten in der Nacht, meine Unterhaltung mit meinem früheren Ich:

Blumenkohl, Zeitreise, Ehering, Fernsehen und Leben

Ein Gruß aus der Nacht, leise rauscht die Heizung, nachdem gestern der erste Schnee gefallen ist. Kaffee gekocht und Kerze angezündet, schön dunkel und still hier. Der Mann war gestern da und ich habe asiatischen Blumenkohl gekocht und noch mit Lachs ergänzt, war lecker, findet nur meine Verdauung gerade nicht lustig. Vorhaben rauchfrei gestern total gescheitert, denn ich hatte noch ekligen Discounter-Tabak da. Mein Gehirn macht gerade eine Zeitreise, ich hoffe es ist ein Neuanfang und nicht das Ende. Wobei meistens gehört das ja zusammen, Ende und Neuanfang. Also bitte in dieser Reihenfolge. Vielleicht doch ein wenig zu viel Corona. Immer weglaufen klappt halt nur, wenn die Welt sich schnell dreht, macht sie aber seit Corona nicht mehr. Keine Ahnung, ob das jetzt gut oder schlecht ist. Wir werden es sehen. Heute Kosmetik Termin, ich habe Bedenken danach wieder wie ein Zombie und morgen wie eine Großmutter auszusehen, warten wir ab.

Mein Ehering macht mir in letzter Zeit Probleme, ich habe irgendwie ständig geschwollene Hände, aber die schwellen auch wieder ab. Nachdem ich aber mega Stress gemacht habe, dass die Eheringe getragen werden, kann ich jetzt nicht die sein, die aufhört ihn zu tragen. Die Tage in „Max Headroom“ hereingeschaut, um die Erinnerung aufzufrischen, was für ein kranker Scheiß, ich habe keine Ahnung wer mich das damals mit 11 Jahren hat gucken lassen, meine Mutter war es nicht. Ich war wohl eher fasziniert, weil ich als Kind halt alles gucken wollte, was nur Erwachsene gucken durften. Das fing mit „Poltergeist“ an und endete mit den Softpornos auf RTL und Sat 1. Heute fühle ich mich nicht erwachsen genug, um solchen Scheiß zu gucken. Aber vielleicht ist gerade auch nur Weichei-Zeit, erinnert mich an meine Zeit nach der Krankheit, da durften es plötzlich nur noch Animationsfilme und Liebesschnulzen sein. Während ich mich erinnere, dass ich noch frisch in Berlin „Nightmare on Elmstreet“ zum Frühstück gesehen habe. So verändern sich die Zeiten, damals ein abgebrühtes Mädchen, heute eine vielleicht zu empfindliche Frau.

Gegen irgendwas bin ich wieder allergisch, meine Nase ist ständig zu, dabei haben wir Winter, also Staub oder Milben? Die Bettwäsche ist aber immer frisch, das kann es nicht sein. Die Straße rauscht, meine Vögel schweigen, ich auch, Leben, ich bin noch da, aber das Mädchen in mir hatte sich das alles anders vorgestellt.

Multicolor Menschen, Gangster, Kalter Krieg, Konditionierung und Raul

Guten Morgen, viel zu früh, dieses Mal aber ganz sicher nicht die Nachbarn, auch keine Autofahrer, die mich nachts in meinem Bett blenden, einfach so wach, wieder nach sechs Stunden Schlaf. Aber ich denke, nach dem Schreiben lege ich mich wieder hin. Gestern doch wieder Musik gehört, die Musik vor Berlin, damals überwiegend weiße Musik, aber hier in Berlin wurde dann irgendwie alles schwarz, dabei gab und gibt es hier in Berlin gar nicht so viele dunkelhäutige Menschen, da hatte ich mehr multicolor Menschen in Köln zuvor. Hier in Berlin warteten überwiegend Deutsche, Türken und Araber auf mich, aber auch der Hip-Hop. War mir damals aber egal, ich bin mit einer Selbstverständlichkeit aufgewachsen, dass Menschen verschieden aussehen und sind, aber doch alle gleich sind und Musik unserer universelle Sprache ist. In diesem Punkt mal gelungene Gehirnwäsche der genossenen Erziehung? Auch seltsam im Nachhinein, dass das einzige schwarze Mädchen in der Grundschule meine beste Freundin war, aber wir beide hatten irgendwie keine Wahl, sonst mochte uns keiner. Obwohl ich überwiegend deutsch bin habe ich mich das ganze Leben mehr als Ausländerin gefühlt, ich passte hier irgendwie nie rein und spätestens ab Berlin wurde ich auch ständig gefragt, ob ich türkisch, arabisch, spanisch oder italienisch sei. Die Antwort war aber Mischpoke, keine befriedigende Antwort für die Schubladen der Neugierigen.

Meine Leben eine Truman Show? So kommt es mir vor, wenn ich zurückblicke nur, dass der Drehbuchschreiber so gar nichts von Jugendschutz hielt? Besonders die Zeiten in Berlin hatten eher was mit einem Gangster Film zu tun, alles noch garniert mit einer Brise Kalter Krieg Reste im Berlin nach dem Mauerfall. Ich bin Zeitzeugin, von so vielen, die Mauer fiel kurz nachdem ich in der Stadt ankam und veränderte alles, nicht nur die Pläne meiner Familie. Ich hatte damals Wetten abgeschlossen, wann Deutschland im Kopf und in der Haltung wieder ein Land sein wird. Ich tippte auf eine Generation und geschätzte 25 Jahre, wie sich jedoch gezeigt hat ist auch jetzt 32 Jahre nach dem Mauerfall immer noch eine Mauer in den Köpfen. Wir sind immer noch ein Volk der Ossis und Wessis, begleitet von Ausländern, egal ob wir alle hier geboren sind und schon immer hier leben. Brauchen die Menschen Schubladen? Das Abgrenzen von Mitmenschen? Dieses ich bin besser als du, weil (…)? Wie arm ist das denn? Sich besser fühlen durch die Abwertung anderer?

Genug Gedanken zur Welt und Weltgeschehen, zurück zum Tagebuch, obwohl es gibt nicht viel zu berichten, nicht viel passiert gestern, den ganzen Tag mit dem Rauchdrang gekämpft und den Tag mit drei Zigaretten beendet. Immerhin 3 statt 20. Ich denke die Verantwortlichkeit, dass ich Raucherin wurde, trägt der erste Stiefvater, der mich täglich losschickte, um für ihn Kippen zu kaufen, als Belohnung durfte ich mir vom Restgeld immer ein Eis kaufen. HB war seine Marke, die Marke mit dem lustigen Comic-Werbespot. So kann man ein kleines Mädchen natürlich auch konditionieren, indem sie Zigaretten mit Comics und Eis verbindet. Also wurde ich auch ein rauchendes HB-Männchen. Alles geht schief, alle ärgern mich und dann eine Kippe. Böse Nummer, ich bin ja dafür, dass Drogen aller Art unter Werbeverbot stehen und nur in speziellen Läden an Erwachsene verkauft werden. Der Mensch hat nun mal das Verlangen nach Rausch, aber bitte lasst die Kinder da raus. Zurück zum jetzt in Berlin, es ist dunkel und kalt, der Kaffee schmeckt, meine Verdauung spinnt, ich habe geraucht, hoffentlich die letzten für heute, aber der Tabak ist fast alle und ich werde heute keinen neuen kaufen, auch nicht, wenn man mir dafür einen lustigen Comic zeigt und ein Capri-Eis schenkt.

Versuchen wir es doch noch mit Musik, mit einem der wenigen Neuzugänge der letzten 10 Jahre in meinem Hymnen-Archiv:

Sucht, Essen, Tochter, Max Headroom und gelb

Guten Morgen, wieder so früh wach, keine Ahnung warum. Für den Moment ist Beherrschung angesagt, denn seit gestern Morgen rauche ich keine Zigaretten mehr. Aber morgens zum Kaffee vermisse ich die Kippe jetzt besonders. Ich rauche morgens zum Aufwachen eigentlich immer sehr viel. Jetzt nur Kaffee ist schon schräg. Mein Verstand weiß aber, dass das besser für mich ist, gerade bei meinen Allergien und Gewicht, gibt es auch andere Gründe atemlos zu sein, aber die Sucht schreit gerade gewaltig. Gestern ein schlechter Tag gewesen, konnte mich während der Arbeit nicht konzentrieren und habe dann auch nur ein paar Stunden gearbeitet und mich besser hingelegt.

Die Thunfisch Bowl war lecker und danach noch ein Basenbad. Über 20 Jahre habe ich jetzt geraucht, ich hoffe ich überlebe die erste Woche ohne, ich denke, dann sollte es geschafft sein. Heute wahrscheinlich rote Bete, ja es gibt schon seltsam gesunde Gerichte, die ich mag. Meine Männer würden das beide nicht mögen. Vielleicht aber mal ganz gut so, Essen zu haben, dass nur mir schmeckt und nur für mich ist. Ist selten, dass ich nur für mich koche. Heute bisher keine Pläne, vielleicht endlich ins Lager? Diese Aufgabe lastet sehr schwer auf meinen Schultern, endlich frei zu sein, von ihren Sachen und der Verpflichtung mich als Tochter zu kümmern, das wäre doch mal was so drei Jahre nach ihrem Tod. Ich denke ich als Tochter erinnere am meisten an sie und sollte mich wohl eher um meinen Erhalt kümmern als um Klamotten und Sammelsurium.

Mit dem Mann gerade wenig Kontakt, ich bin so beschäftigt und er mit dem neuen Job auch. Eine 40-Stunden-Woche ist ihm nichts und das, obwohl er der gesündere von uns beiden ist, er jammert gern wie gut ich es habe, mit nur 30 Stunden die Woche, ich glaube er hat keine Vorstellung was es bedeutet meine Krankheiten zu haben und meine Medikamente zu nehmen. Aber eh mein Eindruck, die neue Generation ist eine Generation von Weicheiern. Nichts mehr mit 40 Stunden plus die Woche arbeiten und verloren, wenn sie ihr Smartphone nicht haben, weder Telefonnummern noch Wege sind in ihrem Kopf gespeichert, alles übernimmt das Telefon, wie ein ausgelagertes Gehirn. Finde ich bedenklich, wenn man sein Gehirn mit Strom aufladen muss und vielleicht verlieren kann. Alles wie in Max Headroom bevor gesagt. Habe ich diese Serie geliebt und keine Ahnung gehabt wie sehr es der Zukunft entsprach. Ein elektronisches Zweitgehirn dabei zu haben ist ja immer gut, aber davon abhängig sein? Tippe hier rauchlos in der Dunkelheit, vielleicht gehe ich lieber wieder ins Bett, schlafend ist die Rauchentwöhnung leichter. Freue mich über meine neue gelbe Handtasche, die erste neue Handtasche für mich nach 10 Jahren? Erinnert mich, warum auch immer daran:

LPs, Stille, Verkabelung, Essen und Musik

Guten Morgen, keine Ahnung was los ist, aber jetzt reichen plötzlich 6 Stunden Schlaf? Der Kaffee schmeckt und ich bin nicht so gut gelaunt, hätte gestern wohl besser ins Büro fahren sollen. Zu viel allein ist wohl gerade nicht so gut, dabei hatte ich gestern viele Beratungen, war danach noch einkaufen und Pakete gab es auch. Habe schon ein Weihnachtsgeschenk für den Vater, weil es keine CD gab, doch tatsächlich eine neue LP bestellt, ein ungewöhnliches Angebot im Jahr 2021 eine neue LP zu kaufen. Es hat mich aber an meine hunderten alten LPs erinnert, die verstaubt im Regal stehen. Die zwei wichtigsten LPs sind wohl meine erste in Köln selbst gekaufte neue LP „Take on me“ von a-ha und meine erste in Berlin selbst gekaufte gebrauchte LP von Earth Wind and Fire. Will ich aber beides gerade nicht hören, obwohl ich den Plattenspieler gerade erst gereinigt habe und der startbereit in Sichtweite steht.

Gestern zum Feierabend also in der Stille bei Kerzenschein gesessen, keine Musik, kein Fernsehen. Das war jetzt vielleicht doch zu viel Stille und zu wenig Ablenkung. Aber man kann nicht immer vor seinen Gedanken und Erinnerungen davon laufen, egal wie schrecklich die sind. War ich damals glücklich bei der Musik, heute kommt es mir wie eine Lüge vor. Ich kann aber wohl nicht ewig auf meine Musik sauer sein, ich brauche sie zum Leben wie das Atmen. Nur atmen allein macht halt keinen Spaß, das weiß ich durch das Neuroleptika-Koma genau. Die Verkabelung für das Homeoffice verbessert, es gibt jetzt einen Repeater im Arbeitszimmer und damit kein Netzwerkkabel mehr, das während der Arbeit durch den ganzen Flur verlegt werden muss. Hoffentlich ist damit auch das W-LAN Signal im Arbeitszimmer besser, die letzten Videokonferenzen waren doch sehr verpixelt und die Verbindung schlecht. Ist blöd, wenn man Host für die Videokonferenz ist und die Bandbreite nicht reicht. Gestern nämlich tatsächlich Video-Beratung gemacht, ein Format, dass ich immer noch hasse, denn ich ertrage es nicht mich dabei ständig selbst zu sehen.

Wäre gut, wenn ich meine heilende Wirkung, die ich öfter auf andere habe, auch auf mich selbst anwenden könnte, klappt aber gerade nicht so gut. Es ist dunkel, es ist viel zu früh und gestern wieder Mist gegessen, geplant für heute wahrscheinlich Thunfisch, hatte ich schon gestern Bock drauf, aber zuerst musste das Sauerkraut weg. Das mit dem Essen einfach wegwerfen habe ich immer noch nicht drauf und weiß nicht, ob ich das jemals lernen kann und möchte. Es ist einfach falsch Essen wegzuwerfen, während andere auf der Welt hungern. Irgendwie schwingt da meine Weltkriegserfahrene Uroma immer noch mit, sie hat alle Frauen in der Familie erzogen, mit Lebensmitteln achtsam und sparsam umzugehen. Dass ich dabei irgendwann zu reicheren Zeiten zum Essens-Müllschlucker der Familie werde, das war sicher nicht in ihrem Plan vorgesehen. Mein Video des Tages bereitet mir gerade Probleme, lassen wir das mit dem Pop und besinnen uns auf Klassik:

Tiefschlaf, Arbeit, Aufmerksamkeit, Medien und Hoffnung

Guten Morgen, wieder wenig Schlaf, aber dafür sehr tiefer, fühle mich trotz allem erholt. Aufgeregt über die Arbeitslage, es kann so nicht weitergehen, also trete ich auf die Bremse und werde jetzt weniger arbeiten, bevor wieder etwas an mir kaputt geht, wenn es nicht schon zu spät ist. In letzter Zeit bin ich immer wieder überrascht, wie schlecht Leute andere Leute beobachten und zuhören. Da werden Gespräche geführt, da werden Fragen gestellt, die völlig unnötig sind, wäre man nur etwas aufmerksamer für sein Gegenüber. Sind wir alle nur mit uns selbst beschäftigt? Als Außenseiterin habe ich früh gelernt sehr gut zu beobachten und zuzuhören, nicht aus Nächstenliebe, sondern um Gefahren abschätzen und abwenden zu können. Das galt in den ständig wechselnden Schulen, aber auch besonders gegenüber meiner Mutter, besser frau weiß, was der andere vorhat und was jetzt kommt. Bei meiner Mutter ging das so weit, dass ich meinte zu wissen, was sie denkt und damit auch, was sie als Nächstes tun wird. Meistens hatte ich recht. Das war überlebenswichtig. Ihr Temperament war nämlich sehr aufbrausend und ich ihr als kleines Mädchen ausgeliefert. Manchmal denke ich, dass ich dadurch ein wenig wie The Big Lebowski wurde. Ein Menschenversteher, der in der Badewanne Joints raucht, das ist nicht so weit von meinem Leben entfernt.

Genug therapeutische Selbstanalyse zum Morgen, zurück zum Alltag. Gestern im Büro gewesen, das war gut so, mir ist hier die Decke auf den Kopf gefallen. Heute bleibe ich aber hier und morgen wieder ins Büro? Immer hier sein, ist auf jeden Fall keine gute Idee, weder für Körper noch Seele. Rauche leider immer noch, aber habe die Tage deutlich weniger gegessen, immerhin, ich will nicht weiter zunehmen, es ist furchtbar. Die Eitelkeit zwickt es, aber es geht mittlerweile eher um meine Freiheit und Gesundheit, nicht darum besser auszusehen. Von Musik gerade die Nase voll, mir ist etwas klar geworden, das muss ich erstmal sacken lassen. Auch Fernsehen geht mir auf die Nerven, kauf dies, kauf das, verhalte dich so, sehe so aus, die können ihre ganzen Botschaften mal für sich behalten. Stille gerade das einzig Wahre, in meinem Kopf, meinen Herzen ist genug los. Dazu einen Kaffee und die Medizin nicht vergessen, ich hasse es Medizin zu nehmen, es ist nicht natürlich nur mit Pillen überleben zu können, aber ich muss, bis die Zeiten hoffentlich wieder besser werden. Hoffnung, die russische Bedeutung meines Vornamens, vielleicht wusste meine Oma als sie diesen Namen für mich durchsetzte, dass ich verdammt viel Hoffnung brauchen werde, vielleicht auch nicht. Wie auch immer, ich bin noch da und habe die Hoffnung immer noch nicht aufgeben.

Ok, Büro, Seele und nicht ok

Guten Morgen, zu wenig geschlafen, aber ich fühle mich ok. Homeoffice gestern ok und Supervision sehr fruchtbar. Endlich einen alten Konflikt ausgeräumt. Bin am überlegen, ob heute ins Büro oder nicht, vielleicht lieber raus hier. Gestern noch Kassler, weil er wegmusste. Immer noch komisch so ein aufgeräumtes Wohnzimmer zu haben, die extreme von aufgeräumt bis Chaos sind leider beide ein Anzeichen von Manie oder Depression, deswegen bin ich da immer wachsam in der Beobachtung. Nicht mit der Chefin gesprochen, aber in der Supervision einen Plan besprochen, wie ich dieses Jahr auf der Arbeit überlebe, ich denke die Chefin wird zustimmen.

Es ist dunkel, die Straße rauscht und ich muss aufpassen, dass die Vögel kein Lied um sechs Uhr morgens singen. Heute Pizza-Abend mit dem Vater, ich bin immer noch traurig, dass es da derzeit wohl keinen Weg für mich gibt, die ehemalige Wohnung der Eltern als Mieterin zu übernehmen, statt dessen schleimen jetzt diverse Leute den Vater voll, weil sie die Wohnung zum möglichst günstigsten Preis haben wollen. Mein Vater ist da leider zu wenig Kapitalist, um einen angemessenen Preis zu fordern. Verstehe ich ja bei Freunden und Familie, aber nicht bei fremden Leuten. Gestern der Tag des kaputten Glases, erst eine Glaslampe im Keller zerstört, weil ich ein Netzwerkkabel suchte und später noch ein Kerzenglas zerstört, Scherben bringen Glück? Oder wieder Tollpatsch in the house?

Vielleicht auch meine Seele, die erwacht und sich fragt, wer diese Frau ist. Keine Ahnung, die letzte gefühlte Erinnerung ist von 2012? Das kleine Mädchen in mir hatte sich das alles anders vorgestellt. Ach lassen wir Jessie sprechen:

Gegessen, Medis, Mutter, stolz und Berge

Guten Morgen, ganz passabel geschlafen und zu früh wach. Gestern der Kosmetiktermin ist zum Glück ausgefallen, wäre mir gestern auch nichts gewesen, der Termin beim Arzt reichte als tägliches Ausflugsziel. Danach dann Döner und später das hier gekocht. Heute Homeoffice mit Supervision, ich glaube damit könnte ich heute alleine sein, weil sonst keiner da ist. Da ich aber gerade die meiste Arbeit alleine mache, auch angemessen? Viel Musik gehört und nur wenig Fernsehen gesehen und relativ früh schlafen gewesen. Erstmal alles sacken lassen und notfalls mehr Tropfen für mich, der Arzt hat mir gestern ein Rezept gegeben. Es ist noch dunkel, die Straße rauscht und ich mag mein „neues“ Wohnzimmer. Beschlossen eine neue Handtasche zu tragen, ich kann nicht ewig alle Sachen meiner Mutter auftragen, das mochte ich schon zu ihren Lebzeiten nicht und fühlte mich dann verpflichtet nach ihrem Tod? Ich habe den Eindruck, so halte ich sie irgendwie mehr in Erinnerung, aber die Sachen sind und waren nie ich. Die einzige Ausnahme sind ihre Anfertigungen, das sind wenigstens Einzelstücke, nicht ganz mein Geschmack, aber einzigartig wie ich.

Der Kaffee schmeckt und ich bin eine neue Frau in Werdung, vielleicht auch eher die alte Nadine? Überhaupt Nadine? Ich lachte früher schon herzlich über den Witz: „Wer bin ich? Und wenn ja wie viele?“ Meine Mutter und ich waren immer ein Stück eine Person, vielleicht fällt es mir deswegen so schwer sie endlich loszulassen. Mit ihrem Tod bin auch ich ein Stück gestorben. Sie ist immer noch die Hälfte, die ich vermisse. Für mich ist sie immer noch da, auch wenn sie sonst keiner sieht und fühlt. Frau kann schreiben und denken über sie was man will, aber im Zweifelsfall war sie ein kämpfender Schutzengel für mich. Heute spiele ich für viele Schutzengel, aber wer schützt mich? Da fällt mir in Berlin nur mein Stiefvater ein, vielleicht auch mein Bruder, wenn der mal was mitbekommt. Einer meiner Onkel aus er alten Heimat vielleicht auch, während ich meine Oma vergessen kann. Für meine Oma war ich immer das unerwünschte Kind und die Schande der Familie Teil 2 nach meiner Mutter. Wir waren die schwarzen Schafe und irgendwann auch stolz drauf. Das ist eine gute Erinnerung an sie, neben der ganzen Vernachlässigung und Gewalt, sie hat mich gelehrt stolz darauf zu sein, ein Outsider, ein Freak ein Halbblut zu sein. Vielleicht auch ein Grund, dass schwule Männer sie liebten. Dieser Teil von ihr muss unbedingt überleben, der Glaube, dass jeder einzigartig und wertvoll ist und stolz darauf sein kann.

Ich glaube ohne diesen Glauben, wäre ich nie so weit im Leben gekommen, zu viele Hater in meinem Leben. Genug Mutter Gequatsche für heute, das Leben geht weiter und kein Berg wird je zu hoch sein….

Evangelische Kirche, Stiefvater, neues Wohnzimmer und letzte Runde?

Guten Morgen, zu wenig geschlafen, aber Erinnerungen quälen mich. Vielleicht weiß ich endlich, was mit mir und meinem Leben los ist, bzw. was schiefgelaufen ist. Ich glaube, ich sollte dazu meinen ersten Stiefvater fragen, der, um mir einen Kinderhort-Platz bei der evangelischen Kirchen zu sichern, einen Pakt eingegangen ist und anschließend weggerannt ist. Mehr möchte ich erstmal nicht schreiben, ich muss die Erinnerung/Erkenntnis erstmal sacken lassen und mir gut überlegen, ob ich meinen Drang ihn anzurufen und zur Sau zu machen nachgehe. Die Angst bei solchen Erinnerungen als psychotisch zu gelten ist sehr groß, aber ich weiß nicht, ob ich meinen Psychiater heute davon erzähle oder besser nicht, aktuell bin ich überwältigt und muss mich sortieren.

Wäre mein Ex-Stiefvater doch einfach nie in unser Leben getreten, ich dachte sein schlimmstes Vergehen wäre gewesen, meiner Mutter und mir ein glückliches Leben zu versprechen, sie zu schwängern, zu betrügen, zur Abtreibung zu zwingen und sie/uns zu verlassen. So oder so, eine extrem feige Sau. Auch frage ich mich, was die evangelische Kirche davon hatte Kinder in der Art und Weise zu missbrauchen zu erziehen. Ich schwanke zwischen Wut und Selbstmitleid, mein Leben versaut durch einen dummen Mann und die evangelische Kirche? Warten wir ab, ich bin derzeit sehr verdattert. Alles nicht lustig, alles sehr belastend. Versuchen wir es mit meiner üblichen Tagebuchaufzeichnung:

Gestern sehr viel geräumt und geputzt in der Wohnung, sehr motivierend, wenn der Vater mal am Tag vorbeikommt und eventuell sehen kann wie dreckig es hier ist. Also gestern geputzt, geräumt und jetzt ein neues, wie ich finde schickeres Wohnzimmer geschaffen. Das Wildschweingulasch war gut, aber irgendwie ist mir der Appetit vergangen, schaut man mich an, sollte ich wohl gar nicht mehr essen, aber Nahrungsaufnahme ist nun mal eine notwendige Gewohnheit? Ist halt schwierig, wenn man als Kind gehungert hat, sich als Erwachsene nicht vollzustopfen, aber genau das mache ich. Der Waldspaziergang war dann verregnet und wieder über die Autos geärgert, die unerlaubt durch den Wald fahren. Noch gibt es keine Erlaubnis, ohne Forsterlaubnis mit dem Auto durch den Wald zu fahren, interessiert nur niemanden hier. Gestern hätte ein grauer Mercedes fast unseren Hund überfahren. Eine neue Woche doch heute noch frei, aber ich habe Termine, aktuell ist ein Kosmetiktermin später, aber wirklich nicht meine Priorität, schaut ruhig in mein altes, faltiges Gesicht, es entspricht meiner Stimmung. Wenn interessieren Gesichtsfalten, wenn die eigene Seele verkauft wurde? Heute bin ich gefühlt hunderte Jahre alt, also warum sollte ich so tun oder aussehen wollen, als wäre ich noch in den 30ern? Bin ich nicht, ich bin fucking 45 und sterbe ich wie meine Mutter, ist das leider nicht die Halbzeit, sondern das Einläuten zur letzten Runde.

Genug, genug für heute, vielleicht für mein Leben. Heute entweder keine Musik oder das hier:

Geschlafen, spät, Wohnzimmer, Kosmetik und rum wackeln

Guten Morgen, tatsächlich geschlafen die Nacht und aufgewacht in einem grauen Novembertag. Gestern sehr kurz gearbeitet und stattdessen lieber das Wohnzimmer angegangen. Der alte Couchtisch ist jetzt weg und der Boden gestaubsaugt und gewischt. Danach schlafen und nicht gekocht, sondern TK-Lasagne gegessen, später dann aber noch das Gulasch für heute vorbereitet. Habe es mit einem Schuss Sherry gekocht, lecker. Im Hausflur gerade Besuchstag, ich habe Sonntag früh um acht andere Pläne als Leute zu besuchen und Krach zu machen. Ich schlürfe Kaffee und blinzle schweigend in den Tag. Die Amaryllis ist einfach wunderschön, ich bin immer traurig, wenn ich sie nach Dezember nicht mehr bekomme. Wäsche gewaschen und für heute keine genaue Zeit mit dem Vater vereinbart, vielleicht ein Fehler, so kommt er spät und ist dann noch nicht mal zu spät?

Veränderung, Veränderung, immer stressig, aber gleichzeitig aktuell auch lohnend, das Wohnzimmer sieht schon besser aus. Ist schon krass, dass ich erst nach sechs Jahren die Wohnung so einrichte und arrangiere wie ich es brauche und möchte, egal was Mama will/wollte. Die ersten Jahre habe ich den schönsten Raum hier gar nicht genutzt, weil sie es mir verboten hatte. So habe ich jahrelang Miete bezahlt, ohne was davon zu haben. Untermieter in der eigenen Wohnung. Jetzt wird das langsam meine Wohnung, die für meine Zwecke voll genutzt wird. Morgen zum Psychiater und zur Kosmetik, beides keine tollen Termine, der Psychiater ist zwar ein angenehmer Mensch, aber am Arsch der Welt und das mit der Kosmetik wird wieder schmerzhaft. Der Effekt beim letzten Mal war knallrotes Gesicht und einen Tag danach 10 Jahre älter aussehen, ich hoffe dieses Mal wird es besser.

Der Mann war gestern auch da, aber nur kurz, nach unserem Wochenende letzte Woche gerade auch nicht so große Sehnsucht, wir beide brauchen jetzt glaube ich Zeit allein, um liegen gebliebene Sachen zu sortieren und sich zu erholen. Ich glaube ich werde nie die Frau die 24/7 mit irgendwen zusammen sein möchte, die Einsamkeit ist eine notwendige Sache zwischendurch. Während es für viele Leute Horror ist allein zu sein, ist es für mich Horror nie allein zu sein. Ich brauche halt meine Privatsphäre Privatatmosphäre, wie ich als Kind fälschlicherweise sagte. Eine Blume braucht dringend neue Erde, eine Mission für heute. Das mit dem Terrorvogel ist dank Wasserpistole deutlich besser geworden, nur wenn Futter oder Wasser fehlt, kriege ich noch was auf die Ohren. Keine Ahnung was ich jetzt mit meinen Wohnzimmer-Bildern mache, sie passen hier nicht mehr rein, aber der Keller ist auch voll. Eine Erlösung wäre ein Altkleidercontainer in der Nähe, aber der nächste ist kilometerweit entfernt und ich habe kein Auto. Im Kleiderschrank ist auch noch Potenzial für weitere Säcke Altkleider, aber wohin damit?

Gestern weiter Musik gehört bzw. Musikvideos geschaut, auch anstrengend irgendwann, aber ich habe soviel Musik verpasst. Ich habe sehr viel verpasst in meinem Medikamenten-Koma, aber das Schlimmste finde ich ist die entgangene Musik. Singe jetzt wieder vor mich hin und wackle herum, solange das mein Körper zulässt, was nicht lange ist. Auf in den Tag, es gibt hier in der Wohnung viel zu tun und ich versuche es mal mit einem rum wackel Song zum Morgen: