Rotkopf, 32 Jahre Berlin und Unterhaltung mit dem Mädchen in mir

Der Rotkopf grüßt aus der Nacht. Rot weil gestern bei der Kosmetik. Leider wurde Mandy gekündigt und stattdessen durfte jetzt eine russische Queen an meine Haut. Die meinte dann auch das ich ganz viel Kosmetik brauche, allerdings aus einem Online-Shop mit Gutschein. An der Kosmetik hat sie also nicht verdient, deswegen glaube ich ihr mal einfach, dass, was ich ja schon ahnte, bei mir die Zeit der erhöhten Instandhaltungskosten begonnen hat. Schöne Sache, alt und knusprig zu sein, aber gut, tot sein ist auch keine Option, alt sein und werden ist halt nichts für Weicheier. Für mich ist es gerade halt hart, weil ich auf mich und mein Leben blicke wie mein 11-jähriges Ich, damals war ich körperlich und geistig hoch trainiert, ich tanzte jeden Tag stundenlang und danach las ich noch 1-2 Bücher. Dagegen bin ich heute Wackelpudding, von einem Extrem in das andere.

Das Ergebnis von über 30 Jahren Berlin? Ich lebe noch, aber wie? Immerhin konnte ich aufhören auf meine Mutter wütend zu sein, dass sie mich damals nach Berlin verschleppt hat, ich wollte niemals hier her und schaut man an, was ich dadurch verloren habe, ist es vielleicht auch verständlich, Berlin war der Fleischwolf für meinen Körper und meine Seele. Aber ich bin noch da, ich habe überlebt und mittlerweile auch eine sichere Überlebenssituation hier. Nur hübsch, gesund und intellektuell, das bin ich weniger, dafür aber jetzt sehr erfahren und vielleicht auch ein Stück weise? Was meinem alten Ich jedoch gefällt ist, dass ich eine selbstständige Frau bin, mit eigener Wohnung, eigenem Einkommen, nicht die abhängige Tochter oder Ehefrau von. Ich wollte unabhängig sein, ich wollte frei sein, was nicht heißt, dass ich deswegen auf Liebe verzichten wollte. Aber geliebt werden nur brave Mädchen und nicht wilde Frauen? Ich denke das westdeutsche Frauenbild ist bis heute für den Arsch, manchmal wünsche ich mir deswegen lieber in Ostdeutschland aufgewachsen zu sein, wo die Gleichberechtigung der Frau selbstverständlich und kein Kampfthema war. Wie kann man Menschen wegen Geburtsmerkmalen ihre Rechte absprechen? Wie wir geboren werden, dafür können wir nichts, nur was aus uns wird, dafür sind wir (mit)verantwortlich.

Genug gepredigt zum Morgen, ich denke gerade halt viel nach über mein Leben, was daraus wurde und warum. Das Mädchen, das mit dem Kopf durch die Wand wollte, sieht heute ziemlich verbeult aus und raucht. Berlin, der Moloch war stärker? Wäre es anders geworden wäre ich in Köln geblieben? Keine Ahnung, in meiner Vorstellung war es immer so und das schürte die Wut auf meine Mutter und das Leben immer sehr. Zurück zum jetzt, es ist mitten in der Nacht, es ist dunkel, es regnet und ich trinke Kaffee und rauche, so erwachsene Selbstzerstörung in Berlin 2021. Erkenntnis ist nicht Veränderung, Veränderung kostet Kraft und Zeit und ich weiß nicht, ob ich davon noch genug habe. Das kleine Mädchen weint deswegen, die erwachsene Frau raucht darauf eine, isst danach eine Tafel Schokolade und bewahrt die Ruhe. Mitten in der Nacht, meine Unterhaltung mit meinem früheren Ich:

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