Tee von 2018, Merguez, Panik, eingebildete Kranke und Mutter Natur

Guten Morgen, endlich mal ausgeschlafen. Der Terrorvogel ist leider auch schon wach. Gestern nicht viel passiert und nicht das Haus verlassen. Reste gegessen und als einzige Heldentat die Tee-Ecke in der Küche ausgemistet, sehr viel 2018 und früher abgelaufen, wie bezeichnend. Seit 2018 hatte ich auch andere Probleme als Tee. Wunderbar bei geöffneten Fenster schlafen zu können, ich genieße das. Der Kaffee schmeckt, etwas Sonne ist zu sehen, draußen singen auch Vögel, aber deutlich angenehmer als mein Mitbewohner. Heute Pasta mit Merguez für den Vater geplant. Aktuell ist die Sehnsucht nach dem Mann nicht gegeben, genug Stress mit und wegen ihm. Gerade sehr zufrieden, dass keiner was will und ich nichts muss. Gestern wieder stundenlang Techno, ich habe gemerkt, dass Staubsaugen dagegen hilft. Ruhe und Frieden, im so weit intakten Berlin, wunderbar. Meine Kräuteranpflanzungen zu Hause umfassen mittlerweile: Schnittlauch, Minze, Basilikum, Rosmarin, Oregano, aber es fehlt die Petersilie, das werde ich bald ändern. Das Wetter scheint gerade sehr pflanzen freundlich zu sein, es sprießt und wächst hinter dem Haus wie wild. Auch die Erdbeere vom letzten Jahr ist zurückgekommen und hat bereits eine Blüte.

Panik, mein Thema, die letzten Wochen, erst wegen Krieg, dann wegen Unwetter, deswegen auch vermehrt horten zu Hause, aber sein wir realistisch, wenn eine Atombombe oder ein Tornado kommt, helfen mir meine Vorräte auch nichts. Dann bin ich im Zweifelsfall die Frau, die man unter einem Haufen von Lebensmittelkonserven findet oder halt auch nicht mehr findet. Es ist alles nur ein Versuch irgendwie die Kontrolle zu behalten, sich irgendwie sicher zu fühlen, auch wenn es ein Selbstbeschiss mit zu viel Klopapier ist. Aber was könnte helfen? Putin könnte man vielleicht irgendwie besänftigen, aber Mutter Natur? Mutter Natur denkt und handelt nicht in unseren Zeiteinheiten, die hat Zeitpläne, die gehen über ein Menschenleben hinaus. Corona ist für mich nur eine ihrer Maßnahmen, um sich selber wieder mehr Platz auf der Erde und in Wasser und Luft zu schaffen.

Ein Keks zum Kaffee, keinen Bock auf Frühstück gerade, aber der Magen braucht was. Blutdruck abends jetzt sehr weit unten, 100 zu 60, ist dann wohl sehr entspannt. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob das mit dem Bluthochdruck ein Missverständnis ist, denn jedes Mal als beim Arzt gemessen wurde hatte ich panische Angst wegen meiner Mutter, ein Grund, warum die Werte hoch waren. Die Langzeitbeobachtung von Blutdruck und Herz hatte aber ergeben, dass es da generell kein Problem gibt, weil die Werte in Ruhe wieder schnell fallen. Nehme ich jetzt unbegründet Blutdrucksenker? Nur weil es keinen Arzt gibt, der mich von der Angst wie meine Mutter zu sterben befreien kann? Ist es eine Angststörung, wenn die Angst berechtigt ist? Ist es Depression, wenn es tatsächlich einen Trauerfall gibt? Ist es eine Anpassungsstörung, wenn man länger als ein paar Wochen über einen Todesfall trauert? Für mich eigentlich nicht, wenn externe Faktoren beeinflussend vorhanden sind. Unser Gesundheitssystem hätte es aber drauf, trauernden, ängstlichen und hungernden Leuten im Krieg zu erklären, dass sie und ihre Haltung das Problem sind und sie sich bitte in Gesprächstherapie und medikamentöse Behandlung begeben sollen, um sich und ihre Haltung, nicht die Gesamtsituation, zu ändern.

Wow, das ist heute viel Geschreibe geworden, ich versuche dann mal zu entspannen und hoffe, irgendwer kümmert sich um Putin und dass Mutter Natur noch etwas Geduld mit uns findet.

9 Gedanken zu „Tee von 2018, Merguez, Panik, eingebildete Kranke und Mutter Natur

  1. Also, der Psychiater von dem Podcast, den ich immer höre, meint, wenn es Gründe gibt, dass man traurig ist, z. B. eine Trennung oder ein Todesfall, dann behandelt man nicht medikamentös. Man muss eher an den Umständen arbeiten. Bei meiner Schwester hab ich das auch so erlebt, sie hatte schlimmen Liebeskummer nach ner Trennung, da gabs Gesprächstherapie und keine Medikamente. Ich denke das ist genauso, wenn man echte Gründe für Angst hat. Dann lieber an den Umständen arbeiten. Ich weiß aber nicht, ob alle Psychiater das so sehen.

    • Guten Morgen Nell, meine Erfahrung ist da eine andere, wenn sich das Problem/die Umstände nicht schnell lösen lassen wird halt schnell der Rezeptblock gezückt. Es gibt sie sicher, die bedachten Ärzte, aber die meisten stehen halt auch unter Zeit- und Kostendruck und handeln deswegen anders. Bei einem Todesfall wird z.B. davon ausgegangen, dass man nach ein paar Wochen damit fertig sein sollte, falls nicht, wird schnell von Depression oder Anpassungsstörung gesprochen. Wie kann man z.B. am Umstand Tod arbeiten? Was lässt sich daran ändern, mit Therapie oder Medikamenten? Nichts, denn das erweckt keine Toten. Für mich ist unser gesamtes Gesundheitssystem ein Umstand, doch wie soll ich das ändern? Das Gesundheitssystem ist halt kein Wirtschaftszweig der monetäre Gewinne erzielt und das, obwohl Gesundheit unbezahlbar ist.

      • Ich kenne niemanden, der einen Tod schnell verarbeitet hat, bei meiner Mutter dauerte die Trauer über den Sohn Jahre. Aber sie ist damit auch nicht zum Arzt gegangen. Meiner Schwester wiederum hat die Gesprächstherapie sehr geholfen, die Trennung zu verarbeiten.
        Ich persönlich habe so gut wie keine Erfahrung mit Therapie und Ärzten. Deswegen weiß ich nicht, wie das da draußen gehandhabt wird.
        Naja, das Gesundheitssystem kann ja gar keine monetären Gewinne erzielen und soll es auch nicht.

        • Doch mit der Privatisierung des Gesundheitssystems wurde da ein Kostendruck aufgebaut, dem keiner gerecht werden kann. Sie müssen Gewinne abwerfen, schaffen es aber meistens nicht. Bei mir jetzt auch Jahre wegen der Mutter, ich denke aber jetzt bin ich langsam mit dem Gröbsten fertig. Ich habe es mit Therapie versucht, die erste machte alles nur schlimmer und die zweite war eine Zeitverschwendung. Zusätzlich die hohen Hürden überhaupt an Therapie zu kommen, weil es zu wenige kassenzugelassene Therapeuten gibt, mein letzter Versuch einen Therapeuten zu finden war letztes Jahr, nach 5 oder 6 vergeblichen Telefonaten habe ich dann wieder aufgegeben, sehr kostensparend, unser System.

          • Ja, das hab ich auch schon gehört, dass es sehr schwer ist, einen Therapeuten zu finden. Das ist echt kein Zustand. Genauso mit dem Gesundheitssystem. Sowas hat keinen Gewinn abzuwerfen, das ist einfach falsch, was da läuft.

          • Ja leider, ich habe ja jetzt auch schon ein paar Jahre beruflich damit zu tun und manchmal möchte ich einfach nur noch Schreien über unser System.

  2. Super – jetzt scheint mein langer Kommentar weg zu sein – egal, hätte dich wahrscheinlich eh nur wütend gemacht.

    Ich stimme Nell zu – und unser Gesundheitssystem ist schon immer privat und es läuft mehrheitlich nicht wie du schreibst. Ausserdem kann man immer noch den Therapeuten wechseln (ja auch hier haben wir zu wenige und nur die Luschen haben Termine frei, da muss man eben für sich einstehen und mit dem Hausarzt nach Lösungen suchen).

    Grundsätzlich muss jeder seinen Weg gehen und so lange einen etwas nicht im Alltag behindert, muss es auch nicht behandelt werden – so habe ich das von den Ärzten gelernt und das erscheint mir logisch. Manchmal helfen über eine Krise ein paar Monate Medis, manchmal eine VT oder DBT, manchmal beides und manchmal nichts – mir hat die Therapie am meisten geholfen, doch ICH musste an MIR arbeiten – wer von Therapie nicht profitieren kann, ist nicht bereit dazu (oder hat einen absolut beschissenen Therapeuten erwischt) – denn die ganze Arbeit macht der Klient SELBER, der Therapeut sorgt nur für die Impulse und wer das nicht kann oder will, wird nie in seiner Mitte ruhen. Ich denke aber, dass du das alles schon weisst.

    • Was möchtest du mir sagen? Dass ich mich nicht genug um einen richtigen Therapeuten bemüht habe? Dass ich innerhalb einer Therapie zu wenig mitgearbeitet habe? Oder was ist deine Botschaft? Nachdem ich jetzt weiß, dass die Ursache meiner Wunderlichkeit in mehrfachen, schweren Trauma liegt, verstehe ich, warum trotz aller meiner Bemühungen, eine Gesprächstherapie bei mir halt nicht funktioniert. PTBS wird durch Gesprächstherapie nur schlimmer, da gibt es andere Verfahren, die ich noch nicht kenne. Deine Aufforderung privat zu zahlen, ist bei aktuell mindestens 90 Euro für 45 Minuten auch eine Botschaft der Wohlhabenden, frei nach dem Motto: „Das Volk hat kein Brot, dann soll es doch Kuchen essen!“. Oder wolltest du irgendwas anderes sagen?

      • Holla die Waldfee, so kennt man dich gar nicht! Interssant, das Gespräche eine PTSB nur schlimmer machen…

        …übrigens ist meine Tante Traumatherapeutin. Es stimmt, da werden ganz andere Verfahren zur „Deprogrammierung“ angewendet. Weiterhin erfolgreiches, reaktionsreiches Bloggen!!

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