Spät, Hausfrau, Klinik, Essen und Kontrolle

Guten Morgen, wieder spät ins Bett und früh wach. Es wird halt erst spät in der Nacht kühl genug, sodass ich einschlafen kann. Aktuell bin ich wohl die Hausfrau des Monats, Tiefkühlsachen neu verpackt und organisiert, Küchenschränke aufgeräumt, Vorräte neu sortiert, Nüsse in Gläser einsortiert, Joghurt selbst gemacht, Brot gebacken und Erbsensuppe gekocht. Nebenbei viel telefoniert, aber nur zum Müll herausbringen draußen gewesen. Heute kommen Lebensmittellieferungen, für mich, aber auch für den Mann. Alles zu teuer, aber ich ahne das wird so bleiben oder noch schlimmer, je nachdem was Putin vorhat. Abgesehen von einer besser sortierten Küche gibt es noch eine weitere gute Nachricht, ich darf morgen in einer Klinik vorsprechen und hoffe dort Unterstützung zu erhalten, mein Psychiater ist nämlich weiterhin im Urlaub. Psychiatrische Versorgung, die nur auf der Aufopferung der Angestellten beruht, funktioniert halt nur eine Weile, irgendwann sind alle urlaubsreif und/oder krank. In meinem Umfeld sind viele krank, ich bin also nicht allein, aber tröstlich ist das trotzdem nicht.

Die Sonne dreht heute anscheinend wieder auf, schon jetzt 27 Grad in der Bude, aktuell ist es nur nachts angenehm, wenn alle Fenster geöffnet sind und ein leichter Wind weht. Die Stadt dreht derzeit Scheibe, zu viele sind verzweifelt und/oder drehen durch. Ich hörte von vielen Freunden, die sonst teuer essen, dass sie dann halt auf die Discounter wechseln, um das Ausgabenlevel nicht zu sehr zu erhöhen, aber was machen die Leute, die vorher schon beim Discounter gekauft haben? Für die gibt es keine günstigere Alternative. Was machen die ganzen Ukrainer in der Stadt, wenn Essen nicht mehr erschwinglich ist? Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral!“, sagte Brecht, also kein Wunder, dass die Leute durchdrehen oder sogar kriminell werden. Kaum (bezahlbarer) Wohnraum, nichts zu futtern und eine unzureichende ärztliche Versorgung und da wundert sich irgendwer, dass die Leute schlecht darauf kommen? Ich sitze dann verdattert in der Wohnung und sortiere Konserven, irgendwas was ich kontrollieren kann, irgendwas was scheinbare Sicherheit gibt.

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