Nachtlicht, Süßkartoffeln, Racheengel und verbaler Aggressionsabbau

Guten Morgen, immer noch dabei, schlechte Neuigkeiten zu verdauen. Gestern mein Nachtlicht erhalten, das ist wunderbar, ich fühle mich viel besser damit. Die Süßkartoffeln gekocht und danach aber Bock auf Hähnchen gehabt, so viel zu meinen vegetarischen Ambitionen. Den Obstanteil meiner Nahrung erhöht, gestern immerhin Pfirsich, Banane, Blaubeeren und Erdbeeren. Den Kuckuck zum Singen gebracht und ihn wieder abgehängt, irgendwie auch gruselig das Teil, sorry Urgroßoma. Meine Oma hat um Besuch gebeten und ich denke, ich muss wohl noch einmal in das Dorf der Teufel, um Dinge zu klären. Es gibt so viele Fragen, es gibt so viele Teufel, denen ich ins Gesicht spucken blicken muss. Es ist so schade, dass meine Mutter ausgerechnet in dieser Gegend gestorben ist. Ein Zufall, sicher nicht. Mal sehen, ob ich die Gegend lebend betreten und wieder verlassen kann. Kotzübel ist mir schon jetzt dabei. Gefühlsmäßig würde ich da gern wie ein Racheengel einreiten, bis bestimmte Personen nur noch „Bitte, Bitte“ rufen. Obwohl noch nicht mal als Sklaven will ich diese Leute, sie gehören in die Hölle, in die Hölle auf Erden, nur weil nicht sicher ist, was wirklich nach dem Leben kommt. Die Hölle auf Erden hatte ich schon wegen diesen Leuten, also Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Wieder nicht gewischt, aber wenigstens Müll weggebracht und kurz beim Supermarkt gewesen, heute Sonntag und eine Kerze brennt, keine Ahnung was ich heute anstelle, morgen geht die Arbeit wieder los. Der Kaffee schmeckt, es wird gerade hell, der Mann sitzt bald im Flieger, denke ich, der Vater hat andere Pläne, denke ich, ist aber nicht schlimm, im Gegenteil, ich bin allein und nie allein, das weiß ich jetzt. Menschenhand, ganz sicher nicht Gotteshand, zu einfach, zu selbstsüchtig das menschliche Gemüt. Wie anmaßend, teuflisch, Gott spielen zu wollen. Andere Menschen zu Sklaven zu machen, sicher kein Werk Gottes, sowas macht nur der Teufel, die Freiheit, die Möglichkeiten anderer nehmen. Sind die alle besoffen von Macht? Ich hoffe, es gibt ein Erwachen mit Galle spucken und Mörderkopfschmerzen. Aber noch ist es nicht so weit, ich muss zu Kräften kommen, obwohl ich bin so sauer, ich kriege die auch mit Rollator und verprügel die mit meinem Gehstock und wenn ich damit fertig bin, gehe ich zu der Kirche meiner Taufe und scheiße denen ins Weihwasser.

Oh, wenn ich das gerade lese, kommt meine Therapie hoch, Aggressionsabbau durch verbale Beschimpfung. Nur so Einblick in mein Therapiegeschehen, aber es hilft, es befreit, das Zähneknirschen ist schon besser geworden. Versuchen wir es mit beruhigender Musik, das hier scheint ein gutes Sonntagsalbum:

Telefoniert, Familie, Kuckuck und Freaks

Ein Gruß aus der Nacht, viel passiert gestern und irgendwie auch nicht. Viel telefoniert und endlich nach Jahren die Oma erreicht. War ganz schön, mit ihr zu sprechen, so viel genetische Verwandtschaft habe ich ja nicht mehr. Auch mit der Chefin gesprochen, es wird beruflich wohl anders weitergehen. Der Mann ist jetzt beruflich in einem anderen Land, nachdem erst der Ausweis nicht auffindbar war. Der Kaffee schmeckt und es ist viel zu früh. Nach dem Erinnern jetzt dauerndes Sortieren, es ist wie ein Puzzle, das ich immer noch nicht fertig habe, aber dessen Rahmen steht. Alternativ auch Memory, ich suche immer die passende zweite Karte. Zwischendurch schlafe ich einfach ein, auf meinem Kartenhaufen, dabei habe ich jetzt Jahrzehnte geschlafen. Die Gebrüder Grimm hätten ihre Freude an meinem Leben, so viele gruselige Geschichten in meinem Leben, alternativ könnte mein Leben auch den Buchtitel „Struwwelliese“ haben. Meine Familienmitglieder haben dabei was von der Addams Familie, wobei ich mir nicht so sicher bin, ob ich noch Tochter oder eher Mutter der Familie bin. Die modernere Version der Familie ist wohl die Rocky Horror Picture Show.

Eine Kuckucksuhr der Urgroßoma hängt jetzt an der Wand, aber ich habe vergessen wie sie funktioniert, war ich als Kind fasziniert bis genervt von dem Teil. Immer dieses lärmende ticken, jede Stunde der Vogel, auch nachts. Keine Ahnung, warum Uhren damals so laut sein mussten und heute nicht mehr. Vergeht die Zeit heute leiser? Ich muss mal im Internet recherchieren, ob ich eine Anleitung finde, denn den Kuckuck würde ich gern nochmal einmal sehen und hören. Keine Ahnung was das jetzt soll mit wach in der Nacht, ich lege mich wohl wieder hin. Aktuell kommt mir mein Leben wie 45 über Nacht vor, gestern war ich doch noch ein Mädchen und heute grüßt im Spiegel diese Frau. Hat nur leider nichts mit Schneewittchen oder Dornröschen zu tun, sondern eher was mit dem Zeitsprung in meiner Familie. Na mal sehen, wie es weitergeht, wie ich weitergehe. Eines ist sicher, alles Freaks und ich gehöre dazu:

Weiches Wasser

Es geht nicht mehr aus meinen Ohren und es passt gerade so wunderbar:

Europa hatte zweimal Krieg
Der dritte wird der letzte sein
Gib bloß nicht auf, gib nicht klein bei
Das weiche Wasser bricht den Stein

Die Bombe die kein Leben schont
Maschinen nur aus Stahlbeton
Hat uns zu einem Lied vereint
Das weiche Wasser bricht den Stein

Es reißt die schwersten Mauern ein
Und sind wir schwach und sind wir klein
Wir wollen wie das Wasser sein
Das weiche Wasser bricht den Stein

Es reißt die schwersten Mauern ein
Und sind wir schwach und sind wir klein
Wir wollen wie das Wasser sein
Das weiche Wasser bricht den Stein

Raketen stehn vor unsrer Tür
Die solln zu unserm Schutz hier sein
Auf solchen Schutz verzichten wir
Das weiche Wasser bricht den Stein

Es reißt die schwersten Mauern ein
Und sind wir schwach und sind wir klein
Wir wollen wie das Wasser sein
Das weiche Wasser bricht den Stein

Es reißt die schwersten Mauern ein
Und sind wir schwach und sind wir klein
Wir wollen wie das Wasser sein
Das weiche Wasser bricht den Stein

Die Rüstung sitzt am Tisch der Welt
Und Kinder die vor Hunger schrein
Für Waffen fließt das große Geld
Doch weiches Wasser bricht den Stein

Komm feiern wir ein Friedensfest
Und zeigen wie sich′s leben läßt
Mensch! Menschen können Menschen sein
Das weiche Wasser bricht den Stein

Es reißt die schwersten Mauern ein
Und sind wir schwach und sind wir klein
Wir wollen wie das Wasser sein
Das weiche Wasser bricht den Stein

Es reißt die schwersten Mauern ein
Und sind wir schwach und sind wir klein
Wir wollen wie das Wasser sein
Das weiche Wasser bricht den Stein

Es reißt die schwersten Mauern ein
Und sind wir schwach und sind wir klein
Wir wollen wie das Wasser sein
Das weiche Wasser bricht den Stein

Quelle

Leute, PEZ-Spender, Erwachen, Träume, Narben und Schuld

Ein Gruß aus der Nacht, heute weiß ich wer mich mitten in der Nacht geweckt hat, eine Gruppe von lauten Leuten vor meinem Fenster. Wunderbar, so beginnt der Tag entspannt.^^ Der Vater kam wieder spät und die Feigenpizza war nicht schlecht, aber kein Hit. Die Hitze beim Transport der Kochbox hat dieses Mal einen Teil der Lieferung vergammeln lassen. Schade. Der Kaffee schmeckt, es gibt wieder Milch hier und der Mann meldete unfallfreies Wohlbefinden. Gestern endlich ein Paket abgeholt und dabei einen PEZ-Spender entdeckt und kaufen müssen, was für eine Kindheitserinnerung. Kann eigentlich nur getoppt werden, von unverpackten Kaugummi-Bällchen aus einem Automaten. Ja damals war Zucker noch was Besonderes, heute muss man Lebensmittel suchen, in denen kein Zucker ist. Heute vielleicht das hier gekocht, ein Menü, das ich schon kenne und sehr mag. Therapie war ganz gut und wird jetzt langsam weniger tränenreich, der Therapeut hat mir mehr Stunden versprochen. Nicht telefoniert, irgendwie war mir nicht danach, dabei muss ich meine vergangene Familie dringend kontaktieren.

Der Himmel färbt sich gerade rosa, ein neuer Tag und ich noch müde. Meine eigene Geschichte ist so unfassbar schrecklich, dass ich es teilweise selbst nicht fassen kann. Eigentlich kann ich mich bedanken, dass ich die meisten Traumata schnell wieder vergessen hatte, so konnte ich weitermachen, weiterleben. Dass ich beim Erwachen jetzt so alt bin, furchtbar, aber gleichzeitig wohl auch nötig, in jüngeren Alter hätte ich das alles nicht verkraftet und auch nicht gewusst, wo und wie man Hilfe organisiert. Vielleicht heute telefonieren, mal sehen, besonders auf die Oma habe ich es abgesehen für den Moment. Mit dem Bruder aus Berlin gesprochen, der ist wieder auf einem Festival, das ist bei ihm aber hauptsächlich Arbeit und kein Freizeitvergnügen. Ja meine Brüder, ich zähle aktuell vier Brüder in meinem Leben, alle nicht leibliche Brüder, aber Brüder meines Herzens, mit denen ich viel Zeit meiner Kindheit verbracht habe. Kein Wunder, dass ich auch später mehr mit Jungs als mit Mädchen abgehangen habe. War das schmerzlich als mir in der Grundschule irgendwann mitgeteilt wurde, ich möge zu den Mädchen spielen gehen. War das kacke, als würde der Hoseninhalt in dem Alter darüber entscheiden, was man spielen möchte.

Puppen waren halt nicht so mein Ding, ich wollte Bäume klettern und Ball spielen. Immer noch nicht aufgeräumt in der Bude, es gibt andere Probleme und Aufgaben, ein sauberer Fußboden lässt mich nicht besser schlafen. Realität, jeder hat wohl seine eigene, aber ist etwas wirklich nur wahr, wenn man Zeugen dazu finden kann? Erinnerungen, Vergangenheit, nur real, solange es jemand bezeugen kann und will? Ansonsten gleich in die Irrenanstalt? Ich reagiere gerade sehr aggressiv, wenn mir jemand sagt, dass alles vielleicht nur ein Traum war, war es nicht, leider. Träume sind nicht so konkret, Träume hinterlassen keine Narben an Körper und Seele. Es sei den, es handelt sich dabei um Träume/Ziele, für die man gekämpft hat, das gibt ganz sicher Narben, zumindest bei meinen Träumen von einer gleicheren Welt. Wie oft bin ich gestürzt, wie oft wurde ich verprügelt, sogar eingesperrt, weil ich mich mit der Welt nicht abfinden wollte. Nein ich bin nicht schwer von kappee, ich bin halt anderer Meinung. Vielleicht ist das aber doch irre, die Regeln der anderen zu kennen und sich damit nicht abzufinden, sich nicht anzupassen, sich nicht zu ergeben, auch wenn man schon am Boden liegt. Vielleicht ist alles, was mir passiert ist, doch meine Schuld:

Musik, Gefühle, Flugzeuge, warten, Tisch und Regentropfen

Guten Morgen, war das gestern ein nicht so gelungener Tag. Erst Mann hier haben wollen, dann doch wieder nicht. Gemeinsam oder einsam? Ich komme nicht klar. Immerhin kurz einkaufen gewesen und gekocht, ansonsten nicht so viel, mit dem Mann gesprochen, den Mann beschimpft und dann wieder Sorgen um ihn gemacht. Heute Therapie, wobei ich nicht weiß, ob ich dazu noch Begleitung brauche, die Methode habe ich verstanden. Kaffee schmeckt, wobei ich doch zugeben muss, dass frische normale Milch im Kaffee einfach besser schmeckt als fettreduzierte H-Milch. Gestern hat die Freundin noch angerufen, war aber irgendwie anstrengend, vielleicht doch noch nicht ganz auf der Höhe mit der nervlichen Belastbarkeit. Abends dann tatsächlich noch den Film geschaut, aber ich hatte das anders in Erinnerung, stimmt, da gab es eine Zeit, in der ich total auf Vampire stand. Warum wohl? Der direkte Wechsel von „Der kleine Vampir“ zu „The lost boys“ ist dann aber doch ein großer Schritt für ein kleines Mädchen. Der Soundtrack bewegt mich aber immer noch sehr. Musik war mal mein Leben, ich dachte, ich sterbe ohne, stimmt ja auch irgendwie, ohne Musik keine großen Gefühle bei mir.

Nachts dann von lauten Fliegern über meinem Haus genervt gewesen, dass jetzt jedes Flugzeug überall in der Stadt fliegen darf, ist dann wohl doch keine gute Entwicklung, besonders nachts. Heute ein Paket abholen, mal sehen, leider zu spät gemerkt, dass ich es abholen kann und jetzt rennt die Zeit. Heute Abend Vater auf Pizza eingeladen, wobei ich das generell immer noch gut finde, aber dieses ewige, unbegrenzte Warten am Abend, finde ich dann doch ätzend. Ich finde es immer noch extrem unhöflich und tendenziell auch erniedrigend, jemanden immer bei einer Verabredung warten zu lassen. Wäre er nicht mein Vater, würde ich auf solche Verabredungen verzichten. Ich gehe doch nicht einkaufen, koche und warte dann mit warmen Essen, das immer kalt wird bis in alle Ewigkeiten. Wie scheiße ist das denn? Und das jede Woche? Gestern den Klapptisch ausprobiert, ist besser an einem richtigen Tisch zu essen, als am Couchtisch, am Couchtisch essen hat immer irgendwie was von Hundenapf.

Ein grauer Tag grüßt und ich und mein Gefühlschaos brauchen wohl noch eine Weile, mein Innenleben ist immer noch Sturm im Wasserglas oder besser Meer. Ich wusste ja, die Welt ist scheiße, aber so scheiße? Ne, darüber komme ich so schnell nicht hinweg. Ach, versuchen wir es mit einem Anti-Depressions-Song der Urgroßmutter:

Kochbox, Wraps, Notfall, Familie und Missverständnis

Guten Morgen, gestern ewig auf meine Kochbox gewartet und nicht bei der Freundin gewesen. Es hat wunderbar geregnet und alle Fenster aufgerissen. Abends dann große Aufregung, weil der Mann auf dem Weg hierher fast bewusstlos geworden ist, aber zum Glück Leute gefunden hat, die den Notruf getätigt haben. Hitze, Diät und dann noch Sport obendrauf, waren wohl keine gute Idee. Aber es geht ihm gut. Gekocht, dann doch lieber koreanische Wraps. War sehr lecker, fand auch der Mann. Den Film „The Lost Boys“ geschaut, aber unkonzentriert gewesen, wegen des Mannes, vielleicht heute nochmal. Mit der Chefin und den Kolleginnen telefoniert, denn ich möchte ab nächste Woche wieder das Arbeiten versuchen. Laut Musik gehört, beim Supermarkt gewesen, ich bin immer noch eine Heulsuse, aber ich habe auch meine Gründe. Ich verstehe jetzt vieles, was vorher unerklärlich war, das erleichtert, macht aber nicht fröhlich. Wohl im falschen Jahrzehnt geboren und dann noch im Dorf der Teufel. Dazu muss ich die Oma ran kriegen, meine einzige mir bekannte Zeitzeugin von damals. Heute wird das aber wohl nichts, denn der Mann ist da und ich möchte in Ruhe und allein mit ihr sprechen. Ebenfalls auch auf der Telefonliste der Stiefvater Nummer eins.

Das Kind ist aufgewacht und nicht amüsiert über ihre Familie. Ich würde gern ein paar Gründe, Erklärungen und Entschuldigungen hören, auch wenn es unverzeihlich ist. Berlin 2022, wer hätte gedacht, dass ich noch lebe? Ich nicht, eigentlich war mein Ziel der Club 27, aber jetzt bin ich noch da und die Familie verdient eigentlich eine Tracht Prügel. Frisch ist es in der Stadt, grau grüßt der Himmel, der Kaffee schmeckt und ich muss mich noch sortieren. Wie gern würde ich Mama sprechen, die mit mir weglaufen wollte und es doch nicht geschafft hat. Es ist aber trotzdem so, dass eine Last von mir abfällt, ich fühle mich besser, jetzt wo ich verstehe, was lebenslang mit mir los war und immer noch ist. Meine seelische Krankheit Besonderheit ist hausgemacht, nicht meine Schuld. Mittlerweile gilt die Diagnose PTBS als gesichert, ich hoffe, damit kann die falsche Diagnose schizophren endlich gestrichen werden. Es gab immer wieder Zweifel an der ersten Diagnose, immer wieder Nachfragen, denn mein Profil passt nicht so richtig in diese Schublade, trotzdem wurde ich mit aller Gewalt in diese Schublade gesteckt und mit Medikamenten zum Schweigen gebracht. Den Schaden trage ich dann bis heute und darf schauen, wie ich trotzdem ein Morgen erreiche. Alles ein Missverständnis? Es hätte aufgeklärt werden können, wenn jemand meine Geschichte erzählt hätte:

Vergessen, Halloumi, Geld, Einsamkeit und Himmelblau

Ein Gruß aus der Nacht! War dann gestern doch alles anders als geplant. Mein Therapeut, hat meinen Therapietermin vergessen, soll ja auch mal vorkommen. Burger mit Halloumi gemacht, gegrillter Käse ist ein guter Fleischersatz für mich. Auch wenn ich aktuell nichts mehr von Griechenland wissen will, aber dafür kann der Käse ja nichts. Erinnerungen an Urlaube in den Achtzigern, ja auch diese mussten korrigiert/ergänzt werden. Komme mir wie ein Abtropfsieb vor, dass endlich wieder versucht eine Schale zu sein. Heute ein zeitlicher Konflikt zwischen Kochboxlieferung und Freundin, muss zu Hause sein, um die gekühlten Lebensmittel entgegenzunehmen, muss aber auch bei ihr sein, um Schlüssel entgegenzunehmen, für die Mission Blumen gießen während ihrer Kur.

Auf den Mann gerade gar keinen Bock mehr, wenn es mir schlecht geht, ist es aus meiner Sicht sein „Job“ für mich da zu sein, ist er aber nicht. Arbeit, Fortbildung, Fitnessstudio, alles wichtiger als die Ehefrau. Ich war immer für ihn da, egal was sonst in meinem Leben los war, Zeit kann man sich auch nehmen/stehlen. Es ist eine Sache der Prioritäten. Ich finde generell, Zeit ist zwischenmenschlich die wichtigste Devise, zusätzliche Aufmerksamkeit, die Königsdisziplin. Das habe ich von einer einsamen Kindheit gelernt, nichts ist wichtiger als Zeit und Aufmerksamkeit. Geld verdienen, eine schöne Sache, aber nicht, wenn die Liebsten dabei auf der Spur bleiben. Mit Geld kann man keine neue Zeit kaufen, mit Geld kann man keine neuen Liebsten kaufen. Wer sein Leben also nur nach Karriere und Geld ausrichtet, der ist irgendwann ziemlich allein damit. Geld umarmt einen nicht, Geld lacht nicht mit einem, Geld ist nicht so gut zum Kuscheln und zuhören tut es auch nicht. Ebenfalls ist es nicht möglich, mit Geld verlorene Zeit zurückzukaufen. Alle versuchen Gewinner im Kapitalismus zu sein und verstehen nicht, dass sie damit soziale Verlierer werden.

Heute vielleicht, dass hier gekocht, sollte der Mann auftauchen, für ihn, mit Fleischbeilage. Ich vermisse Fleisch immer weniger, den aktuell gibt es nur qualitativ schlechtes Fleisch, zu hohen Preisen für mich, da verzichte ich lieber. Dann lieber nur ein- zweimal die Woche Fleisch zelebrieren, als jeden Tag dieses Hundefutter in mich reinstopfen, weil es ja Fleisch sein muss. Zurück zum Sonntagsbraten und den Rest der Woche halt andere Sachen. Vorgenommen diese Woche noch zu streichen, also eine Wand, aber mal sehen, ob mein Schweinehund da mitspielt. Gestern zu heiß gewesen mit über 30 Grad, da ging gar nichts, denn in der Sonne hatte ich bereits Kreislauf und zu wenig zu trinken bei mir. Die Bude ist davon noch aufgewärmt, draußen 18 Grad, hier drin trotz lüften 25 Grad. Der Tag kriecht in die Stadt und aus Grau wird gerade blau am Himmel, versuchen wir es mit Optimismus von den Ärzten zum Morgen:

4 Uhr, Klapptisch, Scheissstadt, Knast und die kleine Schwester

Guten Morgen, nein eher ein Gruß aus der Nacht, das neue 6 Uhr scheint jetzt 4 Uhr zu sein. Die Nacht liegt noch über der Stadt und ich habe einen Kaffee gekocht. Der Vater war mit dem mittlerweile sehr klapprigen und verwirrten Hund zu Besuch. Es gab Apfelkuchen und ich habe Gnocchi mit einer Gemüse-Tomatensoße gekocht. Mit frischen Kräutern vom Balkon und Pecorino sehr lecker gewesen. Endlich einen Klapptisch aus Holz aus dem Nachlass der Mutter erhalten, ich kenne diesen Tisch seit fast 40 Jahren und verbinde sehr viele Erinnerungen damit, darüber hinaus ist er sehr praktisch und vergleichbares wird heute nicht mehr hergestellt. Wieder geweint, weinen scheint zum aktuellen Tagesablauf zu gehören. Heute Arzt- und Therapeutentermin, mal sehen, wie das wird, hoffentlich erst weinen beim Therapeuten. Viel zu verdauen, sehr viel, spazieren hat gestern etwas dabei geholfen. Hoffe, der Onkel schaut heute nach der Oma, die war nicht erreichbar und ist bettlägrig.

Für den Moment ist mein Hass auf Berlin wieder sehr groß, was für eine Scheissstadt mit kranken Gestalten. So viel passiert hier, meistens nicht Gutes. Drogen, Sex, Gewalt und Kriminalität, mein Programm der letzten 33 Jahre. Aber ich lebe noch, aber wie. Das Schlimmste war aber wohl die Psychiatrie nach diesem wunderbaren Rahmenprogramm, die hat am meisten zerstört an/in mir. Statt Hilfe zu bekommen, hingerichtet worden. „Kind, du bist verrückt, du gehörst nach Berlin!“ heißt es so schön, aber man sollte sich dabei besser nicht erwischen lassen, sonst ist es bald zappenduster, eingesperrt in einem Krankenhaus, zu gepumpt mit Medikamenten und schnell unter rechtlicher Betreuung, wenn einen da keiner mehr rausholt. 10 Jahre Neuroleptika, für mich schlimmer als Knast, denn im Knast ist man zwar eingesperrt, aber man hat noch Intellekt, Gefühl und körperliche Unversehrtheit, das hatte ich alles nicht mehr. Ich durfte zwar frei herumlaufen, aber ohne Gefühle, ohne geistige Freiheit und mit einem Körper der immer mehr zum weiteren, kranken Gefängnis wurde. Wäre ich nur im Knast gewesen, ich hätte frei denken und fühlen können und der Körper wäre sicher auch nicht so verfallen. Eingesperrt im eigenen Körper und Geist, finde ich schlimmer als eingesperrt in ein Gebäude zu sein.

Der Himmel wird gerade rosa, wunderschön, ich liebe Sonnenauf- und Untergänge. Die Trümmerfrau schaut auf ihre Stadt, ein gelber Bus rast vorbei und sie begrüßt in einem grauen T-Shirtkleid den Tag. Keine Ahnung, ob es je eine Versöhnung mit dieser Stadt für mich gibt. Vielleicht sind Städte allgemein nichts für mich, vielleicht gehöre ich auf eine Farm oder auf eine Insel. Natur und/oder Tiere sind mir angenehmer, als das hier. Der Gedanke an Arbeit liegt mir nicht mehr so fern, wollte so viel erledigen während der Krankschreibung, passiert ist fast nichts davon. Es sei denn erinnern, im Bett liegen und heulen ist etwas erledigt haben. Habe mir heute vorgenommen, Öffentliche zu fahren, mal sehen, wie das wird, zur Sicherheit lieber Musik mitgenommen, das ist dann ein bisschen wie einen Splatterfilm schauen und dazu Disneymusik hören. Die kleine Schwester hat hoffentlich ausgeheult:

Zorn, Oma, Zirkustier, Gnadenhof und Problemhaufen

Guten Morgen, die Zornesfalte ist in meinem Gesicht zurück. Mühsam entfernt von der Kosmetikerin, ist sie jetzt nach Monaten wieder da, zurecht, denn es gibt genügend Gründe zornig zu sein. Gestern einkaufen gewesen, immerhin damit das Haus verlassen. Verfassung mittelmäßig, was sehr gut ist in Anbetracht der neuen/alten Erinnerungen. Mit dem Onkel geschrieben, neue Telefonnummer von der Oma erhalten, wenn sie denn überhaupt mit mir spricht. Sie hat auch eine mega Erwartungshaltung an mich, nachdem sie ihr leben lang kaum etwas für mich getan hat, im Gegenteil, sie hat mir sehr oft geschadet. Ist schon geil, wenn Oma fast nie etwas für einen getan hat und alles was sie getan hat, schädlich und egoistisch war. Na vielleicht sollte ich mich bedanken, dass sie so wenig getan hat? Vielleicht wäre es anders noch viel schlimmer? Obwohl, was sie getan hat, ist so schlimm, ich weiß nicht, ob mein Leben noch reicht, um ihr zu verzeihen. Meine Mutter konnte ihr verzeihen, kurz vor ihren eigenen Tod, aber sie wusste nicht, was ich wusste.

Ist schon geil, wie viele Menschen dachten, sie dürfen mein Leben manipulieren oder sogar darüber verfügen. Freiheit, Selbstbestimmung, Fehlanzeige für mich, schön, dass ich es auch mal merke, so in der Mitte meines Lebens. Wie ich mich davon jemals emanzipieren soll, keine Ahnung, vielleicht bin ich auch ein Zirkustier, dass niemals mehr in der Freiheit leben kann. Vielleicht sollte ich einfach einen Gnadenhof für alte Zirkustiere suchen. Montag geht es weiter mit den Ärzten, keine Lust, doch die Schlachtbank nimmt mich auch nicht mehr, mit all den Chemikalien im Blut. Bis ich entgiftet bin, sitze ich wahrscheinlich im Altenheim oder besser auf dem Gnadenhof, obwohl irgendwie ist das ja auch das Gleiche. Keine Ahnung, ob das Sinn macht, die älteren sagen ich bin noch jung, die jüngeren wissen, dass ich es nicht bin.

Der Kaffee schmeckt, der Tag dämmert und ich möchte derzeit nur schlafen, schlafen bis es vorbei oder wenigstens besser ist. Doch meine Probleme lösen sich nicht im Schlaf auf. Schlaf ist nur eine Pause von dem Scheiterhaufen Problemhaufen namens Leben. Für mein Leben gilt wohl: You Can Run, But You Cant Hide!

Schlimme Erinnerung, Alpträume, Löwenzahn und Gänseblümchen

Guten Morgen, was für ein schlimmer Tag gestern. Nirgendwo gewesen, außer in der eigenen Hölle der Erinnerung. Irgendwie läuft die Wieder-Erinnerung von 15 bis 0 rückwärts. Da ich gestern Baby- und Kleinkind-Erinnerungen hatte, bin ich endlich fertig? Also fertig mit dem Herstellen von alten Erinnerungen, nicht mit deren Bewältigung? Therapie war gestern auch tränenreich. Alles irgendwie. Eigentlich bin ich keine Heulsuse, gerade aber schon. Wie konnte die Welt das einem kleinen Mädchen antun? Für mich gibt es keine gute Begründung, keine Entschuldigung. Klar, auch Täter haben eine Erinnerungshölle, aber rechtfertigt das die Weitergabe an ein kleines Mädchen/an eine junge Frau? Meine Gesundheit für Ihre? Mein Glück, mein Seelenheil einfach ersatzlos geklaut? Ich ahnte ja der Mensch ist scheiße, aber so scheiße?

Regen, es regnet gerade wunderbar, Fenster auf und genossen. Die Erde weint mit mir. Wunderbar, mehr davon. Ich höre es rauschen, sehe ins Grau und könnte das jetzt 24 Stunden oder länger gebrauchen. Gegessen Lasagne, und Hühnerschenkel, hoffe, mein Magen dreht nicht durch. Vielleicht besser zurück zur Arbeit, Ablenkung, unter Menschen, ich werde wohl niemals eine Erinnerung herstellen können, die ein anderer Menschen bestätigen kann, weil es meine Erinnerung ist. Dabei wäre mir das so wichtig, nach den Unterstellungen und falschen Diagnosen 2013. Wenn Erinnerungen zu schrecklich sind, einfach als Traum abhaken und vergessen? Meine Alptraumsammlung einfach irgendwo aussetzen und wegrennen? Können die Vergesslichen vielleicht gut, ich vergesse nur leider nichts, ich kann nur eine Weile verdrängen und eine Weile ist anscheinend vorbei. Was ist ein Glück wert, dass nur den Pharmazeuten ehrt? Ist das so? Ich habe keine Lust mehr, mein Gehirn und meinen Körper weiter chemisch zu kastrieren, weil alles andere zu teuer ist, zu lange dauert? Nicht in unser System passt? Bin ich Mensch oder ein Rädchen im System, das gefälligst zu funktionieren hat?

Ich bin kein Stein in der Wand. Ich bin eher eine Blume, eine kurz vor dem Eingehen, weil sie versucht hat ein Stein zu sein. Sind wir nicht alle eher Blumen oder von mir aus auch Unkraut? Individuell und frei? Unkraut vergeht nicht, sagte meine Mutter immer. Unkraut wächst auch zwischen Steinen. Ich bin dann wohl Löwenzahn, der eigentlich nicht wachsen sollte. Keine Ahnung wer definiert hat, dass Steinflächen schöner sind als Grünflächen, wahrscheinlich die Autoindustrie. Ist nur nicht natürlich, ist nicht Mutter Natur. Versuche es heute besser mit der Gänseblümchen-Einstellung: