Das Ende der Kindheit: Der Erlkönig

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? –
Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif? –
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. –

„Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel’ ich mit dir;
Manch’ bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“ –

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? –
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
In dürren Blättern säuselt der Wind. –

„Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“ –

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort? –
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’ es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. –

„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt.“ –

Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan! –

Dem Vater grauset’s; er reitet geschwind,
Er hält in Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
In seinen Armen das Kind war tot.

Quelle und Interpretationen.

11 Gedanken zu „Das Ende der Kindheit: Der Erlkönig

  1. Man sieht: es gibt nichts Neues unter der Sonne.

    Goethe hat von allen dt. Schriftstellern am besten und genauesten gewusst, wie der Hase läuft.

    Danke für das das Gedicht! Passt…

    • Wohl eher um Vergewaltigung und Missbrauch. Eigentlich ja sinnvoll die Kinder darüber aufzuklären, wenn die Botschaft denn ankommt und Selbstverteidigungsmethoden mitgegeben werden.

      • Die Verteidigung des Kindes hängt aber an den ELTERN. Deswegen und dafür hat ein Kind seine Eltern. Solange das Kind ein Kind ist, kann man es nicht beauftragen, sich selbst zu verteidigen. Dafur ist es noch icht stark genug….sind ja noch nicht mal junge Erwachsene stark genug, sich abzugrenzen und Nein zu sagen. Gibt in Großstädten genug 13- und 14jahrige, die vollkommen naiv und ahnungslos in sexuelle Ausbeutung geraten…tw durch ebenfalls 14 oder 15jährige. Ist unglaublich weit verbreitet, gibt schon lange Bücher darüber….

        • Ja, das ist leider so, aber Eltern können nicht 24 Stunden am Tag aufpassen. Aber sie können die Kinder dazu aufklären und ihnen Selbstverteidigungsstrategien mitgeben. Ganz wichtig ist, dass das das Thema kein Tabu mehr ist, dass offen darüber gesprochen werden kann, sodass Opfer dann auch schnelle Hilfe bekommen und die Täter vielleicht sogar gefasst werden können.

  2. Es gibt viele Kulturgüter die aus heutiger Sicht absolut frauenfendlich sind und damals als normal galten. Auch kleinere Beispiele aus der Popkultur wie Falcos Jeanny oder auch Filme mit Harrison Ford oder James Bond wo die Frau total objektifiziert wird. Es erfüllt mich mit Stolz, wenn heutige 15Jährige Jungs schon merken, dass solche Szenen heutzutage nicht mehr entstehen könnten. (Was ein MachoArsch der Bond in den Sechzigern noch war!)
    Die Aufgabe der Eltern ist es natürlich nicht die Kinder zu bewachen, sondern ihnen vor der Pubertät ein gesundes Selbstwertgefühl zu vermitteln, was verhindert, dass sie sich in Situationen verwickeln lassen, die ihnen nicht guttun. Auch Mädchen, die von den Jungs für cool und locker und willig gehalten werden, weil sie mit sich machen lassen, was sie eigentlich nicht machen wollen, sind liebesbedürtige, arme Wesen die nur ein bisschen Anerkennung brauchen. Es geht hier nicht um dich, Nadine, und nicht um deine Situation! Aber es ärgert mich, wenn (ältere) Männer ernsthaft glauben, eine junge Frau, ein Mädchen stehe auf sie oder sie wäre sexuell unersättlich, deshalb lasse sie sich mit ihnen auf Eskapaden ein. Oft wurde diesen Mädchen nicht beigebracht, dass sie Liebe verdient haben und wertvoll sind, auch ohne sexuelle Dienstleistungen.

    • Dem kann ich nur zustimmen, die Frau galt lange als untergeordnetes Wesen, dass da ist um Männern zu dienen. Und dieses Bild gibt es auch noch in vielen Regionen der Welt immer noch. Für mich hängt das alles mit Erziehung zusammen, der Jungen und Mädchen, beide sollte im Bewusstsein aufwachsen gleichwertig zu sein und sich gegenseitig zu respektieren . Doch leider ist die Erziehung bis heute noch: Jungen dürfen alles, Mädchen sollen mal brav und still sein. Und so werden die Mädchen/Frauen dann zu Opfern der Jungen/Männern. Bei mir war es definitiv die Anerkennung und Liebe, die ich suchte und die mich in sehr gefährliche Situationen gebracht hat. Meine Mutter meinte mal: „Glaube nicht, dass du dir Liebe durch Sex kaufen kannst!“ und sie hatte so recht. Nur dass ich die ersten Jahre gar nichts verkaufen wollte, ich hatte doch keine Ahnung, dass es um Sex ging.

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