Airbnb, Ignoranten, Impfgegner und Rechte und Aggressionsabbau

Guten Morgen, die Nachbarn sind auch schon wach, denn ich höre hier laute männliche Stimmen, ich glaube italienisch quatschen. Keine Ahnung woher die kommen, ich vermute, wir haben hier jetzt vermehrt Airbnb Gäste in der Gegend. Ätzend. Denn aus meiner Erfahrung interessieren sich temporäre Gäste nicht sonderlich für Hausregeln oder das Wohlbefinden der Nachbarn. Man ist ja eh nur kurz da und hat keinen Mietvertrag. Gestern gearbeitet, war anstrengender als gedacht, war vielleicht schon wieder zu viel, besonders wenn Frau unausgeschlafen ist und starke Schmerzen hat. Ein grauer Tag grüßt, es wird gerade nicht richtig hell und dafür extra früh dunkel. Der Winter kommt, Monate der Dunkelheit in Berlin. Kalt wird es auch, noch nicht für mich, aber ich kenne da Mitmenschen, die frieren jetzt schon.

Seltsame Zeit, erst die ganzen Coronamaßnahmen und dann Krieg und Klimakatastrophen gleichzeitig hinterher. Es muss sich was verändern, der Mensch muss sich verändern, endlich in die Handlung kommen. Aber so viele machen einfach weiter wie immer oder machen gar nichts, ignorieren alles um sich herum. Sind wir jetzt alle depressive Ignoranten geworden? Es macht mir Sorge, dass aus ehemaligen Impfgegner jetzt anscheinend Rechte geworden sind, weil die Rechte ihre Chance genutzt hat, die Leute mit angsteinflößender Propaganda auf ihre Seite zu ziehen. Das ist übel, bei ein paar Freunden konnte ich noch verhindern, dass sie blindlings der rechten Propaganda folgen, viele haben anscheinend nicht die Fähigkeit die Quellen von Informationen ausfindig zu machen und einem politischen Lager zuzuordnen. Ich verstehe ja, wenn man gegen Impfzwang ist, ich verstehe jeden Zweifel, jede Angst, sich mit einem neuen weitgehend unerprobten Impfstoff impfen zu lassen.

Aber sich deswegen gleich den Rechten anschließen? Was hat denn Impfen mit Nationalismus und Fremdenhass zu tun? Weil man sich von der restlichen, geimpften Gesellschaft ausgeschlossen fühlt, rebellieren und sich einer neuen Gruppe von Leuten anschließen möchte? Auch hier, ich verstehe die Rebellion und die Suche nach neuen Verbündeten, aber warum dann die Rechte? Weil die schreiben, was die Impfgegner hören wollen? Weil sie den Staat kritisieren? Aber warum wohl? Die haben ganz andere Ziele als den Staat und das Volk von einer Impfpflicht zu befreien. Auch ich hatte als Teenagerin eine kurze Zeit, wo ich mit Rechten abgehangen habe. Weil ich Opfer war, weil ich voller Hass und Schmerz war, weil ich allein war, weil ich sonst keine anderen Freunde finden konnte. Doch ich durfte schnell feststellen, dass, auch wenn es sich erst wohlig warm anfühlte, mit Menschen abzuhängen, die die gleichen Gefühle wie ich hatten, diese Gruppe den Hass und die Verzweiflung in mir nur schürte. Mir ging es schnell sehr viel schlechter in dieser Gruppe und auch wenn ich es irgendwie faszinierend fand, den Hass an wehrlosen anderen auszulassen, kam ich dann doch schnell zu dem Schluss, dass das auch keine Lösung ist. Als Opfer auf andere Opfer einschlagen, damit man sich besser fühlen kann? Wie arm ist das denn?

Durch meine Therapie jetzt weiß ich aber, dass der Hass rausmuss, dass die Aggression rausmuss, um sich besser zu fühlen. Aber es gibt andere Wege, als sich jemand schwächeren zu suchen und dem alles zu geben, was aus einem selber rausmuss. Schreien hilft, Sport, vielleicht Kampfsport oder Boxen hilft oder schimpfen, so richtig mal los schimpfen über alles, was auf der Seele liegt. Auch die Kunst kann hilfreich sein, malt die schrecklichsten Bilder, hört die dunkelste Musik, die ihr finden könnt. Vielleicht auch alles zusammen, sich in eine Turnhalle einschließen, laute aggressive Musik hören, schreien und dabei einen Boxsack vermöbeln. Richtig geil stelle ich mir auch vor auf einen Schrottplatz zu gehen und alte Autos so richtig zu zerstören. Denn behält man die ganzen Schmerzen für sich, macht das auf Dauer krank, denn sonst wird es Autoaggression, wie bei mir. Ich zerstöre niemand anderen, ich zerstöre mich. Vielleicht ist das die wirkliche Attraktion der Rechten, in dieser Gruppe darf man aggressiv sein, in dieser Gruppe kann man seinen Schmerz ausleben und weitergeben. In dieser Gruppe fühlt man sich endlich besser.

Es ist nur leider so primitiv sich Leute zu suchen, die einem überhaupt nichts getan haben und die zum eigenen Sündenbock zu machen. Vielleicht fehlt da Bildung, vielleicht fehlen da auch einfach bessere Angebote an Leute, die einsam in Wut und Verzweiflung sind. Niemand wird als Arschloch geboren, meist sind sehr viele Dinge passiert oder halt nicht passiert, die einen Menschen zum Arschloch machen.

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