Risotto, Nachbar, Freiheit, Frau und Karriere und der Mond

Guten Morgen, immer noch alles unfassbar. Stille im Haus, draußen auch keine Gärtner, wunderbar. Gestern gab es Risotto, war lecker. Schockiert gewesen an der Supermarktkasse, gefühlt nichts gekauft, 56 Euro. Ein paar Telefonate, ein Gespräch mit dem Vater und in die Kissen geheult. Alles gerade nicht witzig, alles zu viel. Immer noch ein komisches Gefühl wegen des Nachbarn, eine Liste gemacht, was er mir alles in sieben Jahren angetan hat, ich durfte hier noch nicht mal staubsaugen, ohne dass ich seine Ausraster fürchten musste. Der geneigte Leser ahnt vielleicht, dass eigentlich alles, was ich hier gemacht habe, zu seinem Ausrastern führen konnte. Waschmaschine nutzen, Pakete empfangen, Besuch haben, telefonieren, alles verboten, wenn es nach ihm ging. Da kann frau doch mal erleichtert, sein, wenn der nicht hier ist.

Mein Leben immer noch unfassbar, klein Nadine hat sich das alles anders vorgestellt. Es wäre wirklich Zeit für eine Insel, wo ich in Ruhe herumsitzen kann, die Sonne beobachten und vielleicht mal schwimmen gehen kann. Freiheit, Freiheit, wurde wieder abbestellt. Ich dachte, in Deutschland hätte frau mehr Freiheit in 2022. Ist aber nicht so. 50 Prozent der Weltbevölkerung sind weiblich, aber trotzdem haben wir immer noch nichts zu melden, als wäre mit Gebärmutter geboren zu sein, die eigene bankrott Erklärung vom ersten Tag an. Wie kann man einen Menschen, seine Möglichkeiten, an Geschlechtsmerkmalen festmachen? Ist ein Mensch nicht ein Gesamtkunstwerk, mit Geschlechtsorganen in der Mitte? Haben wir nicht auch Hirn und Herz? Nur weil Frau durch eine Schwangerschaft vielleicht 1-2 Jahre im Beruf ausfallen könnte, darf sie gar keinen Beruf haben? Wer seine Gebärmutter nutzt, hat verloren? Warum haben die Männer nicht verloren, wenn sie ihr Sperma nutzen? Wenn Reproduktion innerhalb einer Karriere so hart bestraft wird, warum dann nicht beide Beteiligten?

Nur so meine Gedanken zu meiner erlebten Diskriminierung, seitdem ich im Berufsleben stehe. Ein Chef machte sogar mal ganz offen den Kinderwunsch zum Einstellungskriterium. Als würde eine Frau bei einer Schwangerschaft für immer für das Berufsleben versterben. Wie viele Mütter kenne ich, die arbeiten möchten oder sogar müssen, aber egal was sie machen, sie werden nicht so gut behandelt wie Väter. Ich habe moderne, gute Väter erlebt, die auch Zeit mit ihren Kindern verbringen wollten, die aber fast eine Kündigung erhalten haben, als sie den Antrag auf Elternzeit eingereicht haben. Und da fragt noch einer, warum es zu wenig Kinder in Deutschland gibt? Ein Kapitalismus, der lieber jetzt die maximalen Profite macht, statt auch in die Zukunft zu investieren? Nachhaltigkeit abbestellt? Dass irgendein Unternehmer dabei an die Überbevölkerung der Welt denkt, glaube ich nicht. Die denken nur an ihre eigenen, möglichst schnellen Profite. Der Mensch als austauschbarer Produktionsfaktor. Die ganze Welt, ein Wegwerfartikel? Gut, Menschen kann man vielleicht wegwerfen, solange es genug Nachschub gibt, aber die Welt? Einfach alles zerstören und dann weiter zum Mars oder Mond? Weiter zerstören? Also ich bin kein Astronaut, aber so wie ich hörte, ist das keine ideale Umgebung für einen Menschen.

2 Gedanken zu „Risotto, Nachbar, Freiheit, Frau und Karriere und der Mond

  1. >>50 Prozent der Weltbevölkerung sind weiblich, aber trotzdem haben wir immer noch nichts zu melden, als wäre mit Gebärmutter geboren zu sein, die eigene bankrott Erklärung vom ersten Tag an. Wie kann man einen Menschen, seine Möglichkeiten, an Geschlechtsmerkmalen festmachen?<<

    Wenn es wirklich der vorprogrammierte Untergang für jedes menschliche Wesen wäre, mit einer Gebärmutter leben zu müssen, wie können dann weltweit so viele viele Frauen ein glückliches Leben führen?

    Wer hat Frauen in Westeuropa EINGEREDET, es wäre ein Fluch, eine Gebärmutter zu haben – es wäre ein Fluch, eine Frau zu sein???

    Wer hat angefangen, die tatsächlich biologisch bedingten unterschiedlichen Rollen einer Frau und eines Mannes negativ zu bewerten, während sie doch jahrhundertelang als POSITIV bewertet wurden??

    Die Gesellschaften haben es seit jeher verstanden, das Thema Fortpflanzung, Aufteilung der Rollen beim Thema Nachkommenschaft, oder eben Familie allgemein, mit positiv besetzten Erzählungen, Traditionen, kulturellen Überzeugungen zu umgeben – so, daß die Thematik funktioniert!

    Das galt auch in Deutschland! Wer hat es zerstört, das positive Bild von Familie? Wer hat jahrzehntelang Wühlarbeit betrieben, um Frauen zu suggerieren, ihre einziger Weg zum Heil sei die Unabhängigkeit, ihre einzige Möglichkeit, gut zu leben und Anerkennung zu erhalten, sei eine bezahlte Angestelltentätigkeit?

    In jeder Kultur ist eines klar: die Frau und der Mann brauchen sich, tragen jeweils bestimmte Dinge zur Gesellschaft bei, und Mutter werden ist nicht FLUCH, sondern Segen. Voraussetzung ist natürlich, daß nicht andauernd das Muttersein als die Generalentwertung der Frau gepredigt wird. Das ist Zerstörung!

    Normalerweise liegt dem Vater- und Mutterwerden eine tiefe Liebesbeziehung, zumindest aber eine lebenslange Verpflichtung zugrunde, und damit ist für den männlichen und weiblichen Part eine große Sicherheit und Dauerhaftigkeit und Chance zur Gestaltung eines eigenen, kleinen "Königreiches" gegeben.

    Wer alle Verpflichtungen, kulturell vorgebenen Werte und Sicherheiten kaputt macht und wegschmeißt, der sorgt für endloses Unglück bei beiden Geschlechtern.

    Das beste Leben hat man, wenn eine Arbeits- und Rollenteilung erfolgt. So wurde es IMMER gehandhabt. Warum sind Frauen auch heutzutage glücklich, wenn sie schwanger werden, warum MÖCHTEN sie Kinder? Weil es schöner, befriedigender und fürs eigene Leben perspektivreicher ist, Kinder großzuziehen (mit der Unterstützung eines Mannes, der treu ist und seine Familie liebt), als in einem beliebigen Büro zu sitzen und administrative Dinge zu tun, während im Privatleben Leere und Sinnlosigkeit herrschen, obwohl das Konto immer voller wird.

    Eigentlich müßte das dein afrikanischer Ehemann dir am besten erklären können, denn die afrikanische Denke setzt absolut auf Kinder und gibt Frauen Respekt dafür.

    Anerkennung und Wert einbes Menschen ausschließlich an seiner Verwertbarkeit im kapitalistischen Wertschöpfungsprozeß festzumachen, ist hochgradig dumm und zerstörerisch.

    Aber ich glaube, die Masse der deutschen Bevölkerung mit ihren Hintergründen aus Scheidungen, Sexleben ohne Verpflichtung, Abtreibungen, Opferung des eigenen Lebens für den Wohlstandsgötzen, Auslieferung des Gehirns an TV-Propaganda (die Masse glotzt seit der frühen Kindheit täglich TV!) – die ganze Ablehnung des alten Wertesystems kostet eben einen Preis, und der wird jetzt flächendeckend bezahlt, mit psychisch kaputten Menschen, nicht existeneten Familien, Mißbrauch, Nutzung von P….no anstelle von humanem Liebesleben, usw.

    Ich kann da auch wenig Verständnis aufbringen im Allgemeinen, denn NOCh wissen die meisten, was richtig ist, was wertvoll ist, wo die Ideale zu finden sind. Aber sie wollen es anders machen, wollen falschen Zielen hinterherlaufen, und dann ernten sie eben das, was jetzt ist.

    Das soll nicht auf dich bezogen werden – dein gesamtes Umfeld, familär und sozial, hat negative Prägungen bei dir hinterlassen, für ein positives Rollenbild wurde nichts getan, nur für Zerstörung und Verwirrung.

    Aber es ist ja nie zu spät. Du bist als Frau KEIN Opfer der Biologie. Du hast trotz allem einen Ehemann gefunden und genommen – also stehst du auch zu den biologisch-sozialen Grundtatsachen des menschlichen Daseins. Die werden immer bestehen bleiben, da kann linke Propaganda auch nichts daran ändern. Das eigene Geschlecht ist ein absolutes basic der eigenen Identität, und dieses basic detail ist zu akzeptieren und positiv zu besetzen.

    Positiv bestezen heißt vor allem, das Prinzip "Liebe" walten zu lassen – so gut es geht, in einer Umwelt, die ganz andere Werte vertritt als Liebe.

    Scheiß auf alle, die das infrage stellen und mit Genderscheiße und Trans und sonstwas die jungen Leute in die Irre führen. Scheiß drauf, sowas folgt man nicht und sowas glaubt man nicht. Und Punkt.

    Liebe Grüße – auch als Mann führe ich kein "easy life" – meine (indische) Freundin hat konkrete Erwartungen an meine Rolle und Funktion. Und das ist ihr Recht!

    • Lieber Stefan, ich schätze das du mich liest und kommentierst. Aber dieser Kommentar ist Chauvinismus pur für mich. Mir hat niemand eingeredet, dass ich als Frau benachteiligt werde. Es ist erlebte Realität.
      Vielen Frauen wird schon in jungen Jahren der Zugang zu Bildung erschwert oder sogar verweigert. Viele Frauen haben im Berufslebens schlechtere Chancen. Selbst wenn diese Frauen es schaffen Bildung und Job zu erhalten, verdienen sie bei gleicher oder sogar besserer Leistung immer noch weniger als Männer. In frühen Jahren der Menschheit war diese feste Einteilung nach geborenen Geschlecht vielleicht sinnvoll, Männer sind halt meist größer und muskulöser gewachsen als Frauen. So konnten sie besser mit Raubtieren kämpfen, die Familie beschützen oder im industriellen Zeitalter harte körperliche Arbeit verrichten. Aber wir leben schon lange nicht mehr in diesen Zeiten, wo Arbeit immer harte körperliche Arbeit ist. Wir leben auch schon lange nicht mehr in Zeiten, wo ein Einkommen eine ganze Familie ernähren kann. Erhält eine Frau die gleichen Bildungschancen wie ein Mann, ist sie im selten unterlegen, im Gegenteil. Studien zeigen, dass Frauen sogar oft besser abschneiden. Wir leben heute im Informationszeitalter, wo nur noch wenige hart körperlich arbeiten müssen. Natürlich darf eine Frau Ansprüche an einen Mann haben und ein Mann seine Ansprüche an eine Frau. Ich bin nur dafür das die Rollenverteilung in einer Beziehung frei verhandelbar ist. Wie viele Männer leiden darunter, der Allein-Ernährer zu sein, der nie Zeit mit der Familie hat. Wie viele Frauen sind irgendwann frustriert, weil sie immer zu Hause sein müssen. Warum schreibt die Gesellschaft uns vor, wie zwei Menschen, eine Familie, Aufgaben organisiert? Warum kann nicht mal der Mann zu Hause sein? Warum nicht die Frau das Geld verdienen? Wenn zwei sich entschließen das traditionelle Modell zu leben und damit dauerhaft glücklich sind, Prima! Aber ich finde, es sollte jedem selbst überlassen sein, wie er/sie ihre Beziehung/Familie organisiert. Frauen von vorneherein den Zugang zu Bildung und Job zu erschweren, sie schlechter zu bezahlen, trägt aus meiner Sicht nicht dazu bei.

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