Über nberlin

Nadine in Berlin, ein Tagebuch seit 2005. https://nberlin.wordpress.com

Corona, Blumenkohl, Ärzte und Farbfilm

Guten Morgen, ganz passabel geschlafen, gestern ging es mir wirklich nicht gut. Auch tagsüber geschlafen und Alpträume gehabt. Der Psychiater ist zurück aus dem Urlaub, sicher 15-mal angerufen, aber entweder besetzt oder keiner geht ran. Wer hätte gedacht, dass ich mal so eine Sehnsucht nach einem Psychiater habe. Beim Mann im Büro gibt es wieder Corona, ich hoffe für ihn nicht. Die Coronazahlen in der Stadt sind gerade sehr hoch, weil niemand mehr versucht irgendwas zu vermeiden. Tatsächlich gekocht, Blumenkohl auf indische Art. Immer noch sauer und schmerzerfüllt wegen meiner Vergangenheit, wie konnte das alles passieren? Warum verdammt nochmal hat niemand auf mich aufgepasst? Weder Mutter, Stiefväter, restliche Familie noch Freunde haben mich jemals beschützt. Der Nachteil, wenn man jung, zu erwachsen wirkt? Immerhin die Temperaturen gehen zurück, ohne Regen, ich wünschte es gäbe endlich Regen.

Die Straße rauscht und die Polizei hat in der Stadt viel zu tun, die Leute knallen durch, nach/während Corona und jetzt auch noch Krieg und Wirtschaftskrise. Ich weiß auch nicht mehr weiter, keine Ahnung wie es weiter gehen soll, keine Ahnung wo das Licht am Ende des Tunnels ist. Geführt von einer Regierung, die eher unerfahren und hilflos wirkt, aber dafür hoffentlich weniger korrupt als die vorherige ist? Wer weiß es, mir bleibt dazu auch nur die Tagesschau. Fenster auf und auf Abkühlung gehofft, meine Ventilatoren haben Dauerschicht, die Nachbarn schweigen alle, während ich mich in die Kissen heule. Berlin, eine wunderbar anonyme Stadt, verrecken, ohne dass es irgendwer bemerkt. Versuche eine Online-Krankschreibung zu bekommen, aber auch das scheint schwierig. Die Idee, mit dem Bus irgendwo hinzufahren und dann stundenlang im Wartezimmer zu warten, um dann auf einen gestressten Arzt zu treffen, ist gerade Horror.

Baden gewesen und Brot gebacken, irgendwas für die Seele, jenseits von Schokolade. Immerhin morgen Termin bei der Psychologin, aber ob das hilft, ist fraglich. Die kennt mich gar nicht und leider habe ich jetzt schon den Eindruck, dass sie mich missverstanden hat. Aber warten wir ab, ich gehe dann mal hin. Soviel zur wundervollen Krankheitsversorgung in Deutschland. Vorgenommen heute immerhin in den Drogeriemarkt zu fahren oder besser zu gehen, schützt mich vor den Verrückten der Stadt, denn ich bin verrückt. Wäre mal wieder Zeit für Farbfilm:

Edit: Meine Definition von verrückt: Abgerückt von dem, was als normal gilt.

Nichts, Seeed, Affe, Sozialphobie und Musik

Guten Morgen, viel zu früh wach, aber ganz gut geschlafen. Aktuell möchte ich nur noch schlafen, solange bis die Welt wieder in Ordnung ist. Ergebnis beim Aufwachen, aber immer wieder, nichts ist in Ordnung. Nicht gearbeitet gestern, aber mit der Chefin telefoniert. Wie schön, dass ich gerade nichts auf die Reihe kriege. Auch wenn es wie Faulheit aussieht, ich bin schwer beschäftigt, mit meinem Kopf, meinen Erinnerungen und Gefühlen. Immerhin beim Supermarkt gewesen und mit einem Freund telefoniert. Gegessen Melone mit Schinken und einem Wrap mit Grillkäse. Keinen Bock zu kochen. Aber heute kommt wieder eine Kochbox, mal sehen, ob mich das motivieren kann. Mir ist einfach zu heiß gerade, die Wohnung kühlt nicht ab. Ein Highlight gab es aber gestern, ich habe ein Seeed Ticket erhalten, wie viele Jahre will ich da jetzt hin und ich hoffe, im August ist es dann so weit.

Ein altes Foto hat mich erinnert, dass ich als Kind eine große Kletterin war, kein Baum war früher vor mir sicher, meine Mutter nannte mich deswegen auch Affe. Heute bin ich schon froh, wenn ich eine Treppe erklimmen kann. Ich erinnere mich gut, dass ich mal versucht habe einen Jungen mit meinen Kletterkünsten zu beeindrucken, das Ergebnis war aber dann, dass ich oben auf einem Baum saß und er unten stand den Kopf schüttelte und sich eine andere suchte. Ja Jungs, die Bäume waren meine besseren Freunde. Wer meinetwegen nicht auf einen Baum klettern kann und will, der kann mich dann auch mal, beschloss ich damals. Später im Leben änderte ich meine Meinung dazu dann noch mal, aber es gab vielleicht auch einfach zu wenig Bäume in meiner Gegend.

Aktuell etwas soziophobische Zustände, ich mag nicht unter fremden Mitmenschen sein, besonders nicht öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Was etwas hilft, ist Musik auf den Ohren, aber ich kann ja nicht ohne Unterbrechung immer Musik hören. Passend dazu, heute ein Affen-Song:

Erinnerung, Alkohol, alte Fotos und Hände

Guten Morgen, Erinnerungen, ich hoffe, es ist jetzt mal gut, wobei die letzte schrecklich, aber auch gut ist. Warum erzähle ich später mal. Rückblickend frage ich mich aber doch, wie es sein kann, dass wenn eine Person unter Drogen gesetzt wird, ja auch Alkohol, man(n) von einer Mitschuld ausgeht. Ist es eine Mitschuld, weil man durch Drogen gefügig gemacht wurde? Weil frau auf Droge plötzlich Nähe suchte und Männer das als Aufforderung zum Beischlaf gesehen haben? Aufwachen nach einer Party mit dem Fremden im Bett? Eigene Schuld? Also ich wurde so erzogen, dass wenn man selber (freiwillig?) konsumiert hat, dass man selber verantwortlich ist, für was auch immer passiert ist, sogar im Koma. Was ist das denn bitte für eine Haltung, wenn ein Mädchen/ein Mensch nüchtern nein sagt, braucht es nur Alkohol um daraus ein legales „Ja“ zu machen? Also ich kann bei der deutschen Partykultur nicht von „freiwilligen“ Alkoholkonsum sprechen. Ist man auf einer Party, wird man immer bedrängt, mitzutrinken. Ja man wird sogar angefeindet, ausgeschlossen, sollte man keinen Alkohol trinken, vielleicht weil niemand nüchterne Zeugen will? Alkohol als legale Droge in einem von Männern geführten Land? So ein Zufall.^^

Aber genug gekotzt über die legale Droge Alkohol, für mich ist es eine sehr schlimme Droge, die zu oft missbraucht wurde. Eigentlich müsste man alle Drogen verbieten, zumindest für Minderjährige, ich finde frühestens ab 21 sollte die legale Selbstzerstörung starten dürfen. Vorher ist die Seele, das Gehirn, einfach zu anfällig. Aber zurück zum Tagebuch, nicht viel passiert, zu viel gegessen, nicht das Haus verlassen. Nix gekocht, nix gebacken, nur aufgewärmtes aus der Mikrowelle. Alte Fotos geschmökert und zum Teil gescannt, was waren das noch für Zeiten wo man sich für Familienfotos in Schale geschmissen hat. Die Jungs tragen Anzug, die Mädchen Kleid, auch wenn man sonst nie so herumgelaufen ist. Ja Fotos, Erinnerungen faken, hat Tradition, auch vor der digitalen Bildbearbeitung. Immer noch 28 Grad in der Bude, aber draußen soll es endlich kälter sein.

Mein Arbeitspostfach wartet, ich werde mich heute wohl mal durchkämpfen, leider musste ich Leute im Stich lassen, aber was soll ich machen, wenn sich niemand sonst um mich kümmert? Ich brauchte und brauche meine helfenden Hände halt für mich. Der Song des Tages geht an die deutsche Volksdroge:

Kein Regen, Hitze, Traumas, aufstehen und Lachnummer

Guten Morgen, immer noch zu heiß, kein Regen, kein Erbarmen, keine Erlösung. Weiter das Hühnerfrikassee gegessen und später eine Rosenkohlsuppe. Aktuell nur Nahrung, die erfahrungsgemäß gut für mich ist. Gut, die Kekse um Mitternacht gehörten nicht dazu. Durchlüften, bevor es draußen wieder wärmer ist als drinnen. Kaffee gekocht und verkniffen in den Tag geschaut. Eine Fliege stresst. Keine Ahnung, warum die auf Körperkontakt steht, vielleicht weil ich in der Nacht geschwitzt habe. Überlegt wieder arbeiten zu gehen, das war genug alleine zu Hause Zeit. Ich denke, es lässt sich sicher eine Art Hamburger Modell mit den Chefs diskutieren. Krähen schreien draußen wieder den Tag an und verscheuchen die anderen Singvögel. Heute vielleicht zum Mann, in seiner kühlen Wohnung verstecken und auf seiner neuen Matratze schlafen. Blutdruck abends jetzt total unten, gestern sogar nur 98 zu 60, da hatte ich mal einen berechtigten Grund eine Cola zu trinken. Denke aber liegt an der Hitze, da habe ich einfach keinen Bluthochdruck. Die Sonne scheint und alles erscheint friedlich, Wäsche waschen ist derzeit eine gute Tätigkeit, weil alles so schnell trocknet.

Traumas, gäbe es einen Preis für zahlreiche überlebte Traumas, ich hätte gute Chancen. Wie oft habe ich erlebt, dass Menschen schon nach einem Trauma aus meiner Sammlung, im Arsch sind für den Rest des Lebens. In meiner Familien aber irgendwie anders, wir alle haben sehr viele unerfreuliche Geschichten überlebt. Manchmal muss ich aufpassen, dabei nicht arrogant oder überheblich zu denken, weil eine Person wegen einer Sache nicht mehr aufhört zu jammern und nicht mehr aufsteht. Klar verstehe ich das dann, wenn mir das jemand erzählt, aber manchmal habe ich kein Verständnis für die damit verbundene Schwäche des Liegenbleibens. Wurde man verletzt, kann man erstmal liegen bleiben, darf man heulen und schreien, sich Hilfe suchen, aber irgendwann muss man dann doch wieder aufstehen und weiter machen? Oder muss man nicht?

Aktuell wieder Talent mir blaue Flecken zu holen, ich stehe neben mir und ramme ständig Gegenstände, das hat Folgen. Immer so, wenn es mir nicht so gut geht, ich verletzte mich nicht vorsätzlich selber, aber irgendwie unterbewusst. Manchmal denke ich, ich bin die Lachnummer für Engel oder sonst irgendwen, der gerne sieht, wie Nadine gegen die Schrankecke läuft und an der Türklinke hängen bleibt. Hat was von Dick und Doof, wobei ich hoffe nur dick zu sein und nicht doof. Alternativ könnte ich auch das HB-Männchen sein, wenn man auf mein Leben blickt, vielleicht habe ich deswegen angefangen zu rauchen, anders lässt sich der ganze Scheiß nicht ertragen. Der Song des Tages heute ein stressender Ohrwurm, des mich die letzten Wochen immer mal wieder verfolgt:

Das Ende der Kindheit: Der Erlkönig

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? –
Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif? –
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. –

„Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel’ ich mit dir;
Manch’ bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“ –

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? –
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
In dürren Blättern säuselt der Wind. –

„Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“ –

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort? –
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’ es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. –

„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt.“ –

Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan! –

Dem Vater grauset’s; er reitet geschwind,
Er hält in Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
In seinen Armen das Kind war tot.

Quelle und Interpretationen.

Böse Erinnerungen, Neid, keine Mutter und Überlebende

Guten Morgen, noch gar nicht wach. Nicht viel passiert, außer das Hühnerfrikassee gestern. Noch eine böse Erinnerung mehr, ich hoffe, das hört endlich mal auf. Nicht nur, dass ich das ich wohl mit 10 das erste Mal bekifft war, durch passives einatmen, nein, abgefüllt wurde ich das erste Mal mit 12 durch einen notgeilen Mann. Alle anderen Details erspare ich euch, ich dachte, das ging erst mit 14 los. Wie schön, dass meine Mutter so gar nicht auf mich aufgepasst hat. Im Gegenteil, immer wenn irgendein Mann scharf auf mich war, was spätestens ab 12 öfter der Fall war, unterstellte sie mir immer wieder gern, dass ich das provoziert und gewollt hätte. Nein habe ich nicht, ich wollte Liebe und Aufmerksamkeit, aber sicher keine Drogen und sexuelle Handlungen. Dass notgeile Kerle später zu Verteidigung behaupten, ein kleines Mädchen hätte das gewollt, logisch, aber dass die eigene Mutter das behauptet? Wie krank ist das denn? Ja, ich war eine Lolita, aber konnte ich irgendwas dafür? Ein Grund, mich vor lauter Neid nicht zu beschützen? Gut es waren andere Zeiten, aber zu keiner Zeit, möchte ein Kind solche Sachen. Keine Ahnung wie ich das alles überlebt habe, an meiner Mutter lag es sicher nicht. Aktuell denke ich, sie hatte den Namen Mutter nie verdient. Kein Vater und eine Mutter, die mit sich selber und ihrem Neid beschäftigt war.

Wunderbar und da fragt noch irgendwer, warum ich heute als seelisch krank gelte? Fragt lieber, warum ich noch lebe. Genug schlechte Neuigkeiten für heute versuchen wir es mit leichteren Themen. Der Kaffee schmeckt, es gab keinen Regen und die Sonne scheint schon wieder. Mein Leben, von dumm gelaufen, bis schrecklich. Eines ist aber sicher, ich bin eine Überlebende, einer elternlosen Kindheit in Deutschland:

Hühnerfrikassee

Ich liebe Hühnerfrikassee und es ist immer gut, wenn ich irgendwie krank bin. Meistens jedoch wird es dann die fertige TK-Packung und Reis dazu gekocht. Dabei habe ich noch ein Rezept, von meiner verstorbenen Berliner Oma und es nie gekocht. Aber jetzt, denn ein Suppenhuhn und reichlich Zeit sind vorhanden:

  1. Man nehme ein Suppenhuhn und kocht es circa zwei Stunden in einer salzigen Brühe. Wenn es fertig ist, Fleisch von den Knochen lösen und in mundgerechte Stücke zerkleinern. Brühe zur Weiterverwendung aufbewahren.
  2. Mehlschwitze herstellen: 3 Esslöffeln Öl/Butter erhitzen und nach und nach 2 Esslöffel Mehl hinzugeben und dann mit einem halben Liter Brühe ablöschen.
  3. Drei Eigelbe und eine Packung Crème fraîche (Alternative: Schmand) zusammenrühren und separat aufkochen.
  4. Finale: Fleisch und Gemüse (z. B. Möhren, Erbsen, Champignons oder Spargel) in die restliche Brühe einrühren, Mehlschwitze einrühren, aufkochen und am Schluss bei reduzierter Hitze mit der Crème fraîche Soße verfeinern und abbinden. Abschmecken mit Salz und Pfeffer.

Reicht locker für vier Personen und mehr, in meinen Fall werde ich dann wohl einige Portionen einfrieren und bei Bedarf erwärmen. Ach ja Beilage bei mir Reis, geht aber sicher auch mit einer anderen Beilage. Kosten von mir dabei aktuell ungefähr 4 Euro, ohne Reis.

Nonne, Allah, Supermarkt, China, Drogen und Männer

Guten Morgen, der Mann war da, der Mann ist weg, das ist dann erstmal ganz gut so. Der Vogel singt ein Lied und mir ist das alles zu früh. Gestern im Krankenhaus gemischter Eindruck, keine Ahnung, ob mir das helfen kann. Lebensmittel-Lieferung erhalten, aber sehr spät, also großes Trinkgeld, der Mann sagte sowas von wegen Allah möge mich segnen, war seltsam. Erst eine grimmige Nonne im Krankenhaus und dann ein Lieferant der von Allah spricht, gestern schien wohl ein göttlicher Tag gewesen zu sein. Die Sonne scheint und ich muss heute wieder zum Arzt, wunderbar, mein neues Hobby. Der Kaffee schmeckt, der Mann wollte keine Getränke mitnehmen, zu schwer, aber ich darf die tragen. Aber gut, so ist mein Vorrat größer, den der Mann gestern schon als kleinen Supermarkt bezeichnete. Also, ich brauche vorerst nicht mehr einzukaufen.

Gestern Nacht noch eine Doku über China gesehen, also in China leben möchte ich ja lieber nicht, dagegen erscheint ja sogar Putin noch als liberale Führung. Die Sonne scheint, die Straße rauscht und ich bin müde. Müde über Müdigkeit hinaus einfach erschöpft und genervt von vielen. Ich scheine durch den Vorfall mit 15 Jahren ziemlich viel vergessen zu haben, es ist so als hätte ich alle Details meines Lebens von 0 bis 15 Jahren mit dieser Nacht verloren. Jetzt kehren die Erinnerungen zurück und ich möchte nur weinen, über dieses tolle Mädchen, dass in nur einer Nacht total zerstört wurde. Aber es ist auch schön zu erinnern, wer ich mal war. Schon krass, wie kann man 15 Jahre seines Lebens vergessen? Vielleicht war es notwendig, denn leider ist mir auch sehr viel Unerfreuliches eingefallen und ich muss meine erinnerte Biografie in einigen Punkten korrigieren. Drogen und Männer, ein Problem damals, weil ich älter wirkte als das Kind in mir war. Ach man Erinnerungen, wenig Paradies in der Vergangenheit:

Retraumatisierung, Krankenhäuser, Arm und Reich und schlechte Romanze

Guten Morgen, nicht so toll gerade, schlecht und zu wenig geschlafen und Angst vor dem Gespräch heute. Über ein Trauma zu sprechen ist retraumatisierten, ich verstehe nicht, warum trotzdem jeder immer und immer wieder darauf besteht, dass ich es erzähle. Sogar der Telefonservice des Krankenhauses bestand darauf, weil ich ja sonst wahrscheinlich falsch bei ihnen bin. Mit dem Abwimmeln sind sie gerade schnell in der Stadt, bei Trauma also Hilfe zu bekommen, eine weitere schmerzhafte Hürde. Kann aber nicht sein, dass ich Hinz und Kunz immer und immer wieder alles erzählen muss, ohne sicher zu sein, ob diese temporärer Verschlechterung meiner Lage, dann auch Hilfe und damit eine Verbesserung bringen kann.

Formulare sind noch auszufüllen, sehr viele Formulare, denn es muss der Kostenträger ermittelt werden, Überraschung: Es ist auf gar keinen Fall die Krankenkasse, denn die bietet gar nichts an. Aber vielleicht auch ganz gut so, denn die Hilfen der Krankenkassen sind derzeit nur für Selbstmordgefährdete da, die müssen dann im Krankenhaus aufgenommen werden, teilen sich ihr Zimmer mit anderen Verrückten, kriegen schlechtes Essen und so viele Medikamente bis sie ruhig sind. Das ist nicht wirklich eine Hilfe, das ist für mich Knast. Da bleibe ich lieber zu Hause, habe mein eigenes Zimmer, gutes Essen und nehme keine Pillen, die mich zum Zombie machen und zahlreiche gesundheitsschädliche Nebenwirkungen haben. Das ist zumindest meine Erfahrung mit der Einweisung in eine Psychiatrie, und seit Corona ist es eher schlimmer als besser geworden.

Lebensmittel-Bestellung gestern nur halb erfolgreich und dem Mann seinen Anteil in die Wohnung gebracht, er versteht immer noch nicht, was ein Notvorrat ist, vielleicht weil er Not einfach nicht kennt, er kommt aus einer ehemals reichen Familie und so sind auch seine Ansprüche. Wer also denkt, ich sei die reiche Deutsche und er der arme Afrikaner, der irrt gewaltig. Mein Kopf ist von Armut und Not geprägt, seiner von Reichtum und Wohlstand. Das gibt immer wieder Streit, weil ich seine Allüren nicht nachvollziehen kann. Ansonsten werde ich die letzten Tage von diesem Song gestresst, der Ohrwurm will einfach nicht mehr weggehen:

Spät, Hausfrau, Klinik, Essen und Kontrolle

Guten Morgen, wieder spät ins Bett und früh wach. Es wird halt erst spät in der Nacht kühl genug, sodass ich einschlafen kann. Aktuell bin ich wohl die Hausfrau des Monats, Tiefkühlsachen neu verpackt und organisiert, Küchenschränke aufgeräumt, Vorräte neu sortiert, Nüsse in Gläser einsortiert, Joghurt selbst gemacht, Brot gebacken und Erbsensuppe gekocht. Nebenbei viel telefoniert, aber nur zum Müll herausbringen draußen gewesen. Heute kommen Lebensmittellieferungen, für mich, aber auch für den Mann. Alles zu teuer, aber ich ahne das wird so bleiben oder noch schlimmer, je nachdem was Putin vorhat. Abgesehen von einer besser sortierten Küche gibt es noch eine weitere gute Nachricht, ich darf morgen in einer Klinik vorsprechen und hoffe dort Unterstützung zu erhalten, mein Psychiater ist nämlich weiterhin im Urlaub. Psychiatrische Versorgung, die nur auf der Aufopferung der Angestellten beruht, funktioniert halt nur eine Weile, irgendwann sind alle urlaubsreif und/oder krank. In meinem Umfeld sind viele krank, ich bin also nicht allein, aber tröstlich ist das trotzdem nicht.

Die Sonne dreht heute anscheinend wieder auf, schon jetzt 27 Grad in der Bude, aktuell ist es nur nachts angenehm, wenn alle Fenster geöffnet sind und ein leichter Wind weht. Die Stadt dreht derzeit Scheibe, zu viele sind verzweifelt und/oder drehen durch. Ich hörte von vielen Freunden, die sonst teuer essen, dass sie dann halt auf die Discounter wechseln, um das Ausgabenlevel nicht zu sehr zu erhöhen, aber was machen die Leute, die vorher schon beim Discounter gekauft haben? Für die gibt es keine günstigere Alternative. Was machen die ganzen Ukrainer in der Stadt, wenn Essen nicht mehr erschwinglich ist? Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral!“, sagte Brecht, also kein Wunder, dass die Leute durchdrehen oder sogar kriminell werden. Kaum (bezahlbarer) Wohnraum, nichts zu futtern und eine unzureichende ärztliche Versorgung und da wundert sich irgendwer, dass die Leute schlecht darauf kommen? Ich sitze dann verdattert in der Wohnung und sortiere Konserven, irgendwas was ich kontrollieren kann, irgendwas was scheinbare Sicherheit gibt.