Narzissten, Berlin, krank, gefangen und müde

Guten Morgen, endlich mal 6 Stunden am Stück geschlafen, schon besser. Gestern Homeoffice und danach Suppe und schlafen gegangen. Abends dann Youtube Videos zu Thema Narzissmus, oh ja, die Narzissten und ich, eine lebenslange nicht so erfreuliche Geschichte für mich. Nicht nur die Mutter, sondern auch Partner, Freundinnen und Chefs waren in meinem Leben narzisstisch. Ich brauche mich wohl nicht wundern, dass meine Mutter die schlimmsten von mir freigewählten Narzissten am sympathischsten fand. Menschen, die mich emotional manipuliert und kontrolliert haben, Menschen, die mich sogar körperlich bedroht haben, die fand sie toll, vielleicht weil sie sie an sich selbst erinnerten. Muss ich erstmal sacken lassen, diese Erkenntnis, mich von solchen Leuten distanziert, habe ich mich schon lange. Denke da an die Kämpfe um meine Partner als Teenager, alle waren nicht gut genug für mich, außer der der mich emotional systematisch fertig gemacht und kontrolliert hat und mir als ich ihn kritisierte sogar eine Waffe an den Kopf hielt, den akzeptierte und liebte sie. Vergangenheit, Vergangenheit, sie ist tot, der ehemalige Partner ist tot, aber ich lebe.

Der Kaffee schmeckt, die Kippe nicht so richtig und irgendwer rennt durchs Treppenhaus. Heute wird das aber was mit dem Schwimmen, ich denke, das wird mir guttun. Zwei Kerzen brennen, Stille in der Dunkelheit. Berlin, ich denke immer noch alles wäre anders verlaufen, wären wir damals nicht nach Berlin gezogen. Diese Stadt war ihr und mein Untergang. Zwei körperlich gesunde, junge, hübsche und relativ glückliche Frauen kamen her und nach wenigen Jahren wurden daraus einsame, unglückliche, kranke und nicht mehr so hübsche Frauen. Sie ist mittlerweile tot, ich sehr krank. Keine Ahnung was dieser Kampf in Berlin sollte, gegen Berlin gewinnt keiner. Zurück nach Köln kann ich aber auch nie wieder, ein Dorf voller Perverser. Bestandsaufnahme im Jahr 2022, ich bin noch da, obwohl ich nie darum gebeten hatte und es auch nicht mein Ziel war, ich wollte seit Berlin immer in den Club 27 und jetzt bin ich Ü40 und immer noch da. Optimismus gesucht, aber gerade keine Lust zu suchen, der andere Scheiß ist häufiger. Ich komme mir derzeit wie ein Wesen vor, das lebenslang gefangen war, das jetzt vor der offenen Käfigtür sitzt und die mögliche Freiheit nicht nutzt, weil krank und total verunsichert.

Keine Ahnung wie das alles weitergehen soll, keine Ahnung was aus mir wird oder ob überhaupt noch irgendwas wird. Ich bin müde, traumatisiert und Körper und Seele in schlechten Zustand, keinen Bock mehr auf Kampf, zumindest nicht für mich. Ich atme dann einfach mal, mache weiter, warum auch immer und für wen auch immer.

Rotkopf, 32 Jahre Berlin und Unterhaltung mit dem Mädchen in mir

Der Rotkopf grüßt aus der Nacht. Rot weil gestern bei der Kosmetik. Leider wurde Mandy gekündigt und stattdessen durfte jetzt eine russische Queen an meine Haut. Die meinte dann auch das ich ganz viel Kosmetik brauche, allerdings aus einem Online-Shop mit Gutschein. An der Kosmetik hat sie also nicht verdient, deswegen glaube ich ihr mal einfach, dass, was ich ja schon ahnte, bei mir die Zeit der erhöhten Instandhaltungskosten begonnen hat. Schöne Sache, alt und knusprig zu sein, aber gut, tot sein ist auch keine Option, alt sein und werden ist halt nichts für Weicheier. Für mich ist es gerade halt hart, weil ich auf mich und mein Leben blicke wie mein 11-jähriges Ich, damals war ich körperlich und geistig hoch trainiert, ich tanzte jeden Tag stundenlang und danach las ich noch 1-2 Bücher. Dagegen bin ich heute Wackelpudding, von einem Extrem in das andere.

Das Ergebnis von über 30 Jahren Berlin? Ich lebe noch, aber wie? Immerhin konnte ich aufhören auf meine Mutter wütend zu sein, dass sie mich damals nach Berlin verschleppt hat, ich wollte niemals hier her und schaut man an, was ich dadurch verloren habe, ist es vielleicht auch verständlich, Berlin war der Fleischwolf für meinen Körper und meine Seele. Aber ich bin noch da, ich habe überlebt und mittlerweile auch eine sichere Überlebenssituation hier. Nur hübsch, gesund und intellektuell, das bin ich weniger, dafür aber jetzt sehr erfahren und vielleicht auch ein Stück weise? Was meinem alten Ich jedoch gefällt ist, dass ich eine selbstständige Frau bin, mit eigener Wohnung, eigenem Einkommen, nicht die abhängige Tochter oder Ehefrau von. Ich wollte unabhängig sein, ich wollte frei sein, was nicht heißt, dass ich deswegen auf Liebe verzichten wollte. Aber geliebt werden nur brave Mädchen und nicht wilde Frauen? Ich denke das westdeutsche Frauenbild ist bis heute für den Arsch, manchmal wünsche ich mir deswegen lieber in Ostdeutschland aufgewachsen zu sein, wo die Gleichberechtigung der Frau selbstverständlich und kein Kampfthema war. Wie kann man Menschen wegen Geburtsmerkmalen ihre Rechte absprechen? Wie wir geboren werden, dafür können wir nichts, nur was aus uns wird, dafür sind wir (mit)verantwortlich.

Genug gepredigt zum Morgen, ich denke gerade halt viel nach über mein Leben, was daraus wurde und warum. Das Mädchen, das mit dem Kopf durch die Wand wollte, sieht heute ziemlich verbeult aus und raucht. Berlin, der Moloch war stärker? Wäre es anders geworden wäre ich in Köln geblieben? Keine Ahnung, in meiner Vorstellung war es immer so und das schürte die Wut auf meine Mutter und das Leben immer sehr. Zurück zum jetzt, es ist mitten in der Nacht, es ist dunkel, es regnet und ich trinke Kaffee und rauche, so erwachsene Selbstzerstörung in Berlin 2021. Erkenntnis ist nicht Veränderung, Veränderung kostet Kraft und Zeit und ich weiß nicht, ob ich davon noch genug habe. Das kleine Mädchen weint deswegen, die erwachsene Frau raucht darauf eine, isst danach eine Tafel Schokolade und bewahrt die Ruhe. Mitten in der Nacht, meine Unterhaltung mit meinem früheren Ich:

Skarabäus

Über Insektenarmut kann ich hier nicht klagen, aber heute etwas sehr Seltsames und gleichzeitig herzerwärmendes in meinem Bett gefunden. Einen lila, grün, blau schimmernden Skarabäus. Ein Symbol meiner Kindheit. Früher auf dem Land gab es viele davon, ich spielte mit ihnen. Wann und ob überhaupt ich aber einen Mistkäfer in Berlin gesehen habe, daran erinnere ich mich nicht. Nachgeschlagen was dieser Käfer bedeutet: „Auferstehung und Leben“. Er galt für die Ägypter als Glücksbringer. Ich habe einen ägyptischen Großvater, wie passend. Auch passend zur Medikamentenreduktion. Leider kein Foto gemacht, aber der Mann hat ihn auch gesehen. Erst dachte ich er ist tot, aber als ich ihn auf die Hand nahm, um ihn zum Balkon zu tragen, spürte ich wie sich seine Beine in Bewegung setzen. Ich hoffe, er ist noch davon geflogen.

Ich bin Opfer! Ich darf das!

Was mich gerade beschäftigt sind Menschen die ihre eigene traurige oder schreckliche Geschichte nutzen, um eigenes Fehlverhalten zu entschuldigen. Ich bin eigentlich eine geduldige Person, aber wenn dieses Fehlverhalten anfängt mir zu schaden, dann ist mal Schluss mit lustig. Dann bin ich nämlich Opfer des Opfers. Nur weil mir schlechtes widerfahren ist, habe ich nicht das Recht anderen schlechte Erlebnisse zu geben. Nur weil ich schlechte Erlebnisse hatte, ist die Lüge nicht legitim. Kinder, Kinder haben vielleicht irgendwie ein Anrecht darauf, aber die Erwachsenen sollten es besser wissen. Sie spüren den Schmerz vielleicht noch und wissen deswegen genau wie sich ein anderer damit fühlen würde. Jahrelang hat meine Mutter sich für Ihre Fehler damit gerechtfertigt, dass meine Oma eine noch viel schlechtere Mutter war. Das hat es aber nicht besser für mich gemacht, es war nicht meine Schuld, dass meine Oma sie sehr schlecht behandelt hat. Wenn man sich als Opfer rächen will, sollte man den Täter attackieren, nicht irgendwen anders. Vielleicht hilft auch ein Sandsack oder Schreien wo es keiner hört. Das Wissen um den Schmerz sollte weiser machen, weise diesen Schmerz keinen anderen zuzufügen. Ich bin Opfer! Deswegen mache ich das nicht!

Blumenkohl

Oh Mann, ich hatte vergessen wie streng Blumenkohl beim Kochen riecht. Aber war lecker und es kamen Erinnerungen an meine Mutter hoch: Wir hatten oft kein Geld und deswegen auch nicht viel Auswahl beim Essen. Eines Tages war sie wieder pleite und kaufte mit ihrem letzten Geld einen Blumenkohl. Der sollte unser Mahl sein, sie kochte ihn im Stück, belegte ihn mit Käse und schob ihn in den Ofen. Danach gab es dann für jeden von uns einen halben mit Käse überbackenen Blumenkohl. Ein Festmahl dachte ich damals, ein ganzer halber Blumenkohl für mich und ich genoss es. Heute fällt mir auf, dass es unüblich ist nur Blumenkohl zu essen und das meine Mutter mich hat glauben lassen, dass nur Blumenkohl essen etwas Besonderes ist. Sie hat das Beste aus unsere Not gemacht und ich war ein glückliches Kind mit Blumenkohl und habe nichts vermisst.

Schokolade, Ausraster, Mehrwertsteuer und Niemand

Es ist zu warm für Schokolade, schlecht, wenn man sich gerade einen Vorrat angelegt hat. Also in eine Tupperdose umgepackt und ab in den Kühlschrank. Soll man nicht machen, aber bevor mir alles wegschmilzt, lieber so. Dann über meine Ausraster nachgedacht, es gab immer einen triftigen Grund, aber trotzdem ist das nicht meine Art, das Gute ist aber, es ist mir bei Leute passiert, die gerne selber ausrasten, auch bei mir. Also alles gut, auch ich darf mal. Dann die Lebensmittelwerbung gesehen, Preissenkungen dank Mehrwertsteuersenkung. Ist das jetzt gut oder schlecht, das Essen wieder billiger wird? Ich habe hier selber gemeckert, dass Leute mit Jobcenter-Geld während Corona schlechte Karten haben, aber hilft die Mehrwertsteuerersparnis? Das Essen ist traditionell schon immer preisgünstig in Deutschland, aber ist das gut? Überall sonst in Europa ist Essen teurer oder ist das gerade das Soziale am Sozialstaat? Jeder kann essen? Prinzipiell begrüße ich die Steuersenkung, aber es wird die zerstörten Existenzen und verschuldeten Bürger nicht rehabilitieren können. Es ist nur ein Pflaster auf der großen Wunde. Corona, es ist schwierig niemanden die Verantwortung zu geben, wenn es nachgewiesene Infektionsketten gibt. Aber das ist halt politisch korrekt. Ich hab keinen Chinesen-Hass, aber ich finde, wenn man Mist gebaut hat, kann man auch dazu stehen und sich entschuldigen und nicht die anderen beschuldigen sie seien Rassisten. Corona ist und war nicht lustig, für niemanden. Niemand wollte willentlich eine Pandemie auslösen und die anderen um ihr Leben oder Geld und Lebenszeit bringen. Aber es ist passiert und verantwortlich ist niemand?

Die schweigend Leidene

Ich bin ein Harmonievieh, es muss schon viel passieren, damit ich mal was sage. Lässt irgendein Arschloch an mir seinen Frust aus, werde ich wahrscheinlich erstmal nichts sagen. Ich denke über die Situation nach und suche nach einem Auslöser bei mir. Manchmal finde ich was, aber oft auch nicht. Ist mir die Person wichtig, suche ich irgendwann das Gespräch und spreche an, welche Behandlung ich mir wünsche und was gar nicht geht. Doch die meisten Menschen sind mir nicht wichtig genug, um eine Konfrontation zu suchen. Wenn das Fass voll ist, ist es voll und dann wende ich mich wortlos ab. Der andere rafft das dann meist nicht, denn für ihn ist nichts passiert und er kennt keine Gründe für mein Schweigen und/oder Verschwinden. Ich erwarte an dieser Stelle Selbstreflexion, einmal über die Zeit vor der Funkstille nachzudenken. Kommt dann eine Entschuldigung, werde ich sie wahrscheinlich annehmen, aber vergessen werde ich nie. Kommt dann nichts, dann war es das, ich brauche keine Kontakte um jeden Preis. Vielleicht sollte ich aufhören die schweigend Leidene zu sein.

Attraktivitätssteigerung

Die Sache mit dem Online-Dating hat sich verändert. Alles ist viel schneller und damit auch oberflächlicher geworden. Finde ich schade und gefällt mir nicht. Ich fühle mich überfordert, wenn ich in kurzer Zeit über tausend Möglichkeiten präsentiert bekomme. Ich wollte doch nur einen finden. Ich spende meine Zeit lieber nur einer Person, um sie kennenzulernen und nicht die gleiche Zeit, um mir tausende anzuschauen und trotzdem keinen zu kennen. Verändert haben sich auch die Eingangsfrage bei so einem Gespräch, für mich neu ist die Frage nach der Wohnform. Die Frage nach dem Bezirk gibt es schon länger, schließlich will man wissen, welche Distanz zu überwinden ist, um sich zu sehen. Aber es ist auch wichtig geworden, wie man lebt, denn viele Menschen leben heute unfreiwillig in WGs, nein ich meine jetzt nicht die, die unglücklich verheiratet sind. 😉 Alleine Leben ist zum Luxus geworden, hat man in einer Singlebörse eine eigene Wohnung, gibt das gleich Pluspunkte, denn es gibt einen Ort, wo man zusammen alleine sein kann. Noch attraktiver kann man werden, wenn man mehr als ein Zimmer hat und vielleicht noch über 50m² sein eigen nennt. Da weiß man dann gar nicht, ob sich das Gegenüber um dein Herz, deine Pussy oder um ein Zimmer bewirbt. Na das nenne ich mal eine schräge Attraktivitätssteigerung. 😦

Teures Wir

Heute auf einen Gedanken gekommen, warum ich Single bin: Ich glaube der Preis für das Wir ist mir zu teuer. Ich möchte frei sein, eine eigene Wohnung haben, einen Job und ein eigenes Konto. Ich möchte zu Hause rumrennen wie es mir gefällt, ohne beobachtet zu werden. Ich möchte diagonal in meinen Bett liegen und dabei schnarchen und pupsen, ohne das es Jemanden stört. Ich möchte rauchen und saufen, wenn mir das Gemüt danach steht. Ich möchte essen was ich möchte, ich möchte schlafen, wann ich möchte und meinen Haushalt aufräumen wann es mir passt. Einsamkeit kann ich auch genießen, ich denke ich brauche mehr Einsamkeit als andere Menschen. Klar kuscheln und Sex ist schön, auch gemeinsam kochen und essen. Doch zu viele Kompromisse möchte ich dauerhaft nicht eingehen. Ich möchte frei sein, ich möchte ich sein, manch einer denkt vielleicht dafür zahle ich einen hohen Preis, aber er erscheint mir kleiner als der Wir-Preis.

Irrational

Kalt, ich bin kalt. Ich war immer Feuer, Feuer und Flamme, bis ich mich verbrannte und zu einem Eisklotz wurde. Jahrelang keine Gefühle, alles stumpf, regungslos. Egal was passierte, Tod oder Musik, nichts, ich war tot, so tot wie ich vorher sein wollte. Doch dann kam er und brauchte mich und ich erblühte wieder, es wurde wärmer am Nordpol. Vielleicht hat er mich ausgenutzt, aber auch ich hatte meinen Nutzen. Ich fühlte wieder, irgendwann war es Liebe, eine unerwiderte Liebe und die Tränen flossen, flossen wie Bäche aus dem Eisberg. Ich tat alles für ihn, alles was ich konnte, auch über meine Kräfte hinaus. Er war mein undankbarer Schatz. Ich hielt ihn fest an mich gedrückt, viel zu lange, keiner verstand es. Ich weiß er liebt mich nicht, er will mich nicht, aber ich wollte leben, ich wollte fühlen, auch wenn es nur traurig ist. Jetzt ist es vorbei, er verlässt Deutschland und es tut mir so weh, auch wenn es keine Zukunft gab, ich lebte für den Moment für das Gefühl. Wir haben den Kampf verloren gegen die deutsche Bürokratie und das System, er hat aufgegeben und ich kann nichts daran ändern. Freunde sagen es ist besser für mich, dass ich besseres verdient habe, aber niemand sonst brachte mich zum Fühlen. Keine Ahnung was die Zukunft bringt, mein Herz ist immer noch in einem Eisblock, die Hoffnung nur verhalten. Ja er ist ein Verlierer, ja er ist ein Arschloch, er spricht noch nicht mal meine Sprache, aber ich liebe dieses Arschloch, auch wenn es total irrational ist.