Teures Wir

Heute auf einen Gedanken gekommen, warum ich Single bin: Ich glaube der Preis für das Wir ist mir zu teuer. Ich möchte frei sein, eine eigene Wohnung haben, einen Job und ein eigenes Konto. Ich möchte zu Hause rumrennen wie es mir gefällt, ohne beobachtet zu werden. Ich möchte diagonal in meinen Bett liegen und dabei schnarchen und pupsen, ohne das es Jemanden stört. Ich möchte rauchen und saufen, wenn mir das Gemüt danach steht. Ich möchte essen was ich möchte, ich möchte schlafen, wann ich möchte und meinen Haushalt aufräumen wann es mir passt. Einsamkeit kann ich auch genießen, ich denke ich brauche mehr Einsamkeit als andere Menschen. Klar kuscheln und Sex ist schön, auch gemeinsam kochen und essen. Doch zu viele Kompromisse möchte ich dauerhaft nicht eingehen. Ich möchte frei sein, ich möchte ich sein, manch einer denkt vielleicht dafür zahle ich einen hohen Preis, aber er erscheint mir kleiner als der Wir-Preis.

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Irrational

Kalt, ich bin kalt. Ich war immer Feuer, Feuer und Flamme, bis ich mich verbrannte und zu einem Eisklotz wurde. Jahrelang keine Gefühle, alles stumpf, regungslos. Egal was passierte, Tod oder Musik, nichts, ich war tot, so tot wie ich vorher sein wollte. Doch dann kam er und brauchte mich und ich erblühte wieder, es wurde wärmer am Nordpol. Vielleicht hat er mich ausgenutzt, aber auch ich hatte meinen Nutzen. Ich fühlte wieder, irgendwann war es Liebe, eine unerwiderte Liebe und die Tränen flossen, flossen wie Bäche aus dem Eisberg. Ich tat alles für ihn, alles was ich konnte, auch über meine Kräfte hinaus. Er war mein undankbarer Schatz. Ich hielt ihn fest an mich gedrückt, viel zu lange, keiner verstand es. Ich weiß er liebt mich nicht, er will mich nicht, aber ich wollte leben, ich wollte fühlen, auch wenn es nur traurig ist. Jetzt ist es vorbei, er verlässt Deutschland und es tut mir so weh, auch wenn es keine Zukunft gab, ich lebte für den Moment für das Gefühl. Wir haben den Kampf verloren gegen die deutsche Bürokratie und das System, er hat aufgegeben und ich kann nichts daran ändern. Freunde sagen es ist besser für mich, dass ich besseres verdient habe, aber niemand sonst brachte mich zum Fühlen. Keine Ahnung was die Zukunft bringt, mein Herz ist immer noch in einem Eisblock, die Hoffnung nur verhalten. Ja er ist ein Verlierer, ja er ist ein Arschloch, er spricht noch nicht mal meine Sprache, aber ich liebe dieses Arschloch, auch wenn es total irrational ist.

Die Nacht

Dunkelheit, die Kulissen der Stadt verschwinden, nur Straßenlichter leuchten wie Sterne auf der Straße. Stille, kein Geschrei, kaum Menschen rasen herum. Alles gleitet langsam, Friede in der Hektik des Alltags. Ich bin allein, nachts darf man allein sein, kein Druck für gesellschaftliche Kontakte. Zufrieden blicke ich schweigend in die Nacht. Zeit, Zeit, die Nacht hat Zeit, keiner drängt, keine Termine. Unbeobachtet in der Nacht, nur der Mond schaut zu, doch der ist nicht so gesprächig, man kann ihm vertrauen. Mein Kopf, frei und entspannt, fühle mich verwegen so als Königin der Nacht. Die Nacht gehört mir, nur mir, nichts lenkt ab, niemand will was, auch ich nicht. Die Zeit zählt doppelt, weil nichts passiert, weil Niemand stört. Zufrieden sein bei Sonnenlicht, das können viele, ich liebe die Nacht.

Danke Bonanza für die Inspiration!

Allein

Sind sie lieber allein? Fragte er mich und ich wusste so schnell keine Antwort.
Die letzten Jahre war ich dann doch etwas viel allein oder nur mit der Familie.
Aber früher genoss ich die Zeit allein. Ich genieße Gesellschaft schon, aber irgendwie sind Menschen anstrengend. Sie haben so viele Eigenarten und Macken. Das macht sie oft aus, macht sie einzigartig, aber auch stressig. Ich kümmere mich gern um Menschen, aber auch gern um mich selber. Ja ich bin gern allein, nach reichlich Gesellschaft.

Durchhalten, Podest, Papierkrieg, Zukunft und Tag

Der Tag gestern hat mir ganz gutgetan, ein bisschen Spaß auf Arbeit und abends noch entspannende Gespräche. Auf die Arbeit heute freue ich mich heute nicht so, aber auf den Feierabend und das lange Wochenende. Wird schon alles werden, durchhalten ist angesagt. Ich fühle immer weniger für ihn, ich habe das Podest für ihn abgeschafft, aber noch sind die Gefühle nicht ganz verschwunden. Versuche nicht ganz so ätzend drauf zu sein wie ich mich fühle. Heute unbedingt zur Post vor der Arbeit, der Papierkrieg lässt grüßen. Die Zukunft sehe ich derzeit nicht so strahlend, vielleicht liegt es nur am Wetter oder an meiner Kraftlosigkeit. Immerhin habe ich aufgehört soviel zu essen, die letzten Tage hatte ich keinen Appetit. Einkaufen müsste ich dringend, fast nichts mehr da, nur Stullen und Dosensuppen. Dann setze ich mal ein falsches Lächeln auf und begrüße den Tag, auf das er schnell vorbeigeht.

Leben und Tod

Leben und Tod sind sehr nah beieinander. Gestern noch zusammen gelacht, heute tot. Ich habe dem Tod oft ins Auge gesehen, mich oft nach ihm gesehnt, aber dass Leben war immer stärker. Anderen erging es nicht so gut. Krebs, Aids oder andere Krankheiten nahmen ihnen das Leben.

Ich habe viele Menschen sterben sehen, viel verloren und von der Trauer verfolgt worden. Doch ich lebe und jeder weitere Tod macht mir weniger Angst vor dem, was da irgendwann auch auf mich zu kommt. Der Tod gehört zum Leben, zwangsläufig. Bin ich kalt geworden? Ich denke noch oft an die Toten, sie sind bei mir, doch ich besuche selten Gräber.

Ich denke, solange sich Lebende an die Toten erinnern sind sich nicht ganz verschwunden. Sie sind Teil der Lebenden, Teil ihrer Geschichte, Teil ihrer Erinnerung. Der Tod lauert überall, nimmt gnadenlos zu sich was andere vermissen werden. Ich dachte ich hätte, jenseits meiner wiederkehrenden Selbstmordgedanken, ein langes Leben vor mir. Doch sehe ich meine Oma und Mutter bin ich mir da nicht mehr so sicher.

Ist älter werden wirklich eine Ehre? Oder eher eine Bürde? Die Vorstellung im Himmel alle verlorenen Menschen wieder zu sehen ist frohlockend, aber ist das vielleicht nur ein Trick damit man sich auf etwas nach dem Tod freuen kann? Loslassen kann vom Leben? Aber wer hat Beweise für die Existenz des Himmels? Ich glaube wir haben nur ein Leben und nur einen Tod.

 

Alternativ auch „Der Tod hat sich verliebt.“