Rotkopf, 32 Jahre Berlin und Unterhaltung mit dem Mädchen in mir

Der Rotkopf grüßt aus der Nacht. Rot weil gestern bei der Kosmetik. Leider wurde Mandy gekündigt und stattdessen durfte jetzt eine russische Queen an meine Haut. Die meinte dann auch das ich ganz viel Kosmetik brauche, allerdings aus einem Online-Shop mit Gutschein. An der Kosmetik hat sie also nicht verdient, deswegen glaube ich ihr mal einfach, dass, was ich ja schon ahnte, bei mir die Zeit der erhöhten Instandhaltungskosten begonnen hat. Schöne Sache, alt und knusprig zu sein, aber gut, tot sein ist auch keine Option, alt sein und werden ist halt nichts für Weicheier. Für mich ist es gerade halt hart, weil ich auf mich und mein Leben blicke wie mein 11-jähriges Ich, damals war ich körperlich und geistig hoch trainiert, ich tanzte jeden Tag stundenlang und danach las ich noch 1-2 Bücher. Dagegen bin ich heute Wackelpudding, von einem Extrem in das andere.

Das Ergebnis von über 30 Jahren Berlin? Ich lebe noch, aber wie? Immerhin konnte ich aufhören auf meine Mutter wütend zu sein, dass sie mich damals nach Berlin verschleppt hat, ich wollte niemals hier her und schaut man an, was ich dadurch verloren habe, ist es vielleicht auch verständlich, Berlin war der Fleischwolf für meinen Körper und meine Seele. Aber ich bin noch da, ich habe überlebt und mittlerweile auch eine sichere Überlebenssituation hier. Nur hübsch, gesund und intellektuell, das bin ich weniger, dafür aber jetzt sehr erfahren und vielleicht auch ein Stück weise? Was meinem alten Ich jedoch gefällt ist, dass ich eine selbstständige Frau bin, mit eigener Wohnung, eigenem Einkommen, nicht die abhängige Tochter oder Ehefrau von. Ich wollte unabhängig sein, ich wollte frei sein, was nicht heißt, dass ich deswegen auf Liebe verzichten wollte. Aber geliebt werden nur brave Mädchen und nicht wilde Frauen? Ich denke das westdeutsche Frauenbild ist bis heute für den Arsch, manchmal wünsche ich mir deswegen lieber in Ostdeutschland aufgewachsen zu sein, wo die Gleichberechtigung der Frau selbstverständlich und kein Kampfthema war. Wie kann man Menschen wegen Geburtsmerkmalen ihre Rechte absprechen? Wie wir geboren werden, dafür können wir nichts, nur was aus uns wird, dafür sind wir (mit)verantwortlich.

Genug gepredigt zum Morgen, ich denke gerade halt viel nach über mein Leben, was daraus wurde und warum. Das Mädchen, das mit dem Kopf durch die Wand wollte, sieht heute ziemlich verbeult aus und raucht. Berlin, der Moloch war stärker? Wäre es anders geworden wäre ich in Köln geblieben? Keine Ahnung, in meiner Vorstellung war es immer so und das schürte die Wut auf meine Mutter und das Leben immer sehr. Zurück zum jetzt, es ist mitten in der Nacht, es ist dunkel, es regnet und ich trinke Kaffee und rauche, so erwachsene Selbstzerstörung in Berlin 2021. Erkenntnis ist nicht Veränderung, Veränderung kostet Kraft und Zeit und ich weiß nicht, ob ich davon noch genug habe. Das kleine Mädchen weint deswegen, die erwachsene Frau raucht darauf eine, isst danach eine Tafel Schokolade und bewahrt die Ruhe. Mitten in der Nacht, meine Unterhaltung mit meinem früheren Ich:

Tiefschlaf, Arbeit, Aufmerksamkeit, Medien und Hoffnung

Guten Morgen, wieder wenig Schlaf, aber dafür sehr tiefer, fühle mich trotz allem erholt. Aufgeregt über die Arbeitslage, es kann so nicht weitergehen, also trete ich auf die Bremse und werde jetzt weniger arbeiten, bevor wieder etwas an mir kaputt geht, wenn es nicht schon zu spät ist. In letzter Zeit bin ich immer wieder überrascht, wie schlecht Leute andere Leute beobachten und zuhören. Da werden Gespräche geführt, da werden Fragen gestellt, die völlig unnötig sind, wäre man nur etwas aufmerksamer für sein Gegenüber. Sind wir alle nur mit uns selbst beschäftigt? Als Außenseiterin habe ich früh gelernt sehr gut zu beobachten und zuzuhören, nicht aus Nächstenliebe, sondern um Gefahren abschätzen und abwenden zu können. Das galt in den ständig wechselnden Schulen, aber auch besonders gegenüber meiner Mutter, besser frau weiß, was der andere vorhat und was jetzt kommt. Bei meiner Mutter ging das so weit, dass ich meinte zu wissen, was sie denkt und damit auch, was sie als Nächstes tun wird. Meistens hatte ich recht. Das war überlebenswichtig. Ihr Temperament war nämlich sehr aufbrausend und ich ihr als kleines Mädchen ausgeliefert. Manchmal denke ich, dass ich dadurch ein wenig wie The Big Lebowski wurde. Ein Menschenversteher, der in der Badewanne Joints raucht, das ist nicht so weit von meinem Leben entfernt.

Genug therapeutische Selbstanalyse zum Morgen, zurück zum Alltag. Gestern im Büro gewesen, das war gut so, mir ist hier die Decke auf den Kopf gefallen. Heute bleibe ich aber hier und morgen wieder ins Büro? Immer hier sein, ist auf jeden Fall keine gute Idee, weder für Körper noch Seele. Rauche leider immer noch, aber habe die Tage deutlich weniger gegessen, immerhin, ich will nicht weiter zunehmen, es ist furchtbar. Die Eitelkeit zwickt es, aber es geht mittlerweile eher um meine Freiheit und Gesundheit, nicht darum besser auszusehen. Von Musik gerade die Nase voll, mir ist etwas klar geworden, das muss ich erstmal sacken lassen. Auch Fernsehen geht mir auf die Nerven, kauf dies, kauf das, verhalte dich so, sehe so aus, die können ihre ganzen Botschaften mal für sich behalten. Stille gerade das einzig Wahre, in meinem Kopf, meinen Herzen ist genug los. Dazu einen Kaffee und die Medizin nicht vergessen, ich hasse es Medizin zu nehmen, es ist nicht natürlich nur mit Pillen überleben zu können, aber ich muss, bis die Zeiten hoffentlich wieder besser werden. Hoffnung, die russische Bedeutung meines Vornamens, vielleicht wusste meine Oma als sie diesen Namen für mich durchsetzte, dass ich verdammt viel Hoffnung brauchen werde, vielleicht auch nicht. Wie auch immer, ich bin noch da und habe die Hoffnung immer noch nicht aufgeben.

Ok, Büro, Seele und nicht ok

Guten Morgen, zu wenig geschlafen, aber ich fühle mich ok. Homeoffice gestern ok und Supervision sehr fruchtbar. Endlich einen alten Konflikt ausgeräumt. Bin am überlegen, ob heute ins Büro oder nicht, vielleicht lieber raus hier. Gestern noch Kassler, weil er wegmusste. Immer noch komisch so ein aufgeräumtes Wohnzimmer zu haben, die extreme von aufgeräumt bis Chaos sind leider beide ein Anzeichen von Manie oder Depression, deswegen bin ich da immer wachsam in der Beobachtung. Nicht mit der Chefin gesprochen, aber in der Supervision einen Plan besprochen, wie ich dieses Jahr auf der Arbeit überlebe, ich denke die Chefin wird zustimmen.

Es ist dunkel, die Straße rauscht und ich muss aufpassen, dass die Vögel kein Lied um sechs Uhr morgens singen. Heute Pizza-Abend mit dem Vater, ich bin immer noch traurig, dass es da derzeit wohl keinen Weg für mich gibt, die ehemalige Wohnung der Eltern als Mieterin zu übernehmen, statt dessen schleimen jetzt diverse Leute den Vater voll, weil sie die Wohnung zum möglichst günstigsten Preis haben wollen. Mein Vater ist da leider zu wenig Kapitalist, um einen angemessenen Preis zu fordern. Verstehe ich ja bei Freunden und Familie, aber nicht bei fremden Leuten. Gestern der Tag des kaputten Glases, erst eine Glaslampe im Keller zerstört, weil ich ein Netzwerkkabel suchte und später noch ein Kerzenglas zerstört, Scherben bringen Glück? Oder wieder Tollpatsch in the house?

Vielleicht auch meine Seele, die erwacht und sich fragt, wer diese Frau ist. Keine Ahnung, die letzte gefühlte Erinnerung ist von 2012? Das kleine Mädchen in mir hatte sich das alles anders vorgestellt. Ach lassen wir Jessie sprechen:

Gegessen, Medis, Mutter, stolz und Berge

Guten Morgen, ganz passabel geschlafen und zu früh wach. Gestern der Kosmetiktermin ist zum Glück ausgefallen, wäre mir gestern auch nichts gewesen, der Termin beim Arzt reichte als tägliches Ausflugsziel. Danach dann Döner und später das hier gekocht. Heute Homeoffice mit Supervision, ich glaube damit könnte ich heute alleine sein, weil sonst keiner da ist. Da ich aber gerade die meiste Arbeit alleine mache, auch angemessen? Viel Musik gehört und nur wenig Fernsehen gesehen und relativ früh schlafen gewesen. Erstmal alles sacken lassen und notfalls mehr Tropfen für mich, der Arzt hat mir gestern ein Rezept gegeben. Es ist noch dunkel, die Straße rauscht und ich mag mein „neues“ Wohnzimmer. Beschlossen eine neue Handtasche zu tragen, ich kann nicht ewig alle Sachen meiner Mutter auftragen, das mochte ich schon zu ihren Lebzeiten nicht und fühlte mich dann verpflichtet nach ihrem Tod? Ich habe den Eindruck, so halte ich sie irgendwie mehr in Erinnerung, aber die Sachen sind und waren nie ich. Die einzige Ausnahme sind ihre Anfertigungen, das sind wenigstens Einzelstücke, nicht ganz mein Geschmack, aber einzigartig wie ich.

Der Kaffee schmeckt und ich bin eine neue Frau in Werdung, vielleicht auch eher die alte Nadine? Überhaupt Nadine? Ich lachte früher schon herzlich über den Witz: „Wer bin ich? Und wenn ja wie viele?“ Meine Mutter und ich waren immer ein Stück eine Person, vielleicht fällt es mir deswegen so schwer sie endlich loszulassen. Mit ihrem Tod bin auch ich ein Stück gestorben. Sie ist immer noch die Hälfte, die ich vermisse. Für mich ist sie immer noch da, auch wenn sie sonst keiner sieht und fühlt. Frau kann schreiben und denken über sie was man will, aber im Zweifelsfall war sie ein kämpfender Schutzengel für mich. Heute spiele ich für viele Schutzengel, aber wer schützt mich? Da fällt mir in Berlin nur mein Stiefvater ein, vielleicht auch mein Bruder, wenn der mal was mitbekommt. Einer meiner Onkel aus er alten Heimat vielleicht auch, während ich meine Oma vergessen kann. Für meine Oma war ich immer das unerwünschte Kind und die Schande der Familie Teil 2 nach meiner Mutter. Wir waren die schwarzen Schafe und irgendwann auch stolz drauf. Das ist eine gute Erinnerung an sie, neben der ganzen Vernachlässigung und Gewalt, sie hat mich gelehrt stolz darauf zu sein, ein Outsider, ein Freak ein Halbblut zu sein. Vielleicht auch ein Grund, dass schwule Männer sie liebten. Dieser Teil von ihr muss unbedingt überleben, der Glaube, dass jeder einzigartig und wertvoll ist und stolz darauf sein kann.

Ich glaube ohne diesen Glauben, wäre ich nie so weit im Leben gekommen, zu viele Hater in meinem Leben. Genug Mutter Gequatsche für heute, das Leben geht weiter und kein Berg wird je zu hoch sein….

Evangelische Kirche, Stiefvater, neues Wohnzimmer und letzte Runde?

Guten Morgen, zu wenig geschlafen, aber Erinnerungen quälen mich. Vielleicht weiß ich endlich, was mit mir und meinem Leben los ist, bzw. was schiefgelaufen ist. Ich glaube, ich sollte dazu meinen ersten Stiefvater fragen, der, um mir einen Kinderhort-Platz bei der evangelischen Kirchen zu sichern, einen Pakt eingegangen ist und anschließend weggerannt ist. Mehr möchte ich erstmal nicht schreiben, ich muss die Erinnerung/Erkenntnis erstmal sacken lassen und mir gut überlegen, ob ich meinen Drang ihn anzurufen und zur Sau zu machen nachgehe. Die Angst bei solchen Erinnerungen als psychotisch zu gelten ist sehr groß, aber ich weiß nicht, ob ich meinen Psychiater heute davon erzähle oder besser nicht, aktuell bin ich überwältigt und muss mich sortieren.

Wäre mein Ex-Stiefvater doch einfach nie in unser Leben getreten, ich dachte sein schlimmstes Vergehen wäre gewesen, meiner Mutter und mir ein glückliches Leben zu versprechen, sie zu schwängern, zu betrügen, zur Abtreibung zu zwingen und sie/uns zu verlassen. So oder so, eine extrem feige Sau. Auch frage ich mich, was die evangelische Kirche davon hatte Kinder in der Art und Weise zu missbrauchen zu erziehen. Ich schwanke zwischen Wut und Selbstmitleid, mein Leben versaut durch einen dummen Mann und die evangelische Kirche? Warten wir ab, ich bin derzeit sehr verdattert. Alles nicht lustig, alles sehr belastend. Versuchen wir es mit meiner üblichen Tagebuchaufzeichnung:

Gestern sehr viel geräumt und geputzt in der Wohnung, sehr motivierend, wenn der Vater mal am Tag vorbeikommt und eventuell sehen kann wie dreckig es hier ist. Also gestern geputzt, geräumt und jetzt ein neues, wie ich finde schickeres Wohnzimmer geschaffen. Das Wildschweingulasch war gut, aber irgendwie ist mir der Appetit vergangen, schaut man mich an, sollte ich wohl gar nicht mehr essen, aber Nahrungsaufnahme ist nun mal eine notwendige Gewohnheit? Ist halt schwierig, wenn man als Kind gehungert hat, sich als Erwachsene nicht vollzustopfen, aber genau das mache ich. Der Waldspaziergang war dann verregnet und wieder über die Autos geärgert, die unerlaubt durch den Wald fahren. Noch gibt es keine Erlaubnis, ohne Forsterlaubnis mit dem Auto durch den Wald zu fahren, interessiert nur niemanden hier. Gestern hätte ein grauer Mercedes fast unseren Hund überfahren. Eine neue Woche doch heute noch frei, aber ich habe Termine, aktuell ist ein Kosmetiktermin später, aber wirklich nicht meine Priorität, schaut ruhig in mein altes, faltiges Gesicht, es entspricht meiner Stimmung. Wenn interessieren Gesichtsfalten, wenn die eigene Seele verkauft wurde? Heute bin ich gefühlt hunderte Jahre alt, also warum sollte ich so tun oder aussehen wollen, als wäre ich noch in den 30ern? Bin ich nicht, ich bin fucking 45 und sterbe ich wie meine Mutter, ist das leider nicht die Halbzeit, sondern das Einläuten zur letzten Runde.

Genug, genug für heute, vielleicht für mein Leben. Heute entweder keine Musik oder das hier:

Geschlafen, spät, Wohnzimmer, Kosmetik und rum wackeln

Guten Morgen, tatsächlich geschlafen die Nacht und aufgewacht in einem grauen Novembertag. Gestern sehr kurz gearbeitet und stattdessen lieber das Wohnzimmer angegangen. Der alte Couchtisch ist jetzt weg und der Boden gestaubsaugt und gewischt. Danach schlafen und nicht gekocht, sondern TK-Lasagne gegessen, später dann aber noch das Gulasch für heute vorbereitet. Habe es mit einem Schuss Sherry gekocht, lecker. Im Hausflur gerade Besuchstag, ich habe Sonntag früh um acht andere Pläne als Leute zu besuchen und Krach zu machen. Ich schlürfe Kaffee und blinzle schweigend in den Tag. Die Amaryllis ist einfach wunderschön, ich bin immer traurig, wenn ich sie nach Dezember nicht mehr bekomme. Wäsche gewaschen und für heute keine genaue Zeit mit dem Vater vereinbart, vielleicht ein Fehler, so kommt er spät und ist dann noch nicht mal zu spät?

Veränderung, Veränderung, immer stressig, aber gleichzeitig aktuell auch lohnend, das Wohnzimmer sieht schon besser aus. Ist schon krass, dass ich erst nach sechs Jahren die Wohnung so einrichte und arrangiere wie ich es brauche und möchte, egal was Mama will/wollte. Die ersten Jahre habe ich den schönsten Raum hier gar nicht genutzt, weil sie es mir verboten hatte. So habe ich jahrelang Miete bezahlt, ohne was davon zu haben. Untermieter in der eigenen Wohnung. Jetzt wird das langsam meine Wohnung, die für meine Zwecke voll genutzt wird. Morgen zum Psychiater und zur Kosmetik, beides keine tollen Termine, der Psychiater ist zwar ein angenehmer Mensch, aber am Arsch der Welt und das mit der Kosmetik wird wieder schmerzhaft. Der Effekt beim letzten Mal war knallrotes Gesicht und einen Tag danach 10 Jahre älter aussehen, ich hoffe dieses Mal wird es besser.

Der Mann war gestern auch da, aber nur kurz, nach unserem Wochenende letzte Woche gerade auch nicht so große Sehnsucht, wir beide brauchen jetzt glaube ich Zeit allein, um liegen gebliebene Sachen zu sortieren und sich zu erholen. Ich glaube ich werde nie die Frau die 24/7 mit irgendwen zusammen sein möchte, die Einsamkeit ist eine notwendige Sache zwischendurch. Während es für viele Leute Horror ist allein zu sein, ist es für mich Horror nie allein zu sein. Ich brauche halt meine Privatsphäre Privatatmosphäre, wie ich als Kind fälschlicherweise sagte. Eine Blume braucht dringend neue Erde, eine Mission für heute. Das mit dem Terrorvogel ist dank Wasserpistole deutlich besser geworden, nur wenn Futter oder Wasser fehlt, kriege ich noch was auf die Ohren. Keine Ahnung was ich jetzt mit meinen Wohnzimmer-Bildern mache, sie passen hier nicht mehr rein, aber der Keller ist auch voll. Eine Erlösung wäre ein Altkleidercontainer in der Nähe, aber der nächste ist kilometerweit entfernt und ich habe kein Auto. Im Kleiderschrank ist auch noch Potenzial für weitere Säcke Altkleider, aber wohin damit?

Gestern weiter Musik gehört bzw. Musikvideos geschaut, auch anstrengend irgendwann, aber ich habe soviel Musik verpasst. Ich habe sehr viel verpasst in meinem Medikamenten-Koma, aber das Schlimmste finde ich ist die entgangene Musik. Singe jetzt wieder vor mich hin und wackle herum, solange das mein Körper zulässt, was nicht lange ist. Auf in den Tag, es gibt hier in der Wohnung viel zu tun und ich versuche es mal mit einem rum wackel Song zum Morgen:

Keine Nacht, Fahrrad, Krähen, Bizeps und stärker

Guten Morgen, fast gar keine Nacht, konnte nicht einschlafen und bin schon wieder wach. Gestern viele, aber durchweg angenehme Kunden, kein Drama, einfach nur Fragen. Der Kaffee schmeckt und es ist noch dunkel. Gestern Nacht haben die Nachbarn noch Party gemacht, laute Fremde waren im Haus und der Technobass tönte bis nach 2 Uhr morgens. Ach wäre es schön, wenn sie ausziehen. Meinen Vortrag abgesagt, macht gerade keinen Sinn, sich während einer Pandemie für vielleicht 10 Zuhörer und einen wackligen Arbeitsplatz für immer den Ruf zu versauen. Vielleicht nächstes Jahr. Heute Lebensmittellieferung und Homeoffice, ich hoffe dieses Mal bekomme ich mein Gemüse. Die Preise sind auf jeden Fall stark gestiegen und ausverkauft ist es trotzdem schnell. Meine Vorräte werden nicht ewig halten, um den Preissteigerungen zu entgehen. Also muss mehr Gehalt her? Der erweiterte Kühlschrank, in Form einer verschließbaren Plastikbox auf dem Balkon, funktioniert gut. Der Mann kommt heute früh dabei, um das Leihfahrrad zurückzugeben, wir hoffen beide, dass er das Fahrrad so bald nicht mehr braucht. Das Urteil, dass Fahrradkurieren ein Fahrrad gestellt werden muss, kommt zu spät für ihn, er hat es immer selbst bezahlt. In der Nacht sehr viel Musik gehört, so viele vergessene Erinnerungen, so viele Texte, die ich bisher nicht verstanden habe und vielleicht immer noch nicht verstehe.

Bin müde, die Straße rauscht, von meinem blau angelaufenen Zehennagel kann ich mich verabschieden, danke Leben du findest immer Wege mich zu verschönern.^^ Die Krähen kreisen über dem Haus und singen ein Lied und mein Terrorvogel meint antworten zu müssen. Bauchschmerzen, ich habe wieder Bauschmerzen, vielleicht den Schmand zu den Pelmeni gestern nicht vertragen. Wohnzimmer immer noch Chaos, aber keine Zeit gehabt seit Donnerstagabend. Werde heute nur kurz arbeiten und mich dann um das Wohnzimmer kümmern und das Wildschweingulasch für den Vater vorbereiten. Für mich heute vielleicht entweder Kassler oder das hier. Wird seltsam, wenn die gemeinsame Zeit mit dem Vater morgen bei mir stattfinden wird, ich ahne jetzt schon, die Nachbarn freuen sich auf den kratzenden Hund. Keine Ahnung was die Zukunft bringt, keine Ahnung wie es weiter gehen soll, aber irgendwie ist es mir egal geworden, mich darum zu sorgen, es kommt, wie es kommt, vielleicht gibt es da ja irgendeinen Plan für mich, den ich nicht kenne. Ich mache einfach weiter mit atmen und arbeiten und lasse mich überraschen, sich zu sorgen ändert wahrscheinlich gar nichts, außer die Gegenwart. Amaryllis blüht wunderschön in Rot und Weiß und es ist kalt. Stärke, muss ich noch stärker werden? Reicht es nicht langsam? Mein Seelenbizeps ist jetzt schon der eines Bodybuilders, aber ich bin noch da…

Schlechte Nacht, November, große Träume und Spätschäden

Guten Morgen, nein eigentlich nicht so gut, konnte die Nacht nicht ein- und durchschlafen. Eine sehr müde Frau mit dicken Augen schlürft also gerade Kaffee und ist sehr froh über das Homeoffice heute. Jetzt gleich im Bus sitzen unrealistisch, jetzt gesehen werden, unangenehm. Hoffentlich kommt der Vater heute wie angekündigt, es gibt immer noch die Mission „Fernseher an der Wand befestigen“. Ein grauer Novembertag grüßt, keine Ahnung warum ich im November Geburtstag haben muss, es ist ein Arschloch-Monat um Geburtstag zu haben, mein ganzes Leben. Heute einige Termine, aber zum Glück keine Videokonferenzen, obwohl doch am Abend, hoffentlich bin ich bis dahin wach und etwas hübscher als gerade. Gestern wieder schlechte Nachrichten für mich und Kopfkino in der Nacht, na immerhin beim Mann läuft es. Gekocht und gegessen, Wraps mit Pilzrührei, war lecker.

Erinnerungen an mein altes Ich beschäftigen mich, was war ich doch mal für ein größenwahnsinniges Mädchen. Große Träume, große Pläne und dann kam Berlin. Immerhin ich habe überlebt bis hierhin. Dieser Glaube an mich selbst, wie groß der noch bis in meine Teenagerjahre war, doch dann traf ich Menschen, die andere Vorstellungen hatten. Irgendwie auch ein Fluch eine sehr hübsche junge Frau gewesen zu sein, alle haben mich auf mein Aussehen reduziert, keiner sah, wer ich noch bin. Zurück zu Gegenwart, überlebend in Berlin und nicht mehr so hübsch, aber dafür schlauer. Naivität war gestern. Hatte ich mir anders vorgestellt mein Leben, aber es ist, was es ist. Keine Ahnung was aus dem Sonntag wird, es gibt aktuell keine nutzbare Küche in der Elternwohnung mehr, also auch kein Sonntag mit dem Vater? Morgen werde ich wohl doch ins Büro fahren, zu viel zu Hause und irgendwer muss nach der Post schauen und die Datensicherung machen. Meine Hände tun weh, vielleicht doch Spätschäden von den Medis? Früher Tremor heute Schmerzen? Ich bin zu jung für solche Beschwerden.

Egal aufwachen und auf in die Arbeit und bis dahin alte Musik von meiner ehemaligen Heldin Mary J. Blige:

Stille, Homeoffice, Abgrenzen und Mercedes

Guten Morgen, ganz passabel geschlafen und Stille hier. Gestern, die Arbeit war ok, ich spüre aber gerade noch keine Begeisterung, wie sonst immer. Die Massage danach war gut, aber ich habe zu viel gequatscht. Gegessen weiter Kartoffelsuppe. Lebensmittellieferung dann erst gegen Mitternacht und unvollständig, sämtliches Gemüse fehlt. Gehe die Arbeitswoche im Homeoffice langsam an, mache nicht so viele Termine, es kommt auch so genug Arbeit rein. Der Mann wird bald vorbeikommen, Sachen abholen von der ehemaligen Arbeit, ich bin gespannt auf seinen Büro-Look, er hatte schon lange keinen Bock mehr auf Jogginghose und T-Shirt. Der Kaffee schmeckt, Blutdruck normal und die Kippe riecht eklig, muss aber irgendwie doch sein. Heute nach Feierabend aber auf jeden Fall das Haus verlassen, spazieren oder so, ich habe genug schlechte Erfahrungen mit dem Homeoffice gemacht, um zu wissen, dass regelmäßiger Kontakt zu anderen und herausgehen zwingend sind.

Aktuell bei Zahlen über 400 möchte ich aber nicht ins Büro und dort vor Ort beraten. Außerdem hängt meine Seele auf halbmast. Abgrenzen funktioniert aber immer besser, gestern sehr schnell Nein gesagt zu einem Entlastungsgespräch und auf den Krisendienst verwiesen und die Therapeutensuche erklärt. Geht gerade nicht, mir die Abgründe anderer anhören. Heute mal wieder Videokonferenzen, mal sehen, wie das wird, so richtig vermisst habe ich Videokonferenzen nicht. Den Geburtstagskalender erneuert, zu viele Karteileichen und es fehlten die Neugeborenen und neue Kontakte. Der neue Fernseher gefällt mittlerweile doch, irgendwie überwog das schlechte Gewissen der Mutter gegenüber, dass ich „Ihren“ alten Fernseher weggeben habe. Dabei war er ein Geschenk, zur Hälfte selbst bezahlt und hatte Pixelfehler. Sehr geil, wie mir meine Mutter auch noch nach ihrem Tod vorschreibt, was ich hier in der Wohnung haben darf und was nicht. Hört die Bevormundung jemals auf?

Ein grauer Novembertag grüßt, der Vogel schweigt sofort, wenn ich die Wasserpistole auch nur in die Hand nehme, das finde ich sehr gut, sein Hormonkoller nervt hier alle. Akustisch bin ich derzeit schnell gereizt, sogar Musik nervte gestern irgendwann. Dann halt Stille für mich und ein Song meiner Mutter:

Chaos, linker Zeh, Heizkörper, Ausflug und Beständigkeit

Guten Morgen aus dem dunklen Chaos hier. Immer noch keine Fernseher Befestigung, aber dafür ein neuer aufgebauter Couchtisch. Ein alter Tisch muss jetzt weg, ein riesiger Karton auch. Geweckt worden von „Benjamin“ oder besser durch die Schreie der Mutter nach ihm. Gestern spontan Spazieren gewesen, eine ehemalige Kollegin rief an. Wald ist immer gut für mich und aktuell auch keine Schmerzen beim Laufen, also Wald doppelt gut. Blutdruck unten, immerhin und der neue Tisch gefällt. Ich reagiere auf Veränderungen im Wohnumfeld aber immer noch empfindlich. Morgen geht es nach Stralsund, ich bin gespannt und es graut mich etwas vor der Zugfahrt mit Maske. Die Straße rauscht, die Pizza gestern war gut und dank Sucuk ausreichend stinkend. Eigentlich muss ich zum Arzt, eigentlich ins Lager, aber gerade unentschlossen und wenig motiviert. Gestern meinen linken großen Zeh demoliert, ich wollte den Tisch erst allein aufbauen und eine schwere Platte fiel mir auf den Fuß. Danach habe ich das dann gelassen und doch lieber auf den Vater gewartet.

Sonst gestern nur einkaufen gewesen und telefoniert, gelbe Rosen grüßen jetzt im Wohnzimmer, sonst gab es keine bezahlbaren Blumen bei Netto. Türen Geknalle im Haus, wieder die reizende Familie, die auch gestern als der Hund hier war und wieder am Boden kratzte nicht müde war gegen die Heizkörper zu schlagen, ich sage nur Kommunikation ist alles! Gesichtshaut hat sich wieder beruhigt, vorgestern sah ich eher 10 Jahre älter aus nach der Behandlung als wie gewünscht andersrum. Der Mann antwortet wieder nicht, ich versuche es mal nicht persönlich zu nehmen. Ich weiß doch, dass er gerade sehr viel arbeiten muss und wir machen morgen ja unseren Ausflug zusammen. Da sollte es eigentlich Zeit zum Reden und anderes geben. Loslassen, eine Lebensaufgabe für mich, immer und immer wieder, Vertrauen in Beständigkeit Fehlanzeige. Welche Beständigkeit? Hat keiner bestellt!? Ein alter Song dazu, der irgendwie auch die Geschichte meiner Mutter und mir erzählt: