Nicht sitzen, Wraps, Apotheke, Berlin und Rosenkohl

Guten Morgen, ein Gruß aus der Nacht. Aktuell müde und nicht von Schmerzmitteln belämmert. Der Arzt hat recht, sitzen ist gerade keine gute Idee, wird schnell schmerzhaft. Also liegen oder stehen. Von Schulter bis Hintern alles Schmerz. Gestern viel geschlafen und die Videokonferenz, mehr aber nicht. Was mein Körper mir damit wohl sagen möchte? Ziemlich einfach, zu viel Last auf meinen Schultern und meinen Rücken und das schon sehr lange. Gestern Wraps gemacht und darin sogar Birne gegessen. Ist eigentlich nicht so, dass ich total auf Kartoffeln, Möhren und Birne stehe, aber es tut meiner Verdauung gut, also ist mögen in meinen Zustand relativ. Gleiches gilt für Müsli oder Gurke, eine eher schlaue Entscheidung statt Vorliebe. Viel Geld in der Apotheke gelassen, was soll man machen in Zeiten wo es nicht genug Ärzte gibt? Ich kann jetzt nicht nochmal drei Wochen oder länger warten, bis ich mal einen Termin kriege, um mich dann mit Rentnern im Wartezimmer zu schlagen. Es dämmert, das Haus ist relativ ruhig, Ruhe, meine neue Musik. Immerhin Blutdruck wieder unten, der war zu hoch die Tage, aber wen wundert es?

Traurig wegen des Hundes, sauer auf den Vater, das werde ich so schnell nicht vergessen. Genauer gesagt, ich vergesse nie, was die Sache mit der Vergebung und dem Glücklichsein schwierig macht. Irgendwo mal gelesen, dass das menschliche Gehirn eigentlich irgendwann alle schlechten Erinnerungen löscht und nur die guten aufbewahrt, funktioniert bei mir nicht. Somit finde ich weder Vergangenheit noch Gegenwart wunderbar und kann nur auf die Zukunft hoffen? Kerzen brennen, der hölzerne Gott von Stiefvater eins grinst mich an, immer noch keine Ahnung woher der herkommt, nach über 35 Jahren im Familienbesitz. Heute vorgenommen endlich den Rosenkohl vom Balkon zu essen. Der lagert da schon viel zu lange und ich finde die Idee Rosenkohl zu rösten, statt ihn zu kochen sehr gelungen und lecker. Immer noch kein Tatendrang bei mir, im Bett liegen ist gerade das Beste, denn auch das Sofa wird irgendwann unangenehm. Gestern telefoniert, aber das war irgendwie anstrengend, besonders mit dem Mann der nicht glauben konnte, dass eine Steuererklärung nicht jedes Jahr eine Rückzahlung bringt. Ich werde mich heute nochmal dran setzten und schauen, ob ich wenigstens eine Nachzahlung verhindern kann. 2022 in Berlin, das hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt, es stimmt, Berlin ist und bleibt eine Hassliebe. Glücklich war ich selten hier, aber ich habe überlebt.

Zurück zum jetzt, zu der Frau auf der Couch, die verbotenerweise Kaffee trinkt und versucht den Vogelmann vom Singen abzuhalten. Wie kann man morgens nur so laute, gute Laune haben? Versuchen wir es mit einem Kindergarten-Hit von mir:

Streit, Terror-Vogel, Insel und Rente

Guten Morgen, schon wieder eine zerhackte Nacht, aber ich fühle mich passabel. Etwas Sonne ist zu sehen und kein Laut zu hören. Gestern nirgendwo gewesen, keine Motivation und nur vor mich hin gearbeitet. Viel nachgedacht über den Streit auf Arbeit, eine Behauptung von vielen werde ich zurücknehmen, das Corona, die Arbeit und das Private einfach zu viel waren/sind, dafür kann die Kollegin nur bedingt was. Klar durch sie wurde die Arbeit noch anstrengender, aber dass es vorher schon zu viel war, dafür kann sie nichts. Ein lauer Tag grüßt und ich habe gestern zu viel Lasagne gegessen. Der Terror-Vogel schreit trotz Decke über den Käfig, er geht mir so sehr auf die Nerven, darf ich morgens nicht eine Stunde meine Ruhe haben? Der Vogel ist der größte und teuerste Fehlkauf seitdem ich Vögel haben. Er sollte ein Weibchen sein, er war extra teuer, weil geperlt, doch ein paar Wochen nach dem Kauf verlor er die Perlung im Gefieder und stellte sich als Mann heraus, der Tag und Nacht gerne schreit. Schwierig dazu zu dem Grundsatz bis an Lebensende zu stehen. Blutdruck ok, Herz etwas schnell, aber nicht gefährlich, keine Ahnung was ich heute Nacht träumte, kann mich an keinen Traum erinnern. Es ist seltsam jetzt ohne ihn zu leben, also er ist ja nicht gänzlich verschwunden, aber halt deutlich weniger da. Doch ich erinnere mich auch noch an den Nervfaktor, also unternehme ich nichts. Der Vater schreibt von der Insel, ich hoffe er hat eine gute Zeit, ich war seit 2018 nicht mehr da. Das war damals aber auch der Horror, weil der Vater keinen zweiten Bungalow gemietet hat und wir zur Beerdigung zu viert tagelang auf nur 30 m² hausten, war das schrecklich neben der sowieso schon schmerzhaften Trauer. Kein Rückzug, keine Privatsphäre, braucht man ja auch nicht, wenn man gerade seine Mutter beerdigt. ^^ Der Bruder ist dann nach ein paar Tagen ausgezogen und hat lieber am Pool geschlafen. Ich hätte wohl auch lieber auf eigene Kosten was anmieten sollen, statt diesen Horror zu ertragen. Aber ich glaube mein Vater hat einfach kein Verständnis dafür, dass es Menschen gibt, die Rückzug und Ruhe brauchen. Er ist eher so ein Gesellschaftsmensch, er braucht ständig Menschen um sich, um sich gut zu fühlen, ich bin genau das Gegenteil. Der Kaffee schmeckt und ich muss wohl noch Lebensmittel wegwerfen, die er mitgebracht hat, die Hitze der letzten Woche hat den Vergammelungsprozess beschleunigt. Zum Paketshop komme ich auch heute nicht, Öffnungszeiten die nicht zu meinen Arbeitszeiten passen. Bei der Apotheke bestellt, ja im Alter muss man mehr investieren, um sich „normal“ zu fühlen, überall Zipperlein, überall Handlungsbedarf, um den Laden am Laufen zu halten. Wobei ich auch resultieren muss, dass es nicht nur das Alter, sondern auch ein Resultat von Lockdown, Neuroleptika und Trauer ist, dass mein Körper in schlechter Verfassung ist. Manchmal fühle ich mich schon wie eine Rentnerin, nichts mehr von der „Ich bin unsterblich“ Haltung aus jungen Jahren. Wäre die Rente nicht so mickrig, wäre ich vielleicht schon Rentnerin. Aber eine EU-Rente, die noch nicht mal den Hartz-IV Satz erreicht, nimmt einen die Freiheit nach einer schweren Krankheit eine Auszeit zu nehmen. Also habe ich darum gekämpft als erwerbsfähig zu gelten, auch wenn ich es von 2013 bis 2016 wirklich nicht war und ich, trotz aller Bemühungen, auch heute nicht voll erwerbsfähig bin und es wahrscheinlich auch nie wieder werde. So viel zur „sozialen“ Marktwirtschaft, wo Kranke und Alte weiterarbeiten müssen, weil es sonst nicht zum Überleben reicht. Die Pläne jetzt das Rentenalter auf 68 anzuheben sind ein Hohn für mich, wie soll ich bis fast 70 arbeiten? Die Wahrscheinlichkeit, dass ich vorher sterbe und nie Rente bekomme, obwohl ich eingezahlt habe, ist leider höher. Da kann ich nur hoffen, dass mein Mann mich überlebt und wenigstens eine Witwerrente bekommt. Das ganze Rentengeld meiner Mutter ist unwiderruflich weg. Mindestens 30 Jahre eingezahlt und nichts bekommen. Zum Glück hat sie sich wenigstens ihre private Altersvorsorge, ein paar Jahre vor Ihren Tod, auszahlen lassen und in Immobilien gesteckt, somit haben ihr Ehemann und ich jetzt wenigstens etwas davon. Sie hatte immer Angst vor Altersarmut und wurde dann gar nicht alt, doch wie es scheint hat sie mich damit vor der totalen Armut bewahrt. Auf in den Tag, die Kollegin schreibt schon, aber ich bin noch nicht arbeitsbereit, erstmal duschen und vielleicht frühstücken und dann Mitmenschen.