Corona, Blumenkohl, Ärzte und Farbfilm

Guten Morgen, ganz passabel geschlafen, gestern ging es mir wirklich nicht gut. Auch tagsüber geschlafen und Alpträume gehabt. Der Psychiater ist zurück aus dem Urlaub, sicher 15-mal angerufen, aber entweder besetzt oder keiner geht ran. Wer hätte gedacht, dass ich mal so eine Sehnsucht nach einem Psychiater habe. Beim Mann im Büro gibt es wieder Corona, ich hoffe für ihn nicht. Die Coronazahlen in der Stadt sind gerade sehr hoch, weil niemand mehr versucht irgendwas zu vermeiden. Tatsächlich gekocht, Blumenkohl auf indische Art. Immer noch sauer und schmerzerfüllt wegen meiner Vergangenheit, wie konnte das alles passieren? Warum verdammt nochmal hat niemand auf mich aufgepasst? Weder Mutter, Stiefväter, restliche Familie noch Freunde haben mich jemals beschützt. Der Nachteil, wenn man jung, zu erwachsen wirkt? Immerhin die Temperaturen gehen zurück, ohne Regen, ich wünschte es gäbe endlich Regen.

Die Straße rauscht und die Polizei hat in der Stadt viel zu tun, die Leute knallen durch, nach/während Corona und jetzt auch noch Krieg und Wirtschaftskrise. Ich weiß auch nicht mehr weiter, keine Ahnung wie es weiter gehen soll, keine Ahnung wo das Licht am Ende des Tunnels ist. Geführt von einer Regierung, die eher unerfahren und hilflos wirkt, aber dafür hoffentlich weniger korrupt als die vorherige ist? Wer weiß es, mir bleibt dazu auch nur die Tagesschau. Fenster auf und auf Abkühlung gehofft, meine Ventilatoren haben Dauerschicht, die Nachbarn schweigen alle, während ich mich in die Kissen heule. Berlin, eine wunderbar anonyme Stadt, verrecken, ohne dass es irgendwer bemerkt. Versuche eine Online-Krankschreibung zu bekommen, aber auch das scheint schwierig. Die Idee, mit dem Bus irgendwo hinzufahren und dann stundenlang im Wartezimmer zu warten, um dann auf einen gestressten Arzt zu treffen, ist gerade Horror.

Baden gewesen und Brot gebacken, irgendwas für die Seele, jenseits von Schokolade. Immerhin morgen Termin bei der Psychologin, aber ob das hilft, ist fraglich. Die kennt mich gar nicht und leider habe ich jetzt schon den Eindruck, dass sie mich missverstanden hat. Aber warten wir ab, ich gehe dann mal hin. Soviel zur wundervollen Krankheitsversorgung in Deutschland. Vorgenommen heute immerhin in den Drogeriemarkt zu fahren oder besser zu gehen, schützt mich vor den Verrückten der Stadt, denn ich bin verrückt. Wäre mal wieder Zeit für Farbfilm:

Edit: Meine Definition von verrückt: Abgerückt von dem, was als normal gilt.

Wald, Kartoffelsuppe, Käfer und Hilfe

Guten Morgen, gestern im Wald gewesen und den Vater meine Küche auseinanderbauen lassen. Jetzt habe ich aktuell also Chaos und kein Wasser in der Küche. Die Hitze ist vorbei und stattdessen gibt es graue Aussichten und Regen. Die letzten Tage Kartoffelsuppe gegessen, irgendwie hilft mir das immer. Meine Kartoffelsuppe, die ursprünglich auf Mamas Rezept beruht, ist für mich Seelen- und Körperfutter. Gestern sogar teilweise wieder normal gegessen. Hoffentlich ist jetzt das große Fressen vorbei. Die Gründe meiner Essstörung sind mir ja jetzt alle bekannt, also ist jetzt der nächste Schritt es auch zu ändern? Heute vielleicht das hier gekocht und wieder spazieren, später, aktuell brauche ich das, aus vielen Gründen, ebenfalls für Körper und Seele. Bin müde den Ärzten hinterherzurennen und mich dann gestresst abwimmeln oder abfertigen zu lassen. Klar verstehe ich die Ärzte auch, aber es ist auch bitter für mich als Patient, was in der deutschen Gesundheitsversorgung gerade alles nicht mehr geht.

Durch die Coronazeit sind nicht nur viele Leute deutlich kränker, sondern es haben sich riesige Warteschlangen für Hilfs- und Heilangebote gebildet. Möchte ich derzeit eine Magenspiegelung oder Krankengymnastik warte ich Monate, Therapie ist gar nicht mehr zu kriegen für Kassenpatienten und sollte ich es schaffen eine Kur oder Reha bewilligt zu bekommen, sind die Wartezeiten 1-2 Jahre. Das ist sehr scheiße für mich, aber auch für andere, wie kann ich Leute zu diesen Angeboten beraten und ermutigen sie zu beantragen, wenn die Hilfe dann absehbar nicht kommt? Ich bin schon ein Profi in dem Bereich, weiß, was es wo überall gibt, kann jeden Antrag ausfüllen, aber auch ich liege wie ein Käfer auf dem Rücken. Die Folgekosten für diese ganzen aktuell nicht mehr verfügbaren Hilfen des Gesundheitssystems werden wahrscheinlich noch deutlich höher ausfallen. Es sei denn, die Leute sterben vorher, dann wurde natürlich maximal gespart. Die Politik macht wie immer nichts, während das Volk im eigenen Saft schmort. Ist klar, wer privat versichert ist, der merkt das alles ja auch nicht. Hilfe, gerade Mangelware, auch ich kann derzeit kaum mehr Hilfe geben, ich muss mir selbst helfen und scheitere daran in Serie.

Schlaf, antriebslos, Glaube, Gefängnis und Liebe

Guten Morgen, endlich mal lang und ausreichend geschlafen. Bauch immer noch nicht gut, aber besser. Gestern immerhin draußen gewesen, irgendwie bin ich gerade handlungsunfähig, vielleicht sogar depressiv? Nach der ersten großen Aufregung zur Rekonstruktion der Vergangenheit ist der Aktionismus in Nihilismus umgeschlagen. Wunderbarer Sonnenschein, sommerliche Temperaturen tun gut, machen meine Grundstimmung aber nicht besser, sondern hindern mich nur am Abstürzen. Leben, kein Wunder, dass ich beim Blick in die Vergangenheit dem Wahnsinn nah bin. Die Geschichte will keiner haben, ich auch nicht, ist aber meine. Der Krieg tobt, die Preise steigen, die Corona-Zahlen auch und jetzt auch noch Affenpocken. Wunderbar, ich baue mir dann mal ein Haus aus Konserven, Öl und Klopapier, setze mich da rein und warte, bis die Kindergärtnerin zum Mittagessen ruft. Vertrauen, in dieser Welt wohl unangebracht, ich habe so vielen vertraut und bin damit so böse auf die Fresse gefallen. Ich dachte mal, ich wäre schlau, aber der Glaube an das Gute im Menschen, scheint nicht so schlau zu sein.

Vielleicht sollte ich mich damit einfach abfinden und aufhören, immer wieder so überrascht zu gucken, wenn ich wieder verraten und verkauft wurde. Sterben für Ideale, gestorben, bin ich schon so oft, aber immer wieder aufgetaucht, wenn das Meer mich eigentlich schon verschluckt hatte. Vielleicht bin ich nicht stark genug für all das, aber dickköpfig und stur für zehn. Viel mit einer alten Freundin getextet, die Vergangenheit grüßt. Keine Wunder, nur Alltag, böser Alltag unter meist selbstsüchtigen Schmarotzern. Meine Wohnung, meine Welt, mein Gefängnis? Ich will das alles nicht mehr sehen, aber trotzdem nicht erblinden, der Kaffee schmeckt, der Blutdruck ist unten. Liebe, in dieser Welt auch oft ein Geschäft, dabei ist Liebe nicht käuflich? Oder doch? Ich glaube nicht mehr an die Liebe ohne Hintergedanken, jeder hat so seine Motive, schade, aber die Botschaft sollte dann endlich mal ankommen. Ich atme ein, ich atme aus und setze einen Fuß vor den anderen.

Wohnung, Chefin, Zukunft, Brot, Kräuter und Optimismus

Guten Morgen, immerhin sechs Stunden Schlaf. Irgendwie bin ich immer noch mit dem Mann aufgeregt wegen der Wohnung, es ist so viel zu tun und ich konnte jetzt kaum helfen. Nur kleine Sachen über das Internet bestellen war bisher möglich und eine ausgiebige Waschmaschinen-Beratung. Gestern wieder ein einziger Krampf mit dem Diensttelefon, ständige Aussetzer und niemand zu hören. Also privates Handy genutzt, was aber jetzt keine Lösung ist. Mich beschäftigt immer noch ein Blick einer ehemaligen Nachbarin der Mutter die Tage, die sah mich nach Jahren wieder und schaute ziemlich entsetzt, weil ich so dick geworden bin? Oder warum? War auf jeden Fall nicht angenehm, die zu sehen bzw. von ihr gesehen werden. Die Chefin rief gestern an und wir haben lange telefoniert, wegen der Ist-Lage und Zukunft, alles ungewiss und sie wollte mich unterstützen auf jeden Fall eine gute Zukunft zu haben. So viel Mütterlichkeit war mir dann aber auch zu viel. Ich komme schon klar und notfalls gibt es dann nächstes Jahr ein Jahr Arbeitslosengeld 1.

Muss nicht sein, es gibt genug Arbeitsoptionen, aber eine bezahlte Auszeit wäre auch nicht schlecht. Zwei Jahre Beratung während Corona -Maßnahmen waren sehr anstrengend, zu vielen Leuten ging es rapide schlecht. Gelernt daraus, dass unser Sozialsystem während einer Pandemie nicht funktioniert und mich radikal abzugrenzen. Ich alleine kann niemals ein soziales Netzwerk ersetzen, dass einem Menschen mit Hilfebedarf vorher zur Verfügung stand. Ich habe nur zwei Hände und begrenzte Möglichkeiten. Es hat geregnet und es ist grau, die Straße rauscht. Gestern neue Gardinen für mich, dann kann der Mann die extrem abdunkelnden haben, die hatte ich eh auf seinen Wunsch gekauft und mag sie selber nicht sonderlich, soll er doch damit glücklich werden. Gekocht eine Maultaschensuppe und Hühnerschenkel, so ohne Kochbox fällt der Speiseplan anders aus. Wieder angefangen Müsli zu essen, aber auch Vollkornbrot, wie habe ich Brot vermisst. Die deutsche Küche ist ja so allgemein kein Hit, aber unvergleichbar ist das deutsche Brot. Wo auch immer ich auf dieser Erde gereist bin, es war meist schöner, aber das Brot habe ich dann immer vermisst.

Warten wir ab, ob heute die restlichen Pakete kommen, es fehlen noch ein Klodeckel und ein Teleskopregal fürs Bad. Hoffe, dass der Vater heute zur Pizza kommt und mich danach zum Mann fährt, dann kriege ich den ganzen Kram stressfrei zu ihm. Schwer tragen sollte ich nicht wegen des Rückens, weit laufen kann ich gerade nicht wegen der verletzten Ferse. Schön so ein Leben als Behinderte. Die Vögel singen, der Kaffee schmeckt und ich bin zu früh dran, denn der erste Termin ist erst gegen elf. Morgen kommt hoffentlich ein Handwerker, seit Wochen ist die Balkontür kaputt, es wäre schön wieder mit einem gekippten Fenster schlafen zu können. Ich brauche zum Schlafen Frischluft, nur dann ist es wirklich erholsam. Die Vorräte hier stimmen jetzt wieder, der Hamster will zwar mehr, aber der hat die Backen schon voll und kriegt jetzt nichts mehr. Allein die Nudeln reichen für Wochen. Für den Mann ein kleines Kräuterbeet vor dem Küchenfenster geplant, mit Blumen hat er es ja nicht so, ich hoffe, er ist aufgeschlossen für praktisches Grünzeug. Der Schnittlauch und die Minze sollten auch ohne große Hilfe allein überleben. Leben während Corona, während einem Krieg, versuchen wir es trotzdem mit Optimismus:

Gebacken, Freundinnen, Techno, verrückt, Wohnungen und Planungssicherheit

Ein Gruß aus der Nacht, vergessen das Fenster im Wohnzimmer richtig zu schließen und wie ich denke, vom Straßenlärm geweckt worden. Gestern sehr viel gebacken und gekocht. Ein großer Rhabarberkuchen steht jetzt im Kühlschrank und die Aubergine wurde doch noch vernichtet. Ansonsten nochmal beim Supermarkt gewesen und Wäsche gewaschen. Es dämmert, während eine Kerze mit Sandelholzgeruch mir leuchtet. Gestern einen Anruf von den Treffen bekommen, zudem ich nicht konnte, eine alte Freundin meldet sich und wir haben Nummern getauscht. Haben wir herzlich über Männer gelästert und gelacht. Sie gehört auch zu den Frauen wie ich, die Männer lieber nur ambulant und nicht stationär aufnimmt. Na mal sehen, was der Sommer bringt, und ob wir uns in echt im Park treffen werden, mir hat das Gespräch auf jeden Fall gutgetan. Überhaupt scheint man auf die Mütter im Freundeskreis wohl einfach 6 Jahre plus warten zu müssen, bis die Kinder auch mal ohne Mutti können und die Muttis damit wieder brauchbares Freundinenmaterial sind.

Ein Kaffee schmeckt, die Kippe nicht, heute geht es ein letztes Mal zum Vater. Eine Ära geht zu Ende, nie wieder werde ich die Elternwohnung besuchen, um mit dem Vater zu frühstücken. Bald wohnen da andere Menschen, die Möbel sind eh schon fast alle weg. Der Mann ist jetzt doch wieder interessiert an der günstigen Wohnung in der Nähe, wusste ich es doch, also nächste Woche zusammen besichtigt, ich habe die Wohnung Ewigkeiten nicht gesehen und es bleibt eine Überraschung was da wartet. Die Nachbarn haben gerade Techno aufgedreht, what the fuck? Es ist 5:40 Uhr am Sonntagmorgen. Das Sofa ist endlich weg, in manchen Bezirken von Berlin klappt das ja, Sachen auf die Straße stellen und die verschwinden dann von allein, aber nicht ein vergammeltes Sofa in meiner Gegend, das will dann auch keiner geschenkt haben. Der Bass der Nachbarn dröhnt, deren Drogen hätte ich gern, ganz Berlin scheint ein Irrenhaus zu sein, seit Corona noch mehr als sonst schon immer.

Berlin gehört den Verrückten und wer herkommt und es noch nicht ist, wird es, im Guten wie im Schlechten. Besser man gehört zu den Verrückten der Stadt, die keine Betreuung brauchen, kann ich nach Jahren der Beratung von Verrückten und ihren Angehörigen sagen. Besonders seit Corona braucht man besser keine Betreuung, denn wer sie brauchte war und ist einfach im Arsch. Die Sozialarbeiter der Stadt sind nämlich einfach mal müde nach über 2 Jahren Pandemie, wenn nicht schon selbst ein Fall für das Krankenhaus. Auch ich sollte mich in Anbetracht meines auslaufenden Vertrages umsehen, gesünder wäre es, sicherer auch, immer diese zeitlich limitierten Projekte. Bloß niemanden unbefristet einstellen, Planungssicherheit, Kreditwürdigkeit, wer braucht das schon?^^ Keine Überraschung, dass der öffentliche Dienst in Berlin als Arbeitgeber mittlerweile wieder hoch im Kurs steht, ist vielleicht langweilig, aber krisensicher. Für den Moment bleibt aber die Erkenntnis: Es ist, was es ist!

Zwischen wach, Einkäufe, Beschwerde, Corona, Handwerker und Rockwell

Guten Morgen, nein ganz sicher zwischen wach. Gestern alles anders als geplant, Kollege krank also doch zu Hause geblieben. Abends kam dann der Vater mit zwei Stunden Verspätung und hat dann auf mein Bitten schon mal die schwere Lebensmitteltasche für den Bruder mitgenommen. Ich fahre an Ostern nicht allein mit über 15 Kilo Gepäck quer mit den Öffentlichen durch die Stadt. Viel zu lange wach gewesen danach, irgendwie aufgekratzt gewesen. Eingeschlafen dann weit nach Mitternacht unplanmäßig bei Licht und offenen Fenster. Aktuell ein sehr fester Bezug zum Kaffee bei zugekniffenen Augen. Die Pizza war gestern ganz gut, aber es blieb zu viel übrig. Keine Ahnung was ich heute koche, es gibt noch Brokkoli, Rotkohl, aber auch ein Bärlauch-Pesto zudem ich nur Nudeln kochen müsste. Falls ich ganz faul sein sollte, gibt es noch Vollkorn-Wraps von Lidl, die man beliebig füllen kann.

Auf der Arbeit die erste Beschwerde in über vier Jahren im Job erhalten, dass ich mich nicht Mensch mit Migrationshintergrund nennen lassen möchte und dagegen was gesagt habe ist unerhört und ich möge mich entschuldigen. Will ich aber nicht. Das werde ich jetzt erstmalig aussitzen und nicht nach der Harmonie streben, die ich sonst immer versuche herzustellen. Harmonie ist super, aber nicht, wenn immer nur ich dafür bezahle. Feiertag, eine schöne Sache, es ist ruhig hier, sogar auf der Straße fahren weniger Autos, wunderbar. Auf die Jagd gegangen nach Öl und Senf, gar nicht so einfach, wenn man auch noch Budget-Vorstellungen hat. Ich zahle nicht 5 Euro und mehr pro Liter für einfaches Speiseöl. Zwei Freunde haben Corona, die eine das erste Mal, der andere das zweite Mal. Ich bleibe dann weiterhin negativ. Für den Mann weiterhin auf Wohnungssuche, es gibt vielleicht eine günstige Möglichkeit in der Nähe in der Stadt, vielleicht auch nicht, abwarten, dran bleiben.

Wohnung putzen wäre ein Plan, Selbststudium wäre ein Plan, Kissen lauschen aber auch. Nach Ostern vielleicht Handwerker eins für das Bad, Anfang Mai dann Handwerker zwei für ein Fenster. Ja Wunder geschehen, es gibt bezahlbare Handwerker, die mich besuchen. Gestern durch Zufall einen Song aus frühen Jahren gehört, ein Song der meine Psychose später sehr gut beschreibt:

Nein, der Song ist nicht von Michael Jackson…..

Migrationshintergrund, nenne mich doch gleich Ausländer

Guten Morgen, nicht allein, also nicht so entspannt beim Schreiben. Der Kaffee schmeckt und der Tag ist bereits sehr hell. Wieder sehr anstrengende Leute am Telefon gestern u. a., eine, die ständig darauf bestand, ich sei eine Person mit Migrationshintergrund. Sie hätte auch gleich Ausländer sagen können, dabei bin ich hier geboren und habe noch nie woanders als in Deutschland gelebt. Bei mir von Migrationshintergrund zu sprechen, tja, also ich bin mal von Köln nach Berlin migriert, aber weiter eigentlich nicht. Auch meine Mutter ist nirgendwo emigriert, und auch nicht die Großmutter. Lediglich der Großvater war hier als Austausch-Student und hat die Oma geschwängert. Ein Studium an anderen Orten mit Nachwuchs Migration zu nennen, ich bin mir nicht sicher, ob das Migration ist, wenn man herkommt, ohne bleiben zu wollen und dann auch wieder geht. Dieser Begriff „Menschen mit Migrationshintergrund“ klingt in meinen Ohren diskriminierend, aber immerhin sind wir Menschen, auch wenn der Opa aus einem anderen Land kam.

Ich bin mir sicher, sie meinte es nicht böse. Es innerhalb eines Gespräches mehrfach zu sagen war dann aber doch nervig, denn nach meiner Definition bin ich nicht weniger deutsch als sie und keiner meiner Familie wurde vom reichen Deutschland freundlich aufgenommen. Im Gegenteil, meine Mutter und ich wurden unser ganzes Leben diskriminiert, weil wir nicht typisch deutsch aussahen. Bei mir anrufen, Hilfe wollen und mich gleichzeitig beleidigen, keine gute Kombination wie ich finde. Ist aber auch schon früher passiert, als mich ein Kunde im Video sah und nicht darüber hinwegkam, dass eine Ausländerin ihm jetzt weiterhelfen sollte. Dem hatte ich dann aber gesagt, dass er sich gerne eine andere (deutsche?) Beraterin suchen kann, das wollte er dann aber auch nicht.

Wer die Geschichte von Deutschland kennt, weiß, dass Deutschland in der Mitte von Europa schon immer ein Migrationsland war, außer im Osten wurde lange nicht eingewandert, da wollte aber auch jahrzehntelang niemand hin. Heute wieder Homeoffice für mich mit einigen Terminen und als Belohnung später eine Massage. Verrückte Welt, mit immer mehr Verrückten, die Pandemie spuckt sehr viele Kranke aus und die Ärzte sind überbucht. Mir geht es mittelmäßig, weder schlecht noch gut. Die Bowl ist gestern gut geworden, keine Ahnung, ob ich heute kochen. Passend dazu ein Flüchtlingssong:

Regen, schlaflos, Vorräte, Kriegsbilder und Inklusion

Guten Morgen, ne eigentlich nicht gut, viel zu wenig geschlafen und aufgewacht im regnerischen Ambiente. Keine Ahnung was das ist, aber immer, wenn der Vater da war, komme ich danach nicht zur Ruhe und bin noch ewig wach. Angefangen in der Nacht die Vorräte zu sortieren, dann ein Hummus zu machen und einen Teig für ein Brot vorbereitet. Keine Ahnung, was das sollte. Also ich hätte jetzt Hummus und fertigen Brotteig da, außerdem die Erkenntnis, dass es in diesem Haushalt noch genug Mehl und Backmischungen gibt. Sollte das nicht reichen, gibt es noch reichlich Bohnen getrocknet und eingelegt, Tomatendosen und zahlreiche andere Gläser und Konserven. Eigentlich esse ich heutzutage nichts mehr aus der Dose oder dem Glas, aber ich ahne schon, ich werde damit wieder anfangen. Ich hoffe aber, dass es nie wieder Dosenobst in Zuckerwasser als Nachtisch gibt, wie zu meiner Schulzeit. Dann lieber gar kein Nachtisch oder jeden Tag einen Apfel.

Langsam zu lange zu Hause gewesen, es fängt an zu stinken und ich ahne schon, mein Körper wegen zu wenig Auslauf am Streiken. Die Bilder aus der Ukraine sind furchtbar, das ist neu an Krieg in 2022, überall Kameras, die Bilder in die ganze Welt tragen. Ich glaube hätte es eine derartige Kameraüberwachung in anderen Kriegen der Vergangenheit gegeben, sie hätten nicht so lange stattgefunden. Das ist kein Videospiel, kein Film, das ist Realität. Ist Videoüberwachung vielleicht doch zu etwas gut? Was ist die Steigerung, Überwachung wie im Minority Report? Es ist nur zu deiner Sicherheit, höre ich da in Gedanken und bekomme Angst. Sind die Menschen, die Sicherheit versprechen, nicht oft selbst das Problem? Kann man Menschen überhaupt so viel Macht geben und blind vertrauen? Ich kenne wenige so ehrenhafte Menschen, dass ich da annähernd vertrauen würde. Die meisten sind sich doch nur selbst die Nächsten.

Zurück zu meinen Berlin in April 2022, die Thunfischpizza gestern war gut, Thunfisch ist verdammt lange lagerbar, eine Dose in meinen Schrank ist noch bis 2026 haltbar. Gestern der Arbeitstag war ganz gut, viel gesprochen und beraten. Eine leise Hoffnung macht sich breit, dass die Versorgung von Kranken und Behinderten wieder besser wird, jetzt wo die Corona-Maßnahmen enden, dass sie wieder annähernd ausreichend wird. Inklusion scheint immer noch ein Luxusgut zu sein, dass es nur in guten Zeiten gibt. Pandemie, Krieg? Kommt alleine klar, wer die Zeit ohne Unterstützung überlebt bekommt später dann vielleicht mal wieder Besuch. Oh ich merke gerade nicht so ein fröhlicher Tag heute, alles kacke, die Aussichten trüb, immerhin der Kaffee ist gut. Neue Öko-Filter für die selbstgedrehten Zigaretten überzeugen nicht, aber ich wollte ja eh aufhören? Ach, mein Morgen in einem Song:

Thunfisch, Preise, Loslassen, Mode und Staub

Guten Morgen, keine gute Nacht, aber selbst schuld, zu viel gegessen gestern und mit Bauchschmerzen in der Nacht erwacht. Gestern wieder nicht das Haus verlassen, aber das Wetter war und ist sehr mies, grau, Regen und Kälte. Textilien gefärbt, Kleiderschrank aufgeräumt und überfällige Telefonate geführt. Nix mit studieren, ich brauchte doch meinen zweiten Wochenendtag, aber heute geht es wirklich los mit Arbeit, Termine warten und das E-Mail-Postfach ist voll mit Anfragen. Der Kaffee schmeckt und der Vogel singt. Heute Abend ist eine Thunfisch-Pizza für den Vater geplant, denn im ehemaligen Küchenvorrat des Vaters gab es noch reichlich Thunfischdosen, die zum Einsatz kommen müssen. Heute sollten DHL und Amazon läuten, aber weiterhin keine Lebensmittellieferung, auch wenn ich gestern wieder versucht war. Kann aber irgendwie nicht sein, dass ich jetzt 80 Euro statt 60 Euro pro Lieferung zahlen soll. Da bin ich raus, 80 Euro ist einfach zu viel für einen Lebensmitteleinkauf, halten wir uns an die Coronavorräte, die müssen eh weg. Ich kann hier noch sehr lange von Nudeln und Konserven leben. Krankmeldungen auf der Arbeit, ich fühle mich auch nur bedingt nach Arbeit, ohne körperlich wirklich krank zu sein, einfach keine Lust, wenn man aus dem Fenster guckt. Keine Lust, wenn ich mir meine Wohnung anschaue, wo auch viel getan werden muss. Die Mutter endgültig loslassen, ihre Schätze an mich nehmen und in mein Leben einordnen, eine Aufgabe, die mich doch sehr mitnimmt. Aber es ist gut, dass es endlich passiert, das ist auch Ballast, der endlich in den Himmel gehört. Sie ist auch so ständig bei mir, ohne zwischen ihrer Tupperdosen-Sammlung und ihren Tischdecken zu sitzen.

Auch sollte ich endlich schnallen, dass ich nicht mehr verpflichtet bin, die Kleidung zu tragen, die sie mir so brachte. Es gibt niemanden mehr, der mir ein schlechtes Gewissen macht, wenn ich Kleidung ablehne und/oder entsorge. Trotz sortieren, ist aber immer noch ein beträchtlicher Teil meiner Kleidersammlung von ihr, die Sachen, die ich wirklich mochte, die Sachen, die passen. Ja meine Mutter hat mich mein ganzes Leben lang eingekleidet, zum Teil auch, weil ich einfach zu pleite war mir eigene Kleidung zu kaufen oder weil es mir nach der Krankheit einfach mal egal war, was ich trug, Hauptsache angezogen. Das Gemeine daran ist jetzt nur, dass dieses modische Erwachen zu einem Zeitpunkt stattfindet, wo es gar nicht so einfach ist Kleidung zu finden in die ich noch reinpasse. Das Leben, immer zu einem Scherz aufgelegt. Da bin ich dann doch ganz froh, dass es in Mamas Fundus Kleidung in meiner aktuellen Größe gibt. Aber ich habe auch bestellt und hoffe auf das Beste, der Mann hatte mir ein Kleiderbudget überwiesen und dieses sollte jetzt ausgeschöpft sein. „Wer bin ich und wenn ja wie viele?“, ein Witz, denn ich früher sehr gut fand, bezogen auf meinen Geist, leider trifft das jetzt auch auf meinen Körper zu. 😦

Genug gejammert, Mode ist wirklich nicht das dringendste Problem gerade, ich werde schon schrittweise zu meinem eigenen Stil finden. Keine Nachrichten geschaut, ich stelle mich gerade blöd: „Wie Weltgeschehen?“ davon habe ich nichts gehört. Bin ich auch mal egoistisch nur mit meiner Welt beschäftigt und die findet gerade in meinem Kopf und in der Wohnung statt. Staub erzählt von der Vergangenheit, von einem langen, kalten und dunklem Winter. Staub, da kommt dieser Song in meinen Kopf, ich bin noch da, trotz Staub:

Fisch, Preissteigerungen, Weltordnung, Geschäfte und verrückt

Guten Morgen, zu früh wach für einen Sonntag, aber gut, ich kann mich wieder hinlegen. Gestern nicht viel passiert, ein bisschen Homeoffice, Fisch gekocht und im leeren Supermarkt gewesen. Ja wirklich leer, noch nicht mal Möhren gab es. Manche trugen dabei Maske, manche nicht, seltsam nach so langer Zeit Menschen ohne Maske im Supermarkt zu sehen. Online Einkauf ähnlich, Limitierung von Waren, Ausverkauf von Waren. Stinknormales Mehl kostet jetzt über 2 Euro. Da brauche ich dann doch kein Mehl, ich habe noch Corona-Vorräte. Später Reste kochen, Rosenkohl und Süßkartoffel eingelegt in Öl, Salz, Pfeffer, Knoblauch und Nusspesto und im Ofen geröstet. Lecker, so schmeckt auch Rosenkohl. Ein Held von DHL hat mir Blumenerde gebracht, Erde, die ich dann vorerst doch nicht brauche, denn pflanzen bei nächtlichem Frost, keine gute Idee. Bett und Sofa frisch bezogen, Wäsche gewaschen und sinnfreie Zeit vor dem Fernseher und Laptop verbracht. Kerzenvorräte sortiert, Kerzen sind auch teurer geworden, acht Kerzen kosteten vor ein paar Wochen noch 1,69 Euro, jetzt mindestens 2,19 Euro. Zum Glück habe ich bereits genug Kerzen hier, das war kein Hamstervorhaben, ich habe immer Kerzenvorräte hier.

Grau grüßt der Tag und es ist kalt, Zukunft, gerade eine schwer kalkulierbare, sehr unsichere Größe. Das jetzt, eine seltsame Geschichte. Der Kaffee schmeckt und ich traue mich immer noch nicht an Müsli ran, der Wellensittich singt ein Lied, aber ein leises. Zwei Jahre Corona, einfach mal warten, bis alle durchdrehen. Dass die Mächtigen dieser Erde auch durchdrehen, ganz ungünstig. Es wird von der Erlangung einer neuen Weltordnung gesprochen, was wollen wir Diktatur oder Demokratie? Kapitalismus oder Sozialismus? Ist eine Mischform auch möglich? Ist der Wille des Volkes überhaupt relevant? Die Waffenindustrie freut es bestimmt, nachdem jetzt zuerst die Pharmaindustrie mit Corona abräumen durfte, sind die wohl jetzt dran mit ihrem großen Geschäft. Schön, wenn so alte Hippies wie ich, die Kinder der Öko- und Friedensbewegung, jetzt auch die Pharma- und Kriegsindustrie unterstützen. Tja, Ideale werden schnell verkauft, wenn es um den eigenen Arsch geht. Ostern geplant, ich bin gerade sehr Freizeit orientiert, ich könnte jetzt auch ein Jahr gar nichts machen oder nur Dinge die mir Spaß machen. Aber irgendwer muss die Rechnungen bezahlen, irgendwer muss sich um die Leute kümmern, denen es schlechter geht.

Verrückte Zeiten, einatmen, ausatmen, nicht selber verrückt werden, nicht ablenken lassen, weil das Mehl zu teuer geworden ist, das ist nicht das Hauptproblem, wir haben ganz andere Probleme als Mehl…