Mambas, Tofu, Hochzeitstag, Gehirn und Erinnerung

Guten Morgen, seltsamer Tag und eine Unterbrechung in der Nacht. Gestern Morgen kaum ins Büro gekommen, erst wollte und konnte ich einfach nicht losfahren und dann hatte ich einen aggressiven psychotischen Mann im Bus, der sich irgendwann weigerte eine Maske zu tragen. Das Ergebnis war dann ein stehender Bus, aus dem er nicht ausstieg. Als andere dann ausstiegen, schrie er dann, dass jeder, der nicht in seine Seele gucken kann, aussteigen möge, denn hier wären überall grüne Mambas. Ich blieb erst, weil ich Angst um den Busfahrer hatte, dann rief der neue Kollege an und ich ging doch, um einen anderen Bus zu erwischen. Kurz darauf kamen dann Polizeiwagen. Mit dem neuen Kollegen war dann anstrengend, bei aller Sympathie, zu viele Fragen ohne Pause. Heute Hochzeitstag, mit einem Treffen zwischen meiner und seiner Schicht. Ein grauer Tag grüßt, werde versuchen mich ein bisschen hübsch zu machen, auch wenn es ein sehr einfaches Restaurant ist. Gegessen mein vorerst letztes Dinnerly Menü mit Tofu. Konnte man essen, aber wirklich lecker ist was anderes. Geträumt von alten Hip-Hop Freunden, die mich als fett beschimpften. Das hat irgendwie weh getan, auch wenn es wahr ist und außerdem nur ein Traum war. Heute auf Arbeit eine lange Videokonferenz, nicht wirklich Lust zu, aber ich habe versprochen dabei zu sein und der neue Kollege muss sich dort vorstellen. Habe den Eindruck, dass nachdem ich jetzt als einzig erfahrene Kollegin im Büro bin, ich irgendwie auch Teamleiter-Funktion habe und deswegen vorsichtiger behandelt werde vom Team. Komisch, seltsam, wollte ich nie, muss aber sein. Der Kaffee schmeckt, der Blutdruck und Puls ist im Normalbereich, der Mann grüßt zum Morgen. Wieder zurück ins Büro ist gar nicht so einfach, hatte ich mir weniger anstrengend vorgestellt, aber gut, die Busfahrt gestern früh, war ja auch sehr abschreckend und anstrengend. Ich hoffe, ich gewöhne mich noch dran. Gestern wurden die Reste der toten Birken entfernt, ich freue mich, endlich offene Fenster ohne allergische Reaktion. Auch den netten Hausmeister getroffen, er meinte er kennt mich, ich kann mich immer noch nicht erinnern, woher denn, außer von hier. Ich hoffe, er ist kein Ex-Freund von vor 30 Jahren, könnte aber sein. Hoffe ich komme am Sonntag dazu nicht nur zu wählen, sondern auch das Wohnzimmer umzustellen, hier muss sich was verändern. Vermisse die Mutter und habe wieder Sätze von ihr im Kopf, z.B. dass nicht die Nachbarin die Wohnung in Kreuzberg kriegen soll, mein Vater zieht das aber aktuell in Erwägung. Verfluchtes Gehirn, woran es sich alles erinnert, aber Abschalten geht nur mit hoch dosierten Neuroleptika oder mit Tod. Beides keine Option. Für die Arbeit ist diese Fähigkeit aber sehr gut, arbeite ich gemäßigt schnell, kann ich mich in der Regel an jedes Gesicht und jede Geschichte erinnern, ohne Aufzeichnungen. Nur wenn es zu viele reine Telefonkontakte werden, vergesse ich mal oder bringe etwas durcheinander. Eine Erklärung für das Nicht-Melden der eigentlich besten Freundin bekommen, neben ihrem gerade sehr turbulenten Leben ist es wohl die Angst vor Konflikten und diese auszutragen, denn beim letzten Telefonat hatte ich Streit angefangen, das ist jetzt nur schon ein Jahr her. Seitdem nur SMS von ihr. Kann aber auch nicht sein, dass man nie was sagen darf, weil man sonst mit Kontaktabbruch bestraft wird. Einen tollen Herrenduft wieder entdeckt, den bekommt der Mann heute, ich bin süchtig nach diesem Duft. So genug getippt und gegammelt, ich muss ins Büro, Normalität üben.

Nein, Supervision, Nachbar und mein altes ich

Guten Morgen, endlich mal mehr geschlafen. Gestern früh ewig an einer neuen technischen Lösung für das Team gearbeitet, die dann auch gelang. Ja aktuell freue ich mich, wenn ich andere Arbeit finde als Beratung, meine Seele sagt „Nein“ zu Entlastungsgesprächen für Fremde. Ehrlich gesagt auch nicht so gern für Freunde und Familie, ich habe mit mir selber zu tun. Heute ins Büro, heute Supervision, ich hoffe, ich kriege die Redezeit, die ich brauche. Dass die Reaktion, wenn ich „Nein“ sage ist, dass Leute heulen und betteln, damit komme ich nicht klar. Gut heute raus zu kommen, gut die Kolleginnen zu sehen, gestern habe ich nur für den Müll das Haus verlassen. Den neuen Hausmeister gestern kennengelernt, weil der Nachbar wieder laut bohrte, schade, dass der Alte nicht mehr da ist, der konnte den Nachbarn beeinflussen/beruhigen. Jetzt fühle ich mich wieder allein mit dem Psycho. Vielleicht sollte ich hier wirklich ausziehen und ihm eine Großfamilie oder eine wilde Studenten-WG als Nachmieter schenken. Ich denke dann wird er verstehen, wie ruhig ich hier eigentlich bin. Blutdruck und Puls unten, fühle mich auch so, müde und verpennt. Im Arbeitszimmer arbeiten, ist viel besser für mich, es strukturiert mehr, wäre da nicht der Nachbar der nach 3 Stunden Telefonat im Arbeitszimmer laut stark bohrt. Nein ich telefoniere nicht laut, aber telefonieren gehört nun mal zu meiner Arbeit. Kann doch irgendwie nicht sein, dass er noch nicht mal einen Mietvertrag hat, sich aber als Besitzer des ganzen Hauses wähnt. Gestern keinen Bock auf den Internetfreund gehabt, seine Depression, sein Weltschmerz, färbt ab auf mich. Bin nicht gut genug drauf, um davon unbeeinflusst zu sein. Sich gegenseitig deprimieren, kann ja irgendwie auch nicht der Sinn eines Gesprächs sein. Schnittblumen blühen im Wohnzimmer, mein Luxus, den Vater erinnert es an die Mutter, dabei meine ich, habe ich zuerst damit angefangen mir selber jede Woche einen Strauß aus dem Supermarkt zu spendieren. Was soll Frau machen, wenn Mann keine schenkt? Dabei wäre es wirklich kein teures Wunderwerk, jede Woche für 2-4 Euro einen Strauß zu bringen. Egal selbst ist die Frau, wie auch bei anderen Dingen. Heute noch keine Beratungs-Termine, aber eine Warteliste mit Menschen, die ich anrufen kann. Ich hoffe ich habe Glück und es gibt keine Tränen. Der Kaffee schmeckt, die Kippe weniger, irgendwie schmecken Kippen kacke, aber ich kann es trotzdem nicht sein lassen, obwohl ich es besser weiß. Für eine blöde Nachbarin gestern ein Paket entgegengenommen, ich mag sie nicht und ich glaube sie mich auch nicht. Aber das Paket war sehr groß und schwer und der Paketbote tat mir leid. Aber gut, ich habe es überlebt und sie auch. Hier und da mal nett sein, muss schon drin sein, auch wenn man keinen Kaffee zusammen trinken möchte. Etwas Sonne ist zu sehen, die Straße rauscht, es gibt schlimmere Tage. Brötchen warten, aber keinen Hunger. Die Erinnerung an mein 11-Jähriges ich bewegt mich immer noch, sie wäre entsetzt von meinem Leben, was hatte die für Pläne, aber dann kam Berlin:

Höllen-Nachbar, Coaching und Allergie

Guten Morgen, endlich mal wieder gut geschlafen. Gestern war hier die Hölle los, der Nachbar ist völlig durchgedreht und hat stundenlang ohrenbetäubend Lärm gemacht und gegen seine Decke geklopft. Arbeiten dabei unmöglich, denn jede Bewegung des Hundes in unserer Wohnung animierte ihn noch lauter zu werden. Das sein Krach gegen das Tapsen eines Hundes deutlich lauter war interessierte ihn nicht. Ich saß hier, konnte nicht arbeiten und hatte Angst. Ein Versuch beim SpDi anzurufen, aber da geht keiner ran und rausfahren tun die auch nicht mehr, die sozialpsychiatrischen Dienste in Berlin sind überlastet. Dann bei der Hausverwaltung angerufen, die waren sehr interessiert, empfahlen aber ich möge es erst mit unserem Hausmeister versuchen, der wäre groß und kräftig und würde ihn gut kennen. Gesagt getan, der nette Hausmeister hat dann bei ihm geklingelt und sofort war Ruhe im Karton. Nebenbei erfahren, dass er gar nicht Mieter ist, sondern seine Freundin und ihr rechtlicher Betreuer. Das die beiden nen Dachschaden haben wusste ich schon länger, aber dass der so groß ist, dass muss ich erstmal verdauen. Ich bin immer gegen die Diskriminierung von seelisch kranken Menschen, auch auf den Wohnungsmarkt, aber wer möchte solche Nachbarn haben? Sogar ich möchte das nicht. Fühle mich jetzt in meiner Wohnung nicht mehr 100 % sicher, habe Angst ihn zu treffen, sich darauf zu verlassen, dass die Polizei im Zweifelsfall schnell genug da ist, darauf verlasse ich mich lieber nicht. Er lässt eine Entschuldigung ausrichten, das glaube ich nicht wirklich, ich glaube er hat ein wenig zu viel konsumiert und ist gerade psychotisch. Zum Glück sind seine Kinder gerade nicht da, da bleibt denen das erspart. Ein Lärmprotokoll wird trotzdem geführt, aber erst ab heute. Ich will doch eigentlich nur Friede hier. Er hatte gestern lange Schicht, heute wieder, alleine mache ich die Tür hier nicht mehr auf. Nasenspray nehmen ist gerade Pflicht, die Birke macht mich sonst fertig. Gestern richtig lange im Wald gelaufen, ohne Pause, mein Bein wird immer besser. Gestern das Coaching ist ausgefallen, wenn 3 von 5 Teilnehmer daneben sind, ergibt es keinen Sinn. Im Angebot waren Migräne, Partner ins Krankenhaus gebracht und vom Nachbarn bedroht. Schöne neue Corona Zeit. Konnte gestern nicht mehr arbeiten, es war einfach zu laut und stressig hier mit den Nachbarn, also muss ich schauen diese Unterstunden wieder hereinzukriegen. Keine Ahnung wie es weiter gehen soll, ich mache dann mal weiter und hoffe das Beste oder auf die Polizei.