Regen, Oma, Trauer und Freude

Guten Morgen, es scheint so, als hätte es geregnet, ich habe aber nichts mitbekommen. Gestern doch kurz draußen gewesen, aber nur um Speck und Sahne zu kaufen, denn ich möchte heute Pfifferlinge mit Nudeln machen. Überfällig war Schrank aufräumen und meine Füße von Hornhaut befreien. Mit ihm ein klärendes Gespräch gehabt, soweit alles gut, aber eilig ihn zu sehen, habe ich es nicht. Heute ist ihr zweiter Todestag, der Tag, an dem die Maschinen abgestellt wurden, die Schreckenstage haben also heute ein Ende. Keine Ahnung, ob ich Ende der Woche die Oma zu ihrem Geburtstag anrufe, ich bin mir nicht sicher, ob sie sich freut und überhaupt mit mir reden will. Sie stellt sich halt jetzt als Opfer dar, dem ich Dinge meiner Mutter verweigere, dabei habe ich selber bisher keine besonderen Erinnerungsstücke an sie. Auch hatte ich nicht das letzte Gespräch mit ihr auf Erden, noch ist sie vor meiner Tür gestorben. Lange geschlafen und nicht richtig Bock heute zum Vater zu fahren, manchmal habe ich den Eindruck er trauert nicht um sie, aber vielleicht irre ich mich auch. Das Ende nächster Woche die Arbeit wieder beginnt, ist okay, ich brauche Struktur und Ablenkung. Arzttermine vereinbart, ist schon ein Ding, dass man mittlerweile wochenlang warten muss. Aber es ist ein ja von mir zum Leben, zum Arzt zu gehen, wer sterben will, braucht keine Arzttermine. Gefühlsmäßig ist die Zeit aufregend, da ist Trauer, da ist Verliebtheit und ich könnte stündlich zwischen Heulen und Lachen wechseln. Auf in den Tag, mit dieser Ruhe der Trauer.