Sonnenschein und die wunderbare Welt der Träumerin

Guten Morgen, endlich mal eine lange Nacht. Früher ins Bett, was jetzt dank Herbst auch einfacher ist, wenn es bereits um 8 dunkel wird. Gestern der Tag auf Arbeit war nicht so schlimm, ja fast gut. Nachgefragt, ob ich und der Neue vielleicht doch einen Tag Homeoffice machen können, dürfen wir für den Anfang. Was für eine Erleichterung, wenn ich die Woche nicht mit Hektik starten muss. Gestern hat noch wunderbar die Sonne gestrahlt, ein wunderbarer Herbstnachmittag. Ich fühle mich nicht wunderbar, aber gestern noch die fabelhafte Welt der Amelie gesehen. Hatte vieles aus dem Film schon vergessen, ist ja auch schon 20 Jahre her. Die Welt wie Amelie sie sieht, ist auch zum Teil meine, eine Überlebensstrategie, in einer Welt voller Krankheit. Vielleicht Tagträume, sich auf kleine wunderbare Dinge zu konzentrieren und alles darum zu vergessen, aber Träume sind wie Hoffnung, sie sterben zuletzt. Kann ja sein, dass die Welt mal 90 % oder mehr scheiße ist, aber da gibt es immer auch irgendwo etwas Wunderbares, einen Schmetterling, ein lachendes Kind oder Sonnenschein im Herbst. Es gilt nur auch dieses zu beachten, es wahrzunehmen und damit auch groß und bedeutend zu machen. Die Sicht auf die Welt ist auch die Welt, was die Welt ist definieren die Zuschauer bzw. Teilnehmer. Es wird immer aggro Leute geben, es wird immer Kriege geben, aber ich werde das nicht in den Mittelpunkt stellen. Das ist wie Maude sagen würde: „Meine kleine Revolution“. Die Arschlöcher wollen doch nur Aufmerksamkeit, die kriegen sie nicht von mir. Die können ihren Schmerz, ihren Hass behalten. Ich weiß, wovon ich rede, auch ich kenne den Schmerz und Hass, aber daran festhalten macht nur krank und schwach. Ich gebe meinen Attentäter nicht diese Macht über mein Leben, es reicht, wenn sie mich verletzt haben. Sie haben fortan keine Macht mehr über mein Leben, sie sind arme Würstchen aus der Vergangenheit, vielleicht auch eine Lektion für mich, mehr aber nicht. Auf in den Tag mit einem Song aus der Plattensammlung der Eltern:

Aufgewacht, schlechter Witz, Azubi und Job

Guten Morgen, aufgewacht, aufgewacht aus einem Alptraum. Geweint um mein verschwendetes Leben, so viele Jahre, nicht nur die mit der Psychiatrie. Wie ein sehr schlechter Witz, wo der Witze-Erzähler keine Ahnung hat, wie wenig witzig er ist. Ein grauer Tag grüßt, der Mann ist fertig mit der Nachtschicht und ich habe meinem Azubi gestern Ansagen gemacht. Hoffe, das läuft jetzt besser. Gestern Chicorée mit Thymian gemacht, für die Verdauung, nicht für den Geschmack. Der Psychiatrie Kongress schreibt mir, dabei habe ich verpasst meinen Vortrag einzureichen, scheint wohl nicht so viele Überlebende einer Psychose zu geben, die fähig und willens sind über ihre Krankheit in anderen Kontext zu berichten. Der Tag grüßt grau, die Straße rauscht, das ist also mein Leben oder eher der Rest meines Lebens. Danke Arschloch. Zeitreisen sind weiterhin nicht möglich, was würde ich alles anders machen, aber dafür müssten auch andere Menschen vieles anders machen. Zu wenig geschlafen, aber immerhin 6 Stunden, nachdem ich früh ins Büro muss, kann ich aber auch früh weg und noch ein Schläfchen machen bevor der Vater auf eine Pizza kommt. Zwei Termine heute, einer sehr früh und mein Azubi, wo ich wohl doch elementarer anfangen muss als ich dachte. Die Ex-Kollegin schickt Fotos vom neuen Wohnort, leider kein Sonnenblumenbild, um das ich sie gebeten hatte. Aber ihr und der Hündin geht es gut, gut zu wissen. Eine Absage für den Job bekommen, den ich eh nicht mehr wollte, halb so schlimm, auch wenn es natürlich schöner ist selber abzusagen. Bin müde, die alte Frau ist erwacht und traurig, wütend, immerhin der Mann grüßt zum Morgen.

Was ich so denke und fühle, Kary Perry fasst es gut in Worte:

Träume, Clubs, das alte Berlin und Hoffnung

Guten Morgen, wirre Träume oder sind es Erinnerungen? Wer weiß das schon, bin müde und habe gestern zu viel gegessen. Wieder so ein Weg meiner Selbstzerstörung. Die Clubs sind wieder auf, das läuft dann wohl nach dem Motto: „Ich sterbe für meine Party.“ Die Zahlen der nächsten Tage und Wochen werden spannend. ^^ Ich bin mir sicher wir schaffen bald 50 % und mehr Anstieg. Das da gestern in den Clubs nur Genesene und Geimpfte waren, ist doch sehr unwahrscheinlich, nein ich weiß es, dass die Türpolitik da nicht so streng gehalten wurde. Ich wusste gar nicht, dass die Querdenker und die Beastie Boys was gemeinsam haben, ein Kampf um Party ist das aber ganz sicher. Leute, das alte Berlin gibt es nicht mehr, es ist keine Zeitreise möglich und die Ungeduld jetzt macht es nur schlimmer und die alte Freiheit rückt noch mehr in die Ferne. Wären das jetzt nur Teenager die Party machen, ich würde es noch verstehen, aber die meisten Clubgänger in Berlin sind eindeutig älter. Bei mir gestern nicht viel passiert: Müll weggebracht, Wäsche gewaschen, mit der Hand abgespült, gestaubsaugt, gekocht, Mittagsschlaf, Badezimmerschrank aufgeräumt, baden und dann nicht mehr viel. Der Mann hat einen neuen Arbeitsvertrag, leider wieder einen beschissenen, aber irgendwas muss die Miete zahlen. Ein grauer Tag grüßt und der Kaffee schmeckt, vielleicht schlafe ich gleich weiter, zum Vater muss ich erst nach zwölf. Keine Ahnung warum ich so oft in meinem Leben sterben wollte, aber das ging schon sehr klein los, ich hatte immer den Eindruck im falschen Leben gefangen zu sein. Fakt ist aber, ich habe nur dieses eine Leben, ob ich will oder nicht, es gilt das Beste draus zu machen, aktuell bin ich aber weit davon entfernt. Aber solange ich lebe, gibt es Hoffnung. Ich singe dann mal ein Lied:

Nacht, Vater, Pakete, Jobs und Berge

Ein Gruß aus der Nacht, bin müde, aber wach, irgendein Nachbar hat gerade das Haus verlassen. Gestern der Tag ging schnell vorbei, einkaufen gewesen, Mann kam vorbei, Arbeits-Videotreffen, Pizza gemacht, Vater kam zu Besuch und danach alleine entspannen. Bis zum Treffen mit dem Vater ging es mir (sehr) gut, als er dann da war nicht mehr. Thema mit dem Vater war Tod der Mutter und die Entsorgung der Spülmaschine. Ja mein Geschirrspüler ist Schrott und eine Reparatur lohnt nicht mehr. Irgendwie habe ich den Eindruck, auch der Vater entfernt sich gerade. Er hat immer weniger Zeit und wenn, hat die neue Partnerin und deren kranke Mutter Priorität. Finde ich so nicht richtig, mit denen hat er nicht die letzten 30 Jahre verbracht, die haben ihn nicht aufgefangen als es ihm nach dem Tod meiner Mutter schlecht ging, aber gut, die sind wohl seine Zukunft. Wo meine Zukunft dann liegt, weiß ich aber nicht. Der Bruder wird immer seltsamer, der Vater entfernt sich mit neuer Partnerin und ich habe dann wohl nur noch als enge Verwandtschaft den Mann in Berlin. Nicht so gute Aussichten für mich. Heute ein Paket vom Paketshop abholen, ist man einen Tag die Woche nicht da, kommen natürlich alle Pakete auf einmal. Meine Nachbarinnen hatten ja einiges für mich angenommen, aber ein Paket ist jetzt kilometerweit entfernt im Paketshop. Der Kaffee schmeckt und ich überarbeite gerade meinen Lebenslauf, denn es gab eine Anfrage einer Recruiterin. Eigentlich will ich nicht wirklich wechseln, aber zu wissen, was andere bieten und einen Plan B haben, erscheint mir gerade nicht so falsch. Wenn Corona nicht aufhört, weiß ich nicht, ob ich meinen Job seelisch noch lange aushalte. Ein Ausweg scheint nur die extreme Abgrenzung gegenüber dem Kunden, aber selbst wenn ich das lerne und durchziehe, möchte ich das? Alles unklar gerade. Erwachsensein sein, Verantwortung tragen, stinkt. Fühle mich gerade alleine mit der Trauer um die Mutter, der Mann kannte sie nicht, der Bruder ist wie immer abwesend und anderer Meinung und der Vater investiert lieber in die Zukunft. Es ist dunkel, grau grüßt der Tag oder ist es noch die Nacht? Die Straße rauscht aber wie der Tag. Die Aktivität der letzten Tage scheint mir aber gutzutun, gerade nur alleine zu Hause sitzen, echt nicht ratsam. Frische Blumen gekauft, mein Luxus, Schnittblumen braucht man eigentlich wirklich nicht. So viel Depression gerade um mich herum und jetzt ist auch noch der Sommer ausgefallen. Überall verrückte Leute, kein Tag wo ich keinen durchgeknallten Menschen sehe, meistens mehrere und sollte ich zu Hause bleiben, gibt es da immer noch die Nachbarsfamilie und dann im Zweifelsfall auch mich selber. Ich muss mein Leben ändern, wenn ich es noch länger behalten möchte, aber ich kriege es gerade nicht hin, ich müsste abnehmen, ich müsste aufhören zu rauchen, mir einen Sport suchen, aber gerade kriege ich nur das hin, was wirklich für den aktuellen Tag notwendig ist. Also werde ich wegen Corona und nicht durch Corona sterben? Auch ohne Corona wären diese Herausforderungen schwierig. Na immerhin mein Covid-Arm ist wieder in Ordnung, die schmerzhafte Rötung nach der Impfung ist verschwunden, ich hoffe das bringt jetzt auch irgendwas, einen nicht zugelassenen Impfstoff in den Venen zu haben finde ich immer noch gruselig. Das Bein tut wieder weh, die Zehen sind wieder teilweise taub, danke Neuroleptika-Erhöhung, danke Muskelkrämpfe, danke Stress. Erzähle es der Tapete, sagte meine Mutter immer, wenn sie nicht zuhören wollte, ich erzähle es dann mal dem Blog oder den Bergen, hier in Berlin eher Müllberge:

Liebe Mama,

Guten Morgen Mama, ich bin auf dem Weg zu dir ans Meer. Dein Geburtstag gestern war ganz gut für mich, eine circa 1,40 m große Asiatin hat mich durchgeknetet. Ich vermute ich war ganz schön viel Mensch für sie, aber sie hat sich nichts anmerken lassen. Auf dem Heimweg dann ein Thai-Gericht, weil ich nicht kochen wollte. Endlich die Böden gewischt und abgewaschen auch. Der Mann kam dann vorbei und wir redeten viel. Deutschland hat er sich wohl anders vorgestellt, dabei sind wir schon in Berlin und nicht in Bayern. Das mit dem Zug heute wird aufregend für ihn, weil er Bahnfahren liebt, für mich, weil es ein Stück Lebensreise ist. Du hast gut gewählt mit der Insel als letzten Ort, aber es ist zu weit für mich, besonders während der Pandemie. Juanita ist auch noch da, sie ist ein lieber Vogel, auch wenn du sie mir Jahrzehnte zu spät geschenkt hast. Den Vater hast du dieses Jahr schon gesehen? Auch seine Neue? Ja es ist genau die Frau, die du als deine Nachfolgerin vermutet hast, dass Telefon stand nicht mehr still nach deinem Tod, sie bedrängte ihn sie zu Daten. Aber das wusstest du ja schon alles und bist denke ich froh, dass er nicht allein ist, denn ich kann das nicht leisten. Auch ich bin nicht allein, mein Verhältnis zum Vater ist enger geworden und auch zu den Onkeln habe ich hier und da Kontakt, nur Oma fällt aus, denn sie wollte unbedingt die Bernsteinkette haben, Oma Marthas Kette, die ich ihr auf gar keinen Fall geben sollte, damit sie sie nicht wieder außerhalb der Familie verschenkt. Sie hat ja schon Oma Marthas Ehering, obwohl sie den eigentlich mir schenken wollte. Mein Blutdruck ist mit den Pillen sehr niedrig, ich mache nicht den gleichen Fehler wie du und nehme die Tabletten nicht, es reicht, dass ich ein Schlaganfallrisiko wie Oma habe und noch runter geworden bin als du zu deinen schlimmsten Zeiten. Jetzt nur noch Salat mit Hühnchen essen wie du damals wird aber nicht meine Lösung sein, ich muss einen anderen Weg finden. Das Meer wartet, ich wusste, nicht dass du das Meer so liebst wie ich. Dass du mir die Idee mit der Seebestattung geklaut hast, war schlau eingefädelt, so muss ich jetzt am Meer auch immer an dich denken. Eigentlich war das anders geplant, ich wollte vor dir weg sein, aber nun schwimmst du mit den Delphinen. Kann es sein, dass du die letzten Jahre mehr wie ich geworden bist? Die letzten Jahre hatten wir plötzlich Gemeinsamkeiten, mehr als die gemeinsame Vergangenheit. Es wird Zeit, dass ich vorbeikomme, um loszulassen, meinen Frieden finde, ein Leben für mich und nicht für dich führe. Mein Mann wird mich begleiten, irgendwer muss meine Hand halten und mich umarmen, damit ich nicht vergesse, dass ich hier nicht allein bin. Es gibt Menschen die wollen, dass ich lebe, die mich brauchen und vielleicht sogar schätzen. Gestern an der Frankfurter Allee spielten Straßenmusiker dieses Lied, das Lied zu dem Opa Milan beerdigt wurde, es passt auch heute: Zeit auf Wiedersehen zu sagen:

Und noch ein Lied, dass du mir schenktest, viel zu früh zu meinem achten Geburtstag, ich war damals irritiert, aber heute weiß ich es als deine Worte zu schätzen:

Ich komme! Der Zug fährt bald los und ich bleibe stark, so stark wie du mich gemacht hast, entgegen aller Vorhersagen der dummen Leute, die uns kein Leben gönnten.

In Liebe

Nadine

Geputzt, wählen und mein Scherbenhaufen

Guten Morgen, schon besser, gestern der Tag ging fast als ok durch. Habe sogar geputzt, nicht alles aber einiges. Essen beim Inder bestellt, ich liebe Pakora. Früh, viel zu früh wach, aber ich lege mich nachher einfach wieder hin. Der Kaffee schmeckt und ich muss immer noch an damals denken, was da alles passiert ist und warum. Der Mann hat neue Jobangebote, aber keine der Stellen ist perfekt, es gilt sich jetzt was aus mehreren Jobs zu basteln. Verdauung wie es scheint für den Moment ok, gestern normal gegessen und heute bisher kein Durchfall. Vergessen die Vögel abzudecken, deswegen vielleicht auch wach, denn sobald ich die Augen aufschlug, schrie mein Terrorvogel los. Die Sonnenblumen sind immer noch ansehnlich, aber bis zu ihrem Geburtstag werden sie sicher nicht halten. Gestern noch von einem Wahlhelfer der Linken belästigt worden, ich soll eine Frau mit rot gefärbten Haaren wählen. Ehrlich gesagt, weiß ich dieses Jahr überhaupt nicht, was ich wählen soll, es ist nur klar, dass es weder AfD noch CDU werden. Termine nächste Woche neu organisiert, der Psychiater hat Vorrang, aber ich sollte bis dahin genau wissen, was ich ihm erzähle und was ich will. Nein ich bin keine Auserwählte, nein ich habe auch keine besonderen Talente, aber es wurde ein Spiel mit mir gespielt, zu meiner angeblichen Besserung oder vielleicht auch nur, um mich elegant ohne Wettbewerbsgefahr loszuwerden. Hätten sie mich doch damals einfach nur gekündigt, mein Leben wäre ein anderes. Ich hoffe, ich darf jetzt den Rest meines Lebens ohne solche Spinner verbringen. Heute zum Supermarkt um die Ecke, mal sehen, was es ab 16 Uhr günstiger gibt, bestellen macht derzeit keinen Sinn, weil ich zu wenig koche für einen Großeinkauf, gestern einiges aus dem Gemüsefach wegwerfen müssen. Werde aber am Sonntag für den Vater kochen, das macht tendenziell auch am meisten Spaß, denn der Vater isst was auf dem Tisch steht, ohne große Diskussionen. Die Krankenkasse hat geschrieben, teilt mit, dass sie keine Termine zu Psychotherapeuten vermitteln können und schickt eine Liste, die ich abtelefonieren kann. Schönen Dank auch! Die Sonne geht gerade auf und es ist still. Leben, keine Ahnung warum es Leute gibt, die meinten sich in mein Leben einmischen zu müssen, es ist meins, meins allein, im Guten wie im Schlechten. Mal sehen, was ich nächste Woche für die Arbeitsstelle machen kann, ich habe über Lösungen nachgedacht und hoffe, es klappt etwas davon. Ich bin nicht die Frau, die bei misslichen Lagen einfach davon rennt, besonders nicht, wenn ich etwas liebe. Es ist vorbei, vorbei und ich stehe auf einen Scherbenhaufen namens Leben, aber es ist meins, vergesse das nicht…

Ins Wunderland und zurück

Guten Morgen, reichlich geschlafen, war auch nötig, denn gestern war ich definitiv mit einem Fuß im Wunderland. Aber das Wunderland ist auch so verführerisch, zumindest die Eingangshalle. Die Eingangshalle bei mir hat solchen Botschaften wie: Wir lieben dich, du bist besonders, du bist einzigartig, du hast wichtige Talente, du bist die Auserwählte, wofür auch immer. Aber so schön das ist, ich kenne das schon und so habe ich gestern den Vater und einen Freund um einen Realitätsabgleich gebeten, das zusammen mit dem Schlaf hat mich jetzt erstmal zurück auf die Erde geholt. Das war alles zu viel in letzter Zeit, die Arbeit mit Menschen in extremen Notlagen, die seit Monaten anhaltenden Probleme im Team, die Schlafstörungen, der austickende Nachbar, die Ängste um meine Gesundheit und Lebenszeit und jetzt final der Ärztemarathon diese Woche mit noch mehr Ängsten und schlaflosen Nächten. Vielleicht auch zu viel allein gewesen die letzten Wochen, ich habe zwar wie eine Weltmeisterin telefoniert und gechattet, aber das scheint nicht ausgereicht zu haben. Ab jetzt wird wieder richtig geschlafen, ab jetzt keinen Ärztemarathon mehr und ab jetzt mehr raus und Menschen in echt treffen. Heute geht es zum Vater, ich denke das wird mir guttun und morgen finde ich noch einen Grund das Haus zu verlassen. Gestern dann als ich das mit dem Wunderland merkte gar nichts mehr gemacht im Haushalt, sondern versucht meinen Verstand zu retten und später dann einen Döner bestellt. Blutdruck und Herzpuls unten, auch vor den Pillen. Kaffee schmeckt und mit dem Fakt leben nicht auserwählt zu sein. Ich bin nur Nadine, die Überlebende in Berlin, die gern ein anderes Leben haben würde. Das Leben gerade ist aber auch scheiße, Corona, Homeoffice, Isolation, Gewichtszunahme, Natur dreht durch, Konto leer, Ehe klappt so nicht und die total Verrückten finden immer mich und ich sage zu selten Nein. Dazu noch die Trauer um die Mutter, die in den letzten Wochen immer stärker wurde, da sagt sogar meine Leid erprobte Seele: Es reicht mir! Dieses Mal weiß ich aber, dass diese freundliche Eingangshalle ins Wunderland nur der Anfang ist in ein Horrorland. Also schnell raus da, so schön es Anfangs scheinen mag. Ich muss mit den Fakten leben, die mein Leben ausmachen und nein dieses Mal hilft der Spruch: „Es gibt andere denen es schlechter geht!“ leider nicht. Ich glaube die meisten Leute in Deutschland wollen mein Leben, meine Geschichte nicht haben. Ich auch nicht, aber es ist nun mal meins. Draußen ist es ruhig, die Nachbarn sind trotz Vorwarnung ruhig, nur mein Vogel meint, man müsse den neuen Tag anschreien. Sonnenblumen stehen im Wohnzimmer, die Lieblingsblumen meiner Mutter, der Himmel grüßt grau und Corona ist leider immer noch nicht vorbei. Wir werden den Herbst wieder im Lockdown sitzen, mit oder ohne Impfung. Aufhören an das Gespräch mit dem Herrn X zu denken, der hatte entweder Einblick in meine Therapieakte 2005 oder ich stand damals schon zu sehr unter Stress, um irgendeine richtige Erinnerung zu haben. Damals hatte ich schon jahrelang ohne Pause gearbeitet, damals hatte ich Machtkämpfe geführt, kaum geschlafen und begegnete ihm nach 5 Energiedrinks, damit ich nicht aus den Latschen kippe. Ich sollte das alles vergessen, alles löschen in meinem Hirn, wie gern würde ich dazu die „Men in Black“ treffen, die diese Teile meiner Erinnerung einfach auslöschen. Zurück in mein Leben, es gibt nur dieses eine, ich kann es nehmen oder es lassen, es gibt keine andere Option. Es kommt kein Lottogewinn, es passiert kein Wunder. Es ist, was es ist.

Emma, Eintopf, Stimmen und überleben

Guten Morgen, ich bin besorgt. Ja gestern wurde meine Fröhlichkeit leider stark gedämpft, denn Emma, die Therapiehündin der Kollegin, hat einen Tumor. Oft habe ich mit Emma gekuschelt und gesehen wie sie die Kollegin emotional aufbaute und manchmal auch mich. Sie sollten jetzt in der Klinik sein, ich hoffe die magischen Worte: „Koste es was es wolle“ bringen noch was, falls nicht, wäre es eine Katastrophe. Ich weiß nicht was mit der Kollegin passiert, wenn Emma stirbt, sie ist glaube ich ihre wichtigste Bezugsperson. Ich habe Hilfe angeboten, aber bisher hat die Kollegin sich nicht erneut gemeldet, ich denke ich höre heute erneut von ihr. Die Sonne scheint, ich habe genug geschlafen und es erscheint ansonsten ein schöner Tag, ich muss all das Erlebte bei den Ärzten noch sacken lassen und gelobe Besserung. Gestern frisch gekocht, meinen Eintopf mit breiten grünen Bohnen, Kartoffeln, Hackfleisch und Tomate. War lecker und ist, denke ich auch gesund. Ich muss mein Leben ändern, für mein Leben, aufhören zu rauchen, Gewicht verlieren, sonst werde ich das Rentenalter auch nicht erreichen. Die guten Befunde gestern waren ein Zeichen von „Noch ist es nicht zu spät“ und sind damit meine Chance noch was zu ändern. Meine Hausärztin war sehr erstaunt über meiner Werte, trotzdem Gewicht. Meine Gedanken zum Abend kreisen jetzt weniger um Herrn X und aktuell mehr, um meine Erinnerung an den Fieberwahn (Nahtod?) mit 11 oder 12. Damals hatte ich angefangen mich mit nicht sichtbar anwesenden Leuten zu unterhalten. Das hatte damals aber geholfen, die Stimmen, die ich damals hörte, waren fürsorglich und wollten, dass ich überlebe. Der Vater meinte dazu, dass er mir das auch glaubt, und das es normal sei, dass wenn man tagelang allein im Fieberwahn liegt, sich mit nicht anwesenden Leuten zu unterhalten. Also damals doch keine Schizophrenie? Ich weiß es nicht, aber ich habe überlebt. Heute keine Pläne, eigentlich wollte ich den Tag verschlafen und vielleicht zum Supermarkt gehen, mich erholen, alles sacken lassen und Pläne schmieden, uneigentlich warte ich jetzt auf Neuigkeiten von Emma. Der Blutdruck und Herzschlag ist normal, mein Magen macht gerade auch keine Probleme, die Vögel sind mit ihrem Gepiepse zurückhaltend. Leben eine einmalige Chance, ein Song meiner Mutter dazu, sie hatte auch gute Seiten, sie hat mich zur Kämpferin gemacht…

Glücklich und erleichtert

Ich bin so glücklich und erleichtert! Tränen rollen über mein Gesicht, die Ängste und der Leidensdruck deswegen waren doch viel größer als ich dachte. Ich bin so erleichtert, mein Blut sagt ich bin gesund, obwohl ich Neuroleptika nehme, obwohl ich dick bin und Raucherin. Kein Diabetes, kein Cholesterin, keine Schilddrüsenprobleme und auch kein Eisenmangel! Wie kann man lachen und weinen gleichzeitig, ich kann es gerade. Dem Mann und Vater gleich Bescheid gesagt und ab jetzt wird hier nicht mehr gefressen und wenn dann Obst oder Salat. Mein Körper ist bereit zu leben und ich kann es noch gar nicht fassen…..I should be so lucky!

Angst, Ärzte, sterben und lieber allein

Guten Morgen, keine so tolle Nacht, aber solange wieder hingelegt bis fast 8 Stunden voll waren. Heute Arzttermin Nummer zwei die Woche, nachdem ich gestern meine Ärztin zu einer Blutuntersuchung bringen konnte, wird heute mein Herz untersucht und ein Langzeit EKG gemacht. Ich habe Angst, aber das ändert gar nichts, außer vielleicht die Werte. Nichts machen und einfach sterben ist auch keine Lösung, dann bin ich halt mal teuer für die Krankenkasse. Meine Mutter meinte immer, wir brauchen nicht zum Arzt. Im Nachhinein denke ich, weil sie neben der Arbeit keine Zeit dafür hatte? Ich erinnere mich wie ich als Kind mit Masern fast an Fieber gestorben bin, weil meine Mutter mich tagelang im Bett liegen ließ und nicht zum Arzt mit mir ist, bis das Fieber dauerhaft bei 42 Grad war. Der Arzt hat dann ziemlich geschimpft und sprach von Lebensgefahr. Vielleicht der Grund warum ich mich heute genauso dämlich verhalte und die Arbeit wichtiger finde als die Arztbesuche. Aber nicht diese Woche, diese Woche habe ich mich krankschreiben lassen, um zu allen Ärzten zu rennen. Ein Blutbild wurde, glaube ich noch nie bei mir gemacht und mein Herz auch noch nie untersucht. Der Herzarzt war ziemlich überrascht als ich das mitteilte, aber es gibt keine Pflicht zum Arzt zu rennen. Immerhin kein Durchfall heute, das ist doch mal was und esse ich eine warme Mahlzeit während des Tages, gibt es auch keine Bauchkrämpfe. Dieses morgens minimal Frühstücken und dann erst abends wieder essen, findet mein Bauch gerade nicht lustig. Die Vögel stressen gewaltig, vielleicht weil die Sonne endlich mal wieder scheint. Der Kaffee schmeckt und ich versuche ruhig zu bleiben, wenn ich krank bin, dann bin ich halt krank, wenn ich sterben muss, dann muss ich halt sterben. Mein ganzes Leben lang wollte ich immer wieder sterben, diese Welt erschien mir zu oft nicht lebenswert. Früher wollte ich durch einen vermeidlichen Tod meine Mutter bestrafen, habe es aber dann doch nie gemacht und heute ist sie tot und ich denke, sie ruft nach mir. Es gibt aber auch Menschen auf Erden, die nach mir rufen, die mich noch brauchen, also ab zu den Ärzten und hoffentlich weitergelebt. Die Frauen in meiner Familie sind eigentlich alle sehr alt geworden, außer meine Mutter. Der genetische Vater scheint auch noch zu leben, bisher keine Post vom Anwalt bekommen. Hier allein zu sein, ist immer noch seltsam, einerseits herrlich, dann auch wieder gruselig. 18 Jahre musste ich warten, bis ich endlich allein leben durfte, ohne Fremdbestimmung, ohne ständig umgesetzt zu werden und auf die Launen der Erwachsenen ständig Rücksicht zu nehmen. Vielleicht der Grund warum ich auch heute noch lieber allein lebe. Ich will keine Gefangene sein, von niemanden. Auf in den Tag, genug therapeutisch geschrieben heute und den passenden Song zum Leben und sterben: