Schmerzen, Glaube und kein Recht auf Party

Ein Gruß aus der Nacht, geht mir gerade nicht so blendend. Mit Schmerzen verschwitzt in der Nacht erwacht. Gestern nicht viel, weil Schmerzen beim Sitzen, also viel telefoniert im Liegen. Kochbox erhalten und Müll weggebracht, sonst nicht viel. Höre Nachbarn im Bad, früh wach, genau wie ich. Tee statt Kaffee gerade, Kaffee und Zigaretten zum Morgen findet dann mein Magen und Blutdruck nicht so witzig. Ich scheine zu alt zu werden für ein Nuttenfrühstück. Warte auf Geld, das gerade nicht kommt, vielleicht doch mal nachhaken, die Leistung ist schon monatelang erbracht. Es ist so, als würde ich gerade aus einer jahrelangen Gefühlslethargie erwachen, doch die Gefühle, die gerade auf mich warten, sind Schmerzen. Diese Schmerzen müssen schon länger da sein, ich habe sie nur bisher irgendwie ignorieren können. Jetzt bin ich wach und die körperlichen Schmerzen sind noch schlimmer als die Erkenntnis zum Alter. Weiter Ibuprofen nehmen, davon hält mein Magen aber nichts.

Neuer Arbeitsvertrag ist da, wer hätte gedacht, dass ich nochmal Geld verdienen würde nach 2013? Eigentlich keiner außer mir. Aber gut, meiner Mutter hat damals auch niemand geglaubt, dass sie die alleinerziehende Kellnerin mit Hauptschulabschluss irgendwann studieren würde. Den Dickkopf habe ich wohl von ihr geerbt. Sie hat ihr Diplom gemacht, ich habe nach der Psychiatrie wieder einen Job von dem ich und die letzten Jahre auch mein Mann leben konnten. Unsere Wegwerfgesellschaft ist da manchmal etwas vorschnell beim Entsorgen von Zukunftsplänen. Doch für meine Mutter und mich galt immer: Keiner glaubt an dich, dann jetzt erst recht! Die Straße rauscht, aber noch sind auch Vögel zu hören, aber die Autos werden immer lauter und die Vögel leiser. Zukunft, Zukunft, erstmal mit der Gegenwart klarkommen. Aktuell gefällt mir das Jammern über den Lockdown nicht so, da rühmen sich Leute zwei Jahre (allein) zu Hause gewesen zu sein und welche seelische Belastung das war. Entschuldige, ich war so viele Jahre mehr allein, heule ich so rum? Was sind schon zwei Jahre im Vergleich zur Lebenszeit? Es gibt so viel schlimmere Dinge, als zu Hause zu bleiben.

Mein Mitleid hält sich also in Grenzen, weil irgendwer zwei Jahre keine Party machen konnte. Ich finde, das ist Jammern auf sehr hohen Niveau, aber wahrscheinlich wissen sie es nicht besser. Ausnahme sind dabei nur für mich Kranke und Kinder, die hatten/haben wirklich eine schlechte Zeit. Aber alle anderen? Es gibt kein Anrecht auf Party! Manchmal wünschte ich mir, dass Vergangenheit/Geschichte für folgende Generationen fühlbar ist, vielleicht wären sie dann dankbar über den friedlichen Wohlstand, indem sie leben. Egal, ich kann es nicht ändern, sollen sie jammern, ich schließe mich nicht an und kann es nur bedingt nachvollziehen. Hauptsache kritisieren, aber keinen bessern Plan haben:

Wohnung, spazieren, allein und zu viel Corona

Guten Morgen, zu wenig geschlafen, aber soweit ok. Gestern war ok, obwohl es fing nicht so erfreulich an, weil eine Nachbarin des Vaters wieder spontan „Leute“ für eine Wohnungsbesichtigung organisiert hatte. Wie aufdringlich und übergriffig kann man sein, immer wieder Leute anzuschleppen, die die Wohnung mieten sollen und das am liebsten unter dem Selbstkostenpreis? Dazu dann den selten gewordenen Tochter-Vater-Sonntag zu nutzen noch geschmackloser. Ich war dann nicht so freundlich und habe mich rausgehalten aus der Besichtigung. Ich denke aber das wird eh nichts, denn die Wohnung ist zwar groß, aber für eine Familie schlecht geschnitten. Danach dann Frühstück und später in den Wald, der Wald gehört wieder uns, keine Massen an Corona-Spaziergängern oder Partyvolk, dafür aber sehr viel rutschiger Matsch. Heute Kosmetik für mich und leider keine Massage, die wurde abgesagt. Wieder versucht den Stiefvater eins zu kontaktieren, wieder ohne Antwort.

Gegessen Reste, keine Lust zu kochen. Es ist noch dunkel und die Straße rauscht. Nach dem Spaziergang gestern noch geschlafen, telefoniert und einen Film geschaut. Das mit dem Schlaf ist gerade seltsam, aber ich versuche weiterhin innerhalb von 24 Stunden auf 7 Stunden und mehr Schlaf zu kommen. Vom Mann gerade sehr enttäuscht, da kommt gar nichts mehr von ihm, er sagt wegen der Last der Arbeit, ich erinnere mich, dass es das auch schon früher gab, ich scheine nicht seine Priorität zu sein. Also warum sollte ich ihn zu meiner Priorität machen? Um Zeit und Aufmerksamkeit betteln, nein das mache ich nicht mehr, das habe ich jahrzehntelang erfolglos bei meiner Mutter gemacht. Dann halt nicht, aber traurig finde ich es schon. Vielleicht ein bisschen viel Corona für eine so junge Beziehung? Vielleicht ist die Antwort auf dieses Verhalten auch einfach: „Er steht nicht so sehr auf dich!“.

Wie auch immer, ich bin in Veränderung und dabei doch relativ allein, er kriegt einfach gar nichts mit, zum Glück habe ich noch Freunde und Familie. Aber Corona haben wir immer noch, schwieriger da zueinander zu finden. Der Kaffee schmeckt, die Kippe leider auch, aber ich habe Verdauungsprobleme und da hilft und Kaffee und Kippe meistens. Immer noch keine Ahnung wer ich bin, ich fühlte mich mein ganzes Leben immer so alt, aktuell fühle ich mich viel jünger als ich bin, also innerlich, der Körper erinnert mich schon an das richtige Alter. Weitermachen, ohne Umarmung, im Winter, in Berlin, komme darüber hinweg, hier wird nicht geheult und gebettelt und Sam und Dave gespielt:

Alpträume, Pizza, Datenschutz und die Exklusion des Lockdowns

Guten Morgen, ganz schlechte Nacht, Albträume, erst brannte ich, dann sollte ich vergewaltigt werden. Ich konnte nicht schreien und erwachte wie ich leise die Worte Hilfe rief. Vielleicht hätte ich mir mein Schläfchen gestern Nachmittag sparen sollen. Aber ich war erschöpft nach der Arbeit und so ein Schläfchen schafft Abstand zur Arbeit, danach beginnt immer ein neuer Zeitabschnitt. Die Pizza mit dem Vater war gut, ich habe mal was anderes ausprobiert, mit Schmand als Belag und darauf Lauch, Tomaten und Lachs. War lecker. Gespräche mit dem Vater auch ganz gut, der Hund kratzte erst, aber legte sich dann doch schlafen. Es ist noch dunkel und ich hatte jetzt keine 5 Stunden durchgehenden Schlaf, sehr belastend, aber nach dem Traum, bin ich lieber wach. Eigentlich wollte ich den Mann heute treffen, aber gerade denke ich, ich werde sehr müde sein nach der Arbeit. Gesellschaft werde ich schon brauchen, aber vielleicht nicht bis spät durch die Gegend fahren. Aktuell ist es bereits ab 16 Uhr dunkel in der Stadt, da kommt einem alles danach spät vor.

Der Vater hat Musik mitgebracht und Kochrezepte, dabei koche ich in letzter Zeit kaum noch für ihn, auch nicht für den Mann, eigentlich nur noch mit Kochboxen für mich. Weihnachtsgeschenke für den Bruder bestellt und kurz mit ihm gesprochen, seine Halbschwester hat Corona. Sie ist aber jung und gesund, ich denke/hoffe das wird kein Drama. Habe mir gestern ein digitales Impfzertifikat besorgt, jetzt darf ich auch ins Schwimmbad? Leider traue ich dem Datenschutz bei solch sensiblen Daten auf dem Smartphone nicht, kann ich nicht begründen, ist so ein Bauchgefühl. Die Stadt schläft noch, obwohl ich höre Autos, es gibt also auch welche die schon oder noch wach sind. Die Fenster der Nachbarn sind aber alle dunkel und ich höre nichts im Haus. Rauche gerade viel zu viel, irgendwie muss ich mich von den Alpträumen distanzieren, auch wenn beide letztendlich gut ausgegangen bin, den Brand konnte ich löschen und vor der Vergewaltigung aufwachen.

Heute zwei Präsenzberatungen, Menschen in anderen Notlagen scheißen auf Corona Vorsicht, wenn das eigene Leben aus anderen Gründen gefährdet ist vielleicht auch verständlich. Aber wir beraten nach 2G+, keine totale Sicherheit, aber eine Risikoreduzierung, mein Test gestern war auf jeden Fall negativ. Ich kann kaum den Urlaub über Weihnachten abwarten, ich möchte gerade gar nichts mehr machen, ich will einfach meine Ruhe. Zu viele verlorene Seelen seit Corona, zu viele traurige Geschichten. Der Lockdown war Exklusion, nicht Inklusion. Wie kann eine Gesellschaft angeblich Rücksicht nehmen auf die Kranken und Alten und gleichzeitig genau die einfach mal vergessen und im Stich lassen? Tolle Hilfe, wenn die Gesunden im Homeoffice sitzen und die Kranken mit Unterstützungsbedarf, keine Hilfen und Unterstützung mehr bekommen. Das ist nicht sozial, das ist asozial. Von wegen jeder rettet seinen Arsch zuerst, vergessen wir die Kranken, die sterben eh. Mir sind in meiner Unterstützung dabei auch die Hände gebunden, was soll ich machen, wenn die Ämter nicht mehr erreichbar sind und/oder im Schneckentempo arbeiten und es immer extremer werdenden Personalmangel in der Betreuung gibt? Sieht so Rücksichtnahme aus? Die Kranken allein lassen, während man es sich selbst zu Hause gemütlich macht? Und das dann Rücksichtnahme nennen? Für mich ist das Heuchelei.

Viel zu früh, der Kaffee wird schon kalt, ich muss auch aufpassen, dass ich nicht die nächste Unterstützungsperson bin, die auch nicht mehr kann und dann auch nicht mehr arbeitet, weil letztendlich der eigene Arsch wichtiger ist. Genug gekotzt über die Gesellschaft für heute, immerhin die Traumbilder etwas abschütteln können, fürs Büro ist es noch zu früh, aber ins Bett möchte ich nach diesen Träumen auch nicht. Ich wünschte, ich könnte die Augen schließen, wie es gerade so viele tun, doch mein Leben erinnert eher an Clockwerk Orange, spielen wir die passende Musik dazu:

Finster, abgestürzt, Express-Beratungen, Kerzenschein und Weihnachten

Guten Morgen, endlich wieder mehr geschlafen, aber draußen ist es trotzdem finster. Gestern Nachmittag emotional völlig abgestürzt, ich vermute Hormone, gerade geht es aber wieder. Das Gesicht hat sich wieder beruhigt, die Kosmetikerin sprach bei dieser Behandlung von einem Trauma für die Haut. Also Trauma Leben mit Trauma verbessern/heilen? Interessante Herangehensweise, schlimmes mit schlimmeren verbessern? Bei der Gesichtshaut scheint das teilweise zu funktionieren, aber im Rest des Lebens? Gestern im Büro, der Tag der ungewöhnlich kurzen Beratungen, passiert mir sonst nie, dass die Leute nicht ihre volle Zeit nutzen. Aber passte, ich war eh nicht gut gelaunt und wenn die Leute nur wenige Fragen haben, auch gut. Leute die ihre Seele ausschütten, brauche ich gerade weniger, auch keine Katastrophengeschichten. Ich habe schon genug Drama und Katastrophe in meinem Leben. Heute wieder Büro mit netter Kollegin, immerhin, hier allein zu Hause sitzen, ist auf gar keinen Fall eine gute Idee. Mal schauen, ob ich heute nach der Arbeit noch einen Drogeriemarkt besuche, gerade bestellen ist so eine Sache, denn die Paketdienste sind wieder überlastet. Kein Fernsehen und keine Musik gestern, das ist mir gerade alles zu viel.

Gerade sitze ich abends bei Kerzenschein in der Stille und surfe im Internet, ist schon aufregend genug, laute Technomusik gibt es ja von den Nachbarn dazu. Dezember, Weihnachten kommt, Vorfreude sieht anders aus, nur feiern mit meinen Männern, mehr ist nicht geplant. Weihnachten war noch nie meins, da selten ein schönes Fest für mich. Weihnachten ist für mich eher wie ein Shrek Zitat: „Weihnachten ist nicht Weihnachten, wenn keiner heult.“ Immerhin geheult wurde die letzten Jahre nicht, aber spannend oder freudig ist auch was anderes. Heute einige Termine, mal sehen, ob das wieder so ein Express-Tag wie gestern wird. Dem Vater gestern abgesagt wegen der Pizza, er hat die Nachricht nur nicht bekommen und stand dann vor der Tür mit Adventskalendern für den Mann und mich. Sehr lieb, leider mag der Mann nur gar keine Schokolade, also habe ich jetzt zwei? Hier stehen noch ein Osterhase und ein Weihnachtsmann vom letzten Jahr für den Mann. So wie es scheint vorerst kein neuer Lockdown in Berlin, gut so, die Seelen gehen kaputt dabei, besonders die der Kinder, von den wirtschaftlichen Schäden mal abgesehen. Geld ist ersetzbar, aber eine neue Seele/Gesundheit kann man sich nicht kaufen.

Einsatzfahrzeuge fahren laut tönend an meinem Fenster vorbei und reizen den Vogel zum herumschreien, keine Ahnung warum er bei jeder Sirene mitschreien muss. Es ist so doppelt nervig. Draußen Krach, drinnen noch mehr Krach. Meine Musik höre ich immer noch nicht gern, zu viel Erinnerung an Zeiten, die keiner gehabt haben will. Ich höre dann besser Musik ohne Texte, der besonders ruhigen Art:

Lockdown, Papakind, Büro, Reparaturen und Prinzen

Guten Morgen, ne das passt jetzt irgendwie nicht, Gruß aus der Nacht. Homeoffice gestern ok, ein Tag mit überwiegend netten Kunden. Die Furcht vor einem Lockdown, hat wieder Leute dazu gebracht, die Lieferfenster von Rewe für die nächsten zwei Wochen auszubuchen, dann gehe ich heute halt einkaufen, denn heute brauche ich den Pizzateig für die Pizza für den Vater. Viel an den ersten Stiefvater gedacht, bzw. an die Zeit mit ihm, wie und warum alles schiefgelaufen ist. Ich habe mir doch tatsächlich seine Telefonnummer besorgt, aber irgendwie traue ich mich noch nicht, so über 30 Jahre später. Finde es aber irgendwie seltsam, dass wir beruflich sehr ähnliche Dinge machen. Wenn es um schlechte Angewohnheiten und berufliche Ausrichtung geht, komme ich sehr nach meinen Stiefvätern, schon eine seltsame Sache, dass ich in diesen Punkten wohl Papakind bin. Obwohl auch nicht, Mutti machte beruflich, sehr lange nicht sehr interessante Sachen. Welches kleine Mädchen möchte schon Kellnerin oder Buchhalterin sein? Ich nicht. Da schienen mir Rechtswissenschaften, Informatik und Engagement im sozialen Bereich irgendwie interessanter. Das Wirtschaftsstudium, was ich wegen Mutti studiert hatte, war das langweiligste überhaupt. Schon seltsam, dass mir jetzt erst jetzt klar wird, dass ich keinen Vater hatte und gleichzeitig viele. Aber die wichtigsten waren wohl Stiefvater 1 und 2. Wobei Stiefvater 2 nach der Pleite mit Stiefvater 1 Jahrzehnte warten mussten, bis ich ihn Vater nannte. Genug zu Vätern, vielleicht waren sie auch so wichtig für mich, weil sie mich intellektuell gefördert haben, was Mutter nicht konnte.

Heute Büro und ich denke, das ist gut so, wieder zu lange allein gewesen über das Wochenende, da muss ich immer aufpassen, dass ich nicht wunderlich werde, aber damit bin ich nicht allein, schaut man sich die Statistiken zu seelischen Erkrankungen seit Corona an. So viele Seelen in Notlagen und ich musste durch Corona durch die harte Schule der radikalen Abgrenzung, um selber nicht unterzugehen. Ich kann nicht immer aufopfernd die Welt retten wollen, ich muss mich zuerst selber retten, dann kann ich auch anderen helfen. Gefreut, dass sich die aktuell entfernte beste Freundin gemeldet hat, bei ihr alles drunter und drüber, aber sie hat mich daran erinnert, dass ich schwimmen gehen wollte. Also jetzt tatsächlich hoch motiviert ein Ticket für Schwimmen, Freitag früh gebucht. Schwimmen ist glaube ich gerade der einzige Sport, denn ich mit meinen körperlichen Beschwerden machen kann. Mal sehen, wie es wird, ich liebe schwimmen eigentlich, aber werde mich sicher auch schämen.

Das Gesicht ist nach der Behandlung immer noch irritiert und gerötet, noch ein paar Tage, dann wird es erfahrungsgemäß besser. Zum Glück Weihnachtsgeld bekommen, das Konto ist etwas beruhigt, zu viel Geld ausgegeben, aber da ich keine Ausgaben für den Mann mehr habe und im Gegenteil Geld von ihm bekomme, sind Luxussachen wie Massage und Kosmetik halt drin. Brauche ich jetzt aber auch, nach dem ganzen Stress der letzten Jahre, die haben mich äußerlich und innerlich sehr altern lassen. Mutti tot, Vater depressiv, Ehemann angelacht und umsorgen müssen, Corona in einem sozialen Job und dann noch die Medikamentenumstellung und Reduktion, alles etwas viel. Dass ich dabei erst Panik- und Angstattacken bekam, dann Bluthochdruck, Herzrasen, starke Gewichtszunahme und dann irgendwie auch Burnout und Depression, nicht so überraschend. Jetzt gilt es zu reparieren, was zu reparieren ist. Jetzt bin ich mal meine Nummer 1, wer mich davon abhält, kann gleich aus meinem Leben verschwinden. Der Kaffee schmeckt, vergessen wir das Warten auf irgendwen der mich zur Nummer 1 macht, ich bin zu alt, um auf einen Prinzen zu warten, ich bin dann mal selber meine Nummer 1:

Küche, Auswirkungen des Lockdowns, Lebenshaltungskosten und privilegiert

Guten Morgen, zu früh wach, dabei habe ich doch heute frei?! Vielleicht später wieder hinlegen. Wollte den Vater gestern absagen, aber er wollte das nicht und so bin ich doch zu ihm und wir haben gefrühstückt, die Küche ausgeräumt und abgebaut und sind später noch mit dem Hund in den Wald. Der zeitweilige Mieter der Wohnung gefällt mir nicht, aber ich glaube gerade gefällt mir gar kein Mieter. Mieter heißen nur, dass sich alles verändert, dass Erinnerungen verschwinden. Ich denke auch die Küche wird so wie sie war, nie wieder aufgebaut, aber was soll es, meine Mutter mochte diese Küche eh nie? Immerhin dann früher nach Hause und nicht mehr für den Vater gekocht, ich war so müde. Für mich gab es dann noch Maultaschen in einer Gemüsesuppe. Mal ein Gericht, dass keiner der Männer mag. Heute online ein bisschen Politik per Videokonferenz, sonst aber keine Termine. Es scheint so als wollten oder könnten sie keine andere Quotenbehinderte finden, aber ich lasse mich gerne mit dem Gegenteil überraschen. Von der Rentenversicherung nichts gehört, ich vermute nächstes Jahr?

Gestern mit dem Vater über die Corona-Maßnahmen diskutiert, aus meiner Sicht wurden zwar Leben gerettet, aber gleichzeitig auch sehr viele Leben zerstört und ich meine jetzt nicht die überarbeiteten, immer noch zu schlecht bezahlten Pfleger, sondern die ganzen Menschen die durch den Lockdown erkrankt oder sogar gestorben sind. Offiziell gibt es dazu keine Statistik, die das mal vergleicht, aber es gab genügend Berichte über den rapiden Anstieg psychischer Krankheiten bei Erwachsenen und besonders bei den Kindern und Jugendlichen. Aus meinem Beruf weiß ich, dass auch viele Pflegebedürftige, egal ob wegen Alter oder Krankheit keine oder keine ausreichende Pflege mehr erhalten haben wegen dem Lockdown und den damit verschärften Personalmangel. Da saßen aus meiner Sicht gefühlt tausende Menschen mit Unterstützungsbedarf allein und isoliert zu Hause in Berlin und wurden schlichtweg vergessen. Das ist ein Zustand, der immer noch anhält und der einzige Ausweg scheint derzeit zu sein, diesen Leuten Geld zu geben, damit sie sich selbst jemanden zur Unterstützung suchen. Das kann nur nicht jeder, sich selbst Hilfe organisieren und eigentlich ist das auch nur bedingt meine Aufgabe. Ich wäre ja sehr an einer Statistik interessiert, wie viele Leute während des Lockdowns schwer erkrankt sind oder sogar gestorben, nicht an Corona, sondern im weitesten Sinne an Einsamkeit.

Anderes Thema, ich habe eine schöne neue graue Decke, keinen Bock mehr mit dem Mann auf dem Sofa um die Decke zu kämpfen, ich denke, es wird ein kalter Winter und heizen ist nun mal schweineteuer. Die Kosten für alles sind gestiegen: Essen, Strom, Gas, Benzin und Miete. Wobei ich wenigstens kein Benzin brauche, eine sichere Miete habe und durch Stromanbieterwechsel eine Prämie bekam und damit die monatlichen Kosten drücken kann. Nur an den Essenskosten und Heizkosten komme ich nicht vorbei. Aber gut, ich wurde während Corona so fett, da habe ich wärmende Reserven auf den Hüften? Ich ahnte irgendwie, dass es bald kein gutes Essen für traditionell kleines Geld in Deutschland mehr geben wird. Es bleibt nur die Rückbesinnung auf bezahlbar regionale Produkte, aber zum Glück bin ich alt genug, um deutsche Hausmannskost noch zu kennen und zu mögen. Ich komme schon mit Kartoffeln, Möhren und Kohl irgendwie über die Runden. Ob die jüngere Generation das kann, daran habe ich Zweifel. Aber gut, dann müssen sie es lernen.

Wow, das ist jetzt ein langer Text geworden, war nicht geplant, aber irgendwo muss man sich mal auskotzen über die Politik und die Entwicklungen in der Gesellschaft. Mir geht es so weit ganz ok, mein Bein macht wieder Probleme, aber es geht noch, meine Verdauung spielt verrückt und ich schlafe zu wenig. Schöne neue Welt, in der ich immer noch privilegiert bin, dabei geht es mir alles andere als prima. Versuchen wir es mit Musik, etwas, was dank Internet für jeden da ist, vorausgesetzt es gibt eine bezahlte Stromrechnung und einen Internetzugang:

Kaffee, Excel, Produktivität und Melanie

Guten Morgen, viel zu früh wach, es scheint als wäre es noch Nacht. Immerhin sechs Stunden am Stück geschlafen. Kaffee gekocht und beschlossen früher ins Büro zu fahren. Irgendwie sehr anstrengend wieder jeden Tag im Büro zu sein, bin ich nicht mehr gewöhnt. Gestern war ganz gut, Supervision, Kollege anlernen, Beratung, Massage und Vater dann abgesagt, weil nach der Massage sehr schwindelig und müde gefühlt. Noch mehr Anfragen zu der restlichen Kleidung aus dem Laden meiner Mutter, aber ich brauche genaue Stückzahlen und gebe zu, ich hab keine Lust auf die Exceltabelle. Es ist noch dunkel und ich vermute, der Mann hat jetzt Feierabend. Der Rücken tut mir weh von der Massage, scheine aktuell sehr verspannt zu sein. Immerhin nicht mehr so aggressiv, voller Liebe bin ich zwar auch nicht, aber irgendwas in der Mitte. Diese Woche die letzte 4-Tage-Woche, ab nächste Woche geht es dann wieder richtig rund. Interessanterweise aber in der 4-Tage-Woche nicht weniger produktiv gewesen als in der 5-Tage-Woche. Kann man mit dem Arbeitgeber aber nicht machen, sagen: „Ich komme dann bei gleichem Ergebnis nur 4 Tage, aber bitte bezahlen Sie mich weiterhin 5 Tage die Woche.“ Dabei gibt es sogar Studien dazu, dass in weniger Arbeitszeit die Produktivität steigt, also nicht nur bei mir. Eine weitere Erinnerung ist dazu gekommen, eine Erinnerung die ich in der Psychose auch schon hatte, die damals aber eskalierte. Es geht um die Geschichte von Melanie aus Lichtenrade, einer ehemaligen Klassenkameradin und Freundin von mir, aber diese Geschichte aus den 90ern erzähle ich ein andern Mal. Die Geschichte ist aber echt, denn Sandra und Melanie waren damals dabei, das war keine einsame Hirngeburt ohne Zeugen. Ich wollte Melanie damals retten und habe mich dabei selber in die Scheiße geritten? Egal, ich nehme diese Erinnerung wahr, aber steigere mich nicht wieder rein, wer auch immer damals was gesagt oder versprochen hat, es ist zu lange her. Neuroleptika weiter hoch gesetzt und meine linke Seite tut wieder weh, angeblich nicht möglich bei der geringen Dosis, ich spüre es aber. Heute letzter Arbeitstag die Woche und dann endlich frei und in ein langes Wochenende. Keine Termine gemacht, ist gerade alles genug und die Wohnung mit vielen Aufgaben wartet auch. Kommt ein neuer Lockdown? Ich vermute, nach den Wahlen könnte es wieder so weit sein. Oder wird es bald öffentliche Kennzeichnungen für geimpfte und ungeimpfte geben? Ich finde diese Spaltung in der Gesellschaft weiterhin gruselig. Versuchen wir es mit ruhigeren Klängen zum Tag, ein Song den ich damals noch über einen Walkman im Internat hörte:

Morgenruhe, verkaufen, Vögel, Erinnerung-Puzzle und September

Guten Morgen, ganz passable Nacht, nicht früh schlafen können, weil der Mann von der Spätschicht kam. Gestern geputzt und Wäsche gewaschen, sonst nicht viel. War aber schon viel genug, trotz langem Wochenende kein Ruhetag für mich. Der Mann ist bereits weg, sehr schön so habe ich meine Morgenruhe. Heute Büro mit dem/für den neuen Kollegen, aber noch habe ich Zeit für mich. Wieder versucht gewesen zu bestellen, es aber gelassen, Anbetracht dessen, dass in der Nähe der Arbeit ein Drogeriemarkt zu finden ist, wo ich alles, was ich brauche, deutlich günstiger kriege. Der Bruder ist auch traurig, dass die Elternwohnung aufgelöst wird, er hat da ja sogar jahrelang gelebt, ich in dieser Wohnung nie, war aber die letzten Jahre viel da. Mit diesem Beschluss des Vaters stehe ich jetzt auch unter Zugzwang das Lager meiner Mutter zu räumen, um Platz zu machen für ihre Möbel. Habe inseriert und hoffe es gibt einen oder mehrere Käufer, verschenken können wir im Notfall immer noch. Der Kaffee schmeckt und der Terrorvogel hatte gestern Freiflug, irgendwie müssen meine Ohren mit 13 anders gewesen sein, damals hat mich Nymphensittich Geschrei nicht so gestört. Gestern doch noch den Couscoussalat gemacht, ich würde mal sagen sehr gesund, aber nicht wirklich lecker, aber meine Verdauung dankt es mir. Wieder ein Gericht, das weder der Vater noch der Mann mag, der Vater mag keine Rote Beete mit Couscous und der Mann kein Couscous. Dem Vater von meinen ganzen Erinnerungen erzählt und wie sie plötzlich für mich Sinn ergeben, er meinte nur ich würde Erinnerungen neu zusammensetzten und das wäre eine gefährliche Sache. Warum gefährlich, wenn Puzzleteile plötzlich passen? Oder meint er die Gefahr einer erneuten Psychose? Bin mir manchmal selber nicht sicher, ob das gesund ist solche alten Erinnerungen nach Logik und Zusammenhang zu überdenken. Es sind aber keine Wahnvorstellungen, es sind echte Erinnerungsfetzen, mit echten Menschen aus meiner Vergangenheit, die plötzlich Sinn ergeben. Ich denke nicht wie damals, dass ich z.B. die Enkeltochter von Fidel Castro aus einem Genprogramm bin und die Welt retten muss, in meinen aktuellen Erinnerungen bin ich immer (nur) Nadine, die Gespräche mit alten Freunden, Kollegen und Bekannten hatte. Oder ist das bereits psychotisch? Sollte ich die Neuroleptika-Dosis weiter erhöhen, um mich nicht mehr zu erinnern? Um aufzuhören zu denken? Ich denke als Erstes sollte ich den Stress in meinem Leben reduzieren, mehr unter Menschen gehen und ausreichend schlafen, das ist gerade leider nur teilweise der Fall. Immerhin heute 7 Stunden geschlafen und keine Beratungstermine gemacht, sondern nur Pläne mit dem neuen Kollegen. Ich hoffe, das wird nett mit ihm.

Anderes Thema, morgen ist Hochzeitstag, ein Jahr haben wir geschafft, trotz Corona, viele Partnerschaften sind daran zerbrochen, besonders die, die zusammenleben, aber wir sind zwar jetzt räumlich getrennt, aber noch zusammen. Ich verspüre Hoffnung, dass jetzt alles wieder besser wird, mit der Arbeit, mit der Ehe, mit der Gesellschaft, ein Dauer-Lockdown zerstört das irgendwie alles. Zu viel Isolation macht egoistisch und krank. Auf in den Tag und passend zum 21. September, ein Song von Earth Wind and Fire:

Regen, Job, Unfall, Dissoziation und normal verrückt

Guten Morgen, immer noch Regen, herrlich. Gestern war ein Tag zum Vergessen. Alles schrecklich, der Morgen und erst Recht der Nachmittag. Auf Arbeit immer kämpfen, neben sehr vielen Beratungen ist einfach nicht witzig und bringt mich an den Rand. Keine Ahnung, ob es noch eine Lösung gibt, der Mann fragte gestern schon was die Jobsuche macht. Er merkt einfach wie sehr mir das alles an die Nieren geht. Was ich stattdessen machen soll weiß ich aber nicht, vielleicht auch einfach Pause. Ich könnte mir auch noch eine Ausbildung vorstellen und soweit ich weiß, ist das Arbeitsamt gerade großzügig mit der Finanzierung von Fortbildungen. Blutdruck und Herzschlag gestern viel zu hoch, heute früh zum Glück wieder niedrig, da nehme ich schon Blutdrucksenker, aber treffe ich auf die Kollegin, sitze ich hier trotzdem mit 150 Blutdruck und einen Herzschlag um fast 100. Dass die Chefs nicht sehen, dass die Dame nur Stress und Streit bringt, das geht nicht nur mir so. Die Straße ist laut und heute warten viele Termine auf mich und eine sehr nette Kollegin, ich hoffe das tut mir gut. Der Mann ist gestern durch den Regen während der Arbeit bis zur Unterhose nass geworden, er freut sich nicht so über den Regen. Der Kaffee schmeckt mit Bio-Milch und ich muss einen Regenschirm suchen, denn heute geht es ins Büro. Vor der Arbeit noch testen, aber ich vermute alles außer Corona bei mir. Immerhin fühle ich mich heute nicht so seltsam wie gestern, mir geht es alles andere als gut, aber meine Seele ist wieder stabiler. Gestern nach der Arbeit erstmal geschlafen und dann später nochmal, gegessen Königsberger Klopse mit Kartoffeln. Schlafen und Gespräche, sind die zwei Dinge die mich gerade aufrechterhalten. Der Vater hatte einen Unfall und trägt jetzt Augenklappe, er hat den Kampf gegen einen Sonnenschirm verloren. Aber alles heilbar wie er sagt. Ich hoffe, er kommt bald heil und ohne Delta zurück, er fehlt mir als Gesprächspartner, mit dem Mann in Englisch quatschen ist halt nicht das Gleiche. Irgendwie bricht für mich gerade das soziale Miteinander weg, meinen üblichen Gesprächspartnerinnen geht es durchweg schlecht und keine hat Lust vorhanden sich noch andere Sorgen anzuhören, ich auch nur noch bedingt. Damit bleiben wir aber allein mit unseren Sorgen, obwohl wir uns stützten könnten. Wenn beide Seiten aber unbedingt Entlastung suchen und beide sich kaum mehr was anhören können, dann ist das wohl das Spiel der Ertrinkenden, die sich an sich klammern, statt zu schwimmen und damit beide untergehen. Aber immerhin ist mir das bewusst, ich muss auch auf Arbeit aufpassen mich nicht zu sehr mit Ertrinkenden zu beschäftigen. Das ist hart, aber ein ertrinkender Rettungsschwimmer rettet halt auch keinen. Aktuell kommt mir die Realität manchmal unwirklich vor, es ist aber keine Dissoziation, es kommt nicht seltsames vor, aber ich habe einfach den Eindruck im falschen Film zu leben. Das mit Corona und dem Dauerlockdown kann doch gar nicht wahr sein. Wüsste ich es nicht genau, würde ich denken Deutschland hat eine kollektive Psychose und nur die Menschen, die bereits wegen einer Psychose in Behandlung sind, behalten einen klaren Kopf. Wer hätte mal gedacht, dass die Irren den Normalen erklären müssen wie man mit irren Zuständen und Isolation zurechtkommen kann? Immerhin heute Morgen Ruhe, Zeit und Friede für mich, die Dusche wartet und dann raus da in diese verrückte Welt in der ich mit meiner Andersartigkeit immer weniger auffalle.

Streit, Terror-Vogel, Insel und Rente

Guten Morgen, schon wieder eine zerhackte Nacht, aber ich fühle mich passabel. Etwas Sonne ist zu sehen und kein Laut zu hören. Gestern nirgendwo gewesen, keine Motivation und nur vor mich hin gearbeitet. Viel nachgedacht über den Streit auf Arbeit, eine Behauptung von vielen werde ich zurücknehmen, das Corona, die Arbeit und das Private einfach zu viel waren/sind, dafür kann die Kollegin nur bedingt was. Klar durch sie wurde die Arbeit noch anstrengender, aber dass es vorher schon zu viel war, dafür kann sie nichts. Ein lauer Tag grüßt und ich habe gestern zu viel Lasagne gegessen. Der Terror-Vogel schreit trotz Decke über den Käfig, er geht mir so sehr auf die Nerven, darf ich morgens nicht eine Stunde meine Ruhe haben? Der Vogel ist der größte und teuerste Fehlkauf seitdem ich Vögel haben. Er sollte ein Weibchen sein, er war extra teuer, weil geperlt, doch ein paar Wochen nach dem Kauf verlor er die Perlung im Gefieder und stellte sich als Mann heraus, der Tag und Nacht gerne schreit. Schwierig dazu zu dem Grundsatz bis an Lebensende zu stehen. Blutdruck ok, Herz etwas schnell, aber nicht gefährlich, keine Ahnung was ich heute Nacht träumte, kann mich an keinen Traum erinnern. Es ist seltsam jetzt ohne ihn zu leben, also er ist ja nicht gänzlich verschwunden, aber halt deutlich weniger da. Doch ich erinnere mich auch noch an den Nervfaktor, also unternehme ich nichts. Der Vater schreibt von der Insel, ich hoffe er hat eine gute Zeit, ich war seit 2018 nicht mehr da. Das war damals aber auch der Horror, weil der Vater keinen zweiten Bungalow gemietet hat und wir zur Beerdigung zu viert tagelang auf nur 30 m² hausten, war das schrecklich neben der sowieso schon schmerzhaften Trauer. Kein Rückzug, keine Privatsphäre, braucht man ja auch nicht, wenn man gerade seine Mutter beerdigt. ^^ Der Bruder ist dann nach ein paar Tagen ausgezogen und hat lieber am Pool geschlafen. Ich hätte wohl auch lieber auf eigene Kosten was anmieten sollen, statt diesen Horror zu ertragen. Aber ich glaube mein Vater hat einfach kein Verständnis dafür, dass es Menschen gibt, die Rückzug und Ruhe brauchen. Er ist eher so ein Gesellschaftsmensch, er braucht ständig Menschen um sich, um sich gut zu fühlen, ich bin genau das Gegenteil. Der Kaffee schmeckt und ich muss wohl noch Lebensmittel wegwerfen, die er mitgebracht hat, die Hitze der letzten Woche hat den Vergammelungsprozess beschleunigt. Zum Paketshop komme ich auch heute nicht, Öffnungszeiten die nicht zu meinen Arbeitszeiten passen. Bei der Apotheke bestellt, ja im Alter muss man mehr investieren, um sich „normal“ zu fühlen, überall Zipperlein, überall Handlungsbedarf, um den Laden am Laufen zu halten. Wobei ich auch resultieren muss, dass es nicht nur das Alter, sondern auch ein Resultat von Lockdown, Neuroleptika und Trauer ist, dass mein Körper in schlechter Verfassung ist. Manchmal fühle ich mich schon wie eine Rentnerin, nichts mehr von der „Ich bin unsterblich“ Haltung aus jungen Jahren. Wäre die Rente nicht so mickrig, wäre ich vielleicht schon Rentnerin. Aber eine EU-Rente, die noch nicht mal den Hartz-IV Satz erreicht, nimmt einen die Freiheit nach einer schweren Krankheit eine Auszeit zu nehmen. Also habe ich darum gekämpft als erwerbsfähig zu gelten, auch wenn ich es von 2013 bis 2016 wirklich nicht war und ich, trotz aller Bemühungen, auch heute nicht voll erwerbsfähig bin und es wahrscheinlich auch nie wieder werde. So viel zur „sozialen“ Marktwirtschaft, wo Kranke und Alte weiterarbeiten müssen, weil es sonst nicht zum Überleben reicht. Die Pläne jetzt das Rentenalter auf 68 anzuheben sind ein Hohn für mich, wie soll ich bis fast 70 arbeiten? Die Wahrscheinlichkeit, dass ich vorher sterbe und nie Rente bekomme, obwohl ich eingezahlt habe, ist leider höher. Da kann ich nur hoffen, dass mein Mann mich überlebt und wenigstens eine Witwerrente bekommt. Das ganze Rentengeld meiner Mutter ist unwiderruflich weg. Mindestens 30 Jahre eingezahlt und nichts bekommen. Zum Glück hat sie sich wenigstens ihre private Altersvorsorge, ein paar Jahre vor Ihren Tod, auszahlen lassen und in Immobilien gesteckt, somit haben ihr Ehemann und ich jetzt wenigstens etwas davon. Sie hatte immer Angst vor Altersarmut und wurde dann gar nicht alt, doch wie es scheint hat sie mich damit vor der totalen Armut bewahrt. Auf in den Tag, die Kollegin schreibt schon, aber ich bin noch nicht arbeitsbereit, erstmal duschen und vielleicht frühstücken und dann Mitmenschen.