Böse Erinnerungen, Neid, keine Mutter und Überlebende

Guten Morgen, noch gar nicht wach. Nicht viel passiert, außer das Hühnerfrikassee gestern. Noch eine böse Erinnerung mehr, ich hoffe, das hört endlich mal auf. Nicht nur, dass ich das ich wohl mit 10 das erste Mal bekifft war, durch passives einatmen, nein, abgefüllt wurde ich das erste Mal mit 12 durch einen notgeilen Mann. Alle anderen Details erspare ich euch, ich dachte, das ging erst mit 14 los. Wie schön, dass meine Mutter so gar nicht auf mich aufgepasst hat. Im Gegenteil, immer wenn irgendein Mann scharf auf mich war, was spätestens ab 12 öfter der Fall war, unterstellte sie mir immer wieder gern, dass ich das provoziert und gewollt hätte. Nein habe ich nicht, ich wollte Liebe und Aufmerksamkeit, aber sicher keine Drogen und sexuelle Handlungen. Dass notgeile Kerle später zu Verteidigung behaupten, ein kleines Mädchen hätte das gewollt, logisch, aber dass die eigene Mutter das behauptet? Wie krank ist das denn? Ja, ich war eine Lolita, aber konnte ich irgendwas dafür? Ein Grund, mich vor lauter Neid nicht zu beschützen? Gut es waren andere Zeiten, aber zu keiner Zeit, möchte ein Kind solche Sachen. Keine Ahnung wie ich das alles überlebt habe, an meiner Mutter lag es sicher nicht. Aktuell denke ich, sie hatte den Namen Mutter nie verdient. Kein Vater und eine Mutter, die mit sich selber und ihrem Neid beschäftigt war.

Wunderbar und da fragt noch irgendwer, warum ich heute als seelisch krank gelte? Fragt lieber, warum ich noch lebe. Genug schlechte Neuigkeiten für heute versuchen wir es mit leichteren Themen. Der Kaffee schmeckt, es gab keinen Regen und die Sonne scheint schon wieder. Mein Leben, von dumm gelaufen, bis schrecklich. Eines ist aber sicher, ich bin eine Überlebende, einer elternlosen Kindheit in Deutschland:

Müde, sauer und Ok

Guten Morgen. Müde. Sauer auf den Mann. Bauchschmerzen. Irgendwas läuft da gewaltig schief mit mir und meinen Mitmenschen, das ist wohl auch der Grund, warum ich oft auf Mitmenschen verzichte. Der Kaffee schmeckt und ich sitze hier mit verkniffenen Augen. Gestern auf Balkonien betätigt und gekocht. Ein Spatz singt ein einsames Lied. Auf meinem Schreibtisch türmt sich Papier, keine Lust. Viel an die Mutter gedacht, ich vermisse sie gerade so sehr. Sie war der einzige Mensch auf der Welt, der mich immer wollte und immer für mich da war, egal wie schlecht es mir ging. Vielleicht weil sie genau wusste, wann ein: „Ich bin ok!“ Ok bedeutet und wann nicht.

Büro, Mutter, Hip-Hop, Entnazifizierung und Bus

Guten Morgen, das mit dem Schlaf wird wieder. Heute Nacht passabel. Gestern gar nicht draußen gewesen, aber mir war nicht danach. Gearbeitet, Küche geputzt und geschlafen. Heute Büro, mit ein paar Terminen, mal sehen, wie das wird. Käsespätzle mit Brokkoli gekocht und gegessen. Fernseher nervt weiter, also nur spät Nachrichten geschaut. Gerade etwas Sonnenschein, aber sehr verhalten. Das Küchenregal ist immer noch wunderbar, so sieht der gierige Hamster in mir, was ich alles schon als Vorrat habe und dann hält er schnell die Klappe. Aktuell ist mein Kopf so voll, dass ich nichts zu sagen habe, ja auch das kommt vor, tausend Geschichten und keine einzige auswählen können. Da lobe ich mir Kunden auf der Arbeit, die einfach nur Fachwissen abfragen und sonst nichts. Viele Gedanken an Mutti gerade, sie verschwindet und doch ist sehr da. 14 Jahre habe ich mit ihr zusammengelebt, meistens keine gute Zeit.

Auch die Erinnerungen an die Hip-Hop-Bewegung der Neunziger beschäftigen mich, sehr viel Trauma-Material, zum Bruch mit diesen Leuten kam es aber erst, als mein Ex erstochen wurde und ihn alle als Helden feierten, während ich da ganz andere Erinnerungen an ihn habe. Ich weiß, über Tote soll man nichts Schlechtes sagen, auch wenn es Arschlöcher waren, also habe ich gar nichts mehr dazu gesagt und mich von den Leuten entfernt, denn ihre Lobgesänge an ihn konnte ich dann auch nicht ertragen. Auch muss ich an Pia denken, eine Schulfreundin von mir, die damals die Mission hatte junge Männer, durch Liebe und Sex zu entnazifizieren. Ob das bei dem Anführer aus Lichtenrade tatsächlich funktioniert hat, weiß ich bis heute nicht. Es gab während ihrer Beziehung mit ihm aber keine weiteren Nachrichten über brennende Flüchtlingsheime in dieser Gegend und auch keine anderen Vorfälle.

Genug Vergangenheit, zurück zum jetzt, eine Krähe macht Krach hinterm Haus und ich bin mir nicht sicher, ob heute Pizzaabend mit dem Vater ist oder morgen. Noch genug Zeit mich fertig für das Büro zu machen, aber keine Lust auf die Busfahrt, hoffentlich ist es leer. 2022 und ich bin dabei, wer hätte das gedacht? Ich nicht. Versuchen wir es mit beruhigenden Klängen zum Morgen:

Paket- und Haushaltstag, türkisches Gemüse, lila Suppe und Schulfächer

Guten Morgen, keine Ahnung was mit mir los ist, bin derzeit immer zu lange in der Nacht wach. Aber gut, ich kann später noch weiter schlafen, heute ist eh Paket- und Haushaltstag. Heißt, man kann auch schlafend auf Paketboten warten und ein dreckiger Fußboden hält mich auch nicht davon ab. Mission Handwerker gestern gut gelungen, pünktlich erschien ein netter Mann, der die Balkontür in unter 30 Minuten repariert hatte. Sehr gut, habe ich mich gefreut, erstmal über den Handwerker, dann über die reparierte Tür. Im nächsten Leben werde ich vielleicht auch beruflicher Handwerker, heutzutage auf jeden Fall keine schlechte Wahl, arbeitslose Akademiker haben wir bereits genug. Mit etwas Glück bin ich dann auch bald die Frau mit Akkubohrschrauber, passend zum jetzt sortierten Werkzeugkasten. Tja, ich sollte halt ein Junge werden und als es nicht so war, wurde trotzdem am vorbereiteten Erziehungsprogramm festgehalten. Barbie verrückte deswegen bereits in meinem Puppenhaus Möbel und Ken war meistens nur Beiwerk.

Mein Hamster hat dann gestern in Anbetracht des historischen Termins doch noch mal zugeschlagen, offizielle Begründung, ich brauche noch Wasservorräte und Sachen für den Mann, inoffiziell ist es aber der Angsthase. Die Abholung meiner Gemüse- und Obsttüte in der Nachbarschaft gestern war nämlich enttäuschend, für 10 Euro hätte ich mehr erwartet. Aber immerhin, alles, was ich bekommen habe, mag ich und werde ich wohl auch aufessen. Wer in Berlin wirklich günstiges Essen will, der muss halt zu den Türken, deren Preise für z.B. Gemüse sind ungeschlagen. Also geplant, mit der Freundin zum Maybachufer zu gehen, besonders vor Feierabend bekommt man da das Gemüse hinterher geschmissen, es sind nur Mengen, die ein Single niemals bewältigen kann. Also am besten als Gruppe einkaufen und die Schätze dann auf mehrere Haushalte aufteilen. Ist man flexible im Essensplan, lässt sich so richtig sparen.

Gestern den Rotkohl verwertet, einmal im Ofen geröstet und mit Walnuss und Feta überbacken und dann noch eine sehr leckere lila Suppe. Ja, Rotkohl geht nicht nur traditionell zubereitet an Weihnachten. Später dann noch Milchreis gekocht. Ja, rückblickend wohl Mama-Essen, Rotkohl und Milchreis verbinde ich mit ihr, allerdings auch Songs wie diesen. Der Vater bringt heute auch noch Sachen, er war meistens abwesend, aber er hat mich nie angerührt und attackiert, wie sie es getan hat. Gemeinsame Zeiten hatten wir meistens nur beim Handwerken, ich durfte immer assistieren, aber habe rückblickend viel gelernt dabei, der Bruder hat aus gleicher Tätigkeit sogar einen Beruf gemacht. Genug über die Berliner Familie nachgedacht, es bleibt spannend, was heute geliefert wird, an Lebensmitteln, aber auch von IKEA. Es wäre gut, wenn heute alles da ist, sodass ich Morgen beim Mann die ganze Mission durchziehen kann. Handwerklich ist mein Mann nämlich eine Vollnull, beim Kochen hat er aber schon einiges gelernt in Berlin.

Ja, ich finde immer noch, dass Handwerken und kochen für den eigenen Haushalt eigentlich Schulstoff sein müssten. Was bringt einem in der ersten eigenen Wohnung eine Gedichtanalyse oder eine Kurvendiskussion? Richtig gar nichts, davon hat man kein Licht in der Bude und auch nichts zu essen. Genug geschwafelt für einen Samstagmorgen, es gibt viel zu tun, fangt schon mal an!

Grau, Seilschaften, die Vorsorge einer Mutter, Curry und Vergebung

Guten Morgen, noch nicht wach, aber bereit an der Tastatur. Grau ist es und es gibt Kaffee im rosa Becher. Beim Vater gestern war irgendwie melancholisch und noch eine Pflanze mitgenommen. Allerdings auch eine weitere Abnehmerin für eine Pflanze gefunden. Ebenfalls bald hier ein Vakuumierer für Lebensmittel. Aktuell gibt es nämlich nur Großpackungen günstig, mit dem Vakuumierer kann ich Portionen einfrieren, die dann für 1-2 Personen reichen. Der Mieter der günstigen Wohnung ist nicht erreichbar, ich ahne leider nicht so gute Dinge, im besten Fall hat der weiter vermietet und im nicht so guten Fall ist die Wohnung im schlechten Zustand? Wie auch immer, es wird Zeit, diesen Mieter loszuwerden. Ausgezogen ist er ja schon, jetzt brauchen wir nur die Schlüssel. Das kommt davon, wenn der Bruder rum lügt, um irgendwelche entfernten Bekannten in die Wohnung zu bekommen, die sich jetzt aufführen wie total unbekannte. Ja, ja bestimmte Geschäfte macht man in Berlin nur im Familien- und Freundeskreis, Seilschaften sind halt wichtig.

Voll vergessen, dass ich heute einen Termin beim Psychiater habe, ich glaube aber ich will da heute nicht hin, nicht nur wegen der Erkältung/Allergie. Es gibt nichts zu besprechen und Medikamente habe ich auch noch. Soll doch irgendwer heute den Termin kriegen, der/die ein Gespräch dringender braucht. Ich fühle mich aktuell erschöpft, aber nicht kriselig. Bei manchen Dingen, die meine Mutter gehortet hatte, denke ich, sie ahnte, was da kommt, denn jetzt brauche ich sie und habe sie auch dank ihr. Andere Töchter kriegen Aussteuer, ich kriege z.B. eine sichere bezahlbare Wohnung, Kleidung in der richtigen (Über-)Größe, Fitness-Equipment, Kerzen, Küchenkram und einen Vakuumierer. Danke Mama, du bist nicht mehr da, aber sorgst trotzdem für mich. Sie wusste wohl, dass die Preise für Mieten und Lebensmittel explodieren, ihre Tochter dick wird und sich in der Isolation der Pandemie auf ein neues Level kocht. A pro pro kochen, gestern nur Nudeln mit Walnusspesto, heute vielleicht ein Curry.

Neben putzen und Pflanzenübergabe an gute Hände, heute vorgenommen zu lesen. Die Birke ist derzeit wirklich mein Feind, gehe ich aus dem Haus dauert es keine 5 Minuten bis es nur noch aus der Nase fließt und die Stirnhöhle schnell dicht ist. Aktuell kann ich aber riechen und schmecken, versuchen wir die Birke zu meiden. Sortieren von Erinnerungen, es werden nicht weniger, aber die Bewertung der Erinnerungen fällt milder aus als früher, vielleicht auch ein Schritt mit der Logik: Vergeben, um vergessen zu können. Vergeben, um sich nicht total zu isolieren, denn auch die Sünder haben gute Seiten. Nichts ist nur schwarz oder weiß, das Meiste im Leben hat Graustufen oder wenigstens eine gute Erklärung. Diese Woche Termin mit der Adoption, ich hoffe, das klappt, 34 Jahre ist mein Vater jetzt an meiner Seite, ich hoffe, es werden weitere 34 Jahre. Der Kaffee schmeckt und der Kopf sucht Musik, ach deuten wir diesen Michael Jackson Song mal anders:

Thunfisch, Preise, Loslassen, Mode und Staub

Guten Morgen, keine gute Nacht, aber selbst schuld, zu viel gegessen gestern und mit Bauchschmerzen in der Nacht erwacht. Gestern wieder nicht das Haus verlassen, aber das Wetter war und ist sehr mies, grau, Regen und Kälte. Textilien gefärbt, Kleiderschrank aufgeräumt und überfällige Telefonate geführt. Nix mit studieren, ich brauchte doch meinen zweiten Wochenendtag, aber heute geht es wirklich los mit Arbeit, Termine warten und das E-Mail-Postfach ist voll mit Anfragen. Der Kaffee schmeckt und der Vogel singt. Heute Abend ist eine Thunfisch-Pizza für den Vater geplant, denn im ehemaligen Küchenvorrat des Vaters gab es noch reichlich Thunfischdosen, die zum Einsatz kommen müssen. Heute sollten DHL und Amazon läuten, aber weiterhin keine Lebensmittellieferung, auch wenn ich gestern wieder versucht war. Kann aber irgendwie nicht sein, dass ich jetzt 80 Euro statt 60 Euro pro Lieferung zahlen soll. Da bin ich raus, 80 Euro ist einfach zu viel für einen Lebensmitteleinkauf, halten wir uns an die Coronavorräte, die müssen eh weg. Ich kann hier noch sehr lange von Nudeln und Konserven leben. Krankmeldungen auf der Arbeit, ich fühle mich auch nur bedingt nach Arbeit, ohne körperlich wirklich krank zu sein, einfach keine Lust, wenn man aus dem Fenster guckt. Keine Lust, wenn ich mir meine Wohnung anschaue, wo auch viel getan werden muss. Die Mutter endgültig loslassen, ihre Schätze an mich nehmen und in mein Leben einordnen, eine Aufgabe, die mich doch sehr mitnimmt. Aber es ist gut, dass es endlich passiert, das ist auch Ballast, der endlich in den Himmel gehört. Sie ist auch so ständig bei mir, ohne zwischen ihrer Tupperdosen-Sammlung und ihren Tischdecken zu sitzen.

Auch sollte ich endlich schnallen, dass ich nicht mehr verpflichtet bin, die Kleidung zu tragen, die sie mir so brachte. Es gibt niemanden mehr, der mir ein schlechtes Gewissen macht, wenn ich Kleidung ablehne und/oder entsorge. Trotz sortieren, ist aber immer noch ein beträchtlicher Teil meiner Kleidersammlung von ihr, die Sachen, die ich wirklich mochte, die Sachen, die passen. Ja meine Mutter hat mich mein ganzes Leben lang eingekleidet, zum Teil auch, weil ich einfach zu pleite war mir eigene Kleidung zu kaufen oder weil es mir nach der Krankheit einfach mal egal war, was ich trug, Hauptsache angezogen. Das Gemeine daran ist jetzt nur, dass dieses modische Erwachen zu einem Zeitpunkt stattfindet, wo es gar nicht so einfach ist Kleidung zu finden in die ich noch reinpasse. Das Leben, immer zu einem Scherz aufgelegt. Da bin ich dann doch ganz froh, dass es in Mamas Fundus Kleidung in meiner aktuellen Größe gibt. Aber ich habe auch bestellt und hoffe auf das Beste, der Mann hatte mir ein Kleiderbudget überwiesen und dieses sollte jetzt ausgeschöpft sein. „Wer bin ich und wenn ja wie viele?“, ein Witz, denn ich früher sehr gut fand, bezogen auf meinen Geist, leider trifft das jetzt auch auf meinen Körper zu. 😦

Genug gejammert, Mode ist wirklich nicht das dringendste Problem gerade, ich werde schon schrittweise zu meinem eigenen Stil finden. Keine Nachrichten geschaut, ich stelle mich gerade blöd: „Wie Weltgeschehen?“ davon habe ich nichts gehört. Bin ich auch mal egoistisch nur mit meiner Welt beschäftigt und die findet gerade in meinem Kopf und in der Wohnung statt. Staub erzählt von der Vergangenheit, von einem langen, kalten und dunklem Winter. Staub, da kommt dieser Song in meinen Kopf, ich bin noch da, trotz Staub:

Nacht, Träumerblick, wildes Mädchen, Amulett und verhext

Ein Gruß aus der Nacht, keine Ahnung, warum ich wach bin, ausgeschlafen bin ich sicher nicht. Dann mal sehen, was die Nacht so schreiben will. Gestern ein irgendwie hektischer Tag, der Vater wollte weiterhin räumen und sortieren und darüber wurde es dann zu spät, um es mit Spaziergang danach zum Restaurant zu schaffen. Also wurde danach nicht spaziert und zum Bus gerannt. Essen war sehr gut, aber zu viel, danach nach Hause und alte Fotos geguckt. Einige Fotos waren wohl nicht für mich, aber manche definitiv. Alte Schulfotos grüßten, aber auch eine Fotoserie aus Kindergartenzeiten. Die Fotoserie galt jahrzehntelang als vermisst, jetzt ist sie endlich mein. Was war ich doch für ein süßes Kind, viele Jahrzehnte zuvor, aber auch damals schon der Träumerblick, ich war irgendwie nie richtig da. Immer etwas abwesend, in Gedanken woanders, den Blick ins Nirgendwo gerichtet.

Ich dachte, diesen Blick hätte ich erst als leidender Teenager entwickelt, aber nein, bereits mit 3-4 Jahren war ich ständig nicht anwesend. Ich muss die Bilder dringend digitalisieren, bevor die Zeit die Fotos ganz zerstört, Negative haben wir dazu nicht. Eines ist aber klar, ich war ein wildes Mädchen, mit Latzhose und Hut rannte ich durch die Gegend und hatte immer etwas Dreck an den Händen. Vielleicht war ich verhext, Hexe war auch mein Name seitdem ich sechs war. Bei diesem Leben jedoch von Magie zu sprechen, wohl etwas zu optimistisch. Wie schön meine Mutter als junge Frau war, wie schön ich war, aber Schönheit vergeht, was bleibt ist Erinnerung. Aber immerhin lebe ich noch, eine Version meiner selbst, die ich so nie erwartet hätte und die sicher nicht auf meiner Wunschliste stand, wer sich auch immer das gewünscht hat, ist nicht mein Freund. Vielleicht hätte ich mein Auge mehr tragen müssen. Schon früh warnten mich Leute und schenkten mir dieses Amulett. Geholfen hat es leider nicht viel. Irgendwo habe ich noch eins aus Griechenland, aber ich trage schon jahrelang keinen Schmuck mehr.

Es dämmert, ich höre vereinzelt Vogelstimmen, vielleicht war es die Verdauung, die mich geweckt hat, kein Müsli essen ist auch keine Lösung. Eigentlich viel vor heute, uneigentlich hab ich schon jetzt keine Lust, ich mag gerade nicht viel, vielleicht doch zu viel gearbeitet und dazu die Erinnerungen durch die Dinge der Mutter. Versuchen wir es mit sanften Klängen zum Morgen und dann mal sehen, ob mein Bett mich wieder haben will…

Arbeitswoche, schlechte Männer-Erinnerung, Wachs und Feuer

Guten Morgen, noch nicht ganz wach, aber ok für den Moment. Arbeitswoche fast geschafft, heute nur noch ein fester Termin. Gegessen gestern nur Mist, schweigen wir dazu. Immerhin zu Hause noch Wäsche gewaschen. Gestern eine Nachricht von einem Mann bekommen, der meinte, er kannte mich vor 10 Jahren. Erst konnte ich mich gar nicht erinnern und dann dämmerte es später, wer das wohl war. Ganz schlechte Erinnerung, ganz, ganz schlecht. Ein Teil meiner Erinnerung, auf den ich gern verzichten würde. Mein Männergeschmack damals, eine Katastrophe. Immer auf der Suche nach Liebe an den falschen Orten kann man es im besten Fall nennen. Ich denke die Geschichte damals mit ihm, war ein Faktor, der mich letztendlich richtig krank gemacht hat. Kein Mann der Welt ist es wert, seinetwegen in der Psychiatrie zu landen. Allein bleiben hat manchmal auch Vorteile. Ich hoffe, ich begegne ihm nie wieder in diesem Leben. Was da damals zwischen uns passierte, unfassbar, genau genommen ein Fall für die Polizei. Aber gut, ich bin nicht die einzige Frau, die zu ganz schlechten Männer gegriffen hat.

Themenwechsel, versuchen wir diese Erinnerung abzuschütteln, ich bin heute eine andere, eine Frau, die sich nicht mehr unterdrücken und schlagen lässt. Habe ich mich irgendwann zu meinem Ehemann beschwert? Also im Verhältnis zu dieser Erinnerung ist er ein Goldstück. Die Sonne scheint, die Vögel sind zu laut und haben mich wahrscheinlich geweckt, der Kaffee schmeckt und ich frage mich, warum ich die letzten Nächte nur noch 5-6 Stunden schlafe, mich dabei aber ganz gut fühle. Frühlingsputz wäre gut, das ganze Licht des Frühlings macht jetzt Staub und Dreck sichtbar. Konto leer, ich warte auf neues Gehalt und auf Ostern. Kerzenreste meiner Mutter stehen überall rum, wenigstens etwas was ich wirklich verbrauchen kann. Vielleicht hätten alle ihre Dinge aus Wachs sein müssen, damit ich sie rituell nach und nach verbrennen kann. Erinnerungen, die lichterloh von einem gehen, für mich nicht möglich, weil ich nicht vergesse, aber diesem Kerl von gestern, dem wünsche ich: Brenne Baby, brenne!

Hausärztin, Schlüsselfragen, Küchensachen, MHD und Musik

Guten Morgen, wenig geschlafen, aber tief. Tatsächlich bereit, endlich zur Hausärztin zu gehen, dauere es so lange es dauert, heute habe ich keine anderen Termine. Der Mann war gestern da, aber nur kurz, der Vater rief panisch an, weil er sich ausgesperrt hatte. Der Aufforderung, ich möge mich sofort in Bewegung setzen, um den Zweitschlüssel zu bringen, bin ich nicht nachgekommen, weil ich dachte, er kann den Schlüssel auch selbst abholen, weswegen dann geschrien und aufgelegt wurde. Der Vater hatte morgens unsere Verabredung abgesagt, der Vater hat ein Auto, der Vater sieht seine Partnerin jeden Tag und keinen Schlüssel haben ist für mich nicht so ein Notfall wie neulich bei mir, mit Schmerzen bewegungsunfähig in der Wohnung zu liegen, mit einem Hund der Gassi muss, aber nicht alleine raus kann und das Tage und nicht nur 30 Minuten. Muss ich mich jetzt schlecht fühlen, weil ich am Sonntag halb angezogen mit dem Mann auf dem Sofa sitze und spontan keine Lust hatte mich anzuziehen, den Mann rauszuwerfen und mit dem Bus zu ihm zu kommen? Bin ich jetzt eine schlechte, egoistische Tochter, weil ich nicht gesprungen bin und erstmal andere Lösungen gesucht habe? Egal, dazu musste ich dann erstmal den Mann anschimpfen und später noch Freunde voll texten. Die nur zugefallene Tür ließ sich dann wie von mir empfohlen mit einer Karte öffnen und das Thema hatte ich erledigt, in 3 Minuten.

Gekocht die Nudeln, aber der Mann brachte noch einen Burger mit. Dem Mann jetzt doch Küchensachen aufgeschwatzt, er hat kaum welche und meine Mutter hat sehr viele hochwertige Sachen, die jetzt wegmüssen. Vakuumverpackten gemahlenen Kaffee, der seit 6 Monaten abgelaufen ist, wollte er aber nicht. Die Sachen mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum in Deutschland interpretiert er eher als: „Todesgefahr ab folgendem Datum“. Dass luftdicht abgepackter Kaffee aber auch nur irgendwann schlecht wird, glaube ich nicht, lediglich geschmacklich sind irgendwann Einbußen zu erwarten. Aber gut in Afrika abgelaufene Dinge zu essen/trinken, ist glaube ich eine andere Nummer als in Deutschland. Die Sonne scheint, der Kaffee schmeckt und frische Luft strömt über den Balkon in die Wohnung. Muss später noch in die Elternwohnung, weitere Sachen einpacken und dem Vater eine Unterschrift geben, das Finanzamt macht nämlich gar nichts ohne meine Einwilligung.

Kalt ist es, aktuell mal keine Schmerzen und auch nichts Seltsames los im Kopf. Noch keine Nachricht erhalten, was mit meiner Lieferung von Samstag war, nix geliefert, heißt für mich nämlich auch nichts bezahlen. Medikamentenreduktion läuft, ohne positive oder negative Nebenwirkungen, vielleicht wirklich nur noch eine Placebodosis, die ich da nehme. Immer noch kaum Musik gehört, ich bin sauer auf die Liebe meines Lebens. Versuchen wir es trotzdem ein bisschen gute Laune zu verbreiten: