Pillen, Arzt, der Teddy, Corona und Wunder?

Guten Morgen, ganz passable Nacht, aber jetzt schon gestresst, weil ich unbedingt zum Arzt muss, um meinen Blutdruck-Pillen zu kriegen. Keine Lust, auch keine Lust auf meine Schüler heute. Also eigentlich gar keine Lust auf gar nichts, nach den letzten Tagen. Gestern wurde es nochmal emotional, denn die Wohnung der Eltern muss geräumt werden und ich stehe wieder vor der Entscheidung Sachen mitzunehmen oder für immer aufzugeben. Nehme ich gar nichts mit, werde ich es bereuen, nehme ich zu viel mit, auch. Zu Tränen gerührt gewesen als gestern mein Teddybär aus dem Jahr 1986 wieder auftauchte, was habe ich diesen Teddy geliebt, er war mein alles. Da steht also eine 45-Jährige und klammert sich an einen Teddy und heult. Aber es ist gut, dass der Teddy wieder da ist, der ideelle Wert für mich ist unermesslich. Heute nochmal in die Elternwohnung, zum Glück habe ich noch Zeit mir Dinge auszusuchen und sie schrittweise in meine Wohnung/mein Leben zu integrieren.

Der Mann geht wieder zum Sport, vorbildlich und gut für ihn. Ich bin gerade überhaupt nicht vorbildlich, weil insgesamt überfordert von der Situation. Jetzt auch noch Mutterschmerz, das braucht man, wenn man eh schon emotional fertig ist. Der Vogel hat mein Licht im Wohnzimmer gesehen und singt ein Lied, also Licht wieder aus. Die Straße rauscht, der Kaffee schmeckt und ich huste, muss noch einen Corona-Test machen und fühle mich genötigt mich boostern zu lassen. Der Entzug von Privilegien, wenn man nicht spurt, kommt mir irgendwie bekannt vor. Was alles ein Privileg war, merkt man dann meist erst später. Kosmetiktermin heute abgesagt, ich weiß nicht, ob ich da wirklich noch hin will und muss, aber ganz sicher nicht heute und jetzt. Ich habe gerade echt andere Probleme als eine jugendliche und sanfte Gesichtshaut.

Gegessen gestern Reste, Couscous mit Falafel und später Maultaschensuppe. Ab morgen gibt es wieder eine Kochbox für mich. Die Indizien in Berlin sind sehr hoch gerade, über 1000 in Neukölln. Kommt immer noch nicht in meinem Kopf, letztes Jahr bei einem Wert von 50 Hausarrest für alle, dieses Jahr bei 1000 macht, was ihr wollt. Muss man nicht logisch finden. Sehr viele Termine diese Woche, wobei das Abgrenzen immer besser funktioniert, ist mein Glas leer, ist es leer und es gibt keinen doppelten Boden mehr. Ich bin nicht die Heilsarmee, die jeden retten will. Oder schon, aber nicht für den Preis der Selbstaufopferung. Angefangen abends vor dem Schlafen mir einen guten Schlaf zu wünschen und es hat jetzt zwei Nächte geklappt, also weiter machen? Erinnert mich jetzt nur irgendwie an beten, aber wenn es hilft? Für mich ist der Unterschied zwischen religiösen Glauben und Psychose/Schizophrenie nicht wirklich groß, beides Zustände wo man an übersinnliches glaubt und Selbstgespräche führt. Was davon ist also gesund und was ist krankhaft? Hatte Moses jemals ein Gespräch mit Gott oder war er schizophren? Basieren die übermittelten Wunder in der Bibel auf Übersetzungsfehler und auf Erzählungen seelisch Erkrankter und ihr Erleben? Wer entscheidet, was ein Wunder ist und was Krankheit? Theologen? Psychiater? Die Pharmaindustrie?

Fragen zum Tag, die ich wohl nicht beantworten kann, Wissenschaft gegen Religion, warum niemals Wissenschaft und Religion? Länger erprobt ist wohl die Religion, aber hat sie damit automatisch recht in einer Informationsgesellschaft? Mit uralten Geschichten, die keiner beweisen kann? Mit Geschichten, die man heute eher der Psychiatrie zuordnen würde? Mit Geschichten, die grausamer sind als so manch ein Horrorfilm heute? Tradition oder Moderne? Ist neu immer besser? Oder doch das, was seit Jahrhunderten erprobt ist und funktioniert hat? Ich weiß es nicht und sehe in jeder Bewegung ihre Berechtigung, aber auch Kritik an beiden Systemen. Die Kirche missbrauchte ihre Macht zu oft, die Wissenschaft erklärt jeden Trauernden gleich zum Depressiven und will, dass er/sie Pillen nimmt. Die Wahrheit, die Wahrheit, sie liegt wohl irgendwo dazwischen, ich muss meine finde oder vielleicht auch besser nicht? Das Publikum der Ärzte beantwortet es mit einem eindeutigen „NEIN!“

Schlechte Nacht, Narzissmus, Romantik und gefangen

Guten Morgen oder Gruß aus der Nacht. Gestern kein guter Tag gekrönt von schlechter Nacht. Obwohl, die Pizza mit dem Vater war gestern doch gut, aber der Rest weniger. Ruhelose Nacht, geschlafen, aber anscheinend dabei gerannt im Traum. Mit dem Kopf fast 180 Grad woanders aufgewacht als eingeschlafen. Der Hund war gestern friedlich und hat nicht gekratzt. Vom Bruder ein Psychologie-Video zum Thema Narzissmus bei Eltern erhalten und geschaut, ja ich bin das Resultat einer narzisstischen Mutter. Volle Punktzahl auf der Checkliste für mich, juhu! ^^ Ich glaube in Selbsttherapie, ist der Bruder mir ein Stück voraus. Aber jetzt wo ich gerade wieder um sie trauere, vielleicht eine gute Erinnerung, dass sie bei weitem kein Engel war. Vielleicht komme ich irgendwann auch an den Punkt, dass ich mir nicht mehr beweisen muss, nicht wie sie zu sein. Ich bin jetzt irgendwie das andere Extrem geworden, auch nicht gut.

Es ist dunkel, keine Kerze brennt, Kerzen sind gestern alle abgebrannt und keine Lust gehabt neue aufzustellen, das ist dann wohl die Steigerung von Ruhe, ganz im Dunklem sitzen. Kein Fernsehen gestern geschaut, dafür Musikvideos laufen lassen. Wieder in der Vergangenheit gelandet, musikalisch, etwas Romantik für die frustrierte Frau aus Berlin. Nicht so scharf auf Büro heute nach gestern, aber wahrscheinlich besser für mich, hier zu Hause sitzen ist auch keine Lösung. Zwischendurch immer wieder Anfälle von Selbstmitleid, wie konnte ich es nicht mitbekommen, dass ich so dick geworden bin? Ich habe wirklich kaum etwas davon mitbekommen, meine Wahrnehmung war eine andere. Jetzt habe ich es bemerkt und sitze fest in diesen Körper und die Reaktion darauf ist Frustessen. Gefangen im eigenen Körper, ich kenne mich aus mit Gefangenschaft. Erst die Neuroleptika, jetzt das Fett. Gefangen damit seit 2013, man könnte meinen ich wäre ein Schwerverbrecher und nicht nur eine Frau, die ihren Kopf verloren hat.

Versuchen wir es mit farblich und musikalisch erfreulicher Musik:

Rückenschmerzen, Kleidung von Mutti, Böllerverbot und erwachsen?

Ein Gruß aus der Nacht mit Rückenschmerzen. War zu viel gestern, fast 8 Stunden im kalten Lager gestanden und mich ständig bücken müssen, 4 Stunden davon allein. Aber es ist geschafft, ich muss deswegen nicht mehr ins Lager! 40 Säcke Kleider aussortiert, wobei 2 davon dann doch in meiner Wohnung gelandet sind. Letzte Chance von Mutti Kleidung zu bekommen, danach nie wieder. Aber es sind auch echt schöne Sachen dabei, manche sogar sehr teuer, aber nicht alles passt, also wird die Aktion Keller aufräumen dringlicher. So wie sich mein Rücken anfühlt, aber sicher nicht heute, vielleicht gehe ich heute lieber nirgendwo hin. Besuch will ich auch keinen, ich denke kochen und essen mit dem Mann reicht dann. Immer noch herrlich hier keinen Schreihals mehr zu haben, seitdem der Terrorvogel im Arbeitszimmer weilt, ist Ruhe hier, vielleicht wollte auch er genau das: Ruhe.

Nach dem Lager gestern voll fertig gewesen, nicht mehr gekocht, aber baden gewesen, weil mein ganzer Körper auch Stunden später zu Hause eiskalt war. Waschmaschine läuft seitdem durch, denn 3 Jahre gelagerte Sachen haben einen Eigengeruch, den man nicht haben will. Zum Glück nehme ich diesen Ballast jetzt nicht mehr ins neue Jahr. Der Kaffee schmeckt und eine Kerze brennt, meine Mutter ist gerade ganz sicher bei mir. Ihre Bekleidung liegt hier in Wäschehaufen rum und ich trinke aus einer Tasse von ihr. Heute Lebensmittel-Lieferung, zum Glück, heute trage ich nicht nochmal kiloweise mit kaputten Rücken, dafür bezahle ich dann lieber einen jungen Mann. Bin gespannt, ob das Böllerverbot was bringt, ich vermute jedoch nicht, Polen ist zu nah. Die Heizung rauscht, dabei ist es draußen gar nicht mehr so kalt, aber die Nachbarn heizen.

Schöne neue Welt, meine Wohnung ist immer mehr erwachsen und auch die neue/alte Kleidung von Mutti ist erwachsener als das, was ich im Schrank habe. Mitte 40 erwachsen werden? Ich vermute, ich bin eigentlich etwas spät dran. Aber Erwachsensein war nie mein Ziel. Ich vermisse meine Mutter, aber ich weiß, sie war und bleibt mein Schutzengel und ist weiterhin bei mir. Schwimmen gestern wieder nicht geschafft, jetzt ist Sonntag angepeilt. Gerade irgendwie zu viele Termine, ich komme ständig durcheinander und habe Doppelbelegungen in meinem nicht vorhandenen Terminkalender. Vielleicht doch einen Terminkalender kaufen? Auf meinem Handy will ich solche Daten immer noch nicht haben, was geht es Google an was ich so mache? Reicht schon, dass ich blogge, da muss nicht auch noch ein detaillierter Terminkalender ebenfalls übermittelt werden. Heute irgendwie wieder sehr deutsche Musik im Ohr, die Frage gerade: Wo war ich (die letzten Jahre)?

Alle melden sich, Rotkohl, Mutter und wieder ich?

Guten Morgen, noch gar nicht richtig wach. Gestern tatsächlich einkaufen gewesen und noch einen Sack Altkleider weggebracht. Danach ein Schläfchen und dann über 4 Stunden telefoniert, denn gestern war der „alle melden sich“ Tag. Heute neue Kochbox kriegen und schwimmen in Köpenick, danach gibt es dann wohl Fleisch mit Pommes, diese Woche aber auch vegetarische Gerichte bestellt. Gestern Reste von vorgestern gegessen, der Rotkohl ist nach wie vor meine große Helferin. Morgen dann wohl ins Kino, der neue Matrix Film ist wohl Pflicht für alle über 40, was für ein Zufall ich habe auch interessierte Freunde in dem Alter und bin verabredet. Das Gute in meinem Bezirk, wir haben ein Kino wo keiner hingeht, ich genieße es in leeren oder fast leeren Kinos zu sitzen. Zu viele Mitmenschen sind doch meist nur störend. Nachdem wieder Platz im Kleiderschrank ist, ein paar Oberteile bestellt, immer nur Sachen von Mutti auftragen, ist genau genommen vielleicht doch zu viel des Guten. Vor allem, nachdem ich diese Sachen vor ihrem Tod niemals getragen hätte. Ich werde sie auch so nicht vergessen. Ich habe so viele Sachen von ihr, es muss dazu nicht auch noch alle ihre Kleidung sein. Versuche ich doch mal wieder ich zu sein.

Der Mann weilt mit Magen-Darm-Problemen immer noch beim Cousin, ich denke, das tut ihm gut, also der Cousin. Heute Mission Vogelkäfig umstellen, sie kommen wieder in einen ruhigen Raum und ich darf hier wieder atmen? Ich bin nämlich immer noch allergisch auf die Vögel. Dass die hier stehen, war eigentlich nur wegen des Mannes. Dabei werde ich den Altar der Mutter wohl auch abbauen. Sie ist auch so immer bei mir, ich brauche doch nur in den Spiegel schauen oder in meine Küche gehen, überall sie. Mir ist vieles klar geworden, was sie betrifft, viele unserer Kriege waren Missverständnisse, schade, dass ich das nicht früher bemerkt habe. Aber besser spät als nie. Genieße die Ruhe zwischen den Jahren und bin erfreut, dass es wieder wärmer wird die Woche. Leider sind nämlich meine Getränke auf dem Balkon eingefroren. Weihnachten gab es schon gefrorene Paprika vom Balkon. Schauen wir mal wie es weiter geht mit der alten, dicken Lady in Berlin, die braucht jetzt wieder einen Terminkalender und kleidet sich neu ein. Ach, ich lasse einen kleinen, talentierten Mann für mich sprechen:

Gefühle eines Grinchs, keine weiße Weihnacht und komme drüber weg

Ein Gruß aus der Nacht mit gemischten Gefühlen. Gestern noch geweint, weil Weihnachten, aber nicht nur, auch geärgert und fast den Besuch wieder absagen wollen. Irgendwie scheint die Meinung zu herrschen, dass die Trauer um meine Mutter vorbei zu sein hat und ich nicht so gefühlsduselig sein soll. Entschuldige, aber wann, wenn nicht Weihnachten? Der Mann hatte wohl nicht gerafft, dass der 24.12. der wichtigste Weihnachtstag ist und der Vater weiß das, aber er scheint jetzt andere Prioritäten zu setzten, sogar heute hat er nur begrenzt Zeit. Der Bruder haute dann noch einen Spruch darauf, von wegen er möchte heute dann auch noch woanders hin. Vielen Dank liebe Männer, dann halt ohne mich in Zukunft, wenn mich keiner verstehen kann. Dass ich der Grinch mal heule, weil keiner Weihnachten mit mir feiern will, gut gemerkt, ab sofort wieder Grinch for life.

Gestern wurde dann aber doch noch ganz gut, zusammen gekocht und gegessen und danach wurde noch gesungen und gelacht. War eigentlich ganz schön, nur halt nicht der Vater oder Bruder. Es wird wohl das letzte gemeinsame Weihnachten sein, denn ab nächsten Jahr gibt es keine Elternwohnung mehr und ich laufe den beiden sicher nicht hinterher. Dieses am 25.12. ein paar begrenzte Stunden zusammen verbringen, können sie sich stecken. Ich glaube am meisten verletzt hat mich der Vater, dass er den 24.12 der Neuen widmet und auch am 25.12. nur begrenzt Zeit hat. Aber seine Wahl bzw. die Regeln der Neuen. Ich schreie nicht so laut, aber auch ich habe meine Regeln. Normalerweise enttäuscht man(n) mich nur einmal. Gestern doch keine weiße Weihnacht, es hat geregnet und der Schnee war weg. Der Lammbraten war butterweich, aber leider auch etwas trocken und der Tomaten-Reis für meinen Magen grenzwertig scharf, aber lecker. Zum Glück eine Spülmaschine im Haus, denn die Küche sah danach aus wie ein Schlachtfeld.

Der Mann schläft noch und schnarcht, nein das bin nicht immer nur ich. Es ist dunkel, keine Kerze brennt und ich lasse die Roots für mich sprechen:

Kerzen, erschöpft, spazieren, das wütende Mädchen und alle Tassen

Guten Morgen, Kerzen in der Dunkelheit für die Erwachende. Viel besser als noch mit zugekniffenen Augen viel zu helle elektrische Beleuchtung anzuschalten. Gestern viel telefoniert und viel geschlafen. War so erschöpft. Einkaufen gewesen und reduziertes Sushi und reduzierten Salat gekauft und später gegessen. Ohne Kochbox gerade keine Motivation zu kochen. Vielleicht heute wieder kochen, es gibt noch frischen Spinat. Heute Mittag verabredet zum Spazieren, ist nur etwas kalt geworden zum Spazieren. Aber wie sagt man so schön: „Es gibt kein falsches Wetter, nur falsche Kleidung.“ Ein weiteres Treffen mit einem alten Freund ist geplant, bei ihm nur schwierig, denn er ist ungeimpft, da können wir dann nirgendwo hin mit, also auch spazieren?

Die Nummer mit dem Stiefvater 1 bewegt mich sehr, ich möchte ihn sprechen, aber ich bin auch so wütend, allein die Erinnerung an ihn bringt mich zum Heulen. Da steckt noch ein verdammt wütendes kleines Mädchen in mir, welches jetzt über 30 Jahre durchgehalten hat diesen Mann zu hassen. Man nennt mich auch die dickköpfige nie vergessende? Ist aber tatsächlich so, ich vergebe, aber vergesse nie, bei ihm weder vergeben noch vergessen. Die Verletzung, Traumatisierung und Enttäuschung sitzt zu tief. Ich dachte ich hätte einen Vater gefunden, eine bessere Zukunft und dann war der doch nur eine feige Sau, die weglief und mich und meine Mutter in einer schlimmen Situation allein ließ. Die überforderte Mutter versuchte deswegen dann mehr zu arbeiten, ließ mich allein und schlug auf mich ein, als sie nicht mehr konnte. So viel dazu, woher die Wut kommt. Habe Angst vor dem Gespräch, vielleicht brülle ich auch einfach rum und lege wieder auf.

Freue mich, dass der alte Freund wieder draußen ist, ich hoffe er schafft es dieses Mal länger draußen, als im Knast zu sein. Romantisch habe ich keine Ambitionen bei ihm, aber ich fühle mich ihm schweigend tief verbunden. Vielleicht kann ich ja helfen dabei, denn mein Eindruck ist, dass er immer wieder in der Scheiße landet wegen falscher Freunde. Schäme mich zwar ihn so dick zu begegnen, aber eigentlich weiß ich doch, dass es ihm wahrscheinlich ziemlich egal ist wie dick ich gerade bin, Hauptsache ich lebe. Heute frei, irgendwie brauche ich gerade die langen Wochenenden für meine Seele und mich. Zum Glück hat die Chefin dem zugestimmt, ich kann die Stunden später abarbeiten oder wir verrechnen es mit Urlaub. Der Kaffee schmeckt aus gelber Tasse, eine Tasse meiner Mutter, das mit den Tassen hat meine Mutter sehr ernst genommen, sie hatte mit geschätzt 50 Tassen immer alle Tassen im Schrank? Keine Ahnung was sie vorhatte, Kaffee trinken mit der gesamten Nachbarschaft zur gleichen Zeit? Auch war sie immer besorgt um meine Tassen im Schrank, deswegen hat sie mir ständig welche geschenkt? Ich mochte das nie, aber jetzt nach ihrem Tod nehme ich gern ein paar mehr Tassen, als ich eigentlich brauche.

Es dämmert, die Kerzen werden unnötig, der Kaffee kalt. Frühstück? Wieder ins Bett? Oder doch das Bad putzen? Gar nicht geputzt diese Woche, ich habe andere Probleme, auch der Ehemann erscheint gerade uninteressant. Immerhin passende Musik zum Morgen gefunden:

Rotkopf, 32 Jahre Berlin und Unterhaltung mit dem Mädchen in mir

Der Rotkopf grüßt aus der Nacht. Rot weil gestern bei der Kosmetik. Leider wurde Mandy gekündigt und stattdessen durfte jetzt eine russische Queen an meine Haut. Die meinte dann auch das ich ganz viel Kosmetik brauche, allerdings aus einem Online-Shop mit Gutschein. An der Kosmetik hat sie also nicht verdient, deswegen glaube ich ihr mal einfach, dass, was ich ja schon ahnte, bei mir die Zeit der erhöhten Instandhaltungskosten begonnen hat. Schöne Sache, alt und knusprig zu sein, aber gut, tot sein ist auch keine Option, alt sein und werden ist halt nichts für Weicheier. Für mich ist es gerade halt hart, weil ich auf mich und mein Leben blicke wie mein 11-jähriges Ich, damals war ich körperlich und geistig hoch trainiert, ich tanzte jeden Tag stundenlang und danach las ich noch 1-2 Bücher. Dagegen bin ich heute Wackelpudding, von einem Extrem in das andere.

Das Ergebnis von über 30 Jahren Berlin? Ich lebe noch, aber wie? Immerhin konnte ich aufhören auf meine Mutter wütend zu sein, dass sie mich damals nach Berlin verschleppt hat, ich wollte niemals hier her und schaut man an, was ich dadurch verloren habe, ist es vielleicht auch verständlich, Berlin war der Fleischwolf für meinen Körper und meine Seele. Aber ich bin noch da, ich habe überlebt und mittlerweile auch eine sichere Überlebenssituation hier. Nur hübsch, gesund und intellektuell, das bin ich weniger, dafür aber jetzt sehr erfahren und vielleicht auch ein Stück weise? Was meinem alten Ich jedoch gefällt ist, dass ich eine selbstständige Frau bin, mit eigener Wohnung, eigenem Einkommen, nicht die abhängige Tochter oder Ehefrau von. Ich wollte unabhängig sein, ich wollte frei sein, was nicht heißt, dass ich deswegen auf Liebe verzichten wollte. Aber geliebt werden nur brave Mädchen und nicht wilde Frauen? Ich denke das westdeutsche Frauenbild ist bis heute für den Arsch, manchmal wünsche ich mir deswegen lieber in Ostdeutschland aufgewachsen zu sein, wo die Gleichberechtigung der Frau selbstverständlich und kein Kampfthema war. Wie kann man Menschen wegen Geburtsmerkmalen ihre Rechte absprechen? Wie wir geboren werden, dafür können wir nichts, nur was aus uns wird, dafür sind wir (mit)verantwortlich.

Genug gepredigt zum Morgen, ich denke gerade halt viel nach über mein Leben, was daraus wurde und warum. Das Mädchen, das mit dem Kopf durch die Wand wollte, sieht heute ziemlich verbeult aus und raucht. Berlin, der Moloch war stärker? Wäre es anders geworden wäre ich in Köln geblieben? Keine Ahnung, in meiner Vorstellung war es immer so und das schürte die Wut auf meine Mutter und das Leben immer sehr. Zurück zum jetzt, es ist mitten in der Nacht, es ist dunkel, es regnet und ich trinke Kaffee und rauche, so erwachsene Selbstzerstörung in Berlin 2021. Erkenntnis ist nicht Veränderung, Veränderung kostet Kraft und Zeit und ich weiß nicht, ob ich davon noch genug habe. Das kleine Mädchen weint deswegen, die erwachsene Frau raucht darauf eine, isst danach eine Tafel Schokolade und bewahrt die Ruhe. Mitten in der Nacht, meine Unterhaltung mit meinem früheren Ich:

Gegessen, Medis, Mutter, stolz und Berge

Guten Morgen, ganz passabel geschlafen und zu früh wach. Gestern der Kosmetiktermin ist zum Glück ausgefallen, wäre mir gestern auch nichts gewesen, der Termin beim Arzt reichte als tägliches Ausflugsziel. Danach dann Döner und später das hier gekocht. Heute Homeoffice mit Supervision, ich glaube damit könnte ich heute alleine sein, weil sonst keiner da ist. Da ich aber gerade die meiste Arbeit alleine mache, auch angemessen? Viel Musik gehört und nur wenig Fernsehen gesehen und relativ früh schlafen gewesen. Erstmal alles sacken lassen und notfalls mehr Tropfen für mich, der Arzt hat mir gestern ein Rezept gegeben. Es ist noch dunkel, die Straße rauscht und ich mag mein „neues“ Wohnzimmer. Beschlossen eine neue Handtasche zu tragen, ich kann nicht ewig alle Sachen meiner Mutter auftragen, das mochte ich schon zu ihren Lebzeiten nicht und fühlte mich dann verpflichtet nach ihrem Tod? Ich habe den Eindruck, so halte ich sie irgendwie mehr in Erinnerung, aber die Sachen sind und waren nie ich. Die einzige Ausnahme sind ihre Anfertigungen, das sind wenigstens Einzelstücke, nicht ganz mein Geschmack, aber einzigartig wie ich.

Der Kaffee schmeckt und ich bin eine neue Frau in Werdung, vielleicht auch eher die alte Nadine? Überhaupt Nadine? Ich lachte früher schon herzlich über den Witz: „Wer bin ich? Und wenn ja wie viele?“ Meine Mutter und ich waren immer ein Stück eine Person, vielleicht fällt es mir deswegen so schwer sie endlich loszulassen. Mit ihrem Tod bin auch ich ein Stück gestorben. Sie ist immer noch die Hälfte, die ich vermisse. Für mich ist sie immer noch da, auch wenn sie sonst keiner sieht und fühlt. Frau kann schreiben und denken über sie was man will, aber im Zweifelsfall war sie ein kämpfender Schutzengel für mich. Heute spiele ich für viele Schutzengel, aber wer schützt mich? Da fällt mir in Berlin nur mein Stiefvater ein, vielleicht auch mein Bruder, wenn der mal was mitbekommt. Einer meiner Onkel aus er alten Heimat vielleicht auch, während ich meine Oma vergessen kann. Für meine Oma war ich immer das unerwünschte Kind und die Schande der Familie Teil 2 nach meiner Mutter. Wir waren die schwarzen Schafe und irgendwann auch stolz drauf. Das ist eine gute Erinnerung an sie, neben der ganzen Vernachlässigung und Gewalt, sie hat mich gelehrt stolz darauf zu sein, ein Outsider, ein Freak ein Halbblut zu sein. Vielleicht auch ein Grund, dass schwule Männer sie liebten. Dieser Teil von ihr muss unbedingt überleben, der Glaube, dass jeder einzigartig und wertvoll ist und stolz darauf sein kann.

Ich glaube ohne diesen Glauben, wäre ich nie so weit im Leben gekommen, zu viele Hater in meinem Leben. Genug Mutter Gequatsche für heute, das Leben geht weiter und kein Berg wird je zu hoch sein….

Geschlafen, spät, Wohnzimmer, Kosmetik und rum wackeln

Guten Morgen, tatsächlich geschlafen die Nacht und aufgewacht in einem grauen Novembertag. Gestern sehr kurz gearbeitet und stattdessen lieber das Wohnzimmer angegangen. Der alte Couchtisch ist jetzt weg und der Boden gestaubsaugt und gewischt. Danach schlafen und nicht gekocht, sondern TK-Lasagne gegessen, später dann aber noch das Gulasch für heute vorbereitet. Habe es mit einem Schuss Sherry gekocht, lecker. Im Hausflur gerade Besuchstag, ich habe Sonntag früh um acht andere Pläne als Leute zu besuchen und Krach zu machen. Ich schlürfe Kaffee und blinzle schweigend in den Tag. Die Amaryllis ist einfach wunderschön, ich bin immer traurig, wenn ich sie nach Dezember nicht mehr bekomme. Wäsche gewaschen und für heute keine genaue Zeit mit dem Vater vereinbart, vielleicht ein Fehler, so kommt er spät und ist dann noch nicht mal zu spät?

Veränderung, Veränderung, immer stressig, aber gleichzeitig aktuell auch lohnend, das Wohnzimmer sieht schon besser aus. Ist schon krass, dass ich erst nach sechs Jahren die Wohnung so einrichte und arrangiere wie ich es brauche und möchte, egal was Mama will/wollte. Die ersten Jahre habe ich den schönsten Raum hier gar nicht genutzt, weil sie es mir verboten hatte. So habe ich jahrelang Miete bezahlt, ohne was davon zu haben. Untermieter in der eigenen Wohnung. Jetzt wird das langsam meine Wohnung, die für meine Zwecke voll genutzt wird. Morgen zum Psychiater und zur Kosmetik, beides keine tollen Termine, der Psychiater ist zwar ein angenehmer Mensch, aber am Arsch der Welt und das mit der Kosmetik wird wieder schmerzhaft. Der Effekt beim letzten Mal war knallrotes Gesicht und einen Tag danach 10 Jahre älter aussehen, ich hoffe dieses Mal wird es besser.

Der Mann war gestern auch da, aber nur kurz, nach unserem Wochenende letzte Woche gerade auch nicht so große Sehnsucht, wir beide brauchen jetzt glaube ich Zeit allein, um liegen gebliebene Sachen zu sortieren und sich zu erholen. Ich glaube ich werde nie die Frau die 24/7 mit irgendwen zusammen sein möchte, die Einsamkeit ist eine notwendige Sache zwischendurch. Während es für viele Leute Horror ist allein zu sein, ist es für mich Horror nie allein zu sein. Ich brauche halt meine Privatsphäre Privatatmosphäre, wie ich als Kind fälschlicherweise sagte. Eine Blume braucht dringend neue Erde, eine Mission für heute. Das mit dem Terrorvogel ist dank Wasserpistole deutlich besser geworden, nur wenn Futter oder Wasser fehlt, kriege ich noch was auf die Ohren. Keine Ahnung was ich jetzt mit meinen Wohnzimmer-Bildern mache, sie passen hier nicht mehr rein, aber der Keller ist auch voll. Eine Erlösung wäre ein Altkleidercontainer in der Nähe, aber der nächste ist kilometerweit entfernt und ich habe kein Auto. Im Kleiderschrank ist auch noch Potenzial für weitere Säcke Altkleider, aber wohin damit?

Gestern weiter Musik gehört bzw. Musikvideos geschaut, auch anstrengend irgendwann, aber ich habe soviel Musik verpasst. Ich habe sehr viel verpasst in meinem Medikamenten-Koma, aber das Schlimmste finde ich ist die entgangene Musik. Singe jetzt wieder vor mich hin und wackle herum, solange das mein Körper zulässt, was nicht lange ist. Auf in den Tag, es gibt hier in der Wohnung viel zu tun und ich versuche es mal mit einem rum wackel Song zum Morgen:

Stille, Reise, Sucht, Ozeanum und Ne-Yo

Guten Morgen, wach in der Nacht und Stille, kein Geschrei heute und ein Kaffee zum Morgen. Fühle mich aber ausgeschlafen. Heute die Reise, ich bin etwas aufgeregt, auch wegen der Übernachtung im Hotel. Gestern sehr viel Musik gehört und ansonsten kaum was auf die Reihe bekommen. Es gibt so viel Musik, die ich verpasst habe. Abends dann iPod neu bespielt, mit neuer Musik, auch heute für den Weg, denn ich ahne der Mann wird am Smartphone hängen. Irgendwie ist da meine Tabaksucht, im Vergleich zur Smartphone-Sucht, kompatibler im sozialen Verhalten. Ich bin bei einer Zigarette trotzdem für anwesende Leute da. Er mit seinem Smartphone nicht. Was solls, dann habe ich halt eine schöne Zeit mit Ne-Yo, während er daneben sitzt. Bin gespannt auf das Ozeanum, es ist Jahrzehnte her, dass ich tauchen war und ich glaube mein Schatz, war noch nie tauchen und kennt solche Aussichten gar nicht. Das Gesicht hat sich endlich wieder beruhigt, hätte ich vorher gewusst, dass man durch Kosmetik auch erstmal so viel schlimmer aussehen kann.

Gestern eine große Plastikkiste für den Balkon geliefert bekommen, habe beschlossen Kartoffeln und Möhren auf den Balkon auszulagern, die nehmen sonst so viel Platz weg und der Balkon ist derzeit kühler als der Kühlschrank. Der November wie immer zum Weglaufen. Ich fahre dann mal weg, wenn auch nur kurz. Auch eine Chance am Meer an die Mutter zu denken und vielleicht mit ihr zu sprechen. Mein Besuch im August war zu kurz. Muss noch Tasche packen, etwas was meine Mutter nicht verstanden hat, wie man so kurzfristig packen kann, die hat immer Tage vorher gepackt, aber gut, sie hat dann auch immer den halben Haushalt mitgenommen. Ich bin da minimalistischer. Ich denke ein Snack für den Weg, frische Unterwäsche und was zum Schlafen sollte reichen. Urlaub damit bald vorbei, das ging schnell, gerade zieht mich nichts zurück zur Arbeit, all diese traurigen Geschichten ohne Rücksicht auf mich. Aber gut verhältnismäßig geht es mir meistens besser, als den Leuten, die zu mir kommen. Auf in den Tag heute wird ordentlich gefrühstückt und danach Berlin verlassen, um zurückzukehren. Das Beste an Berlin ist, wenn man zurückkehrt, dann erscheint die Stadt immer großartig und alles was ich hier habe. Ne-Yo ist heute früh schon in meinem Gehörgang, aber sein wir ehrlich der Mann braucht einen Hut, ohne Hut, sieht er nur halb so gut aus: