Psychopharmaka, eine Dokumentation von der ARD

Guten Morgen, endlich genug geschlafen. Das ist doch mal was. Fühle mich auch schon etwas besser. Ein grauer Tag grüßt und gestern lief auf der ARD endlich mal eine Aufklärung über Psychopharmaka, wie ich und sehr viele Freunde und Bekannte von mir es erlebt haben. Ein Hoffnungsschimmer, dass Menschen, die die Pillen nehmen und über fehlende Wirkung, aber üble Nebenwirkungen klagen, mal ernst genommen werden. Auch wird über die lebenslange Abhängigkeit gesprochen und über die Schmerzen und Zustände, die man erleidet, möchte man davon wieder wegkommen. Es geht zwar nur um Antidepressiva, aber bei Neuroleptika ist das ähnlich. Man wird mit diesen Medikamenten versorgt, hat oft keine erwünschte Wirkung, aber Nebenwirkungen und davon wegzukommen bedeutet schlimme Schmerzen. Ist schon genial, wenn Pharmaindustrie und Ärzte aus zweifelhaften Gründen zusammenarbeiten und Patienten jede Glaubwürdigkeit absprechen. Ein lebenslanger Leidensweg, ein riesiges Geschäft. Leider schaffen es nur wenige aus eigener Kraft da wieder herauszukommen. Auch ich brauchte Hilfe, sehr viel Hilfe und die Schmerzen und Zustände waren einfach unerträglich. Besonders wenn man irgendwann so abhängig ist, dass eine sehr hohe Chance auf eine Absetzungspsychose entsteht, die dann wieder genutzt wird, um noch mehr Medikamente lebenslang zu verschreiben. Ein Teufelskreis. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr das Video verteilt, vielleicht kann man so noch das ein oder andere Schicksal retten.

Zurück zu meinen Leben, ein grauer Tag grüßt, ich bin jetzt bald zwei Monate ohne Neuroleptikum und habe nur noch die Schmerzen, die ich durch meinen zerstörten Magen-Darmtrakt und das Übergewicht habe. Keine Krämpfe mehr, kein Tremor und endlich wieder das Gefühl ich zu sein. Auch die Frauensachen haben sich endlich wieder, bei sinkenden Prolaktinspiegel erholt. Ich habe wieder Gefühle, ich kann lachen und weinen, wütend werden. Auch der Blutdruck ist wieder unten, kein Herzrasen mehr, keine Angst- und Panikattacken mehr. Aber mein Körper ist eine Ruine, schwierig zu ertragen, wenn der Kopf wieder auch Hochtouren läuft. Aber immerhin habe ich jetzt wieder die Chance, mit guter Ernährung und Sport so viel zu reparieren wie geht. Und die bei mir zum Glück nur leicht erhöhten Werte bei Zucker und Cholesterin noch so weit zu senken, dass ich nicht weitere lebenslange Pillen kriege. Ist schon ein geniales Geschäftsmodell, wenn Pillengabe dazu führt, dass weitere Pillen gegeben werden müssen. Ein Schelm, ein Geisteskranker, wer Böses dabei denkt. Ich finde, da sind die Drogendealer in Berlin dagegen ehrlichere Leute. Die erzählen eine wenigstens keine Lügengeschichten, auch wenn deren Ziel sicher auch ist, lebenslange Kunden zu generieren. So genug geschrien, geschrieben zum Morgen, bitte schaut euch das an, denkt mal darüber nach und lächelt nicht abfällig über Leute, die bereits abhängig sind von diesen teuflischen, pharmazeutischen Produkten.

Traum, Taxi, Schwarzmarkt und Büro

Guten Morgen, was für ein verrückter Traum, da wache ich lieber auf, statt weiter zu träumen. Ich war in einem beigen Haus, indem sehr viele Leute eine Party feierten. Eine Frau bot den Partygästen Zyprexa an, mit der Aussage, das wäre hilfreich und würde beim Abnehmen helfen. Ich rastete aus und verweigerte die Einnahme und versuchte die anderen zu warnen, die aber alle brav schluckten. Ich suchte meine Tasche und mein Handy und rannte davon, nahm ein Taxi irgendwo hin. Der Taxifahrer fuhr mich zu einem anderen Haus, indem keine Party war. Das Haus schien verlassen, ich rannte herum, sah ein Paar am Swimmingpool langweiligen Sex haben, wollte nicht stören, ging wieder. Ich schaute aus dem Fenster und dort war ein Fluss zu sehen, indem wild grünes und pinkes Wasser floss. Ich suchte meinen Mann, versuchte ihn anzurufen, keine Verbindung, wurde leicht panisch, erwachte und beschloss Kaffee zu kochen. War das realistisch, 40 Minuten brauchte ich jetzt um im Jetzt wieder anzukommen und es als nicht realistischen Traum zur Seite zu legen. Ich bin hier, in meiner Wohnung, ich habe alle Taschen hier, ich habe mein Handy hier, keine Partyleute, die Drogen und Neuroleptika nehmen zu sehen und der Ehemann schläft wahrscheinlich gerade in einem anderen Land.

Alles gut so weit, die Traumsymbole sind angeblich überwiegend positiv. Kam mir alles nur gar nicht so positiv vor, ich kann mir gut vorstellen, dass es Leute gibt, die Psychopharmaka als Partydroge nutzen. Wie ich hörte, kann man Abilify am Kotti in Berlin auch zu hohen Preisen verkaufen. Ich bin mir da nur nicht sicher, ob das Partyleute sind, oder eher psychotische Leute, die sonst nicht an die Medikation herankommen. Ähnliches hatte ich früher schon von Kodein Hustensaft gehört, aber die Zeiten ändern sich. Hustensaft habe ich keinen mehr, aber noch Abilify, dass auf dem Schwarzmarkt sicher hunderte Euro wert ist. Da hätten wir dann noch eine ernsthafte Notreserve bei mir gefunden, jenseits von Pfandflaschen. Heute wieder Büro, aber kaum Termine. Keine wirkliche Lust darauf, denn Bus fahren ist anstrengend. Taxi kann ich mir aber nicht so oft leisten und für das Fahrrad bin ich immer noch zu unsportlich. Die Jukebox im Kopf meldet heute diesen Song:

Müde, Rekonstruktion eines Gehirns und Tod durch Psychopharmaka

Guten Morgen, heute schon etwas besser. Gestern, kein so wundervoller Tag. Gearbeitet, so weit es ging und telefoniert. Ein freundlicher Tag scheint zu grüßen, heute aber einkaufen. Es fehlen mir frische Dinge. Der Blutdruck ist normal, der Kaffee schmeckt und leider meinen die Vögel auch den Tag begrüßen zu müssen. Ich bin müde, aber nicht so müde wie gestern, ja geistige Arbeit schlaucht auch. Was mein Kopf, meine Seele zu verkraften hat, ist derzeit auch immens, soviel Erinnerung wieder hergestellt, so viel Informationen zu sortieren. Mir kommt mein Kopf wie ein Lager vor, indem bestimmte Areale Jahrzehnte nicht genutzt wurden. Jetzt stehe ich im staubigen Lager und entdecke neu, sortiere und entsorge. Die Trümmer in meinem Kopf und meiner Seele, mal sehen wie lange der Wiederaufbau dauert.

Gar keinen Bock mehr auf die Großoma, denn ich weiß wieder, was sie getan bzw. verursacht hat. Doch derzeit überwiegt kein Hass bei den wieder entdeckten Sündenregistern der anderen. Bei der Oma erklärt es einfach vieles und ich habe beschlossen von meiner Seite aus, mich nicht mehr ständig, um Kontakt zu bemühen, wenn von ihr nichts kommt. Mein ganzes Leben war sie Oma auf Distanz, dann kann sie da jetzt auch bleiben. Versucht meine Gesichts- und besonders Kieferkrämpfe zu lockern, seit Fluanxol ist mein Gesicht ein einziger Krampf, es hat irgendwann aufgehört anstrengend und auffällig zu zucken, aber die Verspannungen und Krämpfe blieben anscheinend bis heute. Ist schon toll, wie dieses Medikament aus einer hübschen gesunden Frau, eine apathisch wirkende Frau mit Versteifungen und Krämpfen am ganzen Körper gemacht hat. Besonders die Gesichts- und Zungenkrämpfe, waren dann wohl für meine Mitmenschen arg irritierend bis abschreckend. So war dann auch optisch für jeden sichtbar, dass irgendwas nicht mit mir stimmt oder dass zumindest Ärzte das glauben. Dass ich damals gegen meinen Willen gezwungen wurde, die Scheiße zu nehmen, ist immer noch unfassbar, kein Gericht hatte mich je dazu gezwungen, das, was die Ärzte und Pfleger damals mit mir gemacht haben, ist also strenggenommen Körperverletzung.

Aber ich hatte so Angst vor Fixierung, im Nebenzimmer lag damals ein junger Mann, der fast 6 Wochen am Stück in seinem Bett fixiert lag und Tag und Nacht schrie. Heute ist dieser junge Mann tot, gestorben, wahrscheinlich an einer Überdosierung, die er selbst später in Freiheit eingenommen hatte, weil er Angst vor einem erneuten Krankenhausaufenthalt hatte. Über diesen Tod bin ich bis heute nicht hinweg. Er könnte noch leben, hätte es im Krankenhaus eine bessere Behandlung für ihn gegeben und hätten Ärzte ihm nicht leichtfertig tödliche Medikamente mit nach Hause gegeben. Ich lebe noch zum Glück, aber ich werde ihn nie vergessen. Seine Beerdigung war sehr schön, aber es ändert nichts daran, dass ein junger Mann sterben musste, weil unser Gesundheitssystem ihn hingerichtet hat, nicht helfen konnte. Ich verstehe nicht, wie solche Taten, solche Schicksale einfach vergessen werden können. Er könnte noch leben, hätte es damals mehr Personal im Krankenhaus gegeben, hätte man ihm nicht eine riesige Menge Psychopharmaka mit nach Hause gegeben. Auch ich könnte jederzeit seinen Tod sterben, denn im Laufe der Jahre habe auch ich eine beachtliche Menge Pillen gesammelt, die leicht zu einer Überdosierung führen könnten. Darauf zu vertrauen, dass Menschen in Krisen allein zeitnah in Krankenhäuser fahren und nicht einfach zu viele Tabletten nehmen, ist für mich eine stille Zustimmung zum Tod dieser Menschen. Dabei wohnte dieser junge Mann schon im betreuten Wohnen, doch niemand hat ihm geholfen, sogar die Leiche wurde vom Mitbewohner, nicht vom Betreuer oder Pfleger entdeckt.

Für mich heißt das nur, bist du verrückt oder anders, lasse dich nicht dabei erwischen, den einmal in den Händen des Systems, könnte das den baldigen Tod bedeuten.

Lauchkuchen, Medikation, Homeoffice, Benzin, Massage und gute Zeiten

Guten Morgen, wieder eine zu kurze Nacht, aber heute Homeoffice, also ist Schlafnachschub machbar. Diese Woche von den Bürotagen nicht so erschöpft, ich hoffe, das ist ein gutes Zeichen, dass es kräftemäßig wieder aufwärts geht. Zum Glück wurde mein früher Termin abgesagt, das kann ich gerade gut gebrauchen. Gestern Lauchkuchen statt Pizza gemacht, das ist der Vorteil bei Homeoffice, ob ich heute stinke oder furze interessiert niemanden. Der Mann müsste im neuen Land angekommen sein, ich hoffe, er meldet bald auch ein gutes Hotelzimmer. Der Kaffee schmeckt, der Himmel grüßt wolkig blau, die Straße rauscht. Die neuen Kopfhörer sind immer noch klasse, den sie isolieren mich von Außengeräuschen, das ist unterwegs in den Öffentlichen sehr entspannend, die anderen nicht mehr zu hören. Blutdruck wird gerade sehr genau beobachtet, bei jedem Reduktionsschritt, spielten die Werte immer erstmal eine Weile verrückt, normalisierten sich aber wieder. Das Miese ist nur, das Medikament lagert sich auch in den Fettzellen ab und während der Einnahme hatte ich reichlich Zuwachs an Fettzellen. Also sollte ich immer noch Medikament im Körper haben, auch wenn ich es schon wochenlang nicht nehme.

Einatmen, ausatmen, ich bin froh heute zu Hause bleiben zu dürfen, waren genug Orte und Menschen diese Woche, heute reicht es, wenn ich beruflich und privat telefoniere. Die Tage wieder Taxi gefahren und von meinem kurdischen Fahrer erfahren, dass eine Tankfüllung in der Türkei gerade wohl eine Monatsmiete kostet. Keine Ahnung, warum es einen Versorgungsengpass an Benzin in der Türkei gibt, aber gut zu wissen, sowas in den Medien zu erfahren ist wohl eher unwahrscheinlich. Da kann man für die Bewohner der Türkei nur hoffen, dass es einen gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr gibt. Das Projekt Bad putzen hat seit der neuen Beleuchtung im Bad neue Dimensionen erreicht, mir war nicht klar, wie dreckig das Bad wirklich ist, habe ich vorher einfach nicht gesehen. Immer noch schwindelig hier und da, aber es wird weniger, mein Luxus des Monats wird wohl wieder eine Thaimassage sein. Diese Massage ist nicht nur entspannend, sie hilft mir auch gesundheitlich deutlich, Schmerzen und Beschwerden eine Weile zu reduzieren, ohne Chemie in den Blutbahnen, davon habe ich schon genug. Die Kollegin war von der Massage auch begeistert. Versuchen wir es mit Optimismus zum Tag, frei nach dem Motto: „So wie es in den Wald hineinschallt, so schallt es wieder raus“:

Büro, Tante, Nebenwirkungen von Abilify und Gift

Guten Morgen, ganz passable Nacht und angenehme Temperatur. Heute ins Büro denke, das tut mir gut, zu lange allein sein macht mich immer wunderlich. Später Tante treffen, mal sehen, wie das wird, im Zweifelsfall renne ich weg. Neue Kopfhörer vom Mann bekommen, mit dem neuen Handy gehen keine kabelgebundenen mehr. Ruhe im Haus, aktuell könnte man meinen ich bin allein hier. Gekocht gestern eine Möhren-Brokkoli-Pfanne mit Buchweizen und dazu Hühnerbeine. Versuchen wir das doch mal mit der gesunden Ernährung. Entwöhnung vom Neuroleptika geht ganz gut, Blutdruck ist aber zu weit unten jetzt und mir ist öfter mal schwindelig. Blutdrucksenker also auch reduziert, ich halte es nämlich für keine gute Idee, abends bei einem Blutdruck von 108 zu 58 noch Blutdrucksenker zu nehmen.

Liest man die Berichte von Nebenwirkungen von Nutzern von Ablify, macht das alles auch Sinn, was mir passiert ist: Blutdrucksteigerung, Gewichtszunahme, Schlafstörungen, erhöhte Blutzuckerwerte, Herzrasen, Herzaussetzer, Magen-Darm-Probleme, Prolaktinerhöhung, Muskelzuckungen und Zittern, Schwitzen, um nur die Nebenwirkungen zu nennen, die bei mir aufgedrehten sind. Man kann sich also entscheiden, ob verrückt oder körperlich schwer krank. Ich bin dann lieber verrückt. Ich habe 36 Jahre mit meinem verrückten Kopf gelebt, ohne Pillen zu brauchen, bis ich ins Krankenhaus kam. Sollte ich jetzt trotz dieser ganzen Schäden körperlich überleben, bin ich optimistisch, dass ich meinen Kopf weitere 36 Jahre ohne diese Pillen managen kann. So viel dazu, dass die seelisch Kranken gern für die eingebildeten Kranken abgestempelt werden, bei der Medikation kein Wunder.

Der Tag grüßt grau, die Temperaturen sind gefallen und meine Vögel stressen. Heute an einen alten Song gedacht, über das Gift in meinen Blutbahnen, in Bezug auf Neuroleptika macht das Sinn:

Früh, Crêpe, tödliche Nebenwirkungen und jetzt oder nie

Guten Morgen, schon etwas besser mit Schlaf. So früh wach sein, aber immer noch schräg. Kaffee gekocht und endlich allein hier, wenn ich viel unter Menschen war, brauche ich halt meine Ruhe. Nicht weil die alle scheiße sind, sondern weil es so viele Eindrücke sind. Gekocht gestern Crêpe, wobei bei mir eher Eierkuchen, weil die viel zu dick geworden sind, aber lecker. Heute Konzert, da muss ich jetzt hin trotz aller Erschöpfung, in der Hoffnung das es nicht nur Kraft kostet, sondern auch bringt. Heiß ist es immer noch in der Stadt und ich habe dazu zu wenig Röcke und Kleider und immer noch blutige Füße. Meine Ventilatoren gerade meine besten Freunde, um überhaupt Schlaf finden zu können.

Kreislauf etwas besser, aber immer noch nicht gut, vielleicht weil mein Blutdruck seit dem letzten Medikamenten-Reduktionsschritt von Abilify deutlich geringer ist, ich aber noch die gleiche Dosis Blutdrucksenker nehme. Rückblickend kann ich sogar behaupten, vor Abilify hatte ich gar keine Bluthochdruckprobleme. Erst mit diesem Medikament explodierten die Werte zu gefährlichen Spitzen. Wäre ich bei der empfohlenen Anfangsdosis geblieben, wäre ich jetzt wahrscheinlich tot. Denn die Anfangsdosis wirkte auf mich gefühlt wie Speed oder Koks, aufgedreht hoch zehn und gar kein Schlaf mehr über Wochen, bis ich protestierte. Jetzt liegen die Werte nach Kaffee und Zigaretten, vor der Einnahme des Blutdrucksenkers, unter 140. Denke ich jetzt noch darüber nach, dass ich wegen der falschen Diagnose, wahrscheinlich nie Neuroleptika brauchte, hört man meinen Schrei hoffentlich bis nach Australien und zurück.

Wie kann man so leichtfertig und schnell solche schwerwiegenden Diagnosen stellen und starke Medikamente verschreiben, die in meinem Fall lebensgefährlich waren und immer noch sind? Sind die Ärzte heute alle Jünger der Pharmaindustrie? Die aus Hilfe suchenden Patienten in Sekunden lebenslange Kunden der Pharmaindustrie machen? Problem gelöst, Patient tot? Für mich heißt es jetzt, mit neuer Diagnose und der Erkenntnis über die totale Falschbehandlung: „Jetzt oder nie“ den mein Leben ist endlich und ich habe mindestens 10 Jahre verloren, die ich nie wieder kriegen werde. Für meine Gesundheit gibt es vielleicht noch Hoffnung, vielleicht schaffe ich es wieder abzunehmen und die Muskeln wieder aufzubauen, aber Hilfe dabei Fehlanzeige. Ach, lassen wir die Roots dazu singen:

Therapie, Obst, Dorf der Teufel und Schutzengel

Guten Morgen, viel zu früh wach, aber aufgestanden und Kaffee gekocht. Heute Therapietermin, mal sehen, wie das wird, aber ich glaube, ich habe schon ohne den Therapeuten alleine weitergemacht, nachdem ich seine Methode verstanden habe. Viel geweint, dem Vater abgesagt, nicht das Haus verlassen. Graue Aussichten, noch ist es kühler. Das Puzzle in meinem Kopf ergibt langsam Sinn, ist aber immer noch unvollständig. Ich brauche mehr Informationen aus der Familie, die Mutter ist tot, die Oma spricht nicht mehr mit mir, aber vielleicht mein Onkel? Alleine werde ich die Jahre 0-3 nicht klären können. Wieder mit Licht geschlafen, auch dazu kamen Erinnerungen, keine Guten. Mehr Obst gegessen und die Verdauung dankt es mir, dass ich etwas Gesundes, was ich mag und mir hilft nicht esse, weil ich denke, es ist verboten, ist schon ziemlich traurig. Ich so, 40 Jahre später. Die frühkindliche Prägung ist schon so eine Sache, oft bleibt sie nicht hinterfragt lebenslang bestehen.

Das Dorf, aus dem ich komme, je mehr ich mich erinnere, umso mehr denke ich, dass das meine persönliche Hölle war, nicht nur die meiner Mutter. Alles Scheinheilige oder einfach nur schrecklich dumm? Oder war das normal in den 70er? Da möchte ich jetzt aber mal keine Zeitreisen machen können, alles, woran ich mich erinnere, das will keiner wieder erleben. Na vielleicht mal den Onkel anrufen, seine Erinnerungen sollten deutlicher sein. Nicht darüber nachdenken, dass ich jetzt wahrscheinlich 10 Jahre mit der falschen Diagnose falsch behandelt wurde und daran fast gestorben bin. Dazu könnte ich nur einen Urschrei loslassen oder besser einen Anwalt suchen. Fast alle meine Unterdiagnosen reihen sich jetzt logisch zusammen zum Oberbegriff PTBS. Warum hat das keiner erkannt? Warum wurde ich gezwungen Neuroleptika zu nehmen, die wahrscheinlich gar nicht nötig waren und nichts verbessert haben, eher das Gegenteil! Eine Sedierung war vielleicht in der Krise 2013 ganz sinnvoll, aber für 10 Jahre? Die Medikation hat jetzt ewig mein Gehirn blockiert, so viele Erinnerungen weg, ich weg. Nachdem mein Psychiater letztens das Medikament gleich absetzen wollte, angefangen wieder zu reduzieren, mein Gedächtnis dankt es mir, ich weiß jetzt schrittweise wieder wer ich bin, woher ich komme und was mir passiert ist.

Das ist alles so schrecklich, aber es ist gut es zu wissen, es gehört zu mir, es erklärt, wer ich heute warum geworden bin. Das Gedankenrasen hat damit aufgehört, ich bin zwischenzeitlich einfach nur noch sehr traurig und ruhig. Dieses Mal gelingt es mir, die Fakten von alternativen, ausschmückenden Phantasien in meinem Kopf zu trennen. Aber kein Wunder, dass ich mich bei den Erinnerungen lieber ins Phantasialand flüchte. Das ist alles noch immer unfassbar, was da so ein paar Dorfleute in den 70ern gemacht haben. Aber es gab auch Schutzengel, vielleicht auch immer noch, einer davon ist männlich, ich hoffe, ich darf ihm irgendwann (wieder) begegnen, er ist ein Teil von mir, nicht nur meiner Geschichte:

Kein Sturm, Zucchini, Diagnose, Medikamente und Wunder

Guten Morgen, noch nicht ganz wach, weil viel zu lange wach gewesen. Das Unwetter beobachtet und genossen, doch kein Sturm für Berlin, nur finstere Aussichten mit beeindruckend schwankenden Bäumen in der Nacht. Schon interessant, wie sich so viele Wetterdienste auf einmal irren können. Also ganze Aufregung umsonst für Berlin. 25 Grad in der Bude, für meinen Geschmack etwas zu viel, gleich mal alle Fenster aufgerissen. Früher liebte ich die Wärme des Sommers, als dicke Frau jetzt weniger, denn ich weiß nicht, was ich anziehen kann und schwitze. Eigentlich möchte frau sich verhüllen, uneigentlich erfordert der Sommer etwas anderes. Fisch mit Backkartoffeln und Möhrengemüse im Ofen bereitet, war ganz lecker. Samstag, nichts vor und das ist gut so, die Welt steht und dreht noch und für den Moment kein Techno zu hören. Küchenregal ausgeräumt und neu justiert, das Regal ist leicht schief, aber der Fußboden noch mehr. Nicht so eine geniale Vorstellung, dass das Regal mit all den Vorräten einfach so umstürzt. Später Zuchiniküchlein gemacht, die bei mir eher Fladen waren. Deckel auf die Pfanne war wohl keine gute Idee. Beratungen im Homeoffice gestern waren ok, Tränen, aber keine Beschimpfungen. Besser wäre natürlich keines von Beiden, aber aktuell scheint das nur selten möglich.

Das Konto sieht mies aus, Umzug des Mannes und gleichzeitig wieder Vorräte aufstocken, eine teure Geschichte. Jetzt ist aber beides geschafft. Keller aufräumen ist auch noch so eine Aufgabe, aber nicht heute. Morgen dann Mann und Vater treffen, aber heute gehört mir bzw. aus Erfahrung dem Nichts. Wohnung etwas putzen, kochen und die Badewanne sind dann mal die erlaubten Aktivitäten, auch nicht zum Supermarkt, hier gibt es genug zu essen. Der Vogel stresst, wie kann man nur in einer Tour so notgeil sein? Sogar den Wellensittich versucht er zu bespringen. Ständig diese Balzgesänge, ständig die Attacken auf alle Weibchen. Belastend, eigentlich sollte er ein Mädchen sein, jetzt habe ich einen lauten Tyrannen. Kaum Schmerzen gerade und Blutdruck unten, das muss auch mal bemerkt werden, ich fühle mich mit meinem dicken Bauch aber so als wäre ich dauerhaft im neunten Monat schwanger, eine Nebenwirkung von Amisulprid, von dem ich anfänglich so begeistert war. Das Medikament bin ich schon lange los, der (Bier-)Bauch und auch andere Dinge blieben. Aber die Hoffnung besteht, dass sich mein Körper auch davon wieder erholt, die Parkinson-Symptome von Fluanxol sind großteils auch verschwunden, nur ab und zu noch ein Tremor. Das alles, nachdem sich die Ärzte nie ganz sicher waren, ob ich schizophren bin oder nicht, nein ich möchte nicht darüber nachdenken, dass ich es vielleicht gar nicht bin und völlig unbegründet mit Medikamenten ruhig gestellt und zerstört wurde.

Nur die jungen Klinikpsychiater fanden diese Diagnose passend, während der Gerichtsgutachter und alle anderen Ärzte danach Zweifel an dieser Diagnose hatte, aber trotzdem Pillen verschrieben haben. Anderes Thema, denke ich darüber nach, möchte ich nur schreien, denn auf jeden Fall waren die Dosen, mit denen ich behandelt wurde, viel zu hoch. Ein grauer Tag grüßt, der Kaffee schmeckt, ich rauche zu viel und frage mich, was das Leben wohl noch bietet für mich. Eine ausgelaugte Sozialarbeiterin mit Bierbauch liegt auf dem Sofa und wartet auf das Ende der Pandemie, das Ende des Krieges und ein Wunder:

Regen, Regal, Heizung, Psychiatrie und Emanzipation

Guten Morgen, Regen und graue Aussichten. Die Nachbarn schreien herum, der Mann mosert, weil die Heizung im Haus abgestellt wurde. Ich finde bei Sonnenschein und 25 Grad in der Stadt muss man aber auch nicht heizen? Aber nur meine Ansicht der Dinge. Auch aktuell habe ich hier bei offenen Fenstern die ganze Nacht 23 Grad. Gestern nicht viel passiert, ein paar Anrufe und Mails und mein Küchenregal endlich aufgebaut. Bin ich stolz auf mein Regal, endlich keine Kramecke mehr hinter der Tür, wo immer alles, was man sucht, ganz unten liegt. Nicht mehr so schläfrig, aber energiegeladen ist auch anders. Bauchschmerzen habe ich, die Lasagne war wohl nicht so gut.

Zukunft, keine Ahnung was daraus wird, ich weiß gerade schon nichts mit dem Jetzt anzufangen. Alles unklar und ich sehr erschöpft und hoffentlich nicht schon wieder im Burnout. Immerhin habe ich jetzt einen Arbeitgeber, der mich auch schützen möchte und nicht wie 2012 einfach immer weiterrennen lässt bis ich zusammenbreche. Stille gerade, ich habe mein Neuroleptika wieder leicht erhöht, schade um die Reduktion, aber sicher ist sicher. Die Psychiatrie möchte ich nie wieder von innen sehen, eingesperrt, mit anderen Verrückten und wegen Personalmangel unter Drogen gesetzt, während irgendwelche 20-jährigen Therapeuten ihr Uni-Wissen erstmalig an mir erproben. Und das soll gesund machen? Wenn das wohl zu irgendwas gut ist, dann wohl nur zum Schutz der Gesellschaft, damit die ihre Ruhe vor den Verrückten haben. Das ist zumindest der erlebte Ist-Zustand der Berliner Psychiatrie, den ich kenne. Dass sich da irgendwas während Corona verbessert hat, sehr unwahrscheinlich, denn es gibt noch mehr Personalmangel und noch viel mehr Verrückte.

Meine Wohnung gefällt mir in letzter Zeit immer besser, ich erobere sie zurück, nachdem der Mann jetzt endlich ein richtiges eigenes zu Hause in der Nähe hat. Manchmal habe ich Zweifel, ob Männer und Frauen überhaupt dazu gemacht sind zusammenzuleben, also lieben kann man sich ja, aber dauerhaft zusammen wohnen? Die Bedürfnisse sind doch sehr verschieden und oft wird Frau dann zur Magd, die dem Mann alles hinterher räumt und besorgt. Nicht so gut, aber die Hausfrau hat nun mal Tradition. Früher hatten die Frauen aber halt keine anderen Jobs, dass Frauen heute versuchen, berufstätig zu sein, Hausfrau zu sein und dann vielleicht auch noch Mutter, ist doch der schiere Wahnsinn. Ich kenne wenige Männer, die das auch versuchen. Da ist was gewaltig schiefgelaufen mit der Emanzipation, wenn Frauen versuchen alle traditionellen Frauenaufgaben und alle Männeraufgaben in einer Person zu vereinen. Es hatte schon einen Sinn, dass alle diese Aufgaben jahrhundertelang auf mindestens zwei Personen verteilt wurden.

Zurück zum regnerischen Berlin vielleicht heute mit meiner Schulung weitermachen und für den Moment Annie gelauscht, ein Song den meine Mutter liebte:

Genug, zu viel, neutrale Schwester, Abilify und schwimmen

Guten Morgen, endlich mal wieder eine ordentliche Nacht mit sieben Stunden Schlaf am Stück. Gestern war anstrengend, fünf Beratungen gemacht, das war zu viel, merke, nicht mehr so viel für einen Tag planen. Am Briefkasten gestern erst erschreckt, ein gelber Brief vom Gericht, erster Gedanke: „Was habe ich angestellt?“. In der Vergangenheit gab es solche Briefe wegen unbezahlter Rechnungen. Aber keiner wollte Geld, es geht um eine Anhörung wegen der Adoption. Das ging aber flott, erst kürzlich meine Gesundheitsbescheinigung eingeschickt. Heute auch einige Termine und abends der Vater für eine Pizza, die aber heute eher ein spanischer Flammkuchen sein wird. Gestern endlich mal beruhigende Nachrichten im Fernsehen: Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland, na endlich. Jetzt muss nur noch Putin mitspielen, wird er eine neutrale Ukraine immer noch platt machen wollen? Muss das Morden von Brüdern und Schwestern fortgesetzt werden, wegen verletzter Eitelkeiten? Ich bete für eine friedliche Lösung, denn nicht nur die Ukraine und Russland sind eng verwandt, auch Russland und Deutschland sind geschichtlich eigentlich eng verbunden. Für mich ist die Ukraine die kleine Schwester, die sich zwischen den großen Brüdern USA und Russland entscheiden soll, dabei sind das beide ihre Brüder.

Oh, die lauten Kinder im Hausflur sind zurück, die habe ich nicht vermisst. Blutdruck abends zu niedrig, ich denke, die Reduktion vom Blutdrucksenker ist angemessen. Kann nicht sein, dass ich abends nur einen Blutdruck von 110 zu 60 habe. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Bluthochdruck vom Stress, Angst- und Panik und der Neuroleptikareduktion kam und nicht ein generelles Problem ist. Der Stress ist aber jetzt weniger, Angst- und Panik scheinbar vorbei und das Neuroleptika jetzt sehr gering eingestellt. Erst seit Abilify ging das los mit dem Bluthochdruck und Herzrasen, am Anfang fühlte ich mich wie einem nicht enden wollenden Speed- oder Kokaintrip. Kein Schlaf mehr, Hyperaktivität und Bluthochdruck- und Herzwerte, die erschreckend hoch waren. Ganz sicher nicht mein Medikament, die Anfangsdosis hätte mich fast umgebracht. Der Kaffee schmeckt, der erste Termin um 10:30 Uhr, ich habe noch Zeit. Gestern nochmal Sonnenschein, heute nur graue Aussichten auf laute Straße. Zweimal die Woche schwimmen geplant, damit wenigstens einmal klappt. Schwimmen ist gerade der einzige mögliche Sport für mich und spüre ich meinen Rücken, ist Sport zur Schmerzvermeidung dringend nötig. Aufgewacht, mit diesem Song im Kopf, für die streitenden Brüder: