Ruhe, der Nachbar und Stille

Guten Morgen, Ruhe hier. Endlich Ruhe. Bin immer noch schockiert, denn gestern wurde mein Nachbar, der mich so lange terrorisiert und auch bedroht hat, mit dem Krankenwagen abtransportiert. Er war nur noch ein gelb angelaufenes Gerippe, aber lebendig. Er hatte die letzten Wochen mehrfach aggressiv nach Hilfe gerufen, aber niemand hat ihm geholfen, auch nicht die Partnerin in derselben Wohnung. Aber er hat immer so viel geschrien, er war immer so aggressiv ihr gegenüber. Trotzdem kann ich es nicht fassen, dass er hier fast krepiert wäre. Habe geweint nach der Schockstarre, wieso passiert so was in einer Stadt wie Berlin, dass ein junger Mann mitten in der Stadt, in einer Mietwohnung mit vielen Nachbarn fast krepiert und keiner bemerkt es oder ruft Hilfe? Ich glaube, er hat sein Leben einem Freund zu verdanken, der gestern vorbeikam. Sein Fahrrad stand vor dem Haus, der Freund, mit dem er zusammen versucht hat, die Wohnung mit Baumaschinen zu zerstören.

Ich bin traurig, ich bin erleichtert, ich wusste gestern stundenlang nicht, was ich ihm wünschen soll, denn er war hier gefühlt der personifizierte Hass und Terror. Sieben Jahre habe ich das hier jetzt ertragen, sieben Jahre habe ich ihn ertragen. So viele schlaflose Nächte seinetwegen, so viel Angst, so viel Lebensqualität weg seinetwegen. Aber er ist auch Vater der Söhne, ein Vater, der sich nie gekümmert hat. Weder finanziell noch mit Zeit und Aufmerksamkeit. Alles musste seine Partnerin allein machen und ihn dabei noch bedienen. Es gibt nur wenige positive Erinnerungen an ihn, ich erinnere mich nur an zwei. Stille, graue Aussichten, alles schweigt, sogar meine Vögel. Er möge leben, aber nicht mehr hier, ich wünsche ihm, dass er ein besserer Mann wird, überhaupt Mann wird. Sicher ist seine Vergangenheit auch nicht lustig, aber auch andere wollen leben. Zum Glück konnte ich gestern den Vater und eine Freundin erreichen, um zu reden, ich fühle mich schuldig, weil ich ihm so oft schlimmes gewünscht habe, ich fühle mich schuldig, weil ich seine Hilfeschreie der letzten Wochen ignoriert habe. Ich bin schockiert, dass so was in einer Stadt wie Berlin passiert.

Der Kaffee schmeckt, der Appetit ist mir vergangen, wie kann ich so viel Essen haben, während er da unten fast verhungert und verdurstet ist? Ich habe oft an die Nachbarn gedacht, wenn ich zu viel Essen hatte, aber aufgrund des schlechten Verhältnisses dann doch nie geklingelt und gefragt, ob sie das Essen haben wollen. Das tut mir leid, dafür schäme ich mich jetzt. Keine Ahnung, wie das hier jetzt weitergehen soll, keine Ahnung wann und ob er zurückkehrt. Doch ich würde lügen, wenn ich nicht zugeben würde, dass ich die traurige Stille hier nicht auch genieße.

Nacht, Telefonat, Überleben, Erinnerung und Antworten

Ein Gruß aus der Nacht, immerhin fünf Stunden am Stück geschlafen und ich werde mich später wieder hinlegen. Seltsame Zeit, so im Tränental. Lange mit einer Freundin telefoniert gestern und dabei tatsächlich was im Haushalt gemacht. Ohne Telefonat, wäre jetzt die Spülmaschine unangetastet und das Bett nicht frisch bezogen. Gar nichts gemacht dieses Wochenende, außer denken und heulen. Immer noch zu heiß hier, auch mitten in der Nacht. Aber gerade alle Fenster auf, um vielleicht doch kühlende Luft zu erhalten. Heute Spätschicht, passt aber ganz gut, seelisch erkrankte Leute sind selten Frühaufsteher, meistens eher das Gegenteil. Vielleicht, weil sie die Ruhe der Nacht schätzen. Tagsüber ist es einfach viel zu laut in der Stadt und selbst wenn man auf dem Dorf wohnt, tagsüber wollen immer Mitmenschen was. Nachts ist endlich reizarme Ruhe.

Gestern Fernsehen geschaut und Wraps und Pide mit Gemüsefüllung gemacht, so richtige warm kochen und essen, gerade nicht so das Thema. Der Kaffee schmeckt und die Nacht schweigt, während eine Kerze brennt und der Ventilator versucht, die warme Luft zu bewegen. Draußen angeblich nur 21 Grad, die hätte ich auch gern in der Wohnung. Müll rausgebracht, der stank gewaltig, sonst aber nicht das Haus verlassen. Heute aber zum Supermarkt, am besten gleich um acht, um mich hier mit den anderen, um die Angebote der Woche zu schlagen. Die Leute sind aggressiv drauf, wahrscheinlich der nicht nur gefühlte Überlebenskampf, bei starken Preissteigerungen. Zum Glück brauche ich kein Gas, aber Strom und Essen, brauche auch ich. Die ganzen Leute mit Gasetagenheizung in Berlin, haben aber gerade echt ein Problem und dabei ist noch nicht mal Heizzeit. Endlich meine Füße von Hornhaut befreit, zwischenzeitlich war es mir egal und dann wiederum hatte ich vergessen wie man den Hobel verwendet, jetzt sind die Füße endlich Sandalen tauglich.

Erinnerungen und Veränderung, früher bleibt früher und ich suche immer noch nach Antworten, aber die Antworten sind alle in mir und in der Nacht vielleicht auch im Wind:

2022, Gast, Veränderung und aufstehen

Guten Morgen oder besser frohes neues Jahr?! Ich bin weder froh noch traurig, eher neutral. Was für ein beschissener Tag gestern, mit einem Abend der als OK durchgeht. Der Trauzeuge kam nämlich spontan doch und ich hatte damit zu wenig Essen und Getränke. Abgesehen davon hätte ich lieber meine Ruhe gehabt, im Zweifelsfall auch ganz alleine. Dieses Silvester nicht alleine sein wollen, ist doch nur ein Resultat von konditioniertet Erwartungshaltung. Das Feuerwerk vor der Tür war aber toll, nix hier von wegen Böllerverbot. Danach aber sehr müde gewesen und dem Gast das auch signalisiert und schlafen gegangen. Alles gerade etwas viel, Trauer und Veränderung. Gestern für meine Verhältnisse gesoffen: Bier, Sekt, Amaretto, aber ich vermute, das reicht dann für den Rest des Jahres. Der Mann hat gestern Blumen mitgebracht, endlich die richtigen Blumen, Gerbera statt Rosen. Eine Kerze brennt, der Kaffee schmeckt, die Spülmaschine läuft und der Mann schläft noch.

Immerhin gestern im Haushalt geputzt und geräumt, ich finde die ganzen Sachen der Mutter hier gerade doch belastend, weil ich bis gestern Abend nicht dazu gekommen bin alles durchzuwaschen und wegzusortieren. Gerne hätte ich diesen Ballast nicht mit ins neue Jahr genommen. 2022 eine Jahreszahl, die sich futuristisch anhört, aber doch schon jetzt ist. Obwohl ich nicht allein war, fühlte ich mich allein, vielleicht weil mein Kopf, meine Seele woanders war. Aber was soll es so war es schon sehr oft in meinem Leben, dass ich letztendlich mit meinem Kopf, meinen Gedanken allein bin. Bald wieder Arbeit, Vorfreude aktuell nicht vorhanden, ich brauche noch Zeit. Die Nachbarn gestern gar nicht gehört, alle ausgeflogen oder waren wir hier einfach die lautesten?

Heute nicht viel vor, wahrscheinlich noch frühstücken mit dem Mann und dann endlich Ruhe in der Kiste? Nicht wirklich Lust auf Menschen, es reicht ja schon, wenn ich einer bin. Ein grauer Tag grüßt, bei zu warmen Temperaturen für Dezember, Neuanfang, warum ausgerechnet am ersten Januar? Warum nicht zum Geburtstag? Kaum Neujahrsgrüße erhalten, alle schon am Pennen gewesen? Ich habe gehört, dass alte Leute Leute in meinem Alter das machen. Immer noch entspannend, keinen Vogel hier zu haben, er scheint wirklich das jeweilige Zimmer, indem er ist zu verteidigen. Das nenne ich mal einen Luxusvogel, der ein eigenes Zimmer will. Mein Kopf ist ok, keine Kopfschmerzen, wie die Tage öfter, da stehe ich nun in 2022, so allein wie schon immer, versuchen wir es trotzdem, mit guter Laune:

Ruhe, Schlaf, Frühwarnzeichen, Neuroleptika und neue Ufer

Guten Morgen, endlich Ruhe, endlich genug geschlafen. Schlafen könnte ich gerade nur. Seele und Körper brauchen das. Alles zu viel gerade, ich will auf die Insel. Eigentlich will ich meine Ruhe, aber uneigentlich will der Mann heute früher vor seiner Schicht vorbeikommen, um zu reden. Ich für meinen Teil will aber gerade gar nicht reden, ich will meine Ruhe. Ich rede schon die ganze Woche, kann man mich nicht in Ruhe lassen? Ich war so froh, dass der Vater abgesagt hat und nun der Mann. Muss dem Finanzamt noch schreiben, die verstehen die Erbangelegenheiten nicht und vermuten Sie würden Geld bekommen. Das muss ich natürlich widerlegen, was ich alles muss. Die Chefin stellt die Team-Arbeitsstunden zur Diskussion, aber in der aktuellen Lage will ich nicht mehr Stunden, sondern eher das Gegenteil. Blutdruck wieder ok, die Tage zu hoch, zu viel Aufregung. Gestern nach der Arbeit noch im Lager gewesen, anstrengend, obwohl der Vater die meiste Arbeit gemacht hat, emotional anstrengend, ich schwankte zwischen: „Ich nehme hier alles mit nach Hause“ und Schimpftiraden, wie man so viel Kram ansammeln konnte. Der Kaffee schmeckt, es ist kalt aber sonnig, gestern endlich das Huhn mit Erdnuss gemacht, war lecker. Die Erdnusssoße war was Neues für mich, keine Erdnussbutter, dafür Matjes Ketchup. Kurz: Weniger Fett, aber dafür Zucker in der Soße. Verdauung hat sich auch etwas beruhigt, das ist immer ein Frühwarnzeichen, wenn die Verdauung durchdreht.

Morgen zum Psychiater, aber ich weiß nicht, was ich erzählen soll, er hat mir schon einen Medikamentenwechsel vorgeschlagen, aber das will ich nicht. Ich habe jetzt schon fünf verschiedene Neuroleptika probiert, ich habe keinen Bock auf ein Sechstes. Ehrlich gesagt habe ich das mit den Selbstgesprächen schon mein ganzes Leben und ich bin 36 Jahre damit klargekommen, ohne Medikamente, bis die Krise kam und ich offiziell als krank erklärt wurde. Allerdings gab es nie eine eindeutige Diagnose bei mir, jeder Arzt hatte eine andere Meinung, jeder ein anderes Medikament. Kann ich nicht einfach ich sein, ohne Stempel auf der Stirn und dazu passender Medikation? Die Medikamente haben mir so geschadet und mir so viele Jahre meines Lebens geraubt. Alle wollen Sie mich verändern und nennen das Hilfe, es ist aber wenig hilfreich, es sei denn emotionslos, asexuell, körperlich steif wie ein Roboter und extrem übergewichtig sein, soll eine Hilfe sein. Diese Woche beschlossen doch eine medizinische Reha zu beantragen, aber wie ich hörte kann das bis zu einem Jahr dauern, bis das was wird. Habe ich noch nie für mich beantragt, dabei mache ich das für meine Kunden ständig, vielleicht bin ich jetzt mal dran.

Keinen Bock auf den Mann, keinen Bock auf niemanden, ich möchte nur schlafen, vielleicht was kochen und auf dem Balkon sitzen, wenn dort die Sonne scheint. Herbst, der Winter naht und damit die Dunkelheit. Dunkelheit wie Regen auf traurigen Gemüt, aber Traurigkeit kann man nicht reinigen oder ertränken, sie wird nur größer, wenn man gegen sie kämpft, man kann nur lernen entspannt mit ihr zu schwimmen, vielleicht bis zu neuen Ufern.

Ungeschickt, balancieren, Wahlen, Zähne und Ruhe

Guten Morgen, genug geschlafen, das ist doch mal was. Der Kaffee schmeckt und erwarte eine Lieferung. Gestern Spinat-Pizza für mich selbst gemacht und sie leider anbrennen lassen. Außerdem morgens ein Glas zerstört, irgendwie bin ich gerade Mrs. Geschicklichkeit. 😦 Liegt wahrscheinlich daran, dass mein Kopf gerade woanders ist und ich sehr müde durch die Welt tappere. Gestern den Morgen mit dem Mann verbracht und dann ist der arbeiten, etwas im Haushalt geräumt, aber nicht genug, einfach zu müde und erschöpft. Der Vogel stresste und stresst gewaltig, nicht nur mich. Vielleicht doch nach einem neuen zu Hause für ihn suchen? Die anderen beiden sind deutlich angenehmer. Heute keine Pläne, schlafen und Bad putzen vielleicht. Bleiben wir realistisch, das Wohnzimmer räume ich heute auch nicht. Erinnerungsturm, ich habe Angst bekommen und die Neuroleptika erhöht, so verliere ich 6 Monate schmerzhaftes Ausschleichen, aber besser 6 Monate als erneut Jahre zu verlieren. Solange ich mich in homöopathischer Menge ausbalancieren kann, sollte ich die Chance nutzen, bevor ich wieder im Knast, in der Psychiatrie sitze. Habe deswegen wieder Muskelkrämpfe, aber besser als Stimmen hören. Die Wahlen in Berlin gestern eine Katastrophe, ich rechne damit, dass die Wahlen in Berlin teilweise oder ganz wiederholt werden müssen, dann aber bitte Briefwahl für mich. Für den Moment aber beruhigt, dass die AfD nicht zugelegt hat. Eine starke SPD kann ich verkraften, Hauptsache nicht Laschet. Muss mich auf Arbeit neu eintakten, das war zu viel die letzten 2 Wochen, habe versucht alles gleichzeitig mit voller Kraft zu erledigen, hat keiner verlangt und jetzt spüre ich, dass es zu viel war. Also Ruhe ab dieser Woche, Pausen einplanen und einfordern und nicht so sehr über die Kollegin und ihr asoziales Verhalten ärgern. Ich muss wohl endlich akzeptieren, dass sehr viele Menschen nach dem Motto: „Zahn um Zahn, Auge um Auge“ leben. Passt nicht in die perfekte Welt der Amelie Nadine, aber die Welt gehört nicht nur mir. Aber liebe Leute, lest die Bibel noch mal, da stehen auch ganz andere Dinge drin als das mit den Zähnen und Augen. Nächstenliebe ist da auch ein Thema. Auf in den Tag und die Ruhe genossen:

Gespräche, Ruhe, Schmerzen und arbeitsfähig

Guten Morgen, nicht so gute Nacht, aber genug geschlafen. Puls mal ganz unten, ich scheine wohl endlich zur Ruhe gekommen zu sein. Gestern sehr aufgeregt gewesen wegen des Gespräches mit der Chefin aber ich denke, es war gut. Gekocht Kartoffelsuppe, für den gereizten Magen und für die Seele. Sehr viel telefoniert gestern, irgendwie brauche ich das gerade. Ich habe so eine innere Unruhe, weil gerade so viel für mich bedrohliches passiert. Ruhe, ich brauche wohl Ruhe und Zeit um endlich diverse Ärzte abzuklappern. Immerhin gestern etwas Haushalt gemacht und mir die Haare gefärbt. Der Vogel stresst, die Sonne scheint und es ist warm. Ein richtiger Sommer ist das aber nicht, es ist ständig dunkel und drückend. Kein Wetter wo man in den Park oder an den See fährt. Die Straße rauscht, immerhin ich denke ich habe gestern mein Trinkziel von 3 Liter Wasser plus erreicht, denn auch die Heilpraktikerin die mich massierte, entließ mich mit dem Ratschlag: Trinken, trinken, trinken. Scheint mein gestresster Körper zu brauchen und schaden kann es auf gar keinen Fall. Der Mann hat sich gestern nicht gemeldet, aber ich mich auch nicht, selten dass wir mal einen Tag keinen Kontakt haben. Gerade ist aber irgendwie alles gesagt und wir haben uns ja auch erst vorgestern gesehen. Der Kaffee schmeckt und für den Moment keine Schmerzen. So viele klagen im Entzug von Neuroleptika oder Antidepressiva von starken Schmerzen und seltsamen Zuständen und geben dann irgendwann auf. Weil es Wochen und Monate dauert, bei mir schon fast ein Jahr. Bei meinem aktuellen Medikament ist aber wieder hochdosieren keine Option, die Schmerzen und Nebenwirkungen, die ich dann kriege, sind noch viel schlimmer. Jetzt habe ich so viele Schmerzen hinter mir, das darf nicht alles umsonst gewesen sein. Was sind das für Medikamente, die die Seele stabilisieren sollen, aber den Körper schwerst abhängig machen? Einen Corona-Impfstoff entwickeln das geht schnell, aber gute Medikamente für jahrzehntelang bekannte Krankheiten entwickeln Fehlanzeige? Alles eine Frage der Priorität? Seelisch kranke Menschen scheinen keine Priorität zu sein. Ich zitiere dazu einen Spruch, den ich neulich gelesen haben: „In Deutschland wird man nicht gesund, sondern arbeitsfähig vom Arzt geschrieben.“ Das erinnert mich auch an mein Gespräch beim Arbeitsamt nach dem Klinikaufenthalt, die Vermittlerin fragte mich, ob ich endlich wieder arbeitsfähig sei. Ich antwortete, dass ich sehr starke Medikamente nehme und mich deswegen nicht für arbeitsfähig halte. Sie antwortete nur: „Medikamente nehmen viele Leute, das ist kein Grund nicht zu arbeiten.“ Willkommen in Deutschland gesunde Arbeit Fehlanzeige, denn wer krank ist kann ja so viele Pillen nehmen, bis eine Arbeitsfähigkeit gesehen wird. Kranke erst gesundzumachen, bevor sie wieder arbeiten, scheint im Konzept nicht vorgesehen zu sein. Wir sind eine Leistungsgesellschaft und Krankheit und ein Heilungsprozess kosten halt Zeit, aber Zeit ist Geld. Brötchen warten und ich denke an Rührei, hier weiter aufräumen wäre nötig, auch das Projekt Kleiderschrank wartet immer noch geduldig. Nach 3 Jahren kann ich vielleicht doch endlich die mittlerweile abgetragene Kleidung meiner Mutter entsorgen. Ehrlich gesagt mag ich die meiste Kleidung von ihr noch nicht mal, ich habe sie aus Trauer getragen, um ihr nah zu sein. Mein Kleiderstil war schon immer anders als ihrer, ich bin viel minimalistischer. Ich habe auch so genug von ihr, meine Seele mein Körper werden immer ein Teil von ihr bleiben, da brauche ich nicht noch ihre alten Kleider. Es ist noch genug Kartoffelsuppe von gestern da, kochen brauche ich heute nicht und mein Magen-Darm-Bereich dankt es mir. Auf in den Tag, so mitten in einer Pandemie und der Klimakatastrophe, überarbeitete in Trauer und auf Entzug von Neuroleptika.

Telefon, Strom, Isolation und Vergangenheit

Guten Morgen, nicht so tolle Nacht und Bauchschmerzen. Der Vogel dreht gleich zum Morgen auf, ich bin genervt. Blauer Himmel grüßt und es ist warm. Gestern tatsächlich noch das Bad geputzt und Haare gefärbt. Ewigkeiten mit einer alten Freundin telefoniert, die Zeit verging aber echt schnell. Nach ihm keine Sehnsucht, auch wenn es manchmal noch seltsam ist hier allein zu sein. Komischerweise wusste auch die Freundin, dass ich eine Person bin, die sich gerne mal 1-2 Tage zurückzieht und keinen Bock auf Niemanden hat. Das war also auch schon vor der Krankheit so, wenn ich so drüber nachdenke schon immer. Ich finde Menschen halt oft sehr anstrengend und brauche dann meine Ruhe als Ausgleich. DHL hat dann gestern geliefert, auch ich habe jetzt einen schicken Turmventilator von Lidl, ich bin mir sicher ich werde ihn noch brauchen. Nach fast 1,5 Jahren Corona, finde ich den Gedanken einer fremden Person die Hand zu schütteln auch unangebracht. Ich finde, fremde Menschen muss man gar nicht anfassen. Menschen, die ich gut kenne und mag dagegen müssen umarmt werden. Heute doch Homeoffice und Spätdienst, ich bin mir aber jetzt schon nicht sicher, ob ich nach der Team-Supervision noch eine offene Sprechstunde machen kann, vielleicht ruft ja keiner an. Aktuell aber eher unwahrscheinlich, ständig ruft jemand an und leider niemand der einfach nur einen schönen Tag wünschen möchte. Der Kaffee schmeckt und gestern hat mich die Stromrechnung schockiert, mit ihm zusammen habe ich in einem halben Jahr soviel Strom verbraucht, wie sonst in einem Jahr allein. Aber gut, ständig zu Hause sein und nicht im Büro, hat sicher auch zusätzlichen Strom gekostet. Die 5 Euro Homeoffice Pauschale pro Tag, die man steuerlich absetzten kann, fängt glaube ich nicht den Mehrverbrauch zu Hause auf. Auch wenn es manchmal schön ist keine Fahrtwege zu haben und länger schlafen zu können, für mich ist Homeoffice keine Dauerlösung, meine Ratsuchenden gehören nicht in meine Wohnung. Das hier ist mein privates Irrenhaus und kein Öffentliches. Aber schon beschlossen wieder mehr ins Büro, damit ich nach Feierabend auch wirklich privat sein kann. Der Vater sollte heute wieder in Berlin landen, mal sehen, was er von der Insel berichtet. Eine Dusche wäre nötig, zum Glück übertragen weder Telefon noch das Internet Gerüche, ich glaube das möchte auch keiner erfinden. Manchmal kommt mir unsere Corona-Realität vor wie im Film Surrogates, es fehlen nur die Roboter. Alternativ erinnert es mich auch an Sheldon Cooper aus „The Big Bang Theory“, der einen Roboter mit Bildschirmübertragung von ihm als perfekte Lösung sah. Mich gibt es jetzt auch schon ne Weile hauptsächlich als Bildschirmübertragung, während mein Körper isoliert und sicher von Viren lebt. Auch wenn ich manchmal genervt bin von Menschen, gewünscht habe ich mir das nicht. Ich sehe nämlich keinen Vorteil darin den Körper isoliert zu halten, im Gegenteil, der Körper braucht Auslauf, der Körper braucht Kontakt, er ist nicht gemacht dafür ohne Berührung, isoliert und mit kaum Bewegung zu sein. Auf in den Tag, gestern Käse Spätzle gemacht, die mir leider noch heute schwer im Magen liegen, also Frühstück fällt dann erstmal aus. Wer hätte gedacht, dass ich mal Menschen vermissen werde…

Nervfaktor, Quiche, kriselig und Abstand

Guten Morgen, nicht so tolle Nacht zweimal wach in knapp sieben Stunden Schlaf. Aber wen wundert es, gestern ein aufregender Tag auf Arbeit. Habe nach 3 Jahren Nervfaktor durch eine Kollegin endlich was gesagt. Das ging mir sehr nah und danach war ich dann noch Stunden aufgeregt und konnte nicht schlafen. Würde ich diesen Job nicht so lieben, ich wäre schon längst wortlos gegangen. Das alles erinnert mich zu sehr an meine alte Firma, dieses übergriffige Konkurrenzgehabe. Die Arbeit ist seit Corona hart genug, da brauche ich nicht noch Kämpfe im Team. Er hat gestern noch Lebensmittel gebracht, etwas zu viel, aber das meiste mag ich. Deswegen gestern als Resteverwertung noch eine Tomaten-Schafskäse Quiche gemacht. Sehr lecker geworden. Ich würde dann mal sagen für den Rest des Monats brauche ich nicht mehr einkaufen, erstmal essen was da ist. Im Büro war es nett, aber die Teamsupervision hatte es halt in sich und danach war ich zu nichts mehr zu gebrauchen und bin früher nach Hause. Heute zum Glück nur zwei Telefontermine im Homeoffice, aktuell keine Ahnung, ob ich diese Woche meine Stunden voll kriege, aber meine Gesundheit geht vor und das Team auch. Ruhig hier und ein grauer Tag grüßt, ich werde mich jetzt nicht über die grauen Aussichten beschweren, ich weiß bereits nächste Woche, wenn die Hitze wieder losgeht, werde ich sie vermissen. Der Kaffee schmeckt und gestern doch wieder Herzrasen gehabt, wegen der Auseinandersetzungen im Team, ich wünschte das hört endlich auf, unsere Kunden sind anstrengend genug. Und warum auch immer, die besonders kriseligen, landen gefühlt fast immer bei mir. Vögel singen und mein Paket mit einer neuen Pfanne liegt wieder im Paketshop, obwohl ich zu Hause war. Dachte das mit DHL ist vielleicht wieder besser geworden, ist es aber nicht, geliefert wird irgendwann wann es passt, zum Paketshop. Einfach nur Stress Lieferungen mit DHL zu erhalten. Also weiterhin nix bestellen, was mit DHL geliefert wird. Der Mann hat wieder Frühschicht, bei mir geht es erst später los. Langsam fange ich doch an ihn zu vermissen, aber das er jetzt wieder richtig einzieht, steht dann doch noch nicht auf dem Wunschzettel. Aber zusammen wohnen war noch nie mein Wunsch oder schwer auszuhalten für mich, das ist nicht seine Schuld, das war auch bei meinen früheren Beziehungen so. Ich brauche halt auch Zeit allein, egal wie viel Liebe es gibt. Mal sehen, ob ich es heute nach der Arbeit zum Paketshop schaffe oder doch nur zum Müll. Liebe bei mir anscheinend nur möglich, wenn es auch Abstand gibt….

Kardiologe, Ruhe, Aneurysma und Veränderung

Guten Morgen, die Untersuchung beim Kardiologen gestern hat mich geschafft und sehr geängstigt. Das Ergebnis war dann ein EKG mit einem Puls von 130 und Bluthochdruck. Reaktion besorgter Arzt und besorgte Schwester. Wieder meinen Blutdrucksenker bekommen, allerdings doppelt so hoch dosiert wie vorher. Danach war ich total fertig, körperlich und emotional, habe alle Termine gestrichen und bin dem Rat der Schwester gefolgt so schnell wie möglich zur Ruhe zu kommen. Also nur Apotheke und nach Hause. Blutdrucksenker genommen und beruhigt und zu meiner großen Erleichterung ist der Blutdruck wieder gesunken und der Puls auch wieder runter auf 87. War das jetzt wieder eine Panikattacke wie ich dachte oder vielleicht doch meine Schilddrüse? Zahlreiche weitere Tests werden folgen, aber für den Moment geht es mir gut und auch heute früh ist der Blutdruck und Puls normal niedrig. Abends dann zu Aneurysma schlau gelesen, das woran meine Mutter wahrscheinlich gestorben ist. Die Chance eines zu bekommen liegt bei 2 Prozent, ist ein direkter Familienangehöriger daran erkrankt bei 4 Prozent und hat man selber Bluthochdruck und/oder ist Raucher, steigt die Wahrscheinlichkeit nochmal auf das Doppelte. Meine Wahrscheinlichkeit liegt als bei circa 8 Prozent, immerhin 92 Prozent sprechen dagegen genau wie meine Mutter zu versterben. Es ist besser Fakten zu kennen, als sich ungewiss zu fürchten. Also Bluthochdruck nicht auf die leichte Schulter nehmen und behandeln und doch nochmal ernsthaft drüber nachdenken das Rauchen einzustellen oder wenigstens zu reduzieren. Auch die ganzen anderen Ängste krank zu sein werden sich dann wohl im Laufe der folgenden Tests klären. Besser wissen als unbekannt fürchten und ausmalen. Er hat gestern endlich die Steaks gebracht und noch anderen leckeren Kram, sogar eine Flasche Schampus. Gegessen dann angebratene Süßkartoffel mit Champignons, Frühlingszwiebel und Steak dazu. War lecker, kostenlos und alles Bio. Der Vater bekommt dann morgen auch Steak, allerdings mit grünen Bohnen und kleinen spanischen Kartoffeln. Abends noch lange gechattet, musste das Geschehene erstmal sortieren. Es ist eine Entscheidung jetzt doch alle Untersuchungen zu machen, eine Entscheidung leben zu wollen, möglichst lange. Ein grauer Tag grüßt und ich weiß nicht, ob ich es heute zur Demo vorm Bruder schaffe, kommt auf die Tagesform an. Insgesamt würde ich mich als geschwächt bezeichnen. Heute ein paar Stunden Homeoffice, aber ich mache nur solange, solange ich mich damit gut fühle. Der Kaffee schmeckt, schmeckt er nicht mehr, ist wahrscheinlich mein Blutdruck zu hoch. Schön, dass mein Körper mich warnt. Es heißt allerdings auch zuhören. Soviel Stress und Veränderung in letzter Zeit, ich muss erstmal hinterherkommen, aktuell weiß ich manchmal nicht wo oben oder unten ist. Ich stehe nicht so auf dauernde Veränderung, sie verunsichert mich, durch die vielen Umzüge als Kind und Teenager habe ich die Schnauze voll von Veränderungen. Immer wieder neu anfangen, immer alles neu (kennen-)lernen, das ist anstrengend. Also bin ich eine Person geworden die sich nicht so gern grundlegend verändert und gern immer vorher weiß was wann wie passiert. Ich weiß spontan ist anders, aber spontan ist was für Leute die nicht wie ich fast zehn Schulwechsel und noch mehr Umzüge hinter sich haben. Schon als Teenager wünschte ich mir ein ruhiges, planbares und beständiges Leben, das gab es aber nicht, aber jetzt entscheide ich über mein Leben. So lebe ich jetzt schon sechs Jahre in meiner Wohnung und arbeite seit drei Jahren für den gleichen Arbeitgeber, auch wenn vieles dabei nicht ideal läuft oder lief. Ruhig hier, nix los und das ist gut so, ich brauche Ruhe. Wer hätte gedacht, dass über ein Jahr Corona dazu führt, dass ich noch mehr zu Hause bleiben muss, weil ich so erschöpft bin vom zu Hause bleiben. Gestern tatsächlich einen neuen Impftermin bekommen für Mitte Juli, ist mir ganz recht, dass es noch dauert, bis dahin kann ich mich noch erholen und meine Ärzte mich untersuchen. Urlaub hatte ich dieses Jahr eh erst im September eingeplant, bis dahin sollten mein Mann und ich durchgeimpft sein. Auf in den Tag, aktuell alles stabil, dann bleibend wir doch mal bei 2Pac:

Zerstückelt, Ruhe, Kongress und Jukebox im Kopf

Guten Morgen, zerstückelte Nacht, bin zu spät ins Bett und dann ständig wach. Fühle mich etwas gerädert und lasse das acht Uhr Chefgespräch dann mal ausfallen, es ist freiwillig. Rückenschmerzen, das war gestern alles zu viel, aber es ist verdammt schwierig einen Termin bei der Behörde zu bekommen, also gab es keine Auswahl. Jetzt ist aber Ruhe im Karton mit Sonnenschein, Blutdruck und Puls auch wieder ok, gestern wieder alarmierend hoch. Aktuell scheint es so, dass ich 2-3 Tage Pause von ihm brauche, um ihn dann wieder 2-3 Tage gern um mich zu haben. Der Kaffee schmeckt und ich brauche immer noch Ruhe, gut allein zu sein. Ich glaube heute gehe ich nirgendwo hin, außer vielleicht zur Mülltonne. Sein Zahnarztbesuch war gestern wohl dringend nötig, heute geht es weiter bei ihm. Gestern Kurzarbeit gemacht, mir war dann doch nicht nach Telefonieren, aber es warteten ja auch über 100 Mails auf mich, also war ich auch so beschäftigt. Gestern als er dann weg war sehr müde gewesen und früh sehr tief eingeschlafen, nur um dann später wieder wach zu sein, ich denke, dass seine ganzen Anforderungen an mich, vielleicht einfach zu viel sind. Ruhig ist es im Haus und ich denke ich will heute keine Pizza mit dem Vater, alles zu anstrengend und keinen Bock auf ihn bis 20 oder 21 Uhr zu warten. Aber es gibt auch eine gute Nachricht, ich wurde als Referentin für den Psychiatrie-Kongress Ende des Jahres genommen. Ich frage mich nur, ob das auch bezahlt wird oder ob Ehre, Kaffee und Kekse die Bezahlung sind. Vor zwei von meinen Ratsuchenden habe ich gerade etwas Bammel, beide sehr anstrengend und fordernd, ich hoffe ich spreche die erst nächste Woche. Was gut ist bei dem zurückkehrenden Gedächtnis, dass nicht nur Traumata zurückkehren, sondern auch die Musik, in letzter Zeit erinnere ich mich öfter Mal an Musikstücke aus meiner Vergangenheit, es ist wie eine Jukebox im Kopf, plötzlich wird ein Song gespielt, der bereits vergessen schien. Das ist dann wohl der angenehme Teil der Geschichte, mein Musikwissen kehrt zurück. So auch dieser Song, aus Teenager-Tagen, damals wusste ich sehr genau was ich von einer Liebe erwartete:

Was ist danach passiert? Ich würde mal sagen eine Reihe von falschen Kerlen. Auf in den Tag, Brot wartet und vielleicht ein Ei dazu?