Heiß, Blutdruck, Therapie und das Geschäft Gesundheit

Guten Morgen, des Zauber des Bloggens scheint vorerst vorbei für mich zu sein. Zu heiß zum Schlafen hier, lediglich ein paar Stunden in der Nacht, bis die Vögel grüßten. Gestern beim Mann gewesen, geschlafen, nach Hause, geweint, wieder sehr viel geweint. Ich will meine Vergangenheit nicht, ich denke, niemand will die. Auch meine Gegenwart ist nicht der Hit, aber immerhin gibt es die. Lebensmittel bestellen wollen, aber jedes Mal bei 100 Euro und mehr gelandet, zu viel Geld für Ende des Monats. Zu viel Geld für eine Frau, die gerade eh nur bedingt isst. Also doch zum Supermarkt, wenn ich auf der Straße in der Hitze nicht wie ein Käfer verbrenne. Kochbox für nächste Woche wieder reaktiviert, mit Gutschein sind die gerade günstiger als der Supermarkt. Vielleicht heute das hier gekocht, obwohl ich den Eindruck habe, Kartoffelsuppe wäre besser für den Magen-Darmtrakt.

Der Ventilator, mein Freund, Schatten Notwendigkeit, Blutdrucksenker bei diesem Wetter unnötig, aber die Ärztin sprach von einem zu haltenden Blutlevel, kurzum ich bin abhängig von den Pillen. Plötzliches Absetzten könnte zum Tod führen, auch wenn ich gerade bei der Hitze eher Werte von 110 zu 70 habe. Scheiß abhängig machende Pillen, für mich nichts anderes als legale Drogenabhängigkeit. Für mich ist die Pharmaindustrie leider zu oft der staatlich legitimierte Drogendealer. Ein Geschäft, an dem beide verdienen. Die Krankenkassen sind auch dabei, denn wirkliche Heilung ist teuer, also Pille rein und Deckel drauf, solange es gut geht. In meinem Fall bedeutet das, keine Therapie für Seele oder Körper, sondern Pille darauf. Psychotherapie oder ein überdachtes Sportprogramm, viel zu langfristig und teuer, lieber Pillen darauf, keine Heilung, aber scheinbare Linderung, starke Nebenwirkungen und sehen wie lange ich das überlebe. Ein toter Patient ist halt der günstige Patient für die Kasse.

Durch die fehlende Psychotherapie, Pillen genommen, die die erst meinen Geist, dann meine Gefühle und letztendlich meinen Körper zerstört haben. Da wieder durch erpresste Reduktion herausgekommen, aber mit starkem Übergewicht und Angst- und Panik. Bluthochdruck, der wieder mit appetitsteigernden Pillen behandelt wird. Weiter zu genommen, doch mit jedem Kilo mehr, brauche ich mehr von den Blutdrucksenkern, immer noch keine Therapieangebote der Krankenkasse, weder für Seele oder Körper. Dabei die Schuld immer wieder dem Patienten geben, ja warum haben sie denn nur 10 Therapeuten und nicht 20 angerufen? Beim 20ten Therapeuten hätte sie sicher einen Platz erhalten!? Ja, warum ernähren sie sich nicht richtig und machen Sport? Ja, dann wären die Blutdrucksenker nur halb so schlimm! Zuzahlungen dazu? Äh, nein, Medikamentennebenwirkungen sind ihr Problem.

Ein Teufelskreis, aus dem man selber wieder rauskommen soll. So wird an Therapien gespart und gleichzeitig durch die Gabe von Medikamenten verdient. Ein optimales Geschäft, außer für den Patienten. Wie soll ein krankes System gesund machen? Stimmt, gar nicht. Es ist ein Sterben auf Raten, mit immer mehr Pillen, die aber nicht heilen. Genug gekotzt, meine Mutter ist durch die Kombination starke Schmerzmittel und Blutdrucksenker schon tot, ich kämpfe dann mal weiter, allein, obwohl ich jeden Monat hunderte Euro an die Krankenkasse zahle. Was ist ein Glück wert, dass nur den Pharmazeuten ehrt?:

Schlaf, Panik, O2, Chaos, Tavor und schweigende Musik

Guten Morgen, schon etwas besser. Endlich mal wieder annähernd acht Stunden geschlafen. Ich glaube, ich gehe heute besser nirgendwo hin, ich bin total erschöpft und muss aufpassen, nicht umzukippen. Mein Kopf wird wunderlich, mein Magen-Darm-Trakt dreht wieder durch, Ruhe im Karton für mich, SOFORT! Die Sonne scheint und es scheint ein wunderbarer Tag, alles zu viel die letzten Wochen und dabei viel zu wenig Schlaf. Ruhe im Haus wunderbar, nichts zu hören, auch nicht mein Vogel. Gestern auch schon nicht viel los mit mir, nur den Müll rausgebracht und Bettwäsche gewechselt, nichts gekocht, nichts gebacken, Reste gegessen und herumgelegen. Sogar Fernsehen war mir zu viel, zu viele flackernde Lichter, zu viele Geräusche. Also Eis gegessen und die meiste Zeit im Bett verbracht. Eis gibt es dann heute nicht mehr, aber ein frisch bezogenes Bett mit Ausblick auf grüne Bäume. Alles kaputt gerade an mir, Körper und Seele auf halbmast. Der Umzug des Mannes, die Angst vor dem 09. Mai, waren jetzt die Tropfen auf dem vollen Fass. Zu viel Panikmodus in eh schon geschwächten Geist.

Aktuell massive Probleme mit O2, ständig abgehakte Telefonate oder gar kein Empfang. Geht aber anscheinend nicht nur mir so, laut Internetrecherche. Gestern Abend noch ein bisschen den Eurovision Songcontest geschaut, ist man alt, wenn man die Musik dieser Veranstaltung plötzlich erträglich findet? Da stehen jetzt zwei unausgebaute Regale im Flur, eines davon soll eigentlich in die Küche, aber keine Kraft gerade. Dass die Wohnung der Eltern jetzt leer ist, dass der Vater, sobald heiratet, auch nicht witzig. Die eigene Wohnung durch den Kram der Mutter jetzt auch voll gestellt und leicht chaotisch, das tut mir nicht gut. Ich mag es leer und aufgeräumt in der Wohnung, aktuell bin ich weit davon entfernt. Auf der Arbeit auch alles nicht lustig jetzt auf die Insel wäre richtig. Füße still halten, nicht denken, das ist gar nicht so einfach für mich, ich wünschte es gäbe einen Knopf dafür, aber diesen Knopf hatte schon meine Mutter jahrzehntelang vergeblich gesucht. Das einzige was mal funktioniert hatte, war Tavor, aber abhängig machende Medikamente können auch keine Lösung sein.

Also Ruhe jetzt, keine Termine, möglichst wenig denken, vielleicht später kurz zum Mann, aber wirklich nur kurz. Versuchen wir es mit wortloser, sehr ruhiger Musik:

Finster, abgestürzt, Express-Beratungen, Kerzenschein und Weihnachten

Guten Morgen, endlich wieder mehr geschlafen, aber draußen ist es trotzdem finster. Gestern Nachmittag emotional völlig abgestürzt, ich vermute Hormone, gerade geht es aber wieder. Das Gesicht hat sich wieder beruhigt, die Kosmetikerin sprach bei dieser Behandlung von einem Trauma für die Haut. Also Trauma Leben mit Trauma verbessern/heilen? Interessante Herangehensweise, schlimmes mit schlimmeren verbessern? Bei der Gesichtshaut scheint das teilweise zu funktionieren, aber im Rest des Lebens? Gestern im Büro, der Tag der ungewöhnlich kurzen Beratungen, passiert mir sonst nie, dass die Leute nicht ihre volle Zeit nutzen. Aber passte, ich war eh nicht gut gelaunt und wenn die Leute nur wenige Fragen haben, auch gut. Leute die ihre Seele ausschütten, brauche ich gerade weniger, auch keine Katastrophengeschichten. Ich habe schon genug Drama und Katastrophe in meinem Leben. Heute wieder Büro mit netter Kollegin, immerhin, hier allein zu Hause sitzen, ist auf gar keinen Fall eine gute Idee. Mal schauen, ob ich heute nach der Arbeit noch einen Drogeriemarkt besuche, gerade bestellen ist so eine Sache, denn die Paketdienste sind wieder überlastet. Kein Fernsehen und keine Musik gestern, das ist mir gerade alles zu viel.

Gerade sitze ich abends bei Kerzenschein in der Stille und surfe im Internet, ist schon aufregend genug, laute Technomusik gibt es ja von den Nachbarn dazu. Dezember, Weihnachten kommt, Vorfreude sieht anders aus, nur feiern mit meinen Männern, mehr ist nicht geplant. Weihnachten war noch nie meins, da selten ein schönes Fest für mich. Weihnachten ist für mich eher wie ein Shrek Zitat: „Weihnachten ist nicht Weihnachten, wenn keiner heult.“ Immerhin geheult wurde die letzten Jahre nicht, aber spannend oder freudig ist auch was anderes. Heute einige Termine, mal sehen, ob das wieder so ein Express-Tag wie gestern wird. Dem Vater gestern abgesagt wegen der Pizza, er hat die Nachricht nur nicht bekommen und stand dann vor der Tür mit Adventskalendern für den Mann und mich. Sehr lieb, leider mag der Mann nur gar keine Schokolade, also habe ich jetzt zwei? Hier stehen noch ein Osterhase und ein Weihnachtsmann vom letzten Jahr für den Mann. So wie es scheint vorerst kein neuer Lockdown in Berlin, gut so, die Seelen gehen kaputt dabei, besonders die der Kinder, von den wirtschaftlichen Schäden mal abgesehen. Geld ist ersetzbar, aber eine neue Seele/Gesundheit kann man sich nicht kaufen.

Einsatzfahrzeuge fahren laut tönend an meinem Fenster vorbei und reizen den Vogel zum herumschreien, keine Ahnung warum er bei jeder Sirene mitschreien muss. Es ist so doppelt nervig. Draußen Krach, drinnen noch mehr Krach. Meine Musik höre ich immer noch nicht gern, zu viel Erinnerung an Zeiten, die keiner gehabt haben will. Ich höre dann besser Musik ohne Texte, der besonders ruhigen Art:

Ok, Büro, Seele und nicht ok

Guten Morgen, zu wenig geschlafen, aber ich fühle mich ok. Homeoffice gestern ok und Supervision sehr fruchtbar. Endlich einen alten Konflikt ausgeräumt. Bin am überlegen, ob heute ins Büro oder nicht, vielleicht lieber raus hier. Gestern noch Kassler, weil er wegmusste. Immer noch komisch so ein aufgeräumtes Wohnzimmer zu haben, die extreme von aufgeräumt bis Chaos sind leider beide ein Anzeichen von Manie oder Depression, deswegen bin ich da immer wachsam in der Beobachtung. Nicht mit der Chefin gesprochen, aber in der Supervision einen Plan besprochen, wie ich dieses Jahr auf der Arbeit überlebe, ich denke die Chefin wird zustimmen.

Es ist dunkel, die Straße rauscht und ich muss aufpassen, dass die Vögel kein Lied um sechs Uhr morgens singen. Heute Pizza-Abend mit dem Vater, ich bin immer noch traurig, dass es da derzeit wohl keinen Weg für mich gibt, die ehemalige Wohnung der Eltern als Mieterin zu übernehmen, statt dessen schleimen jetzt diverse Leute den Vater voll, weil sie die Wohnung zum möglichst günstigsten Preis haben wollen. Mein Vater ist da leider zu wenig Kapitalist, um einen angemessenen Preis zu fordern. Verstehe ich ja bei Freunden und Familie, aber nicht bei fremden Leuten. Gestern der Tag des kaputten Glases, erst eine Glaslampe im Keller zerstört, weil ich ein Netzwerkkabel suchte und später noch ein Kerzenglas zerstört, Scherben bringen Glück? Oder wieder Tollpatsch in the house?

Vielleicht auch meine Seele, die erwacht und sich fragt, wer diese Frau ist. Keine Ahnung, die letzte gefühlte Erinnerung ist von 2012? Das kleine Mädchen in mir hatte sich das alles anders vorgestellt. Ach lassen wir Jessie sprechen:

Keine Nacht, Fahrrad, Krähen, Bizeps und stärker

Guten Morgen, fast gar keine Nacht, konnte nicht einschlafen und bin schon wieder wach. Gestern viele, aber durchweg angenehme Kunden, kein Drama, einfach nur Fragen. Der Kaffee schmeckt und es ist noch dunkel. Gestern Nacht haben die Nachbarn noch Party gemacht, laute Fremde waren im Haus und der Technobass tönte bis nach 2 Uhr morgens. Ach wäre es schön, wenn sie ausziehen. Meinen Vortrag abgesagt, macht gerade keinen Sinn, sich während einer Pandemie für vielleicht 10 Zuhörer und einen wackligen Arbeitsplatz für immer den Ruf zu versauen. Vielleicht nächstes Jahr. Heute Lebensmittellieferung und Homeoffice, ich hoffe dieses Mal bekomme ich mein Gemüse. Die Preise sind auf jeden Fall stark gestiegen und ausverkauft ist es trotzdem schnell. Meine Vorräte werden nicht ewig halten, um den Preissteigerungen zu entgehen. Also muss mehr Gehalt her? Der erweiterte Kühlschrank, in Form einer verschließbaren Plastikbox auf dem Balkon, funktioniert gut. Der Mann kommt heute früh dabei, um das Leihfahrrad zurückzugeben, wir hoffen beide, dass er das Fahrrad so bald nicht mehr braucht. Das Urteil, dass Fahrradkurieren ein Fahrrad gestellt werden muss, kommt zu spät für ihn, er hat es immer selbst bezahlt. In der Nacht sehr viel Musik gehört, so viele vergessene Erinnerungen, so viele Texte, die ich bisher nicht verstanden habe und vielleicht immer noch nicht verstehe.

Bin müde, die Straße rauscht, von meinem blau angelaufenen Zehennagel kann ich mich verabschieden, danke Leben du findest immer Wege mich zu verschönern.^^ Die Krähen kreisen über dem Haus und singen ein Lied und mein Terrorvogel meint antworten zu müssen. Bauchschmerzen, ich habe wieder Bauschmerzen, vielleicht den Schmand zu den Pelmeni gestern nicht vertragen. Wohnzimmer immer noch Chaos, aber keine Zeit gehabt seit Donnerstagabend. Werde heute nur kurz arbeiten und mich dann um das Wohnzimmer kümmern und das Wildschweingulasch für den Vater vorbereiten. Für mich heute vielleicht entweder Kassler oder das hier. Wird seltsam, wenn die gemeinsame Zeit mit dem Vater morgen bei mir stattfinden wird, ich ahne jetzt schon, die Nachbarn freuen sich auf den kratzenden Hund. Keine Ahnung was die Zukunft bringt, keine Ahnung wie es weiter gehen soll, aber irgendwie ist es mir egal geworden, mich darum zu sorgen, es kommt, wie es kommt, vielleicht gibt es da ja irgendeinen Plan für mich, den ich nicht kenne. Ich mache einfach weiter mit atmen und arbeiten und lasse mich überraschen, sich zu sorgen ändert wahrscheinlich gar nichts, außer die Gegenwart. Amaryllis blüht wunderschön in Rot und Weiß und es ist kalt. Stärke, muss ich noch stärker werden? Reicht es nicht langsam? Mein Seelenbizeps ist jetzt schon der eines Bodybuilders, aber ich bin noch da…

Stille, Homeoffice, Abgrenzen und Mercedes

Guten Morgen, ganz passabel geschlafen und Stille hier. Gestern, die Arbeit war ok, ich spüre aber gerade noch keine Begeisterung, wie sonst immer. Die Massage danach war gut, aber ich habe zu viel gequatscht. Gegessen weiter Kartoffelsuppe. Lebensmittellieferung dann erst gegen Mitternacht und unvollständig, sämtliches Gemüse fehlt. Gehe die Arbeitswoche im Homeoffice langsam an, mache nicht so viele Termine, es kommt auch so genug Arbeit rein. Der Mann wird bald vorbeikommen, Sachen abholen von der ehemaligen Arbeit, ich bin gespannt auf seinen Büro-Look, er hatte schon lange keinen Bock mehr auf Jogginghose und T-Shirt. Der Kaffee schmeckt, Blutdruck normal und die Kippe riecht eklig, muss aber irgendwie doch sein. Heute nach Feierabend aber auf jeden Fall das Haus verlassen, spazieren oder so, ich habe genug schlechte Erfahrungen mit dem Homeoffice gemacht, um zu wissen, dass regelmäßiger Kontakt zu anderen und herausgehen zwingend sind.

Aktuell bei Zahlen über 400 möchte ich aber nicht ins Büro und dort vor Ort beraten. Außerdem hängt meine Seele auf halbmast. Abgrenzen funktioniert aber immer besser, gestern sehr schnell Nein gesagt zu einem Entlastungsgespräch und auf den Krisendienst verwiesen und die Therapeutensuche erklärt. Geht gerade nicht, mir die Abgründe anderer anhören. Heute mal wieder Videokonferenzen, mal sehen, wie das wird, so richtig vermisst habe ich Videokonferenzen nicht. Den Geburtstagskalender erneuert, zu viele Karteileichen und es fehlten die Neugeborenen und neue Kontakte. Der neue Fernseher gefällt mittlerweile doch, irgendwie überwog das schlechte Gewissen der Mutter gegenüber, dass ich „Ihren“ alten Fernseher weggeben habe. Dabei war er ein Geschenk, zur Hälfte selbst bezahlt und hatte Pixelfehler. Sehr geil, wie mir meine Mutter auch noch nach ihrem Tod vorschreibt, was ich hier in der Wohnung haben darf und was nicht. Hört die Bevormundung jemals auf?

Ein grauer Novembertag grüßt, der Vogel schweigt sofort, wenn ich die Wasserpistole auch nur in die Hand nehme, das finde ich sehr gut, sein Hormonkoller nervt hier alle. Akustisch bin ich derzeit schnell gereizt, sogar Musik nervte gestern irgendwann. Dann halt Stille für mich und ein Song meiner Mutter:

Fehldiagnosen der Überheblichkeit

Es passiert mir schon mein ganzes Leben, dass mir Menschen seelische Diagnosen aufdrücken wollen, weil sie mit mir/meinen Verhalten nicht klarkommen. Ich glaube, es begann in der Grundschule: Legasthenie diagnostizierte meine Deutschlehrerin, weil ich deutlich schlechter im Schreiben und Lesen war als die anderen Kinder. Das hatte natürlich nichts mit ihr zu tun, nichts damit das wir einfach keinen Draht zueinander fanden und ich damit nichts von ihr lernte und mich zu Hause auch niemand darin unterstützte. Als sie diese Diagnose meiner Mutter mitteilte, bekam ich Nachhilfe und nach circa sechs Monaten galt ich nicht mehr als Legasthenikerin. Später auf einem Kindergeburtstag weigerte ich mich mal das zu tun, was die Mutter, auch Lehrerin, verlangte. Sie wollte das alle Kinder die Wohnung verlassen, aber ich wollte noch beim Tisch mit den Geschenken bleiben und mir die schönen Geschenke anschauen und damit spielen. Das fand sie unerhört, sie schrie mich an, doch ich ignorierte das und blieb bei den Geschenken. Verhaltensgestört diagnostizierte sie und rief alle Eltern aus meiner Schulklasse an, um sie vor mir zu warnen. Solche Dinge passierten mir noch öfter im Leben, und zwar jedes Mal, wenn ich nicht ohne Rückfragen das tat, was man von mir erwartete.

Mein Herzarzt neulich hat mich daran erinnert, als er mir einfach eine Anpassungsstörung in den Arztbrief schrieb. Bitte was? Ist es eine Anpassungsstörung einem Arzt nicht zu vergöttern? Ihm Kompetenzen in Psychologie abzusprechen, weil er nun mal Herzarzt ist und ihm zu widersprechen? Ich wollte mich der Situation nicht anpassen, weder damals auf dem Kindergeburtstag noch neulich beim Herzarzt. Vielleicht sind es solche Menschen/Autoritäten gewöhnt, dass sich andere ihnen unterordnen, vielleicht passiert das so selten, dass jemand widerspricht, dass sie gar nicht auf die Idee kommen, dass es auch an ihnen liegen könnte. Aber vielleicht liegt es ja auch an mir, und zwar daran das ich Autoritäten nicht einfach so akzeptiere, wer eine Autorität für mich sein will, muss mich davon überzeugen. So bin ich aufgewachsen, so wurde ich erzogen, es ist weder eine Verhaltensstörung, noch eine Anpassungsstörung, es ist einfach der rebellische Dickkopf Nadine, der so lange das macht, was er für richtig hält, bis es wirklich gute Argumente gibt das Verhalten zu ändern. Wie auch immer, für mich sind das/waren das Fehldiagnosen der Überheblichkeit.

In diesem Sinne: „Fuck you, I won’t do what you tell me!“:

Hypochonder, Pizza, Frühwarnzeichen und Sonnenschein

Guten Morgen, wieder nur 6 Stunden Schlaf, aber immerhin am Stück, immer noch Zahnschmerzen, aber die Zahnärztin hat nichts gefunden, was für eine Erleichterung. Vielleicht bin ich jetzt auch ein Hypochonder, wie viele seelisch kranke Menschen nach einer Weile der Krankheit. Aber selbst wenn, nach 8 Jahren Neuroleptika mal durchchecken lassen, kann nichts so falsch sein. Damit sollte auch das Gesundheitszeugnis für die Adoption endlich greifbar sein, besser wir klären die Familienverhältnisse zu Lebzeiten. Außerdem weiß ich jetzt was los ist mit der Gesundheit und brauche mich nicht in diffusen Ängsten zu wägen. Arbeit gestern hat gutgetan, aber wieder über die Kollegin geärgert, wo die ihr Ego herhat, wahrscheinlich aus dem Land Größenwahn. Heute Pizza mit dem Vater, habe ich auch Bock drauf, für das wieder erden der davon fliegenden Tochter, gibt es heute Abend eine scharfe Chorizo-Pizza. Den Mann dazu gebracht mit mir ans Meer zu fahren, sehr schön, könnte traurig werden, da brauche ich jemanden der mich umarmt. Außerdem mag er Zugfahrten und hat Berlin seit seiner Ankunft hier kaum verlassen. Wegrennen von der Wohnung scheint gerade zu helfen, ich halte es hier nicht mehr aus, irgendwie ist das hier gerade ein Ort der Depression und einer möglichen Psychose. Mein Psychiater war beeindruckt, dass ich das kontrollieren kann, also das ich es merke, wenn ich abrutsche und in die Handlung gehe. Ich scheine meine Frühwarnzeichen mittlerweile sehr gut zu kennen und habe Gegenmittel und genug Verbündete gefunden, denen ich ehrlich mitteilen kann was gerade in meinem Kopf passiert. Das Schlimmste bei seelischen Notlagen ist nämlich die Isolation damit, isoliert wird es immer schlimmer, denn dann hilft einen Niemand und auch die Selbsthilfe wird schwierig. Freue mich auf das Büro und die Ehrenamtliche, gestern auch mit der Chefin gesprochen, dass ich meinen Urlaub erstmal absage, über 3 Wochen allein zu Hause, ist genug Erholung bzw. Wahnsinn. Ich wünsche den alten Chef alle Krankheiten der Welt und den Verlust aller sozialen Kontakte. Einfach sterben wäre zu einfach für ihn. Blutdruck und Puls unten, während der Nacht sind die Werte immer sehr niedrig, ziemlich einfach zu erklären, wenn ich schlafe habe ich keine Ängste. Die Sonne scheint, der Vogel stresst und der Kaffee schmeckt. Doch wieder bei HelloFresh bestellt, denn es gab einen 30 % Gutschein, dieses Fertiggericht essen ist auch keine Lösung. Kann auch nicht sein, das gutes, selbst gekochtes Essen nur den Männern vorbehalten ist. Ich bin auch wichtig und bestellen oder draußen Essen ist noch teurer. Meine Zahnärztin gestern war nicht überrascht über meine Ängste, das kennt sie schon, schade, dass sie mich nicht mal mutig und kämpferisch in anderen Lebenslagen kennt, bei Arztbesuchen und besonders beim Zahnarzt bin ich halt Angsthase, aber nicht generell im Leben. Es ist früh, ich mag es, wenn ich ohne Wecker erwachen kann und dann erstmal ganz viel Zeit für mich habe. Morgens durch einen Wecker geweckt werden und dann noch unter Zeitdruck stehen, ist doch irgendwie Terror. Das kann dann doch gar kein guter Tag werden, wenn man so erwacht. Versuchen wir es mit Optimismus und einem Klassiker, auf mein Leben im Sonnenschein:

Nachdenklich, Medis, Veränderung und Musik

Guten Morgen, noch müde, aber die Sonne scheint. Gestern Abend noch meine neue Aufgabe und es hat Spaß gemacht. Ich denke eine gute Truppe, die richtig liegen mit ihrer Berufswahl. Beim Psychiater war auch gut, man merkt, dass dieser Mann auch Therapeut ist, seine Aussagen haben mich nachdenklich gemacht und mir weitergeholfen. Nachdem schnell geklärt war, dass ich wohl kein neues Medikament kriege, weil damit wieder schlimme Nebenwirkungen zu erwarten sind (noch mehr Gewicht und Diabetes) haben wir uns darauf geeinigt, dass ich mein jetziges Medikament kurzzeitig minimal hochsetzten kann. Darüber hinaus stehe ich jetzt auf der VIP-Liste, heißt ich bekomme jederzeit, kurzfristig einen Termin. Es ist ein Abwägen zwischen körperlicher und seelischer Gesundheit, nehme ich noch mehr zu, sind mit Sicherheit schwere körperliche Erkrankungen zu erwarten. Aktuell ist einfach zu hoffen, dass meine seelische Belastung wieder absehbar zurückgeht, wenn ich wieder arbeite, wenn der Todestag vorbei ist usw. falls nicht, kann ich jederzeit vorbeikommen. Heute wieder Arbeit, aber erstmal im Homeoffice und dann abends zum Zahnarzt. Blutdruck unten, Puls etwas erhöht aber nicht gefährlich und der Kaffee schmeckt. Gegessen gestern einen schlechten Döner, ich wollte mal einen neuen Döner ausprobieren und habe es bereut. Aktuell bin ich in Veränderung, es ist zum Teil ein sehr gutes Gefühl und dann bekomme ich wieder Angst vor der Veränderung. Der Vogel stresst, keine Ahnung was der hört, was ich nicht höre, aber er schreit eigentlich nur, wenn er was hört oder was will. Der Sonntag mit dem Vater und gestern das Gespräch mit dem Psychiater haben mich aber für den Moment sehr fest auf die Erde zurückgeholt, keine Gedanken und Empfindungen aus dem Wunderland mehr. Aktuell scheint meine Lösung Aktivität und besonders Aktivität außerhalb des Hauses zu sein, das lenkt ab, das lässt mich, mich selbst spüren, vielleicht ist es auch ein Weglaufen, aber es funktioniert. Raus in die Welt, ab unter Menschen und Bewegung. Mit dem Mann gerade wenig Ebene, er versteht die Seelendinger einfach nicht und ich mag es auch nicht ewig erklären. Für ihn existierten seelische Krankheiten nicht, bevor er nach Deutschland kam und er mich kennenlernte. Gestern unterwegs und abends Musik gehört, Musik hilft mir gerade auch und ist deutlich interessanter als Fernsehen, liegt aber vielleicht auch daran, dass durch die Reduktion nicht nur alte Erinnerungen und Gefühle wieder erwacht sind, sondern auch mein Musikwissen, ich kann mich plötzlich wieder an so viel Musik erinnern, die ich früher gehört habe. Also für den Moment nur dieses Wunderland:

Ins Wunderland und zurück

Guten Morgen, reichlich geschlafen, war auch nötig, denn gestern war ich definitiv mit einem Fuß im Wunderland. Aber das Wunderland ist auch so verführerisch, zumindest die Eingangshalle. Die Eingangshalle bei mir hat solchen Botschaften wie: Wir lieben dich, du bist besonders, du bist einzigartig, du hast wichtige Talente, du bist die Auserwählte, wofür auch immer. Aber so schön das ist, ich kenne das schon und so habe ich gestern den Vater und einen Freund um einen Realitätsabgleich gebeten, das zusammen mit dem Schlaf hat mich jetzt erstmal zurück auf die Erde geholt. Das war alles zu viel in letzter Zeit, die Arbeit mit Menschen in extremen Notlagen, die seit Monaten anhaltenden Probleme im Team, die Schlafstörungen, der austickende Nachbar, die Ängste um meine Gesundheit und Lebenszeit und jetzt final der Ärztemarathon diese Woche mit noch mehr Ängsten und schlaflosen Nächten. Vielleicht auch zu viel allein gewesen die letzten Wochen, ich habe zwar wie eine Weltmeisterin telefoniert und gechattet, aber das scheint nicht ausgereicht zu haben. Ab jetzt wird wieder richtig geschlafen, ab jetzt keinen Ärztemarathon mehr und ab jetzt mehr raus und Menschen in echt treffen. Heute geht es zum Vater, ich denke das wird mir guttun und morgen finde ich noch einen Grund das Haus zu verlassen. Gestern dann als ich das mit dem Wunderland merkte gar nichts mehr gemacht im Haushalt, sondern versucht meinen Verstand zu retten und später dann einen Döner bestellt. Blutdruck und Herzpuls unten, auch vor den Pillen. Kaffee schmeckt und mit dem Fakt leben nicht auserwählt zu sein. Ich bin nur Nadine, die Überlebende in Berlin, die gern ein anderes Leben haben würde. Das Leben gerade ist aber auch scheiße, Corona, Homeoffice, Isolation, Gewichtszunahme, Natur dreht durch, Konto leer, Ehe klappt so nicht und die total Verrückten finden immer mich und ich sage zu selten Nein. Dazu noch die Trauer um die Mutter, die in den letzten Wochen immer stärker wurde, da sagt sogar meine Leid erprobte Seele: Es reicht mir! Dieses Mal weiß ich aber, dass diese freundliche Eingangshalle ins Wunderland nur der Anfang ist in ein Horrorland. Also schnell raus da, so schön es Anfangs scheinen mag. Ich muss mit den Fakten leben, die mein Leben ausmachen und nein dieses Mal hilft der Spruch: „Es gibt andere denen es schlechter geht!“ leider nicht. Ich glaube die meisten Leute in Deutschland wollen mein Leben, meine Geschichte nicht haben. Ich auch nicht, aber es ist nun mal meins. Draußen ist es ruhig, die Nachbarn sind trotz Vorwarnung ruhig, nur mein Vogel meint, man müsse den neuen Tag anschreien. Sonnenblumen stehen im Wohnzimmer, die Lieblingsblumen meiner Mutter, der Himmel grüßt grau und Corona ist leider immer noch nicht vorbei. Wir werden den Herbst wieder im Lockdown sitzen, mit oder ohne Impfung. Aufhören an das Gespräch mit dem Herrn X zu denken, der hatte entweder Einblick in meine Therapieakte 2005 oder ich stand damals schon zu sehr unter Stress, um irgendeine richtige Erinnerung zu haben. Damals hatte ich schon jahrelang ohne Pause gearbeitet, damals hatte ich Machtkämpfe geführt, kaum geschlafen und begegnete ihm nach 5 Energiedrinks, damit ich nicht aus den Latschen kippe. Ich sollte das alles vergessen, alles löschen in meinem Hirn, wie gern würde ich dazu die „Men in Black“ treffen, die diese Teile meiner Erinnerung einfach auslöschen. Zurück in mein Leben, es gibt nur dieses eine, ich kann es nehmen oder es lassen, es gibt keine andere Option. Es kommt kein Lottogewinn, es passiert kein Wunder. Es ist, was es ist.