Neues Bad, Hitze, Kopfkino und Frankensteins Affe

Guten Morgen, endlich keine Handwerker im Anflug, niemand erwartet, dass ich in zwei Stunden gewaschen und angezogen bin. Das neu gemachte Bad ist aber wunderbar, sieht wirklich neu aus. Die Pizza mit dem Vater war ganz gut, der Mann schläft gerade noch. Viel gelacht mit ihm, das tat gut. Die Hitze war aber gestern irgendwann unerträglich, geschwitzt und Kreislauf, trotz Kleid und Ventilator. Früher liebte ich Sonne und auch Hitze, heute komme ich mir bei Sonnenschein vor wie eine Katze, die das Wasser meidet. Immerhin gestern etwas beraten und E-Mails geschrieben, ansonsten war ich aber scheiße müde und erschöpft. Meine Ventilatoren haben gerade Dauerschicht, das hilft etwas und trinken, trinken, trinken. Aber immerhin die Wäsche trocknet auf dem Balkon im Stundentakt.

Ich brauche gerade Pause von meinem Kopfkino, das gelingt am besten durch andere Menschen, die mir was anderes erzählen, mich ablenken und damit herausholen aus der Kopfisolation. Habe neue Schuhe erhalten, eigentlich alte Schuhe, denn hohe Nike Air Force 1 hatte ich schon in den Achtzigern, wegen meiner seltsamen Füße und schwachen Gelenken. Eigentlich bin ich körperlich ganz gut gelungen, aber die Hände und Füße sind irgendwie nicht der Hit bei mir. Als hätte der Ingenieur Dr. Frankenstein da keinen Bock mehr gehabt bei der Herstellung. Regen wäre wunderbar, aber ich glaube, das können wir vergessen, aber jetzt alle Fenster aufreißen und Ventilator an, ist ein Versuch, die Raumtemperatur runterzukriegen. Heute warten drei Termine auf mich, ich glaube, das reicht mir aber dann auch.

Neues Badregal bestellt, denn das alte ist ein Opfer vom Stehpinkeln. Mein Ansatz: „Pinkel doch wie du willst, aber mache danach sauber“, funktioniert leider nicht. Keiner macht sauber, außer ich dann irgendwann, die gar nicht stehend gepinkelt hat. Der Kaffee schmeckt, eine Kerze brennt, der Stadt-Affe Nadine würde gern wieder tanzen, aber aktuell aber besser nur im kühlen Keller:

Fernseher, 2G, Lager, Büro, unfrei und laut

Guten Morgen! Der Fernseher hängt endlich! Tolle Sache, aber nicht so toll das Chaos im Wohnzimmer jetzt. Ich muss den alten Tisch entsorgen. Überlege den Vortrag nächste Woche doch noch abzusagen, denn wegen der neuen 2G Regel werden kaum Leute da sein und da es gerade beruflich wackelt, ist es fraglich, ob jetzt ein guter Zeitpunkt ist sich öffentlich als ehemalige Psychotikerin zu präsentieren. Viele Termine heute und ich wollte ins Büro, auch wenn ich da allein bin, ich muss raus hier. Früh schlafen gewesen und früh wach, obwohl der Vater gestern noch bis nach 22:30 hier war. Für den Vater Wildschwein-Gulasch gekauft, Wild liebt er und Gulasch passt nun mal zur dunklen und kalten Jahreszeit, das gibt es dann Sonntag. Immer noch nicht im Lager gewesen, ich drücke mich davor, die Mission „Entsorgung von Mama“ zu Ende zu bringen, nicht weil es körperlich anstrengend ist, sondern seelisch.

Der Kaffee schmeckt, die Verdauung läuft und neue Wimperntusche gefällt. Die Nachbarin hat schon das Haus verlassen, ansonsten aber Ruhe. Pizza gestern nicht so gut, weil zu lange im Ofen, Blutdruck heute unten. Ich vermisse meine Zeit, wo mir der Blutdruck egal war, wo ich frei in meinem Körper war. Kann man sich als gesunder, schlanker Mensch nicht vorstellen, wie es ist in seinem eigenen Körper beschränkt und gefangen zu sein. Ich bin es aber und es ist so grausam. Man möchte so viele Dinge tun und kann es aber nicht, weil der Körper nicht mitspielt. Als ehemalige Tänzerin besonders hart für mich, ich war mal so kraftvoll und frei. Heulen, schreien, das hilft alles nicht, ich sitze fest und kann mich kaum bewegen, während der Geist noch sehr frei und wild erinnert. Das ist immer die Diskussion, ob es schlimmer ist immer dick zu gewesen zu sein und die Freiheit niemals gehabt zu haben oder schlimmer ist sie genau zu kennen und verloren zu haben. Ich persönlich finde es schlimmer, die ehemalige Freiheit noch zu erinnern, aber nichts mehr davon zu haben. Wäre ich dick geboren worden, würde ich dieses Gefühl von Freiheit nicht kennen und vermissen. Ich bin so neidisch, wenn ich Leute tanzen sehe, ja sogar auf Fahrradfahrer bin ich neidisch, denn das alles kann ich nicht mehr. Die Krankheit, für mich schlimmer als Knast. Im Knast könnte ich wenigstens tanzen und die Traurigkeit über die Unfreiheit von mir zumindest temporär abschütteln.

Aber immerhin der Geist spielt noch mit und meine Stimme ist laut, vielleicht sogar lauter als früher. Aber es ist aber auch der Schmerz, der die Lautstärke meiner Stimme hat wachsen lassen. Es gibt so vieles über das ich schreien möchte und es auch tue, ja fett, alt, krank und hässlich, aber dafür kein Stück leise. Ich weiß, darauf hat die Welt gewartet!^^ Ich mache dann weiter und schreie für mich und andere rum, ich bin jetzt eine Frau mit Haaren auf den Zähnen und ich beiße, manchmal auch einfach so…