Erinnerung, Wunderland, Sheldon, Internet, Klugscheißer

Guten Morgen, bin müde und gehe wohl gleich wieder ins Bett. Erinnerung, ich muss aufpassen dabei nichts ins Wunderland abzurutschen, mein Gehirn liebt kreative Geschichten und so entstehen Geschichten sehr schnell nebenbei. Ein Drahtseilakt, sich zu erinnern und gleichzeitig nicht ins Wunderland zu wollen. Mein Kopf scheint dabei aber wieder besser zu funktionieren und sogar mein Vokabular ist wieder besser geworden. Ja da ist irgendwo noch ein kleines Mädchen in mir, dass damals immer sehr lange Diskussionen über die Welt mit deutlich älteren Studenten geführt hat. Das ist schön, dass ich wieder Kontakt habe, zu meiner weniger verletzten Seele und dem besser funktionierenden Gehirn. Irgendwer witzelte mal, ich sei wie Sheldon Copper, habe ich damals nicht verstanden und fühlte mich beleidigt, jetzt wo ich mich erinnere, verstehe ich es.

Rückblickend bin ich enttäuscht von der Menschheit, als kleines Mädchen träumte ich vom idealen Menschen, die Beobachtung hat aber ergeben, dass es keine idealen Menschen gibt. Das Internet zum Beispiel, es ist ein fast unbegrenzter, kostenloser Zugang zum weltweiten Wissen, ich dachte, weniger privilegiertere Menschen hätten damit endlich auch eine Chance alles zu erfahren und zu lernen, was sie wollen. Die Realität hat aber gezeigt, dass sie das nicht machen und sogar die eigentlich schon besser gebildeten durch das Internet tendenziell eher verblöden. Statt sich zu bilden, wird das Internet dazu genutzt, sich gegenseitig über das letzte Mittagessen zu informieren, sich zu beschimpfen oder wenig anspruchsvolle Spiele zu spielen. Schade. Einzig allein die soziale Vernetzung durch das Internet ist für mich als positiv zu bezeichnen, aber auch wieder nicht, denn irgendwo scheint ein Wettbewerb ausgebrochen zu sein, möglichst viele virtuelle Freunde zu sammeln und dabei den Überblick und jede Priorität zu verlieren. Irgendwie ist die Welt dadurch eher kalt und einsam geworden. Zig „Freunde“ im Internet, aber keiner der einen mal umarmt.

So wie es scheint, scheint das Klugscheißer-Mädchen zurück:

Nachdenklich, Medis, Veränderung und Musik

Guten Morgen, noch müde, aber die Sonne scheint. Gestern Abend noch meine neue Aufgabe und es hat Spaß gemacht. Ich denke eine gute Truppe, die richtig liegen mit ihrer Berufswahl. Beim Psychiater war auch gut, man merkt, dass dieser Mann auch Therapeut ist, seine Aussagen haben mich nachdenklich gemacht und mir weitergeholfen. Nachdem schnell geklärt war, dass ich wohl kein neues Medikament kriege, weil damit wieder schlimme Nebenwirkungen zu erwarten sind (noch mehr Gewicht und Diabetes) haben wir uns darauf geeinigt, dass ich mein jetziges Medikament kurzzeitig minimal hochsetzten kann. Darüber hinaus stehe ich jetzt auf der VIP-Liste, heißt ich bekomme jederzeit, kurzfristig einen Termin. Es ist ein Abwägen zwischen körperlicher und seelischer Gesundheit, nehme ich noch mehr zu, sind mit Sicherheit schwere körperliche Erkrankungen zu erwarten. Aktuell ist einfach zu hoffen, dass meine seelische Belastung wieder absehbar zurückgeht, wenn ich wieder arbeite, wenn der Todestag vorbei ist usw. falls nicht, kann ich jederzeit vorbeikommen. Heute wieder Arbeit, aber erstmal im Homeoffice und dann abends zum Zahnarzt. Blutdruck unten, Puls etwas erhöht aber nicht gefährlich und der Kaffee schmeckt. Gegessen gestern einen schlechten Döner, ich wollte mal einen neuen Döner ausprobieren und habe es bereut. Aktuell bin ich in Veränderung, es ist zum Teil ein sehr gutes Gefühl und dann bekomme ich wieder Angst vor der Veränderung. Der Vogel stresst, keine Ahnung was der hört, was ich nicht höre, aber er schreit eigentlich nur, wenn er was hört oder was will. Der Sonntag mit dem Vater und gestern das Gespräch mit dem Psychiater haben mich aber für den Moment sehr fest auf die Erde zurückgeholt, keine Gedanken und Empfindungen aus dem Wunderland mehr. Aktuell scheint meine Lösung Aktivität und besonders Aktivität außerhalb des Hauses zu sein, das lenkt ab, das lässt mich, mich selbst spüren, vielleicht ist es auch ein Weglaufen, aber es funktioniert. Raus in die Welt, ab unter Menschen und Bewegung. Mit dem Mann gerade wenig Ebene, er versteht die Seelendinger einfach nicht und ich mag es auch nicht ewig erklären. Für ihn existierten seelische Krankheiten nicht, bevor er nach Deutschland kam und er mich kennenlernte. Gestern unterwegs und abends Musik gehört, Musik hilft mir gerade auch und ist deutlich interessanter als Fernsehen, liegt aber vielleicht auch daran, dass durch die Reduktion nicht nur alte Erinnerungen und Gefühle wieder erwacht sind, sondern auch mein Musikwissen, ich kann mich plötzlich wieder an so viel Musik erinnern, die ich früher gehört habe. Also für den Moment nur dieses Wunderland:

Ins Wunderland und zurück

Guten Morgen, reichlich geschlafen, war auch nötig, denn gestern war ich definitiv mit einem Fuß im Wunderland. Aber das Wunderland ist auch so verführerisch, zumindest die Eingangshalle. Die Eingangshalle bei mir hat solchen Botschaften wie: Wir lieben dich, du bist besonders, du bist einzigartig, du hast wichtige Talente, du bist die Auserwählte, wofür auch immer. Aber so schön das ist, ich kenne das schon und so habe ich gestern den Vater und einen Freund um einen Realitätsabgleich gebeten, das zusammen mit dem Schlaf hat mich jetzt erstmal zurück auf die Erde geholt. Das war alles zu viel in letzter Zeit, die Arbeit mit Menschen in extremen Notlagen, die seit Monaten anhaltenden Probleme im Team, die Schlafstörungen, der austickende Nachbar, die Ängste um meine Gesundheit und Lebenszeit und jetzt final der Ärztemarathon diese Woche mit noch mehr Ängsten und schlaflosen Nächten. Vielleicht auch zu viel allein gewesen die letzten Wochen, ich habe zwar wie eine Weltmeisterin telefoniert und gechattet, aber das scheint nicht ausgereicht zu haben. Ab jetzt wird wieder richtig geschlafen, ab jetzt keinen Ärztemarathon mehr und ab jetzt mehr raus und Menschen in echt treffen. Heute geht es zum Vater, ich denke das wird mir guttun und morgen finde ich noch einen Grund das Haus zu verlassen. Gestern dann als ich das mit dem Wunderland merkte gar nichts mehr gemacht im Haushalt, sondern versucht meinen Verstand zu retten und später dann einen Döner bestellt. Blutdruck und Herzpuls unten, auch vor den Pillen. Kaffee schmeckt und mit dem Fakt leben nicht auserwählt zu sein. Ich bin nur Nadine, die Überlebende in Berlin, die gern ein anderes Leben haben würde. Das Leben gerade ist aber auch scheiße, Corona, Homeoffice, Isolation, Gewichtszunahme, Natur dreht durch, Konto leer, Ehe klappt so nicht und die total Verrückten finden immer mich und ich sage zu selten Nein. Dazu noch die Trauer um die Mutter, die in den letzten Wochen immer stärker wurde, da sagt sogar meine Leid erprobte Seele: Es reicht mir! Dieses Mal weiß ich aber, dass diese freundliche Eingangshalle ins Wunderland nur der Anfang ist in ein Horrorland. Also schnell raus da, so schön es Anfangs scheinen mag. Ich muss mit den Fakten leben, die mein Leben ausmachen und nein dieses Mal hilft der Spruch: „Es gibt andere denen es schlechter geht!“ leider nicht. Ich glaube die meisten Leute in Deutschland wollen mein Leben, meine Geschichte nicht haben. Ich auch nicht, aber es ist nun mal meins. Draußen ist es ruhig, die Nachbarn sind trotz Vorwarnung ruhig, nur mein Vogel meint, man müsse den neuen Tag anschreien. Sonnenblumen stehen im Wohnzimmer, die Lieblingsblumen meiner Mutter, der Himmel grüßt grau und Corona ist leider immer noch nicht vorbei. Wir werden den Herbst wieder im Lockdown sitzen, mit oder ohne Impfung. Aufhören an das Gespräch mit dem Herrn X zu denken, der hatte entweder Einblick in meine Therapieakte 2005 oder ich stand damals schon zu sehr unter Stress, um irgendeine richtige Erinnerung zu haben. Damals hatte ich schon jahrelang ohne Pause gearbeitet, damals hatte ich Machtkämpfe geführt, kaum geschlafen und begegnete ihm nach 5 Energiedrinks, damit ich nicht aus den Latschen kippe. Ich sollte das alles vergessen, alles löschen in meinem Hirn, wie gern würde ich dazu die „Men in Black“ treffen, die diese Teile meiner Erinnerung einfach auslöschen. Zurück in mein Leben, es gibt nur dieses eine, ich kann es nehmen oder es lassen, es gibt keine andere Option. Es kommt kein Lottogewinn, es passiert kein Wunder. Es ist, was es ist.

Homeoffice, Corona Bonus, Ego und Wunderland

Guten Morgen, ganz ok der Morgen. Genug geschlafen, auch wenn genug derzeit nur noch 7 Stunden sind. Bin ich froh heute nicht ins Büro zu müssen, aber Telefonate warten. Ihn gestern mit Lebensmitteln erfreut, ich hoffe er mag es, hat lange genug gedauert raus zu finden, was er mag, weil er aus Höflichkeit selten sagt, wenn ihm was nicht schmeckt. Aber nach knapp 2 Jahren weiß frau es halt dann doch. Gehalt ist da, mit Weihnachtsbonus, diesen sehe ich dieses Jahr aber als Corona Bonus, denn die letzten Wochen/Monate war das einfach mal viel schwierigere und mehr Arbeit. Fast nix gekauft zum Black Friday, nur eine Jacke, die ich aber auch brauche. Das Asia-Gericht aus der Kochbox war gestern nicht der Hit, erstens nur gelbe Paprika und zweitens eine Soße aus Ketchup und Essig ist nicht der Hit. Das werde ich nicht nachkochen. Entdeckt, dass hinter dem Haus mehr als ein Eichhörnchen lebt, es sind mindestens zwei, die wohl im Baum gegenüber wohnen. Das erinnert mich wieder ein paar Körner und Nüsse rauszustellen, ich mag die Eichhörnchen als meine Nachbarn und es ist seit Tagen scheiße kalt. Auf Arbeit immer noch ein Konflikt, der aus meiner Sicht auf dem sehr egoistischen Verhalten einer Kollegin beruht. Wie war das seit Corona sind wir alle Ego? Passt nur irgendwie nicht zu einem sozialen Beruf. Heute nach Feierabend unbedingt einkaufen, aber es wird wohl schon dunkel sein, wenn ich los kann. Aktuell wird es bereits um 16 Uhr dunkel, was alles andere als stimmungsaufhellend ist. Da kommt sogar mir dann bereits um 22 Uhr die Idee in den Kopf, das Schlafen eine gute Maßnahme wäre. Überlege heute vor der Arbeit den Müll wegzubringen, das nervt, dieser Anblick. Der Kaffee schmeckt, es ist dunkel und grau und ich sitze verpeilt in einem dreckigen T-Shirt vor dem Laptop. Duschen wäre gut und anziehen, heute Abend vielleicht baden. Morgen zum Vater, ich plane Spaghetti mit Shrimps in Zitronensoße, alles da dazu, außer Weißwein. Ich habe den Eindruck, dass ich endlich nicht mehr sediert bin, mein Kopf ist viel klarer und meine Persönlichkeit wieder die alte. Ich hatte vergessen wie anstrengend es ist, ich zu sein. Aber es ist auch toll, auch wenn es manchmal Angst macht. Solange ich aber keine Wahnvorstellungen habe oder Stimmen hören, werde ich das Medikament aber nicht mehr hochdosieren. Sollte ich jedoch eine Stimme hören, habe ich genug Medikamente hier um sie sofort zum Schweigen zu bringen. Auf mein gesundes Leben mit mir, ohne Stimmen, Alice möchte nicht mehr ins Wunderland.